Rainer Grell / 24.11.2019 / 16:00 / 9 / Seite ausdrucken

Toleranz zum Schleuderpreis

Kein Begriff wird in der gegenwärtigen politischen Debatte, wenn man das überhaupt so nennen kann, derart strapaziert, ja missbraucht, wie „Toleranz“. Wer hätte das rund 200 Jahre nach der Aufklärung, dem Jahrhundert Voltaires, wie die Franzosen das 18. Jahrhundert nennen (le siècle de Voltaire), für möglich gehalten.

Den Satz des französischen Philosophen Paul Valéry „Zwei Dinge bedrohen die Welt: Die Ordnung und die Unordnung“ habe ich zunächst für nicht mehr als ein Bonmot gehalten. Irgendwann glaubte ich dann, seine wahre, tiefe Bedeutung erkannt zu haben: Die Grenze zwischen „gut“ und „böse“ kann nicht messerscharf gezogen werden. Zuviel des Guten kann leicht ins Böse übergehen. An der Entwicklung der Toleranz lässt sich dies besonders deutlich erkennen: Die Intoleranz zurzeit Voltaires zeigte ähnlich verderbliche Wirkungen wie heute die (exzessive) Toleranz; Chaim Noll sprach kürzlich sogar von pathologischer Toleranz.

Voltaires "Traité sur la tolérance" (1763) lag der Fall des reichen protestantischen (hugenottischen, calvinistischen) Kaufmanns Jean Calas zugrunde, der 1762 in Toulouse hingerichtet wurde, weil er angeblich seinen Sohn, der zum Katholizismus konvertieren wollte, erdrosselt hatte. In Wirklichkeit hatte der Sohn sich in einem Anfall von Schwermut selbst erhängt, was der Vater wegen der damit verbundenen Schande vertuschen wollte. Bei der Untersuchung blieb völlig unberücksichtigt, dass der Vater die Konversion eines jüngeren Sohnes hingenommen hatte und die Familie eine katholische Magd beschäftigte. Die katholische Kirche verfügte seinerzeit noch über die vollen weltlichen Machtmittel, wobei – darin dem Islam nicht unähnlich – auf alles und jedes die Todesstrafe stand. Calas wurde zur grausamen Strafe des Räderns verurteilt und hingerichtet. Voltaires Einsatz war erfolgreich und führte 1785 zur Rehabilitierung von Calas und Entschädigung seiner Familie.

Emile Zola hat sich 1898 in ähnlicher Weise in einem offenen Brief an den Präsidenten der französischen Republik in der Zeitung „L’Aurore“ (Morgenröte) für den verurteilten jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus eingesetzt: „Ich klage an“ (J’accuse – Der Titel stammt allerdings nicht von Zola selbst, sondern „war vom damaligen Chefredaktor dieser Zeitung, dem späteren Politiker Georges Clemenceau, gewählt worden“, wie Urs Bitterli festgestellt hat). „1986 erklärte Frankreich das Manuskript zum nationalen Kulturerbe, erwarb es für 5 Millionen Francs und bewahrt es seither als Unterpfand demokratischer Tugend in der Bibliothèque Nationale.“ Eine Information, die wir Rolf-Bernhard Essig verdanken (bei Wikipedia findet sie sich ebenfalls in der französischen Fassung [wobei dort als Erwerbsjahr 1991 angegeben ist], nicht dagegen in der deutschen).

Die volle Wucht der Intoleranz

Das Engagement Zolas wird allerdings nicht unter dem Stichwort „Toleranz“ geführt, sondern unter „Meinungsfreiheit“. Das ist sicher nicht verkehrt, lässt aber leicht vergessen, dass die Intrigen gegen Dreyfus bis hin zu dem Skandalurteil Ausfluss einer antisemitischen Einstellung vor allem in Kreisen des Militärs war, also letztlich auf einem Mangel an Toleranz beruhte. 

Die volle Wucht der Intoleranz gegenüber den Hugenotten ("les huguenots"), wie die calvinistischen Protestanten in Frankreich hießen (zur Etymologie s. hier), hatte sich bereits knapp 200 Jahre vor dem tragischen Fall des Jean Calas am 23./24. August 1572 in der so genannten Bartholomäusnacht entladen, einem Pogrom, dem Tausende zum Opfer fielen. In der Folgezeit verließen rund 200.000 Hugenotten das Land, wobei nicht wenige Zuflucht in Preußen fanden (wo jeder, laut Friedrich II., dem Großen, nach seine Fasson selig werden konnte). Ein gewaltiger geistiger und wirtschaftlicher Aderlass für Frankreich, wie er sich in Nazi-Deutschland nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereignete und schließlich ab 1941 in der Shoa kulminierte.

In seinem Buch „Der ewige Antisemit“ (Fischer 1986) zitiert Henryk M. Broder einen fürchterlichen Satz von Jean Améry: „Jude sein heißt, sich ständig der ‚Endlösung‘ als einer Wirklichkeit von gestern und einer Möglichkeit von morgen bewußt sein.“ Denn: „Der Antisemitismus hat sich bis jetzt gegen jede Aufklärung als immun erwiesen.“ Und, ob wir es nun hören wollen oder nicht: „Es wird gerne übersehen, daß einige der größten Aufklärer und Sozialisten Antisemiten waren, Voltaire und Proudhon, Fichte und [der Jude] Marx, Kant (sic!) und Fourier zum Beispiel.“ Es gibt eben nicht nur „Große Menschen mit kleinen Macken“, sondern auch mit großen.

Am 26. September haben meine Frau und ich – nach Voranmeldung bei Seyran Ateş – die Ibn Rushd-Goethe Moschee im 3. Stock der evangelischen St. Johanniskirche in Berlin-Moabit und am nächsten Tag die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte besucht. Die rigorose Kontrolle im Eingangsbereich der Synagoge, bei der ich sogar meinen Hosengürtel ablegen und mein Taschenmesser abgeben musste, hat mich nicht verärgert, sondern mit Scham darüber erfüllt, dass so etwas nach alledem, was Deutsche den Juden angetan haben, immer noch oder wieder im Herzen der deutschen Hauptstadt notwendig ist. Wie notwendig zeigte sich kurz darauf, als am 9. Oktober ein Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale) verübt wurde, bei dem zwei Menschen erschossen wurden, „eine Schande für unser Land“.

„Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“

Es besteht also mehr als ausreichender Anlass für Toleranz gegenüber religiösen und anderen Minderheiten. Doch, wie schon gesagt, man kann auch zu viel des Guten tun. Niemand hat das auf eine knappere und präzisere Formel gebracht als Thomas Mann, der im „Zauberberg“ (1924) den „Aufklärer“ Ludovico Settembrini seinen Schützling, den jungen Ingenieur Hans Castorp, belehren lässt: „Dem Problem der Toleranz dürften Sie kaum gewachsen sein, Ingenieur. Prägen Sie sich immerhin ein, daß Toleranz zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt.” 

Der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper hat den Gedanken 20 Jahre später in seinem Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (Erstausgabe Englisch 1944) so erweitert (kurioserweise in den 166 Seiten umfassenden Anmerkungen des ersten Bandes):

„Weniger bekannt [als das Paradox der Freiheit, das „dem Gangster ermöglicht, die Friedfertigen zu versklaven] ist das Paradox der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. – Damit wünsche ich nicht zu sagen, daß wir z. B. intolerante Philosophen auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig.

Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken; denn es kann sich leicht herausstellen, daß ihre Vertreter nicht bereit sind, mit uns auf der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen, und beginnen, das Argumentieren als solches zu verwerfen; sie können ihren Anhängern verbieten, auf rationale Argumente – die sie ein Täuschungsmanöver nennen – zu hören, und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben, Argumente mit Fäusten und Pistolen zu beantworten. Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, daß sich jede Bewegung, die die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.“

Wenn man es nicht besser wüsste, würde man diese Ausführungen haarscharf auf die Gegenwart beziehen, die durch eine unterschiedliche Behandlung „der Rechten“ und der Islamisten durch den „Mainstream“ in Politik und veröffentlichter Meinung sowie auch Teilen der „Wissenschaft“ gekennzeichnet ist – wobei „die Linken“ erstaunlicherweise auf der Seite der „Opfer“ kaum auftauchen, sondern überwiegend bei den „Tätern“ zu finden sind.

Komplett degeneriertes Verständnis von Toleranz

Mitten in der Gegenwart bewegt sich dagegen Henryk M. Broder mit seiner „Kritik der reinen Toleranz“ (2008). Seine Beispiele für ein heute vielfach komplett degeneriertes Verständnis von Toleranz können einem glatt den Magen umdrehen. Sein Fazit auf den letzten Seiten wirkt daher wie eine Erlösung:

„Falls Sie bis jetzt dabeigeblieben sind, könnte bei Ihnen der Eindruck entstanden sein, dass ich kein Anhänger der reinen Toleranz und eher bereit bin, der gezielten Intoleranz das Wort zu reden. Ihr Eindruck ist richtig. Ich halte Toleranz für keine Tugend, sondern für eine Schwäche – und Intoleranz für ein Gebot der Stunde.“ 

Wenn er auch Thomas Mann und Karl Popper nicht zitiert, so besteht für den Kundigen doch kein Zweifel, dass Broder sein Verdikt in deren Sinn verstanden wissen will. Und als zusätzlicher Aspekt: Toleranz als „ungedeckter Wechsel auf die Zukunft“, „ein Angebot an den Sieger von morgen: Ich verschone dich heute, bitte merke es dir gut und verschone mich, sobald du an der Macht bist.“ Eine spekulative aber durchaus naheliegende („begründete“) Behauptung.

Eine opportunistische Haltung, die übrigens Michel Houellebecq in seinem Buch « Soumission » (Unterwerfung) literarisch weiterentwickelt hat (2015). Der Literaturwissenschaftler François, die Hauptfigur des Romans, erwägt, zum Islam zu konvertieren („Islam“ bedeutet Unterwerfung [unter den Willen Allahs], woraus Houellebecq den Titel ableitet), um eine lukrative Professur an der Sorbonne antreten zu können, die ihm unter dem neuen islamischen Staatspräsidenten Frankreichs (2022), Mohammed Ben Abbes, angeboten wurde. Dabei reizt François zusätzlich, dass die inferiore Stellung der Frauen im Islam seinen promiskuitiven sexuellen Gewohnheiten sehr entgegen kommt.

Das linke Toleranzdiktat

Für den Journalisten Samuel Schirmbeck (auch auf der Achse dank Air Tuerkis kein Unbekannter) ist „Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam“ Anlass für sein Buch „Gefährliche Toleranz“ (21. September 2018); denn die Toleranz der deutschen Linken „dem Islam gegenüber duldet alles, was der aufgeklärten deutschen Gesellschaft und was freiheitsbewussten Musliminnen und Muslimen in Deutschland und in der islamischen Welt schadet.“ Und: „Das linke Toleranzdiktat hat viele Lehrerinnen und Lehrer veranlasst, die Augen vor religiös motivierten Unverschämtheiten muslimischer Schüler zu verschließen, aus Angst, als ‚islamophob‘ und ‚fremdenfeindlich‘ an den Pranger gestellt zu werden.“

In der heutigen Realität hat die Perversion der Toleranz geradezu Orwellsche Ausmaße erreicht („Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke"), mögen sich ihre Repräsentanten auch noch so sehr gegen eine solche Einschätzung wehren und sich auf der Seite der Guten wähnen. Doch eines nicht zu fernen Tages könnten da „Heulen und Zähneklappern“ sein. Das ist dann die Stunde der Apologeten, wie wir sie schon einmal erlebt haben. 

Da kommt ein Buch-Beitrag des evangelischen Pfarrers und ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck („in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch“) zum Thema gerade rechtzeitig: „Toleranz: einfach schwer“ (18. Juni 2019). Doch Gauck hat seine Lektion gelernt: „Die Toleranz würde untergehen, wenn wir auch gegenüber der Intoleranz tolerant wären“, so ließ er sich bei Markus Lanz sowie auch im „Nachtcafé“ vernehmen, wo er sogar das „Paradox“ der Toleranz anspricht, ohne freilich Popper zu erwähnen. In seinem Buch erläutert Gauck an 12 Aspekten, was er unter Toleranz versteht. Ich hebe nur die hervor, die mir besonders aufgefallen sind: „Toleranz wird nur dann erforderlich, wenn mich eine Differenz gegenüber dem anderen erkennbar stört.“ „Toleranz ist ... eine Zumutung. Denn das Toleranzgebot fordert mich auf, zu ertragen, zu erdulden, zu respektieren, was ich nicht oder nicht vollständig gutheiße.“ „Der Toleranz ist ein innerer Widerspruch zu eigen. Denn Toleranz, in aller Konsequenz gelebt, führt zur Abschaffung der Toleranz.“ Hier zitiert er „Karl Poppers Mahnung“. Außerdem plädiert er „für eine kämpferische Toleranz“, worunter er versteht: „Differenz zu ertragen und mit der Differenz zu leben, heißt keineswegs, sie passiv und als unveränderbar hinzunehmen. Toleranz schließt den Wunsch nach Veränderung und Erneuerung ... nicht aus“. Im Schlusskapitel greift er diese Idee nochmal auf und überschreibt dieses mit „Für eine kämpferische Toleranz“. Letztlich bedeutet das nichts anderes, als dass jeder „bewusste Demokrat ... sein überzeugtes Ja zur Toleranz ergänzen [muss] durch ein entschlossenes Ja zur Intoleranz, nämlich dann, wenn Freiheit und Toleranz bedroht sind und ausgelöscht werden sollen.“

Als ich diesen Beitrag gerade abschließen wollte, hat Seyran Ateş mich auf eine Veranstaltung der Wüstenrot Stiftung im Stuttgarter Theaterhaus aufmerksam gemacht. Mit dem früheren Richter am Bundesverfassungsgericht Udo di Fabio diskutierte sie unter der Moderation von Thea Dorn über „Freiheit und Toleranz“. „Verlangt eine wohlverstandene Toleranz, abweichende Meinungen nicht bloß zu dulden, sondern als wertvoll anzuerkennen? Oder gehört es zu den liberalen Tugenden, manchen Einstellungen mit zivilisierter Verachtung zu begegnen?“ So fragte der Veranstalter in seiner Programmankündigung und verwendete dabei einen Begriff des schweizerisch-israelische Autors Carlo Strenger, den ich auf der Achse ausführlich behandelt habe: „Zivilisierte Verachtung” – kann es das geben? 

Die Veranstaltung war wegen der Brillanz der Beteiligten ein intellektueller Genuss. Thematisch nahm allerdings die Freiheit den bei weitem größten Raum ein, während von Toleranz relativ wenig die Rede war. Seyran Ateş machte deutlich, was sie in der von ihr gegründeten liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin-Moabit auch praktiziert: Der Einzelne muss selbst entscheiden, wie er seine Spiritualität leben will. Das unterscheidet den toleranten spirituellen Islam vom politischen Islam, dem es um Herrschaft und Macht geht. Religionen und Weltanschauungen, die mit dem Anspruch der absoluten Wahrheit auftreten, kennen keine Toleranz und dürfen, wenn sie diesen Anspruch auch praktizieren, nicht toleriert werden.

An die Adresse der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die offenbar stolz darauf sind, den Mainstream zu repräsentieren, betonte Udo di Fabio, dass Pluralismus und nicht Mainstream dem Grundgesetz entspräche. Bei dem unvermeidlichen Thema „islamisches Kopftuch“ wiesen beide darauf hin, dieses mit dem weltanschaulichen Neutralitätsgebot des Staates bei Vertreterinnen eben dieses Staates nicht toleriert werden könne.

Nach alldem ist manch einer vielleicht versucht, mit Goethes Faust zu seufzen: „Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor!“ Da könnte die Weisheit des Aufklärers (ja, wirklich) Adolph Freiherr (von) Knigge weiterhelfen: „Die Wahrheit liegt immer in der Mitte und eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, weil man immer beide anhören muss.“

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Arnauld de Turdupil / 24.11.2019

Auch in der Sucht gibt es eine sich zusehends entwickelnde Toleranz: Der/die Abhängige braucht immer mehr von der berauschenden bzw. schädlichen Substanz, um deren Wirkung weiter zu spüren. Man muss z.B. immer mehr saufen (“Gewöhnung”, “Toleranzentwicklung”), um die Realität aus dem Bewusstsein zu schaffen, wobei sich zusehends andere, allerdings unangenehme toxische Nebenwirkungen zeigen. In die Manege der Realität drängen sich dann eingebildetes Turbo-Hasshetzing, weisse Mäuse, blaue Nazis und zuletzt das Delirium. (Morbus Knopp - a.k.a. “Nazi-Delir im TV-Modus”). Gewisse Leute beginnen zu zittern, aber sie erkennen trotzdem keine Obergrenzen der für sie noch zuträglichen Substanzmengen. Gefährlich sind dabei auch besonders die Co-Abhängigen, die den/die Abhängige/n von der Realität abzuschirmen suchen (“Blasenbildung”, “Teppichbeissen” bei unangenehmen Nachrichten). BTW: Süchte sind austauschbar. Des einen Schnaps ist der anderen Nichtsmitnichtszufuhr. Zuviel von beidem ist unbedingt schädlich.

B. Ollo / 24.11.2019

Dabei erfordert Toleranz ja oft eine Vorstellung von einem Ideal, wenn man von der Wortherkunft etwas ab- und die Verwendung genauer ansieht. Im technischen Bereich sind Toleranzen erlaubte Abweichungen vom idealen und optimalen Zustand, deren Überschreitung die Funktion, Sicherheit, Haltbarkeit usw. beeinträchtigen. Dort beschreiben sie eigentlich das Gegenteil, die Intoleranz. Sie beschreiben, wie viel Abweichung eine Sache verträgt, bevor sie unbrauchbar oder zerstört wird. Es wird heute immer von Toleranz geredet, als müsse diese gegenüber allem unendlich sein, dabei sind Toleranzen meist winzige Spielräume, die man hat. Auch manch eine Pflanze oder Lebewesen braucht ein ganz spezielles Klima, mit sehr engem Temperaturbereich, geht ansonsten sofort ein. Toleranz kann man eigentlich gar nicht beliebig ändern, sondern ist in einer bestimmten Menge gegeben. Eigentlich ist Toleranz in der üblichen Verwendung also der falsche Begriff. Was immer gefordert wird ist eigentlich Ignoranz der persönlichen Toleranz. “Ein jeder solle” seine Toleranz-Grenzen einfach ignorieren.

Thomas Weidner / 24.11.2019

Zum Anschlag von Halle sollte aber schon angemerkt werden, dass Mörder geistig/seelisch so kaputt war, dass er, nachdem er Gott-sei-Dank zu blöde war, die solide Eingangstür zur Synagoge aufzubekommen, aus Frust bzw. als Ersatzhandlung oder besser als Ersatzmord zwei völlig Unbeteiligte, die ihm gerade über den Weg liefen, umbrachte.

Richard Loewe / 24.11.2019

In Was ist Aufklärung? schreibt Kant, dass die wichtigste Freiheit die der freien Meinungsaeusserung ist und die von keinem anderen als einem selbst zu beschneiden ist. Die einzige Gruppe, die ihre Meinungsaeusserung einschraenken sollte, sind die Autoritaetstraeger. Aber selbst die haben unter sich und im Privaten keinerlei Grenzen. Der preussische Beamte hielt sich dran, deswegen der verkniffene Gesichtsausdruck in den meisten Portraits: die verkniffen sich gegenueber dem Buerger ihre Meinung kundzutun. Heute ist umgekehrt: der Buerger muss der Meinung der oberen folgen.

Dirk Jungnickel / 24.11.2019

Ein wichtiger und unverzichtbarer Beitrag, für den wir höchst dankbar sein sollten.  Nicht selten wird heute Toleranz als unverzichtbare Tugend gepriesen, absolut gesetzt und als als Terminus schlicht missbraucht. Mit dem Totschlagargument der Intoleranz werden gar kontroverse Debatten beendet und “ideologisierte”  Thesen aufgestellt.   Nur hier wäre nach meiner Meinung einzuhaken: “Das unterscheidet den toleranten spirituellen Islam vom politischen Islam, dem es um Herrschaft und Macht geht.” Zwar gibt es bekanntlich diverse Spielarten des Islam, aber einen toleranten spirituellen Islam als solchen sucht man vergebens. Es ist nahezu gefährlich und gleicht dem Pfeifen im Walde, wenn man darauf abhebt. Der “normale” Islam wird solche Bestrebungen gnadenlos bekämpfen.  Reformatoren landeten schon im Mittelalter auf dem Schafott . So wie der Kommunismus von Beginn an totalitär und gegenüber seinen Gegnern intolerant und vernichtend agierte,  wird sich der Islam analog verhalten. Übrigens : Der Terminus Sozialismus war und ist nur ein Feigenblatt !

Morphou Katachiotou / 24.11.2019

Die Linken fallen Frauen wie meinen Töchtern und mir (Migrationshintergrund) total in den Rücken.Ich habe sie einst für diejenigen gehalten,die auf unserer Seite sind.Das ist noch gar nicht so lange her,aber jetzt absolut umgekehrt! Das sind nicht mehr “meine” Linken…

Morphou Katachiotou / 24.11.2019

Übrigens wird momentan kein anderes Wort so sehr instrumentalisiert wie “Instrumentalisierung”...

Rudi Knoth / 24.11.2019

Beim Toleranzparadoxon von Karl Popper scheint es aber Fragen der Auslegung über die heutigen Verhälltnisse zu geben. Manche “Linke” legen dies so aus, daß ddie “Rechten” (AfD, PEGIDA oder Bernd Lucke) die Intoleranten seien.

Andreas Kudnick / 24.11.2019

Toleranz kann und darf keine Einbahnstraße sein.

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