Gastautor / 09.12.2019 / 10:00 / Foto: Pixabay / 223 / Seite ausdrucken

„Tod durch Sturz?“

Die tödliche Attacke auf einen Feuerwehrmann in Augsburg beschäftigt die Menschen bundesweit. Der Autor dieses Beitrages stammt aus Augsburg und hat eine vorläufige und persönliche Chronik der Ereignisse und der medialen Reaktionen zusammengestellt. 

Von Boris Reitschuster.

Vielleicht ist es naiv, vielleicht war ich zu lange in Moskau und Berlin (einer Mischung aus Sowjetunion und Westen): Im Vergleich zu diesen beiden Städten hielt ich meine Heimatstadt Augsburg immer noch für eine heile Welt. Bisher. Vor allem den wunderschönen Christkindlesmarkt dort auf dem Rathausplatz: Die weihnachtliche Romantik vor historischem Ambiente ist für mich der Inbegriff des Advents, der Jahreszeit des Friedens. Nicht nur wegen der Kindheitserinnerungen.

Diese Weihnachts-Idylle haben am Freitag auch ein 49-jähriger Augsburger mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar genießen wollen. Auf dem Heimweg kam es im Herzen der Stadt zu einem Streit mit einer „Gruppe von sieben Männern“, der eskalierte. Das Internetportal „Presse Augsburg" berichtet unter Berufung auf einen Augenzeugen, die sieben Männer seien grölend über den Königsplatz gelaufen. Das Opfer und seine Begleitung hätten die Gruppe um Ruhe gebeten. Stattdessen sei die Gruppe noch lauter geworden und habe Dosen über den Platz getreten. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Zu Gewalt. Zu Brutalitäten. Der 49-Jährige, dessen Beruf es war, unter Einsatz seines Lebens andere Menschen zu retten – er war Feuerwehrmann –, starb. Vor den Augen seiner Frau und seiner Freunde. Weil er das zeigte, woran es so mangelt in unserer Gesellschaft: Zivilcourage. Der Familienvater bezahlte sie mit dem Leben. Auch der zweite Mann erlitt heftige Verletzungen. Die sieben jungen Männer flüchteten. 

Ich bin bestürzt. Und voller Trauer. Meine Gedanken sind bei dem Opfer und seiner Frau, die laut Polizei wegen ihres psychischen Zustands zunächst nicht vernehmungsfähig war. Bei den Freunden, den Hinterbliebenen. Sie hatten sich sicher auf Weihnachten gefreut, auf den Besuch des Christkindlesmarktes, einem Ort des Friedens und der Harmonie. Jetzt wird für sie nichts mehr so sein, wie es früher war. An der Stelle des 49-Jährigen hätten meine Brüder sein können – einer von ihnen hat seine Kanzlei nur wenige Schritte entfernt. Oder meine Eltern. Verwandte sagten mir heute am Telefon, mein Bild von Augsburg sei "veraltet" und "schöngefärbt": Sie klagen, dass sie sich seit einiger Zeit in bestimmten Bereichen der Augsburger Innenstadt nicht mehr sicher fühlten. Dass man dort damit rechnen müsse, von einer "bestimmten Klientel" angepöbelt zu werden. Dass man darüber aber ungern spreche. Was ist nur aus meiner Stadt geworden? 

Auf twitter und auf facebook schrieb ich am Samstag spontan über meine Verwunderung, dass die Polizei trotz dreier Augenzeugen und umfassender Videoüberwachung bei ihrem Zeugen-Suchaufruf keine Beschreibung der Täter veröffentlichte, keinerlei Angaben, nichts. Prompt kam Protest. So ein Vorgehen schreibe der Pressekodex vor, kommentierte Phil Hackemann von der Bayerischen FDP auf twitter. Wenn ich mich richtig erinnere an die Zeit, als ich noch Polizeimeldungen schrieb, waren Zeugen-Such-Aufrufe immer mit Täterbeschreibungen versehen – ohne sie scheinen sie ja auch wenig Sinn zu machen. (Polizeimeldungen schrieb ich übrigens bei der Augsburger Allgemeinen, die ich damals noch für viel zu rechts hielt, und die heute offenbar die taz links überholen will und so viele Leser in dem eher konservativen Augsburg vor den Kopf stößt und damit journalistischen Selbstmord begeht.) 

Normalerweise typisch für autoritäre Staaten

Aber dennoch: Ich kenne viele Polizisten, gerade auch in Augsburg, persönlich und schätze sie sehr (weiß aber leider auch, wie hoch teilweise der "politische" Druck ist, unter dem sie stehen): Und deshalb halte ich es durchaus für glaubwürdig (aber eben auch alles andere als sicher), dass die Polizei wirklich aus ermittlungstaktischen und nicht aus anderen Gründen zunächst keine Angaben zu den Tatverdächtigen machte. Dass dieses Schweigen inzwischen – anders als wohl vor einigen Jahren – aber bei vielen, auch bei mir, zunächst fast schon reflexhaft Misstrauen auslöst, zeugt von einem beschädigten Urvertrauen in die Polizei beziehungsweise die politisch Verantwortlichen in Deutschland. 

Normalerweise ist es typisch für autoritäre Staaten, dass die Menschen zwischen den Zeilen lesen müssen. Ich habe das in 16 Jahren als Korrespondent in Moskau am eigenen Leib erlebt. Und russischen Freunden bei jeder Gelegenheit erzählt, in Deutschland sei das nicht so, unsere Medien würden immer schreiben, was ist. Eigentlich müsste ich mich heute bei diesen Freunden für Desinformation entschuldigen, auch wenn sie in bestem Glauben erfolgte, nur eben aus Naivität. Es bestürzt mich zutiefst, dass wir jetzt in Deutschland Zustände haben, die trotz aller grundlegenden Unterschiede zumindest in manchem eine gewisse Ähnlichkeit haben mit dem, was ich in Russland erlebt habe. 

Mit dem Hinweis auf den "Pressecodex" wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren allzu oft gerechtfertigt, dass die Dinge nicht beim Namen genannt wurden. Dabei ist das Resultat dieser Praxis allzu oft absurd, wie im Falle des tragischen Todes von Augsburg: Bei einer "Gruppe von sieben jungen Männern", die nicht näher bezeichnet und für einen gewaltsamen Übergriff verantwortlich gemacht wird, werden die wenigsten Leser an Augsburger Domsingknaben denken. Gerade das allzu häufig anzutreffende Verschweigen und Verschleiern löst genau das aus, was es nach Absicht seiner Betreiber verhindern soll – dass bei so einer Meldung wohl die meisten Leser sofort zwischen den Zeilen lesen und in eine bestimmte Richtung denken. Und damit im jeweiligen konkreten Fall durchaus falsch liegen können. 

Die politische Korrektheit führe die westliche Welt in den Abgrund, mahnte der litauische Ex-Staatschef Vytautas Landsbergis erst kürzlich im Interview mit mir: Sie sei nichts anderes als die Lüge. Den Deutschen wirft er vor, sie mieden Tabuthemen. An die Worte des weisen (und weißen) alten Mannes musste ich denken, als ich die schreckliche Nachricht von Augsburg las. Genauer gesagt – manche Berichte.

Ich will informiert werden und kein „Framing“

Der Bayerische Rundfunk schrieb über den tragischen Tod: „Nach dem Besuch des #Augsburg|er Weihnachtsmarktes ist ein Mann bei einem handgreiflichen Streit mit einer Gruppe junger Männer tödlich verletzt worden. Er stürzte dabei so schwer, dass er wenig später verstarb.“ Die Augsburger Allgemeine schrieb in einer Video-Unterschrift: „Am Freitagabend ist ein Mann am Königsplatz nach einer körperlichen Auseinandersetzung gestorben.“

Als ich das las, wurde ich wütendIch komme mir als Leser dumm verkauft vor – insbesondere als Gebührenzahler, denn die Nachrichten des Bayerischen Rundfunks muss ich auch noch mit meinem Geld mitfinanzieren. Dafür will ich informiert werden, und kein "Framing" und keine Verharmlosung erhalten. Wenn suggeriert wird, der Sturz sei die Todesursache, klingt das für mich wie Hohn. Fast so, wie wenn man nach einem Erschießen sagen würde, das Opfer sei an "inneren Verblutungen" gestorben. 

Das erinnert etwas an den Fall im sächsisch-anhaltinischen Köthen im Sommer 2018, als afghanische Asylbewerber einem jungen Mann Tritte gegen den Kopf versetzten, der deren Streit um die Schwangerschaft einer Frau schlichten wollte und in der anschließenden Prügelei zu Boden gegangen war. Nicht durch Schläge und Tritte sei das Opfer ums Leben gekommen, sondern an einem Herzinfarkt gestorben, hieß es später: Die Ermittler sprachen von einem „versagensbereiten Herz“ (ich würde eher von "versagensbereiten" Behörden sprechen). 

Mit solchem "Framing" und Verharmlosen verspielen Medien, insbesondere die öffentlich-rechtlichen, das Vertrauen der Menschen – das bei sehr vielen ohnehin schon sehr gering ist. Was in den sozialen Medien teilweise spekuliert wurde – angeheizt durch das in den vergangenen Jahren so verbreitete „betreute Informieren“ mit all seinen Auslassungen, dass es sich bei den Tatverdächtigen um „Flüchtlinge“ handeln könnte, hat sich nicht bestätigt. Wohl aber die Spekulation, dass es sich nicht um „Bio-Deutsche“ handelte. Wie kommt es dazu, dass heute Spekulationen allgegenwärtig sind? 

Ich frage bei meinen Vorträgen vor Staatsdienern aus dem Sicherheitsbereich regelmäßig, wie viele von ihnen noch Vertrauen in die großen Medien haben. Oft meldet sich gar niemand, so gut wie nie mehr als einzelne Zuhörer. Dieses Phänomen, das ich seit Jahren hautnah erlebe, war für mich einer der Gründe, die Rolle und Wahrnehmung des eigenen Berufsstandes in Deutschland kritisch zu hinterfragen. Erstaunlich ist die Reaktion von vielen Kollegen, wenn man sie auf diesen massiven Vertrauensschwund hinweist – sie negieren, also verdrängen ihn. Typische Reaktion: "Wir haben klasse Medien, aber die Leute verblöden". Oder Attacken auf mich, den Überbringer der schlechten Nachricht. Ich halte solche Arroganz und Ignoranz für eine der Ursachen der Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft.

Die politische Korrektheit sei so gefährlich, weil sie „daran hindern solle, auszusprechen, was uns nicht gefällt ", mahnt Litauens-Ex-Staatschef Landsbergis: Die Lüge würde so übermächtig, "weil der Mensch dazu neigt, sich selbst zu betrügen. Der Mensch liebt die Wahr­heit nicht und auch nicht, sich selbst im Spiegel anzusehen. Er liebt es, den Spie­gel durch etwas anderes zu ersetzen – das ihm genau das Bild zeigt, das er se­hen will. Genau dieser Wunschspiegel ist die politische Korrektheit."

Wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt

Wer verharmlost und verschleiert, macht sich mitschuldig. Nur durch das Aussprechen und Benennen von Problemen können diese erkannt und dann auch bekämpft werden. Als noch unklar war, wer die Tatverdächtigen von Augsburg waren, verbot sich jede Spekulation. Egal, in welche Richtung. Klar ist allerdings, wie die mediale und polizeiliche Reaktion in diesem und in vielen, vielen anderen ähnlichen Fällen in eine Sackgasse führt, Ängste schürt und weiter zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. 

Auf twitter kommentierte ein Leser meinen tweet sinngemäß: "Wenn es Deutsche gewesen wären, hätten wir schon lange eine Täterbeschreibung". Kurz darauf war der Kommentar gelöscht. Offenbar war er dem Autor selbst zu heikel (hoffentlich nicht den Administratoren von twitter). So politisch inkorrekt der Kommentar auch sein mag – er gibt genau wieder, was hinter vorgehaltener Hand spekuliert wird und wie erschüttert das Vertrauen in die Medien und auch in die Polizei ist. 

Um zu sehen, wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt, muss man nur einmal den Lackmus-Test machen: Wer würde erwarten, dass ein Medium den Sturz als Todesursache herausstellen würde, wenn die Tatverdächtigen Rechtsradikale wären? Umgekehrt führt dann eben auch das Betonen des Sturzes zu bestimmten Schlussfolgerungen. Spekulationen sind so Tür und Tor geöffnet. Meldungen werden bei heiklen Themen nicht mehr für bare Münze genommen, sondern man liest fast schon automatisch zwischen den Zeilen – mögliche Fehlinterpretationen inklusive. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ist eine Bankrotterklärung für unseren Journalismus. Dazu passt dann leider auch, wenn Kollegen, statt selbstkritisch in sich zu gehen, (potenzielle) Leser beschimpfen und ihnen unanständige Absichten unterstellen, wie hier:

"Kö Attacke: Fakten statt haltloser Behauptungen", heißt es in der Augsburger Allgemeinen, "ohne Untermauerung wurde in sozialen Medien kolportiert, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handle. Manch einem wäre das wohl ganz recht gewesen".

Vor allem der Videoüberwachung zu verdanken

Im Falle des tragischen Todes von Augsburg haben nach den Merkwürdigkeiten am ersten Tag die meisten Medien durchaus korrekt berichtet. Inzwischen hat die Polizei sechs Tatverdächtige festgenommen. Der schnelle Ermittlungserfolg sei vor allem der Videoüberwachung zu verdanken, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ob etwa in Berlin so rasch ein Fahndungserfolg möglich gewesen wäre, ist mehr als fraglich: Der rot-rot-grüne Senat in der Hauptstadt hat selbst an Kriminalitätsschwerpunkten Videoüberwachung bislang konsequent verhindert, mit Hinweis auf Datenschutz (für Täter?). 

Der mutmaßliche Haupttäter von Augsburg ist nach Angaben des bayerischen Innenministeriums „ein in Augsburg geborener 17-Jähriger mit deutscher und anderen Staatsbürgerschaften“, so die häufig anzutreffende Formulierung. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung handelt es sich bei den „anderen Staatsbürgerschaften“ um die türkische und libanesische. Ein zweiter Festgenommener ist ebenfalls in Augsburg geboren, 17 Jahre alt und hat eine „südeuropäische Staatsbürgerschaft“ – laut Bild die italienischen. Beide gelten als "polizeibekannt", die neudeutsche Umschreibung für Wiederholungstäter.

So korrekt diese Informationen in den meisten Medien wiedergegeben wurden – so sehr lässt sich über die Gewichtung und der Setzung der Akzente streiten. In der 20-Uhr-Tagesschau der ARD am Sonntag gab es nach einem Video über den Großbrand in einer indischen Fabrik einen 45-sekündigen Kurz-Beitrag: „Eine Gewalttat erschüttert die Menschen in Augsburg. Dort waren vorgestern zwei Ehepaare und eine Gruppe Jugendlicher in Streit geraten. Dabei wurde laut Polizei ein 49-Jähriger so zu Boden geschlagen, dass er später seinen Verletzungen erlag“. Im heute-Journal des ZDF kam nur ein noch kürzerer Beitrag, 30 Sekunden, in der Mitte der Sendung. Dabei wurden aber, anders als in der 20-Uhr-Tagesschau, die keinerlei Angaben zur Herkunft der Verdächtigen macht, der Geburtsort des Hauptverdächtigen (Augsburg) erwähnt, und dass dieser neben der deutschen zwei weiteren Staatsbürgerschaften habe.

Man stelle sich einmal vor, wie das Echo in Medien und Politik ausgefallen wäre, wenn sieben aggressionsgeladene, waschechte junge Augsburger in dritter Generation, womöglich noch politisch rechts verortet, einen Familienvater mit Migrationshintergrund tödlich attackiert hätten. Lichterketten und Brennpunkte im Fernsehen wären nur eine Frage der Zeit gewesen. Wetten, das Thema „Gewalt gegen Ausländer“ bzw. „Gewalt von rechts“ wäre massiv thematisiert worden, ohne auf ein Gerichtsverfahren und die Klärung der Motive und Hintergründe zu warten? Weil das bei anderen Konstellationen nicht spiegelbildlich geschieht, entsteht bei vielen Menschen der Eindruck einer Einseitigkeit, einer Verstellung des Kompasses. 

Verrohung und wachsende Gewalt

Dabei hätten sich Sondersendungen und große thematische Diskussionen nach der Tragödie von Augsburg fast zwingend angeboten: Über Verrohung und wachsende Gewalt auf der Straße, aggressionsgeladene Jugendgruppen, die Passanten in Angst versetzen. Darüber, dass sich nach einem Fall wie dem von Augsburg noch weniger Menschen als zuvor trauen werden, gegen solche aggressiven Pöbler Zivilcourage zu zeigen, dass daher Gewaltbereite, Aggressive im öffentlichen Raum noch mehr Lufthoheit erringen werden. Wer traut sich schon noch, etwas zu sagen, wenn vor Adrenalin strotzende Rüpel in der U-Bahn rauchen oder ihre Schuhe auf die Sitzplätze legen, wenn sie andere anpöbeln? All das sind Themen, die unzählige Menschen in unserem Land bewegen, die durch Augsburg wieder schmerzhaft aktuell geworden sind – und die erneut allenfalls stiefmütterlich behandelt werden. Genau in diesem Nicht-hinsehen-wollen, in diesem Wegdrehen liegt das Versagen vieler Medien, insbesondere der Gebührenfinanzierten.

Die massiven, emotionalen ersten Reaktionen auf den tragischen Todesfall und damit einhergehende Spekulationen zeigen, wie sehr das Thema Gewalt die Menschen bewegt, und gerade auch importierte oder auf fehlgeschlagene Integration zurückzuführende Gewaltbereitschaft. Eben weil es so viele Fälle davon gibt, eben weil sie oft vertuscht und verharmlost werden, und weil das Thema ein derartiges Tabu darstellt – obwohl es völlig auf der Hand liegt und offensichtlich ist. Nur nicht für die linksgrünen Ideologen, die die Meinungshoheit in Deutschland errungen haben und ihren schönen Pippi-Langstrumpf-Traum vom harmonischen Multi-Kulti mit aggressiven Mitteln verteidigen, insbesondere dem Verleumden von kritischen und zweifelnden Stimmen als "rechts", "Hetze" und "Nazi". 

Etwa, wenn Bayerns Innenminister Herrmann massiv angegriffen und diffamiert wurde, weil er völlig zutreffend von importierter Gewaltbereitschaft sprach. Für die Glaubenskrieger, die "Moraliban" für „korrekte Haltung“ und „Buntheit“ kann nicht sein, was nicht sein darf, was nicht mit ihrem ideologischen Weltbild übereinstimmt (und damit wirklich bunt wäre): Für sie sind alle Menschen gleich (statt, was selbstverständlich sein muss, mit gleichen Rechten ausgestattet). Oft sicher abgeschottet von den Niederungen der Realität in den schicken Vierteln der Großstädte und mit wohl dotierten, sicheren Jobs (oft vom Steuerzahler finanziert) frönen sie ihrem utopischen, realitätsresistenten Menschenbild – das in der Geschichte schon unzähliges Leid angerichtet hat (unter dem Namen "Sozialismus"). 

Journalisten, Politiker und Polizeichefs müssen endlich verstehen: Mit der aktuellen Vogel-Strauß-Taktik, die viele von ihnen an den Tag legen, mit dem Negieren und Verdrängen des Offensichtlichen und dem steten Herunterspielen von Phänomenen als „Einzelfall“ zugunsten eines durch Ideologie (oder Mitläuferschaft mit derselben) geprägten utopischen Weltbildes haben sie genau das geschaffen, was sie verhindern wollten. Ich habe in Russland erlebt, wohin eine Politik führt, die Offensichtliches verschleiert und Realitäten durch Utopie ersetzt. Noch sind wir nicht so weit. Aber viele Journalisten und Politiker marschieren stramm in diese Richtung. Gnade uns Gott davor! Oder noch besser: Unternehmen wir etwas dagegen und machen wir den Mund auf! Solange wir es noch können.

Dieser Kommentar ist zuerst auf reitschuster.de erschienen. 


Der Autor: Boris Reitschuster leitete von 1999 bis 2015 das Moskauer Büro des Nachrichtenmagazins Focus und ist Autor zahlreicher Bücher über das zeitgenössische Russland. Er lebt in Berlin und stammt aus Augsburg.

Foto: Pixabay

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Ralf Pöhling / 09.12.2019

@ A. Ostrovsky Zitat:“Der Videoüberwachung ist gar nichts zu verdanken. Sie schützt die Opfer nicht. Sie führt nicht dazu, dass sich an Brennpunkten die Polizei zeigt, wenn es nötig wäre. Sie ist höchstens dazu geeignet, dass man - wenn mal wieder jemand tot auf der Straße liegt - danach nicht so viele Mühe mit der Aufklärung hat.” Exakt. Kameraüberwachung verhindert keinen Mord und keine Gewalttat im Affekt, denn dem Täter ist die Kameraüberwachung in dem Moment völlig egal, wenn er sie überhaupt bemerkt. Und Kameraüberwachung verhindert auch keinen geplanten Anschlag. Sie sorgt nur dafür, dass sich die Täter maskieren. Siehe Fall Magnitz. Kameraüberwachung führt also nicht dazu, dass keine Straftaten begangen und keine Opfer produziert werden. Sie erleichtert eventuell die Aufklärung der Tat. Dem (toten) Opfer und seinen Angehörigen hilft dies jedoch überhaupt nicht. Das einzige was einem potentiellen Opfer helfen kann, ist die Möglichkeit zur Selbstverteidigung. Und dies wird dem anständigen Bürger von Politik und Justiz in Deutschland so schwer wie gerade eben möglich gemacht. Wer sich in Deutschland wehrt, landet entweder auf dem Friedhof oder vor Gericht. In anderen Ländern läuft dies anders. Zum Beispiel in den USA, in Tschechien, der Schweiz oder mittlerweile auch in Brasilien oder in Italien.

Perseida Theodora / 09.12.2019

Der Autor hat in allem was er beschreibt recht. Wir gehen dieses Jahr nicht auf den Weihnachtsmarkt, weil es rundum schon Vorfälle gegeben hat, die man in den lokalen Leitmedien nur am Rande streift, deren Inhalt sich aber durch Augenzeugen weiterverbreitet. Man ist es ehrlich gesagt auch teilweise müde, sich anschließend um gründliche Recherche zu bemühen, die die Medien verweigern. Sicherer und zeitsparender ist es, ebensolche Orte einfach zu meiden. Ich mag keine Pauschalisierungen - treffen sie mich doch allzu oft auch selbst. Aber wenn mir mein Instinkt sagt, es ist besser die Straßenseite zu wechseln, auch wenn die entgegen kommende Männergruppe das wohl bemerkt, bin ich es überdrüssig zu eruieren, ob das jetzt besonders nett ist oder nicht, dann tue ich es. Als ich mal einen im Weg stehenden PKW anhupte, weil der schon seit einer Viertelstunde schwatzender Weise den Weg versperrte, haben mir junge Männer, die plötzlich mein Auto umringten, fast die Rückscheiben eingeschlagen. Jetzt sehe ich zu, dass ich gar nicht erst in solche Situationen komme und parke deswegen auch mal lieber im Halteverbot - 20 Euro für ein Ticket ist billiger, als ein Krankenhausaufenthalt - und nervenschonender. Abends gehen wir nicht mehr weg und unsere Kinder dürfen draussen nicht mehr allein spielen - in Zeiten wo man ernsthafte, gesundheitliche Konsequenzen für einen falschen Blick oder ein falsches Wort fürchten muss (vor allem als Frau!) ist dies ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können. Da man auch nicht darüber reden darf, weil man sonst gleich als Nazi verschrien ist, kommt es uns mehr und mehr wie ein luftiges Gefängnis vor - die Frage nach Auswanderung ist keine Sache mehr von “ob” sondern “wann”. Und ich kenne niemanden mehr in unserem Mittelstand, der anders denkt. Hier in D sehe ich keine Zukunft mehr.

Jens Richter / 09.12.2019

Ich habe die Anwürfe gegen meine Einlassung mit Interesse gelesen. Würden Sie genaus schreiben, wenn der Vorgang andersherum stattgefunden hätte? Dabei störe ich mich nur am Begriff der Zivilcourage. Das Opfer hat nicht seine Gesundheit oder sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt, um etwa einem bedrohten Menschen zu helfen, er wünschte für sich selbst mehr Ruhe. Das ist legitim, und der tödlich endende Angriff ist sine qua non ein Verbrechen. Aber einen Helden mit Zivilcourage, zu dem er hier stilisiert wird,  kann ich in dem Ruhebedürftigen nun einmal nicht erkennen.

Peter Schulze / 09.12.2019

Eine Frage an die Lesergemeinschaft von “achgut”. Hier werden in großer Zahl Männer aus archaischen Gewaltgesellschaften mit tribalistischen Strukturen und einer islamischen Sozialisation ins Land geholt. Diese setzen dann diese Gewaltdisposition gegen die einheimische Bevölkerung um. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Vernichtende Gewalt gegen ihre sexuellen Konkurrenten also gegen die Männer. Jetzt gibt es ja die These, dass es in der Politik keine Zufälle gibt. Könnte es sein, dass dies alles genauso vom System gewollt und geplant ist? Diese importierten Gewalttäter könnten ein Werkzeug sein, um die Einheimischen zu terrorisieren, zu verängstigen und so gefügig zu machen. Oder ist das jetzt eine Verschwörungstheorie?

Jens Richter / 09.12.2019

@Ilona Grimm, Sie haben einen anderen Begriff von Zivilcourage. Wenn Ihr Nachbar nach 22 Uhr den Fernseher zu laut aufgedreht hat und Sie bitten ihn um Ruhe, ist das dann auch Zivilcourage? Was Sie sonst zu meiner Einlassung schreiben, steht nicht in meinem Text, erinnert aber an die Verdrehungen der Relotius-Journalisten. Natürlich mit gedrehtem Vorzeichen. Warten Sie aufs nächste Vereinspokalspiel Ihrer Stadt, gehen Sie zu den grölenden “Störenfrieden” und bitten Sie sie, mit dem Randalieren aufzuhören. Ich sehe sie schon kuschen, die Störenfriede.

Rolf Mainz / 09.12.2019

Der allseits bestens bekannte “Kriminologe” Christian Pfeiffer meldet sich pünktlich zur Tat zu Wort: “Jugendliche mit Migrationshintergrund haben ein höheres Gewaltpotenzial.” Aha. Gut, dass sich Deutschland solche Fachleute leistet, die derart bahnbrechende Neuigkeiten feststellen. Immerhin: die Taten jener Herren haben offenbar so überhand genommen, dass selbst Herr Pfeiffer diese Tatsache nicht mehr ungenannt lassen kann. Aber, und da ist er wieder, der Relativierer vor dem Herrn: Christian Pfeiffer vermeldet, der “Trend sei rückläufig”. Dies gibt uns allen Hoffnung, grosse Hoffnung. Wenn auch nicht ganz klar wird, gegen welches Maximum unser Kriminologe vergleicht und wie lange dieser “Trend” (klingt fast nach einer Mode, regelrecht harmlos, nicht wahr?) noch “rückläufig” sein muss, damit Deutschland wieder den Sicherheitsstandard von Vor-2015 erreicht - oder Vor-Balkankrieg, oder Vor-Türkei-Umsturz 1980, ...

Dirk Jürgens / 09.12.2019

Schlimmer wird noch der zweite Teil der Tragödie sein: das Gerichtsverfahren (falls es zustande kommt), das alles daransetzen wird, die Täter zu entlasten. Und dafür dem Opfer, das sich nicht mehr wehren kann, zur Not sogar Rassismus unterstellen wird. Auf das Versagen der Medien folgt in der Regel das Versagen der Justiz, die das tote Opfer noch postum verhöhnt und gewalttätigen muslimischen Tätern das falsche Signal gibt.

Bernhard Freiling / 09.12.2019

@Ilona Grimm (und auch Helene Bronner-Fiorentino): Wie sag ichs Ihnen, ohne daß Sie sich übermäßig auf die Zehen getreten fühlen? ++ Wer Andere auffordert sich ruhig zu verhalten muß nicht damit rechnen, von diesen totgeprügelt zu werden. Andererseits muß ich Richter Recht geben: Wer um die Verhaltensweisen unserer “Schutzbefohlenen” ein wenig weiß, der sollte auch wissen, daß man sich mit denen besser nicht anlegt, sofern man noch andere Optionen hat. Insofern gibt Richter nur einen Fakt wider - mehr nicht. Er wertet nicht und schon gar nicht unterstellt er m.E., der Feuerwehrmann trüge selbst Schuld. Zumindest kann ich das in seinen Beitrag nicht hinein interpretieren. ++ Richter benennt die 2. Seite derselben Medaille. Seiner Meinung kann man zustimmen, muß man aber nicht. Darf Richter nicht das gleiche Recht auf seine Meinung beanspruchen, wie Sie und ich das auch tun? Muß eine Meinung, von der eigenen abweichend, sofort mit “Schaum vor dem Mund” abgebügelt werden? ++ Sie können mich jetzt verbal erschlagen oder einfach nur drüber nachdenken. Von Ihren Kommentaren Frau Grimm, bin ich bisher “Schaum vor dem Mund” nicht gewöhnt. ;-)

Karl-Heinz Vonderstein / 09.12.2019

Könnte man sich in Deutschland nach so einer Tat Demonstrationen vorstellen, die gegen die Gewalt von Migranten und Ausländern bzw.Menschen mit Migrationshintergrund demonstrieren?Beim Haupttäter in Augsburg weiß man immerhin mittlerweile, dass er drei Pässe besitzt, einen Deutschen, einen türkischen und noch einen.Von den anderen Beteiligten, die sich mitschuldig gemacht haben, bekam man bis jetzt noch keine weiteren Informationen, außer dass es junge Männer waren.Hab zumindest nichts vernommen bis jetzt.Mir kommt das so vor, dass Deutsche, in so einem Fall, deutsche Behörden und Polizei, Journalisten und Politiker sich deshalb schwer damit tun, solche Täter zu benennen bzw.sofort zu benennen und teilweise sogar so ne Straftat verharmlost oder relativiert wird, weil man Angst davor hat, dass es die Rechten, speziell die AfD dann für sich nutzen könnte und sich die Stimmung eher gegen Migranten, Ausländer und Menschen mit (muslimischen) Migrationshintergrund in der Gesellschaft wenden könnte.Das wiederum hat mit unserer Nazivergangenheit zu tun und mit den frühen 1990er Jahren, als Bilder um die Welt gingen, wo deutsche Rechtsextreme Asylantenheime anzündeten und die deutsche Polizei damals weitgehend versagte.

Sabine Schönfelder / 09.12.2019

Wilfried@ Düring, Ihre vorgeschlagenen Maßnahmen würden diese Jugendlichen garantiert in den Ländern ihrer Vorfahren erwarten. Leider trifft in Deutschland eine gewaltbereit sozialisierte (ewig jung bleibende!) Männerhorde aus Afrika oder dem Orient auf linke Weichei-Sonderbehandlung. Der unbedingte politische Wille zur ökomultikulturellen Transformation setzt Recht und Ordnung bei uns außer Kraft. Jens@Richter, angeblich kickten die ‘lieben Jungs’ Bierdosen in Richtung der Paare, was sich doch tatsächlich der jetzt tote Mann verbat. Kein Wunder, gell Herr Richter, das ist nicht mutig und schon gar keine Zivilcourage, der hat selbst Schuld! Stört das unschuldige Spiel der Jugend, der alte Besserwisser und jetzt werden diese jugendlichen Fußballtalente auch noch verhaftet! Nicht aufregen Herr Richter, die sind bald wieder auf ‘freien Fuß’ und mit der Nationalität hat das überhaupt nichts zu tun. Ständig diese Stigmatisierung und das ‘rechte Gewäsch’! Ich für meinen Teil wetze gleich noch ein wenig mein Messer scharf. Muß noch Einkaufen und man weiß ja nie, ob man nicht auch auf so einen Oberlehrermacker trifft. Da will man bereit sein.

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