Boris Reitschuster, Gastautor / 09.12.2019 / 10:00 / Foto: Pixabay / 223 / Seite ausdrucken

„Tod durch Sturz?“

Die tödliche Attacke auf einen Feuerwehrmann in Augsburg beschäftigt die Menschen bundesweit. Der Autor dieses Beitrages stammt aus Augsburg und hat eine vorläufige und persönliche Chronik der Ereignisse und der medialen Reaktionen zusammengestellt. 

Von Boris Reitschuster.

Vielleicht ist es naiv, vielleicht war ich zu lange in Moskau und Berlin (einer Mischung aus Sowjetunion und Westen): Im Vergleich zu diesen beiden Städten hielt ich meine Heimatstadt Augsburg immer noch für eine heile Welt. Bisher. Vor allem den wunderschönen Christkindlesmarkt dort auf dem Rathausplatz: Die weihnachtliche Romantik vor historischem Ambiente ist für mich der Inbegriff des Advents, der Jahreszeit des Friedens. Nicht nur wegen der Kindheitserinnerungen.

Diese Weihnachts-Idylle haben am Freitag auch ein 49-jähriger Augsburger mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar genießen wollen. Auf dem Heimweg kam es im Herzen der Stadt zu einem Streit mit einer „Gruppe von sieben Männern“, der eskalierte. Das Internetportal „Presse Augsburg" berichtet unter Berufung auf einen Augenzeugen, die sieben Männer seien grölend über den Königsplatz gelaufen. Das Opfer und seine Begleitung hätten die Gruppe um Ruhe gebeten. Stattdessen sei die Gruppe noch lauter geworden und habe Dosen über den Platz getreten. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Zu Gewalt. Zu Brutalitäten. Der 49-Jährige, dessen Beruf es war, unter Einsatz seines Lebens andere Menschen zu retten – er war Feuerwehrmann –, starb. Vor den Augen seiner Frau und seiner Freunde. Weil er das zeigte, woran es so mangelt in unserer Gesellschaft: Zivilcourage. Der Familienvater bezahlte sie mit dem Leben. Auch der zweite Mann erlitt heftige Verletzungen. Die sieben jungen Männer flüchteten. 

Ich bin bestürzt. Und voller Trauer. Meine Gedanken sind bei dem Opfer und seiner Frau, die laut Polizei wegen ihres psychischen Zustands zunächst nicht vernehmungsfähig war. Bei den Freunden, den Hinterbliebenen. Sie hatten sich sicher auf Weihnachten gefreut, auf den Besuch des Christkindlesmarktes, einem Ort des Friedens und der Harmonie. Jetzt wird für sie nichts mehr so sein, wie es früher war. An der Stelle des 49-Jährigen hätten meine Brüder sein können – einer von ihnen hat seine Kanzlei nur wenige Schritte entfernt. Oder meine Eltern. Verwandte sagten mir heute am Telefon, mein Bild von Augsburg sei "veraltet" und "schöngefärbt": Sie klagen, dass sie sich seit einiger Zeit in bestimmten Bereichen der Augsburger Innenstadt nicht mehr sicher fühlten. Dass man dort damit rechnen müsse, von einer "bestimmten Klientel" angepöbelt zu werden. Dass man darüber aber ungern spreche. Was ist nur aus meiner Stadt geworden? 

Auf twitter und auf facebook schrieb ich am Samstag spontan über meine Verwunderung, dass die Polizei trotz dreier Augenzeugen und umfassender Videoüberwachung bei ihrem Zeugen-Suchaufruf keine Beschreibung der Täter veröffentlichte, keinerlei Angaben, nichts. Prompt kam Protest. So ein Vorgehen schreibe der Pressekodex vor, kommentierte Phil Hackemann von der Bayerischen FDP auf twitter. Wenn ich mich richtig erinnere an die Zeit, als ich noch Polizeimeldungen schrieb, waren Zeugen-Such-Aufrufe immer mit Täterbeschreibungen versehen – ohne sie scheinen sie ja auch wenig Sinn zu machen. (Polizeimeldungen schrieb ich übrigens bei der Augsburger Allgemeinen, die ich damals noch für viel zu rechts hielt, und die heute offenbar die taz links überholen will und so viele Leser in dem eher konservativen Augsburg vor den Kopf stößt und damit journalistischen Selbstmord begeht.) 

Normalerweise typisch für autoritäre Staaten

Aber dennoch: Ich kenne viele Polizisten, gerade auch in Augsburg, persönlich und schätze sie sehr (weiß aber leider auch, wie hoch teilweise der "politische" Druck ist, unter dem sie stehen): Und deshalb halte ich es durchaus für glaubwürdig (aber eben auch alles andere als sicher), dass die Polizei wirklich aus ermittlungstaktischen und nicht aus anderen Gründen zunächst keine Angaben zu den Tatverdächtigen machte. Dass dieses Schweigen inzwischen – anders als wohl vor einigen Jahren – aber bei vielen, auch bei mir, zunächst fast schon reflexhaft Misstrauen auslöst, zeugt von einem beschädigten Urvertrauen in die Polizei beziehungsweise die politisch Verantwortlichen in Deutschland. 

Normalerweise ist es typisch für autoritäre Staaten, dass die Menschen zwischen den Zeilen lesen müssen. Ich habe das in 16 Jahren als Korrespondent in Moskau am eigenen Leib erlebt. Und russischen Freunden bei jeder Gelegenheit erzählt, in Deutschland sei das nicht so, unsere Medien würden immer schreiben, was ist. Eigentlich müsste ich mich heute bei diesen Freunden für Desinformation entschuldigen, auch wenn sie in bestem Glauben erfolgte, nur eben aus Naivität. Es bestürzt mich zutiefst, dass wir jetzt in Deutschland Zustände haben, die trotz aller grundlegenden Unterschiede zumindest in manchem eine gewisse Ähnlichkeit haben mit dem, was ich in Russland erlebt habe. 

Mit dem Hinweis auf den "Pressecodex" wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren allzu oft gerechtfertigt, dass die Dinge nicht beim Namen genannt wurden. Dabei ist das Resultat dieser Praxis allzu oft absurd, wie im Falle des tragischen Todes von Augsburg: Bei einer "Gruppe von sieben jungen Männern", die nicht näher bezeichnet und für einen gewaltsamen Übergriff verantwortlich gemacht wird, werden die wenigsten Leser an Augsburger Domsingknaben denken. Gerade das allzu häufig anzutreffende Verschweigen und Verschleiern löst genau das aus, was es nach Absicht seiner Betreiber verhindern soll – dass bei so einer Meldung wohl die meisten Leser sofort zwischen den Zeilen lesen und in eine bestimmte Richtung denken. Und damit im jeweiligen konkreten Fall durchaus falsch liegen können. 

Die politische Korrektheit führe die westliche Welt in den Abgrund, mahnte der litauische Ex-Staatschef Vytautas Landsbergis erst kürzlich im Interview mit mir: Sie sei nichts anderes als die Lüge. Den Deutschen wirft er vor, sie mieden Tabuthemen. An die Worte des weisen (und weißen) alten Mannes musste ich denken, als ich die schreckliche Nachricht von Augsburg las. Genauer gesagt – manche Berichte.

Ich will informiert werden und kein „Framing“

Der Bayerische Rundfunk schrieb über den tragischen Tod: „Nach dem Besuch des #Augsburg|er Weihnachtsmarktes ist ein Mann bei einem handgreiflichen Streit mit einer Gruppe junger Männer tödlich verletzt worden. Er stürzte dabei so schwer, dass er wenig später verstarb.“ Die Augsburger Allgemeine schrieb in einer Video-Unterschrift: „Am Freitagabend ist ein Mann am Königsplatz nach einer körperlichen Auseinandersetzung gestorben.“

Als ich das las, wurde ich wütendIch komme mir als Leser dumm verkauft vor – insbesondere als Gebührenzahler, denn die Nachrichten des Bayerischen Rundfunks muss ich auch noch mit meinem Geld mitfinanzieren. Dafür will ich informiert werden, und kein "Framing" und keine Verharmlosung erhalten. Wenn suggeriert wird, der Sturz sei die Todesursache, klingt das für mich wie Hohn. Fast so, wie wenn man nach einem Erschießen sagen würde, das Opfer sei an "inneren Verblutungen" gestorben. 

Das erinnert etwas an den Fall im sächsisch-anhaltinischen Köthen im Sommer 2018, als afghanische Asylbewerber einem jungen Mann Tritte gegen den Kopf versetzten, der deren Streit um die Schwangerschaft einer Frau schlichten wollte und in der anschließenden Prügelei zu Boden gegangen war. Nicht durch Schläge und Tritte sei das Opfer ums Leben gekommen, sondern an einem Herzinfarkt gestorben, hieß es später: Die Ermittler sprachen von einem „versagensbereiten Herz“ (ich würde eher von "versagensbereiten" Behörden sprechen). 

Mit solchem "Framing" und Verharmlosen verspielen Medien, insbesondere die öffentlich-rechtlichen, das Vertrauen der Menschen – das bei sehr vielen ohnehin schon sehr gering ist. Was in den sozialen Medien teilweise spekuliert wurde – angeheizt durch das in den vergangenen Jahren so verbreitete „betreute Informieren“ mit all seinen Auslassungen, dass es sich bei den Tatverdächtigen um „Flüchtlinge“ handeln könnte, hat sich nicht bestätigt. Wohl aber die Spekulation, dass es sich nicht um „Bio-Deutsche“ handelte. Wie kommt es dazu, dass heute Spekulationen allgegenwärtig sind? 

Ich frage bei meinen Vorträgen vor Staatsdienern aus dem Sicherheitsbereich regelmäßig, wie viele von ihnen noch Vertrauen in die großen Medien haben. Oft meldet sich gar niemand, so gut wie nie mehr als einzelne Zuhörer. Dieses Phänomen, das ich seit Jahren hautnah erlebe, war für mich einer der Gründe, die Rolle und Wahrnehmung des eigenen Berufsstandes in Deutschland kritisch zu hinterfragen. Erstaunlich ist die Reaktion von vielen Kollegen, wenn man sie auf diesen massiven Vertrauensschwund hinweist – sie negieren, also verdrängen ihn. Typische Reaktion: "Wir haben klasse Medien, aber die Leute verblöden". Oder Attacken auf mich, den Überbringer der schlechten Nachricht. Ich halte solche Arroganz und Ignoranz für eine der Ursachen der Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft.

Die politische Korrektheit sei so gefährlich, weil sie „daran hindern solle, auszusprechen, was uns nicht gefällt ", mahnt Litauens-Ex-Staatschef Landsbergis: Die Lüge würde so übermächtig, "weil der Mensch dazu neigt, sich selbst zu betrügen. Der Mensch liebt die Wahr­heit nicht und auch nicht, sich selbst im Spiegel anzusehen. Er liebt es, den Spie­gel durch etwas anderes zu ersetzen – das ihm genau das Bild zeigt, das er se­hen will. Genau dieser Wunschspiegel ist die politische Korrektheit."

Wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt

Wer verharmlost und verschleiert, macht sich mitschuldig. Nur durch das Aussprechen und Benennen von Problemen können diese erkannt und dann auch bekämpft werden. Als noch unklar war, wer die Tatverdächtigen von Augsburg waren, verbot sich jede Spekulation. Egal, in welche Richtung. Klar ist allerdings, wie die mediale und polizeiliche Reaktion in diesem und in vielen, vielen anderen ähnlichen Fällen in eine Sackgasse führt, Ängste schürt und weiter zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. 

Auf twitter kommentierte ein Leser meinen tweet sinngemäß: "Wenn es Deutsche gewesen wären, hätten wir schon lange eine Täterbeschreibung". Kurz darauf war der Kommentar gelöscht. Offenbar war er dem Autor selbst zu heikel (hoffentlich nicht den Administratoren von twitter). So politisch inkorrekt der Kommentar auch sein mag – er gibt genau wieder, was hinter vorgehaltener Hand spekuliert wird und wie erschüttert das Vertrauen in die Medien und auch in die Polizei ist. 

Um zu sehen, wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt, muss man nur einmal den Lackmus-Test machen: Wer würde erwarten, dass ein Medium den Sturz als Todesursache herausstellen würde, wenn die Tatverdächtigen Rechtsradikale wären? Umgekehrt führt dann eben auch das Betonen des Sturzes zu bestimmten Schlussfolgerungen. Spekulationen sind so Tür und Tor geöffnet. Meldungen werden bei heiklen Themen nicht mehr für bare Münze genommen, sondern man liest fast schon automatisch zwischen den Zeilen – mögliche Fehlinterpretationen inklusive. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ist eine Bankrotterklärung für unseren Journalismus. Dazu passt dann leider auch, wenn Kollegen, statt selbstkritisch in sich zu gehen, (potenzielle) Leser beschimpfen und ihnen unanständige Absichten unterstellen, wie hier:

"Kö Attacke: Fakten statt haltloser Behauptungen", heißt es in der Augsburger Allgemeinen, "ohne Untermauerung wurde in sozialen Medien kolportiert, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handle. Manch einem wäre das wohl ganz recht gewesen".

Vor allem der Videoüberwachung zu verdanken

Im Falle des tragischen Todes von Augsburg haben nach den Merkwürdigkeiten am ersten Tag die meisten Medien durchaus korrekt berichtet. Inzwischen hat die Polizei sechs Tatverdächtige festgenommen. Der schnelle Ermittlungserfolg sei vor allem der Videoüberwachung zu verdanken, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ob etwa in Berlin so rasch ein Fahndungserfolg möglich gewesen wäre, ist mehr als fraglich: Der rot-rot-grüne Senat in der Hauptstadt hat selbst an Kriminalitätsschwerpunkten Videoüberwachung bislang konsequent verhindert, mit Hinweis auf Datenschutz (für Täter?). 

Der mutmaßliche Haupttäter von Augsburg ist nach Angaben des bayerischen Innenministeriums „ein in Augsburg geborener 17-Jähriger mit deutscher und anderen Staatsbürgerschaften“, so die häufig anzutreffende Formulierung. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung handelt es sich bei den „anderen Staatsbürgerschaften“ um die türkische und libanesische. Ein zweiter Festgenommener ist ebenfalls in Augsburg geboren, 17 Jahre alt und hat eine „südeuropäische Staatsbürgerschaft“ – laut Bild die italienischen. Beide gelten als "polizeibekannt", die neudeutsche Umschreibung für Wiederholungstäter.

So korrekt diese Informationen in den meisten Medien wiedergegeben wurden – so sehr lässt sich über die Gewichtung und der Setzung der Akzente streiten. In der 20-Uhr-Tagesschau der ARD am Sonntag gab es nach einem Video über den Großbrand in einer indischen Fabrik einen 45-sekündigen Kurz-Beitrag: „Eine Gewalttat erschüttert die Menschen in Augsburg. Dort waren vorgestern zwei Ehepaare und eine Gruppe Jugendlicher in Streit geraten. Dabei wurde laut Polizei ein 49-Jähriger so zu Boden geschlagen, dass er später seinen Verletzungen erlag“. Im heute-Journal des ZDF kam nur ein noch kürzerer Beitrag, 30 Sekunden, in der Mitte der Sendung. Dabei wurden aber, anders als in der 20-Uhr-Tagesschau, die keinerlei Angaben zur Herkunft der Verdächtigen macht, der Geburtsort des Hauptverdächtigen (Augsburg) erwähnt, und dass dieser neben der deutschen zwei weiteren Staatsbürgerschaften habe.

Man stelle sich einmal vor, wie das Echo in Medien und Politik ausgefallen wäre, wenn sieben aggressionsgeladene, waschechte junge Augsburger in dritter Generation, womöglich noch politisch rechts verortet, einen Familienvater mit Migrationshintergrund tödlich attackiert hätten. Lichterketten und Brennpunkte im Fernsehen wären nur eine Frage der Zeit gewesen. Wetten, das Thema „Gewalt gegen Ausländer“ bzw. „Gewalt von rechts“ wäre massiv thematisiert worden, ohne auf ein Gerichtsverfahren und die Klärung der Motive und Hintergründe zu warten? Weil das bei anderen Konstellationen nicht spiegelbildlich geschieht, entsteht bei vielen Menschen der Eindruck einer Einseitigkeit, einer Verstellung des Kompasses. 

Verrohung und wachsende Gewalt

Dabei hätten sich Sondersendungen und große thematische Diskussionen nach der Tragödie von Augsburg fast zwingend angeboten: Über Verrohung und wachsende Gewalt auf der Straße, aggressionsgeladene Jugendgruppen, die Passanten in Angst versetzen. Darüber, dass sich nach einem Fall wie dem von Augsburg noch weniger Menschen als zuvor trauen werden, gegen solche aggressiven Pöbler Zivilcourage zu zeigen, dass daher Gewaltbereite, Aggressive im öffentlichen Raum noch mehr Lufthoheit erringen werden. Wer traut sich schon noch, etwas zu sagen, wenn vor Adrenalin strotzende Rüpel in der U-Bahn rauchen oder ihre Schuhe auf die Sitzplätze legen, wenn sie andere anpöbeln? All das sind Themen, die unzählige Menschen in unserem Land bewegen, die durch Augsburg wieder schmerzhaft aktuell geworden sind – und die erneut allenfalls stiefmütterlich behandelt werden. Genau in diesem Nicht-hinsehen-wollen, in diesem Wegdrehen liegt das Versagen vieler Medien, insbesondere der Gebührenfinanzierten.

Die massiven, emotionalen ersten Reaktionen auf den tragischen Todesfall und damit einhergehende Spekulationen zeigen, wie sehr das Thema Gewalt die Menschen bewegt, und gerade auch importierte oder auf fehlgeschlagene Integration zurückzuführende Gewaltbereitschaft. Eben weil es so viele Fälle davon gibt, eben weil sie oft vertuscht und verharmlost werden, und weil das Thema ein derartiges Tabu darstellt – obwohl es völlig auf der Hand liegt und offensichtlich ist. Nur nicht für die linksgrünen Ideologen, die die Meinungshoheit in Deutschland errungen haben und ihren schönen Pippi-Langstrumpf-Traum vom harmonischen Multi-Kulti mit aggressiven Mitteln verteidigen, insbesondere dem Verleumden von kritischen und zweifelnden Stimmen als "rechts", "Hetze" und "Nazi". 

Etwa, wenn Bayerns Innenminister Herrmann massiv angegriffen und diffamiert wurde, weil er völlig zutreffend von importierter Gewaltbereitschaft sprach. Für die Glaubenskrieger, die "Moraliban" für „korrekte Haltung“ und „Buntheit“ kann nicht sein, was nicht sein darf, was nicht mit ihrem ideologischen Weltbild übereinstimmt (und damit wirklich bunt wäre): Für sie sind alle Menschen gleich (statt, was selbstverständlich sein muss, mit gleichen Rechten ausgestattet). Oft sicher abgeschottet von den Niederungen der Realität in den schicken Vierteln der Großstädte und mit wohl dotierten, sicheren Jobs (oft vom Steuerzahler finanziert) frönen sie ihrem utopischen, realitätsresistenten Menschenbild – das in der Geschichte schon unzähliges Leid angerichtet hat (unter dem Namen "Sozialismus"). 

Journalisten, Politiker und Polizeichefs müssen endlich verstehen: Mit der aktuellen Vogel-Strauß-Taktik, die viele von ihnen an den Tag legen, mit dem Negieren und Verdrängen des Offensichtlichen und dem steten Herunterspielen von Phänomenen als „Einzelfall“ zugunsten eines durch Ideologie (oder Mitläuferschaft mit derselben) geprägten utopischen Weltbildes haben sie genau das geschaffen, was sie verhindern wollten. Ich habe in Russland erlebt, wohin eine Politik führt, die Offensichtliches verschleiert und Realitäten durch Utopie ersetzt. Noch sind wir nicht so weit. Aber viele Journalisten und Politiker marschieren stramm in diese Richtung. Gnade uns Gott davor! Oder noch besser: Unternehmen wir etwas dagegen und machen wir den Mund auf! Solange wir es noch können.

Dieser Kommentar ist zuerst auf reitschuster.de erschienen. 


Der Autor: Boris Reitschuster leitete von 1999 bis 2015 das Moskauer Büro des Nachrichtenmagazins Focus und ist Autor zahlreicher Bücher über das zeitgenössische Russland. Er lebt in Berlin und stammt aus Augsburg.

Foto: Pixabay

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Robert Jankowski / 10.12.2019

Da steht ein riesiger rosa Elefant mitten in Deutschland und Niemand darf ihn sehen oder gar über ihn reden oder schreiben. Ansonsten droht sofort die Nazikeule. Wir haben es mit einer akuten Bedrohungssituation der inneren Sicherheit zu tun, aber Jeder der sich dzu äußert und Kritik übt, ist automatisch Nazi, Hassprediger und Rechts. Deutschland belügt sich wieder einmal selbst.

Marc Jenal / 09.12.2019

Eine interessante Frage ergibt sich im Zusammenhang mit der Berichterstattung in all diesen Fällen: Wann und von wem ist Unterscheidung/unterschiedliche Behandlung von “Deutschen” bzw. länger hier Lebenden erlaubt, wann und von wem nicht und warum? Wer entscheidet das? Den politisch rechts der Merkel-CDU-stehenden wird regelmässig vorgeworfen, wenn sie zwischen unterschiedlichen Gruppen von Deutschen unterscheiden (mit oder ohne spezifisch auffälligen Migrationshintergrund). Wenn man jeweils einschlägige Presseberichte oder Politikerkommentare konsultiert nach Angriffen und versuchten oder erfolgreichen Morden, hat man das Gefühl, dies geschieht noch viel extremer auf Seite eines Grossteils der Presse, Politik und erst recht auf sogenannt “linker” Seite bzw. aus der “Mitte der Gesellschaft”. Bei manchen Tätern und Opfern steht dann entweder etwas Dümmliches/Abwertendes von “Tod durch Sturz”, Schiesserei, Messerstecherei (auch wenn dies in keinster Weise den Tatsachen entspricht) teils diverse Entschuldigungs- und Bagatellisierungsversuche sowie meist dass man nicht die falschen Schlüsse ziehen dürfe. Bei Anderen (selbstverständlich ebenso zu verurteilenden Taten) wiederum ist die Einstufung dann eher im Bereich von Menschenjagden und gefühlt sämtliche Politiker, Künstler usw. äussern ihre grösste Betroffenheit sowie Mitgefühl mit dem Opfer(!) diesmal nicht dem Täter oder es gibt gar ein grosses Betroffenheitskonzert. Ist es Zufall, dass diese Unterscheidung gefühlt je nachdem gemacht wird, ob Opfer/Täter (k)einen jüngeren Migrationshintergrund haben und allenfalls aus statistisch relevant (nicht) kriminell sehr auffälligen Gruppen kommen? Falls diese Unterscheidung existiert, wäre diese nicht rassistisch und genau dasselbe was sogenannt linke Kreise den sogenannt rechten Kreisen vorwerfen?

Sabine Schönfelder / 09.12.2019

Lieber Herr@Freiling. Gleiches Recht für alle. Frau Grimm hat Ihre Meinung und Herr Richter seine. Eine engagierte Darstellung hat nichts mit ‘Schaum vor dem Mund’ zu tun, solange eine Diskussion nicht in unbegründeten Beschimpfungen endet. Pluralismus ist wie eine Blumenwiese. Was der eine als Unkraut betrachtet, ist für den anderen eine schöne Blume. Auch hat jeder Forist seine persönliche Note. Leben und leben lassen. Übrigens, soweit ich mich erinnere, behauptet Herr Richter, daß dieser Vorgang nichts mit der Herkunft der Täter zu tun hätte. Eine Annahme, die ich, aufgrund der häufigen und oft tödlich endenden gewaltsamen Vorfälle seit 2015, als extrem naiv bezeichnen würde. Was ist das für eine Welt Herr Freiling, in der ich, wenn ich zum Beispiel als Frau anmaßend von einer Gruppe respektloser Jugendlichen angecheckt werde, intelligenterweise den Mund halten soll, um nicht umgebracht zu werden. Schnauze halten, wegducken. Wehre ich mich mit Todesfolge, dann hätte ich mir das denken können? Toller Tipp, schöne ‘appeasige Haltung’. Aber sonst in den Kommentaren von den Politikern ‘cojones’ fordern!! Das FEHLVERHALTEN liegt sicher nicht bei dem getöteten Mann!!!

Reiner Hoefer / 09.12.2019

Ich bin in der DDR groß geworden. Ich habe gelernt, wie man offizielle Verlautbarungen interpretieren muß. Ihr Westler müßt das offenbar erst lernen. Zugegeben, das war auch früher anders hier . Aber jetzt ist es halt so geworden wie es ist, und Ihr habt alle mitgemacht. Nun leben wir in einem autoritären Staat. Wer etwas Anderes glaubt ist selbst schuld.

Siegrid Tiesler / 09.12.2019

Der Schutz der Muslime hat eine lange Geschichte. Von 1975 bis 1996 war ich an der Hauptschule tätig. Als modern gekleidete junge Frau.. Überhaupt, weil ich eine Frau war, wurde ich oft von muslimischen Schülern in der übelsten Gossensprache beschimpft. Ein besonders schlimmes Ereignis ist für mich in Erinnerung geblieben. Ich hatte ein sensibles Mädchen mit Schulangst in meiner 8.Klasse. Irgendwann erschien es nicht mehr in der Schule. Auf den Grund des Fehlen angesprochen, erhielt ich die Antwort, muslimische Mädchen würden es tagtäglich mobben. Diesen Mädchen drohte ich mit harten Konsequenzen. Daraufhin wurde ich mit den übelsten Ausdrücken konfrontiert. Diese Ausdrücke waren mit dicker Farbe auf die Fenster und Türen, auf den Gehwegplatten geschrieben. Ich ließ sie täglich entfernen. Aber täglich waren diese widerlichen Ausdrücke neu an den Wänden zuetc lesen. Es war der Horror diese Ausdrücke jeden Morgen lesen zu müssen. Nach Wochen stellte sich heraus, dass die besagten Mädchen die Verursacher waren. Außer einer Verwarnung war nichts geschehen. Diese Erfahrung hatte sich eingebrannt und mir sehr sehr lange Angst gemacht. An der Hauptschule haben viele Kollegen und Kolleginnen ähnliche Erfahrungen gemacht. Für die Schüler gab es keine Konsequenzen. Ich bin dann an die Grundschule gewechselt. Die Welt dort war damals noch heiler.

Frank Dom / 09.12.2019

Der Unterschied zwischen einem gebürtigen Turko-Libanesen (vulgo Passdeutscher) und einem Flüchtling ist in vielen Fällen wohl nur gradueller Natur. Klingt böse, ist es auch, aber als passable Richtschnur nicht völlig von der Hand zu weisen. Was sie eint, ist die Herkunft aus einer dominanzorientierten Kultur und die Inbesitznahme einers Landes mit bisher konsensorientierten Kultur. Daher das kulturelle Missverständnis mit dem Feuerwehrmann. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, sobald Flüchtlinge und Araber sich öffentlich und wiederholt gegen die Gewalt ihrer Ethnien aussprechen. Wie wäre es mit Arabs for Grundgesetz statt den fröhlichen Al Quds-Feiern? Oder Turks for gewaltfreie Kommunikation? Oder Imane for Gender? Oder Passdeutsche Politiker for Durchsetzung of Gesetze?

Andreas Günther / 09.12.2019

Diese Zustände hätten wir auch unter rot-grünen Regierungen. Aber dieses Land wird nun einmal nicht von diesen, sondern von einer christ-demokratischen Frau regiert, die mit Hilfe des GEZ- und Mainstream-Mediengesindels Kanzlerin spielen darf. Wer trägt nun die Hauptschuld? Blut klebt an allen, die diese Zustände nicht verhindern, sondern befördern. Auch die EKD darf hierbei nicht unerwähnt bleiben, als Polit-Kirche trägt sie sogar eine ganz besondere Verantwortung.

Cornelia Buchta / 09.12.2019

Laß uns doch mal nach Augsburg fahren, sagte ich am Samstag zu meinem Mann, googelte die Stadt - und da erschien die Nachricht von der Attacke auf offener Straße. Das war’s dann mit den Reiseplänen, vorallem da man hört, dass Belästigungnen im öffentliche Raum dort zunehmen. Allein heute abend zählte ich auf der SWRAktuell Website, die normalerweise zurückhaltend über diese Themen berichten, sage und schreibe 4 Fälle von Attacken berichtet: 3 davon tödlich, 2 davon mit einem Messer.  - Vor kurzem las ich wieder mal von der tödlichen Attacke auf Dominik Brunner 2009. Mann-oh-mann, das war eine andere Zeit, was die Betroffenheit und die Reaktionen anging! Ein deutschlandweiter Aufruf nach Zivilcourage folgte. Aber Sie haben recht, Herr Reitschuster, heutzutage bei der unüberschaubaren Vielzahl an tödlichen oder fast tödlichen Agriffen, tut man gut daran, die Zivilcourage herunter zu schlucken und hilflos, aber mit unversehrter Milz rechtzeitig das Weite zu suchen. Wem jetzt vor Ärger das (nicht vorhandene, lol.) Messer in der Tasche aufgehen möchte, sollte daran denken, dass wir keinesfalls hilflos sind, wenn es darum geht, die für unsere Sicherheit zuständigen Politiker zur Verantwortung zu ziehen!

Anders Dairie / 09.12.2019

Lieber Herr REITSCHUSTER, vielleicht könnten Sie den Bloggern vorstellen, wie Sicherheit auf Russisch aussieht. Es könnte sein, dass einige Tipps bei Wahlen von Nutzen sind sowie das ZURECHTFINDEN im Staate des PUTIN.  Wer dort per se mehr SCHUTZ und SICHERHEIT vermutet dürfte gewaltig auf dem IRRWEG sein.

bettina siegle / 09.12.2019

Sehr geehrter Herr Reitschuster,vielen Dank für Ihren Artike Sie sprechen mir voll und ganz aus der Seele.Ich bewundere ihren Mut diese Themen ,die uns alle beschäftigen, so offen anzugehen. Mut gehört mittlerweile dazu Tabuthemen anzusprechen,denn viele fürchten schon berufliche Nachteile. So weit ist es in Deutschland dank linker elitärer Gesinnung und Merkel gekommen und das ist erst der Anfang!Ade Demokratie es lebe die linke Diktatur!

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