Robert von Loewenstern / 12.03.2023 / 10:00 / Foto: Mitte27 / 69 / Seite ausdrucken

Tipps für deinen Uxit, Wladimir P.

Was hat die „Tagesschau“ mit Waffenlieferungen zu tun? Wie lautet der neueste Experten-Quatsch? Und warum sind Verhandlungen ein deutscher Fetisch? Ein Brief an Putin mit Anregungen für den Ukraine-Ausstieg.

Grüß dich, Gospodin Putin! Du erinnerst dich an unsere Brieffreundschaft vom letzten Jahr? War nur Spaß, natürlich erinnerst du dich. Klar, es gibt hierzulande noch ein paar mehr, die Schreiben absetzen. Aber ich war der Einzige, der dich persönlich adressierte. Die anderen wenden sich immer an das Murmeltier im Kanzleramt. Frag mich nicht, warum – ich kann’s mir auch nicht erklären.

Halte ich für eine Frechheit, ehrlich gesagt. Ich meine, wtf? Wo bleibt da der Respekt? Wenn bei dieser leidigen Ukraine-Sache einer was zu sagen hat, dann bist du das und bestimmt nicht der Oberschlumpf von Laberland. Wer bitte soll eine Nation ernst nehmen, die eine bärlose Neunjährige mit einem Silbernen Bären dafür auszeichnet, dass sie „ein Kind auf der Suche nach seiner geschlechtlichen Identität“ spielt? Genau.

Du bist reingegangen, wie und wann es dir passte, du gehst raus, wie und wann es dir passt. Oder halt nicht. Da kann dir keiner reinreden. Na gut, der Chinese vielleicht, aber darum geht’s jetzt nicht. Klar ist jedenfalls, erst kommst du, dann der Pingpong, dann lange nichts. Da können Politikwissenschaftler noch so oft behaupten: „Der entscheidende Akteur sind die Vereinigten Staaten von Amerika.“

Nimm das, Obama!

Was ich sagen wollte: Erst mal Gratulation. Das wichtigste Krie…, äh, Quatsch, Operationsziel hast du erreicht. Das können nicht mal ARD-Faktenschrecks oder „Correctiv“-Callboys wegdiskutieren, es ist offensichtlich: Die Welt redet wieder über dich. Und zwar täglich. Und quasi ununterbrochen, jedenfalls in Europa.

Vorher war’s ja auch wirklich bitter. Da ist man führende Führerkraft des größten Landes der Welt, und kein Schwein interessiert sich für einen. Den Gipfel der Unverschämtheit leistete sich dieser Ami-Chef, der 2014 dein großartiges Russland als „Regionalmacht“ diffamierte. Da hätte er gleich sagen können, dass er dich als eine Art glorifizierten Dorfbürgermeister sieht. Und sowas soll man sich ausgerechnet von einem Schwärzlichen mit Zeitarbeitsvertrag bieten lassen, der einer dieser verschwulten Demokratien vorsteht? Und mit Vornamen auch noch Hussein heißt? Geht gar nicht.

Ich bin ziemlich sicher, dass diese Beleidigung der Hauptgrund für dein tatkräftiges Einschreiten gegen die drogenversifften Hippienazis in der Ukraine war. Kannst du natürlich nicht offen sagen, ist klar. Käme etwas seltsam rüber, wenn du erklären würdest: „Nimm das, Obama!“, wo der doch längst Geschichte ist. Deswegen habe ich volles Verständnis für die Story mit der „NATO-Bedrohung“ und den „Sicherheitsinteressen“ und so.

Der US-Opa macht den Chuck Norris

Was zählt, ist, du bist wieder wer. Okay, ein bisschen blöd war in dem Zusammenhang der Biden-Besuch in der Ukraine. Ich sag’s, wie es ist: Damit hat sich der Erzfeind im globalen Cojones-Ranking weit nach vorne geschoben. Ernsthaft, der US-Opa macht im Kriegsgebiet den Chuck Norris, und du verleihst zum Ausgleich einen Orden an Steven Seagal? Und das nicht mal persönlich, sondern per Pressemitteilung?

Jetzt sagst du bestimmt, wahrscheinlich wusste Sleepy Joe bis zum Aussteigen nicht, wo die Reise hingeht. Mag sein, aber Fakt ist, er war ohne Schutz durch US-Militär auf gefährlichem Terrain. Erstens hätte es gut sein können, dass dein Stillhalte-Memo nicht bei all deinen Leuten ankommt. Zweitens hätte auch einem Ukrainer einfallen können, den Ami-Präsidenten per Russenrakete wegzumachen. Eine erfolgreiche False-Flag-Nummer hätte den Ukrainern US-Unterstützung bis zum Jüngsten Tag garantiert.

Wie auch immer, der navigatorisch Herausgeforderte war da, wo die Musik spielt. Und du hast nach einem Jahr Spezialsache nur einen Truppenübungsplatz im Dunstkreis von Moskau besucht. Das macht halt einen ähnlich virilen Eindruck wie die Sieben-Meter-Lücke bei deinen Kreml-Konferenzen. Im Internet verkaufen sie inzwischen sogar „Pussy Putin“-Shirts. Das muss man sich mal reinziehen.

Luft nach oben bei der Macho-Sache

Ich sage dazu nur so viel: Ich verstehe jeden, der unter solchen Umständen hinten im Kühlschrank nach den Polonium-Ampullen sieht, um das Ablaufdatum zu checken. Apropos, in der Sat.1-Mediathek gibt’s gerade kostenlos die „Litvinenko“-Serie zum Anschauen. Keine Angst, ist von Briten, also gut gemacht – ganz im Gegensatz zu der elenden „Schwarm“-Langweilerei vom ZDF. Die Special Effects sind derart grottig, das konnte Stanley Kubrick vor 55 Jahren schon besser. Aber was rede ich, bekanntlich sind die Deutschen im Filmemachen noch schlechter als im Regieren. Und das will was heißen.

Sorry fürs Abschweifen, was ich eigentlich rüberbringen wollte: Bei der Macho-Sache ist Luft nach oben, PR-technisch gesehen. Weißte ja wahrscheinlich selbst, denke ich.

Zurück zu deinen Erfolgen. Okay, an der richtigen Front läuft es eher so mittel – an der Heimatfront dafür umso geschmeidiger. Wenn die Berichte bei uns stimmen, dann kannst du zu Hause erzählen, was du willst, es wird geglaubt. Angriff durch den Westen, Krieg mit der NATO, Bedrohung der Existenz Russlands – ein Großteil deiner Leute nimmt dir das anscheinend wirklich ab.

Der Scholzinator vor Moskau

Ich will deine Russen damit nicht schlechtreden. Bei uns sieht’s schließlich nicht viel anders aus. Solange die Medien mitspielen und sich genug willfährige „Experten“ finden, geht fast alles. Ich persönlich vermute ja, unsere Regierung veranstaltet so eine Art Dauerintelligenztest. Deswegen denkt sie sich das tollste Zeug aus – und egal, was es ist, es fallen zwanzig bis achtzig Prozent der Leute drauf rein. Beispiel: Wenn die Deutschen mehr Fahrrad fahren, wird es den Kamerunern nicht zu warm. Oder: Wenn Papa sich das ganz fest wünscht, ist er auf einmal Mama, sobald er die Augen wieder aufmacht. Sogar ohne Spezialoperation untenrum.

Im Grunde ist das nichts Neues. Vor 70 Jahren hat man den Kindern erzählt, wenn du deinen Teller brav leer isst, gibt’s morgen schönes Wetter. Und zu Ostern legen Hasen bunte Eier, die dann hartgekocht in der Nachttanke rumstehen. Der Unterschied ist, dass man früher mit so was nur Dreijährige verarschen konnte. Heute geht das auch mit Dreißigjährigen.

Trotzdem, Respekt für deine gelungene Propaganda im Homeland. Grenzgenial war auf jeden Fall die Idee, vor Moskau Schützengräben ausheben zu lassen, als stünde der Scholzinator mit seinen 14 Leoparden kurz vor dem Kreml-Sturm. Herrlich. Richtig superlustig ist das, wenn man sich vor Augen hält, dass unsere Armee mit ihrem Zwei-Tage-Munitionsvorrat höchstens Legoland erobern könnte. Oder vielleicht noch Dinslaken.

Glühende Landschaften

Auch beim internationalen PR-Krieg sieht’s ziemlich sonnig für dich aus. Sorry, PR-Operation meine ich natürlich. Die „globale Gemeinschaft“ interessiert sich für deine Meinungsverschiedenheiten mit der Ukraine eh nur bedingt. Die Amis nervt die Geschichte, weil sie sich lieber auf den eigentlichen Problempanda konzentrieren würden, die Chinesen. Aber neue Absatzmärkte für ihr Flüssiggas nehmen sie gerne mit, logisch.

Die Chinesen wiederum tun so, als seien sie deine ziemlich besten Freunde. Die finden das Geballer bombig, weil es Amis und Europäer schwächt. Gleich dreifach, durch die Kosten fürs Kaputtmachen, die Kosten fürs Durchfüttern von Flüchtlingen und die Kosten fürs Wiederaufbauen. Grenzwertig wird’s für die Chinesen erst beim Einsatz von Atomwaffen. Glühende Landschaften sind denen egal, aber nicht verglühende Kundschaften.

Beim Geschäft hört für die Chinesen der Spaß auf, genau wie für die Inder. Die freuen sich derzeit einen Ast ab, weil sie ihr Business mit dir verfünffacht haben und dein Öl mit fettem Aufschlag weltweit verticken. Für die Länder im „globalen Süden“ sind halt wirtschaftliche Interessen relevant, ansonsten gehen denen die Ukrainer gepflegt am Rektum vorbei.

„Tagesschau“, Moral und Parkplätze

Derartige Wurscht-Egalität kann die empathischen Deutschen niemals befallen. Außer vielleicht bei Kongo-Mördermilizen, Venezuela-Flüchtlingen und Jemen-Gräueln. Oder bei deinem Großreinemachen in Tschetschenien. Oder … na ja, halt bei allem, was nicht so oft in der „Tagesschau“ kommt. Gut, im Fall Tschetschenien spielte auch eine Rolle, dass es dort eine Menge Sprenggläubige gibt. Da blitzt schnell der Gedanke auf, kannste alle in einen Sack stecken und draufhauen, trifft niemals die Verkehrten. Aber sonst sind die Deutschen ganz weit vorn, so vom Moralischen her.

Bei der Ukraine-Sache kommen drei Faktoren dazu, die man aus der Immobilienwirtschaft kennt: Lage, Lage, Lage. Seit die Deutschen überraschend in der „Tagesschau“ erfuhren, dass es erstens eine Ukraine gibt und die zweitens gar nicht so weit weg ist, herrscht natürlich eine gewisse Aufregung. Deine dortigen Aktivitäten haben ja auch bei uns praktische Konsequenzen. Als wären die Zustände in Berlin nicht schlimm genug, muss man sich jetzt noch mit „UA“-Autos um die Parkplätze streiten.

Jedenfalls, was ich sagen wollte, das sind die drei Hauptgründe, warum die Deutschen Waffen an die Ukraine liefern: „Tagesschau“, Moral und Parkplätze. Und weil bei uns nicht alle moralisch bewegt „Tagesschau“ gucken oder in Berlin Auto fahren, sind nicht alle für Waffenlieferungen.

Olaf, der Zauderlehrling

Deswegen lässt unser Olaf, der Zauderlehrling von Angela, Kriegszeug nach dem Motto „Maß und Mitte“ in die Ukraine tröpfeln: zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Okay, sie sterben schon, die Ukrainer, aber halt nicht so schnell.

Das ist natürlich lästig für dich. Andererseits musst du das Glas halb voll sehen, nicht halb leer. Hätten Amis und Europäer mit Waffenlieferungen geklotzt und nicht gekleckert, dann wären deine Truppen wohl jetzt bis Kathmandu versprengt. Verzeih die Offenheit, Wladimir Wladimirowitsch, aber einer muss es ja sagen. Man hört doch immer, dass im Umfeld erfolgreicher Durchregierer keiner mehr die Wahrheit erzählt.

Zugegeben, ich bin kein Spezialoperationsspezialist. Wenigstens habe ich meinen Wehrdienst erfolgreich als Obergefreiter abgeschlossen – das ist mehr militärische Kompetenz, als 97,4 Prozent der Ampelmännchen und -weibchen vorweisen können. Und die Experten in unseren TV-Sprechstunden haben auch nicht mehr Ahnung von Abschlachtfeldern als du und ich und deine Generäle.

Die aktuelle Quatschbehauptung

Erst haben die Gefechtsköpfe uns erzählt, dass du nach vier Tagen Spazierfahrt vom Regierungssitz in Kiew winken würdest. Dann waren sie überrascht, dass die bockigen Ukrainer deine Leute nicht nur aufhielten, sondern sogar zurückdrängten. Später hieß es, dir gehen die Raketen aus. Oder die Soldaten. Oder beides. Ach ja, und die tollen Boykotte würden Russland auf jeden Fall mehr schaden als uns. Auch da sieht’s eher nach dem Gegenteil aus.

Kurz, unsere Fachleute für Krieg & Stuff lagen mit ihren Prognosen mindestens so weit daneben wie die Mehrheit der Spezialisten für Klima und Corona. Aber was rede ich, das Thema hat eine international tätige Führungskraft namens Winston Churchill bereits vor Jahrzehnten abgeräumt: „Ein Experte ist jemand, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose falsch war.“

Derzeit ist eine weitere Quatschbehauptung bei unseren Spezialisten schwer in Mode. Das Narrativ lautet, man müsse den Ukrainern Waffen liefern, weil man dich damit zu Verhandlungen zwingen könne. Wenn’s auf dem Schlachtfeld nicht mehr weiterginge, würdest du pronto einknicken und wärst bereit zu reden.

Du hast Zeit, die anderen haben Druck

Bei Anne Will erzählte das Christoph Heusgen, Ex-Merkel-Berater und Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. Drei Tage zuvor war Heusgen-Vorgänger Wolfgang Ischinger mit derselben Botschaft bei Illner unterwegs: „Putin wird erst überzeugt werden, wenn sein eigener Generalstabschef Gerassimow bei ihm aufkreuzt im Kreml und sagt, Herr Präsident, mehr kriegen wir nicht hin.“

Herrlich, oder? Also, mein Gefühl sagt mir, dass der Genosse Gerassimow niemals mit so einer Meldung bei dir aufprallen wird, egal, wie die Lage ist. So ist der Kollege nicht gestrickt. Entscheidend ist sowieso was anderes. Unsere Experten vergessen einen Umstand, der auf westlicher Seite eine viel größere Rolle spielt als bei dir: Zeit. Du hast Zeit, die anderen haben Druck.

Solange du die Lage zu Hause so prima im Griff hast wie bisher, kannst du locker abwarten, ob die Stimmung in den Weichei-Demokratien kippt, was die US-Wahlen nächstes Jahr bringen und ab wann es bei den Ukrainern eng wird mit dem Soldaten-Nachschub. Vorausgesetzt, die Ukraine-Supporter diskutieren weiter monatelang über jeden Panzer, jede Flak und jede Rakete, musst du nicht befürchten, dass deine Leute weggefegt werden. Auch wenn es also auf dem Boden nicht vorwärtsgeht, heißt das noch lange nicht, dass du dich deswegen ernsthaft auf Verhandlungen einlässt. Weißte selbst am besten.

Intellektuelle Energiesparlampe

Du verhandelst genau dann, wenn es dir passt und nicht den anderen. Was speziell die Deutschen nicht kapieren: In normalen Ländern gilt bei einer Verhandlung das Ergebnis. In Deutschland gilt schon die Verhandlung als Ergebnis. Das kommt daher, dass unsere Außenpolitik über Jahrzehnte kaum was Zählbares erreichte. Deshalb redete man den Leuten ein, „der Dialog“ sei ein Wert an sich.

Seit der Merkelin heißt Außenpolitik bei uns: 1. Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben. 2. Wir protestieren aufs Schärfste. 3. Okay, wir bezahlen. Hinzu kommen ein paar Tagträumchen à la „Wandel durch Handel“ oder „Nation Building“, also der Export von nicen Gimmicks wie Demokratie und Menschenrechte in zum Beispiel islamische Länder. Alles krachend gescheitert, klar. Genau wie die Fantasien, andere Europäer wären so beknackt, den Germanen bei ihrer grenzenlosen Migrationspolitik aus der Patsche zu helfen. Oder irgendjemand auf der Welt würde sich unserer vorbildlichen Klimareise ins Energie-Nirwana anschließen. Passiert natürlich nicht. Trotzdem sind die Deutschen überzeugt, die anderen seien die Geisterfahrer, nicht sie selbst.

Der große Erfolg der deutschen Politik besteht darin, dass die anderen nicht laut lachen, wenn Annalena Baerbock auftritt. Solange unsere intellektuelle Energiesparlampe die gewohnten Schecks mitbringt, toleriert man jeden Spleen, sogar „feministische Außenpolitik“.

Deutscher Fetisch „Verhandlungen“

„Verhandlungen“ sind also ein ganz spezieller Fetisch der Deutschen. Der sprechende Kleiderbügel, der vor Baerbock im Außenamt rumhing, meinte offenbar, sogar der Zweite Weltkrieg sei per Gesprächskreis entschieden worden („Militärisch Frieden schaffen … hat noch nirgendwo funktioniert“). Ähnlich faktenfrei und glaubensstark erzählen heute andere in die Kameras, „die meisten Kriege“ habe man durch Verhandlungen beendet. Für viele Deutsche ist es mit Verhandlungen wie mit Klimarettung und Geschlechterwechsel. Man muss nur fest daran glauben, dann wirkt der Zauber auch. 

Das könntest du natürlich prima ausnutzen, lieber Despo…, äh, Gospodin Putin. Du erklärst dich einfach stante pede und bedingungsfrei für gesprächsbereit. In Nullkommanichts dürfte zumindest von deutscher Seite die Bereitschaft zu militärischen Geschenken von 50:50 in Richtung 40:60 sinken.

Anschließend quartierst du ein paar Dutzend Apparatschiks in einem Istanbuler Nobelhotel ein. Die schubsen täglich in drei Schichten Afri-Cola auf dem Konferenztisch herum, während sie medienwirksam dem Eintreffen ihrer Verhandlungspartner entgegenfiebern. Wenn niemand kommt, sind die Anderen schuld, dass kein Frieden ausbricht. Falls tatsächlich jemand aufprallen sollte, lässt du so lange und fruchtlos „verhandeln“, wie es dir in den Kram passt.

Du brauchst einen Plan B

Klar, dieses Vorgehen garantiert nicht, dass der Zustrom von westlichem Gefechtsgerät umgehend versiegt. Eingefleischte Kriegstreiber fallen deswegen noch lange nicht um. Ich zum Beispiel bin aus diversen Gründen voll für militärischen Support. Bitte, ist nichts Persönliches. Aber mal ehrlich, würdest du dir ein Fußballspiel ansehen, bei dem zwölf kernige Kolonial-Franzosen gegen vier dünne Liechtensteiner auflaufen? Eben.

Wenn also die Amis und Europäer trotz „Verhandlungen“ weiter Care-Pakete mit Kampfmitteln an die Ukrainer fedexen, vielleicht sogar plötzlich Flieger betanken, brauchst du einen Plan B. Der könnte zum Beispiel so aussehen: Erst machst du einen auf Armageddon und lässt noch einmal Raketen regnen. Anschließend erklärst du den großen vaterländischen Sieg, weil alle kiffenden Faschotransen in der Ukraine ihrer gerechten Strafe zugeführt und deine Aufgaben somit erfolgreich erledigt sind.

Gleichzeitig rufst du den großen vaterländischen Frieden aus, den du ja sowieso immer nur wolltest, ziehst Truppen zurück und hinterlässt bei deinem Uxit eine gründlich umgepflügte Rest-Ukraine. Die Krim und irgendwas mit Luhansk behältst du natürlich, schon aus Prinzip.

Win-win-win, stimmt’s?

Du fragst, wo da der Gewinn sein soll? Ganz einfach. Seit Beginn der Spezialgeschichte haben sich die Voraussetzungen geändert. Aus einer Blitz-, Angriffs- und Eroberungs- wurde eine Vernichtungsoperation. Jetzt ist die Lage, wie sie ist. Mit jeder einschlagenden Bombe, Rakete und Granate wird das Land unattraktiver. Sollte es dir tatsächlich noch gelingen, die Ukraine zu erobern, hast du den ganzen kaputten Bums anschließend an der Backe. Inklusive Dauerärger und supernervigem Guerillakrieg.

Wenn du stattdessen verbrannte Erde hinterlässt, fühlt sich der globale Nordwesten verpflichtet, die Ruinen mit Fantastilliarden wieder aufzubauen. Damit sind Amis und Europäer lange beschäftigt. Du lässt dich zu Hause dafür abfeiern, dass du Russia wieder great gemacht hast, kannst deine Rumpelarmee auf Vordermann bringen und dich in Ruhe auf neue Abenteuer vorbereiten.

Oder du bist halt ein ganz normaler Diktator, der mit Kernarbeitszeit von zehn bis 14 Uhr dem ganz normalen Diktatoren-Tagesgeschäft nachgeht, Unterdrücken, Ausbeuten und Botoxen. Nebenbei kümmerst du dich um die Immobilien und genießt mit deiner Tanzmarie das einfache Leben eines Staatsbediensteten. Was auf jeden Fall bleibt: Die Welt redet wieder über dich.

Win-win-win, stimmt’s? Einfach mal drüber nachdenken.

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Sam Lowry / 12.03.2023

Im Mainstream zu 100 %: Die ach so armen Ukrainer, die bösen Russen. Aber wehe, ein Daniele Ganser zeigt das ganze Bild… nee, von mir aus Atomschlag und fertisch. Ich bin satt und habe auch keine Hoffnung mehr für dieses Deutschland und seine Schafe.

T. Schneegaß / 12.03.2023

@Richard Reit /Peter Wagner: Wir sollten Herrn Loewensterns Charakterstärke würdigen. Nicht Jeder ist so selbstbewusst, eigene Irrtümer mit Humor zuzugeben. Ich mag diese Art selbstkritischer Offenbarung sehr. Zusatzeffekt: da die geistig beschränken rotgrünen Lügner glauben, dass er nach wie vor ihren Lügen glaubt, schützt er sich vor deren humorloser Rache.

Peter Holschke / 12.03.2023

@Dirk Jungnickel - Ich bitte um Verzeihung, aber sie spinnen doch! Wenn Sie Putin zum neuen Ost-Hitler erklären, erscheint der eigene Hitler nicht mehr ganz so schlimm? Durch diesen Kunstgriff, fallen Vernichtungslager und Ausrottungskrieg leichthin unter den Tisch. “Seht her! Die anderen sind auch nicht besser!”

giesemann gerhard / 12.03.2023

Nochmal zu Kaliningrad, vormals Königsberg: Die Phobie der Russen gegen den Westen ist einfach nur lächerlich, der Neid auf die Ukrainer, die viel schlauer sind als die Kremlins ist an Dummheit und Niedertracht nicht zu unterbieten. Eine Schande, dass Russland ein Land ist, gegen das man sich immer noch zur Wehr setzen muss, weil es die einfachsten Regeln des internationalen Anstandes nicht auf die Reihe kriegt. Sollen sie zur Hölle fahren, wie weiland die Deutschen. Aus der Asche kann ja gerne ein Phoenix aufsteigen - mir wäre es recht. Verweise auch auf meinen Kommentar weiter unten. Viele kluge Russen wissen das, aber der Standardruss ebend nicht. к сожале́нию - leider. Denn der ist anscheinend die Mehrheit, da verfluche ich manchmal das schnatterfräßige Volk - hier wie dort. Weil ich es zwar verachte, aber eben mit drin stecke in der ... . Chose.

Lisa Werle / 12.03.2023

Robert von Loewenstern: einfach genial - wie immer. Mehr davon. Das Lachen tut gut. Außerdem stärken diese Texte den eigenen Widerstand. Danke.

Dirk Jungnickel / 12.03.2023

Sorry, aber mir bleibt angesichts des unverschuldeten Leids in der Ukraine und des Giftens der üblichen Verdächtigen hier das Lachen im Halse stecken. Satire bitte da wo sie erträglich ist; das schreibt einer, der hier oft als Satiriker unterwegs ist. Dies jetzt ist ausdrücklich keine Satire, wohl gemerkt, eher ein Gedankenexperiment. In Russland feiert der Menschheitsverbrecher Stalin fröhliche Wiederauferstehung. Von der Kreml - Mauer ist er nie entfernt worden, demnächst dürfte er sich wieder ( !) neben dem Schreibtischtäter Lenin gesalbt und rotlichtbestrahlt im Mausoleum wiederfinden. Putin mutiert allmählich zu seinem Wiedergänger, vor allem in Sachen Verbrechen gegen die Menschlichkeit…. Nehmen wir hypothetisch an - sehr weit hergeholt, zugegeben - eine nationalsozialistische Partei gewänne bei uns die nächsten Wahlen haushoch und ihr “Führer”  wird im Olympia - Stadion mit Ovationen gefeiert. Die Nato sei obsolet. Das Ausland schweigt (noch) konsterniert. Dann aber setzt der “Führer” die Bundeswehr in Marsch. Westpolen wird eingenommen und das nächste erklärte Ziel ist - natürlich ! - Ostpreußen.     Ich überlasse es dem Leser, den Zeitpunkt zu prophezeien, an dem die Westmächte dem neuen “Führer” Einhalt gebieten, besser: ihm kräftig aufs Maul hauen bzw. ihn in Den Haag abliefern.     Keine Analogien ? DOCH ! - Nur, dass die Russen eben 1945 die Mitsieger waren, das macht den Unterschied…...

Wieland Schmied / 12.03.2023

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und dieses Lachen wird man - mit absoluter Sicherheit . -  nicht zwischen Flensburg, Berchtesgaden, Köln und Frankfurt/Oder hören. Darauf einen “Moskowskaja”.

Roland Völlmer / 12.03.2023

Sie lehnen sich weit zum Fenster hinaus. In ein paar Monaten wissen wir, wer gewonnen hat. Wenn wir es überleben.

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