Immer wieder, wenn in den letzten Jahren Demonstrationen im Westen, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika, stattgefunden haben, bei denen vermeintliche oder tatsächliche sexistische Politik angeprangert wurde, bedienen sich Demonstrantinnen oft einer Symbolik aus der Serie „The Handmaid’s Tale“, basierend auf dem Roman von Margaret Atwood („Der Report der Magd“). Besonders bei Protesten gegen Donald Trump wird dieses Bild häufig verwendet: Die Demonstrantinnen kleiden sich in rote Umhänge mit weißen Kopfbedeckungen, da dies die Darstellung von Unterdrückung und Kontrolle in der Serie ist. In der dystopischen Welt der Serie symbolisiert diese Kleidung die vollständige Kontrolle eines religiös-autoritären Staates über den Körper und das Leben von Frauen.
Warum eigentlich nutzen diese Demonstrantinnen immer wieder ein Bild aus der Fiktion, obwohl es doch seit Jahren reale Reportagen von Frauen gibt? Seit 1979 existiert im Iran ein Regime, in dem viele der dystopischen Elemente von „Handmaid’s Tale“ Realität sind: rechtliche Diskriminierung und strukturelle Unterdrückung von Frauen, inklusive der Umhänge und Kopfbedeckungen. Allerdings sind diese im Iran schwarz und nicht rot und weiß. Im Iran braucht es keine Kostümierung oder fiktionale Serie, um auf das Ausmaß der Unterdrückung hinzuweisen; die Realität ist dort täglich erlebbar, und das seit mittlerweile über 45 Jahren. Die Kleiderordnung ist Teil eines umfassenden Systems religiöser Vorschriften, die durch staatliche Institutionen und Sicherheitskräfte kontrolliert und durchgesetzt werden.
Während in westlichen Ländern protestiert und inszeniert wird, wird die Realität im Iran oft ignoriert. Ironischerweise ist gerade Donald Trump, der in westlichen Medien häufig kritisiert wurde, in diesem Zusammenhang derjenige, dessen Außenpolitik und militärische Entscheidungen den größten Druck auf das iranische Regime seit Jahrzehnten erzeugt haben. Diese Politik umfasste unter anderem harte wirtschaftliche Sanktionen, diplomatische Isolation des Regimes sowie militärische Maßnahmen gegen iranische Sicherheitsstrukturen und deren regionale Netzwerke.
Seit Ende 2025 kommt es im Iran zu massiven landesweiten Protesten gegen das Regime, die sich über mehr als hundert Städte ausgebreitet haben. Die Regierung reagierte mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten. Sicherheitskräfte, Revolutionsgarden und regimenahe Milizen gingen gegen Protestierende vor, wobei zahlreiche Menschen verhaftet, verletzt oder getötet wurden.
Selektive Aufmerksamkeit
Vor einigen Tagen nun haben die Vereinigten Staaten und Israel militärische Angriffe auf Ziele des iranischen Regimes gestartet. Ob diese Entwicklung letztlich zum Sturz des iranischen Regimes führen wird, bleibt offen. Vertreter der US-Regierung erklärten jedenfalls Anfang März 2026, dass das iranische Regime militärisch und politisch zunehmend destabilisiert werde.
Eines ist jedenfalls bereits offensichtlich: Die selektive Aufmerksamkeit eines Teils der westlichen Öffentlichkeit offenbart, dass es vielen Protestierenden oft weniger um Frauenrechte geht als um innenpolitische Symbolkämpfe gegen politische Gegner im eigenen Land.
Die Abneigung gegenüber dem Westen ist im Westen selbst teilweise so stark ausgeprägt, dass mit sich selbst und ihrer Gesellschaft hadernde politische Milieus immer wieder mit radikalen und antiwestlichen Kräften zusammenarbeiten. In Deutschland zeigte sich dies besonders bei der sogenannten Rote Armee Fraktion und anderen Terrororganisationen während des Deutscher Herbst, die Kontakte zu palästinensischen militanten Organisationen pflegten.
Am 27. Juni 1976 zum Beispiel wurde Flug 139 der Air France, der von Tel Aviv nach Paris führen sollte, nach einer Zwischenlandung in Athen entführt. Es befanden sich zwölf Besatzungsmitglieder und zweihundertachtundfünfzig Fluggäste an Bord. Die Entführer nannten sich „Kommando Che Guevara“, benannt nach Che Guevara, dessen Gesicht noch heute auf vielen T-Shirts antikapitalistischer Linken zu sehen ist.
Einige der Terroristen gehörten zur Volksfront zur Befreiung Palästinas. Zwei Terroristen waren Deutsche: Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann. Sie gehörten zu den Revolutionären Zellen. Gemeinsam zwangen sie die Piloten der Air-France-Maschine, den Flughafen Entebbe International Airport in Uganda anzufliegen, da dort das Regime von Idi Amin die Terroristen unterstützte.
Seit Jahrzehnten existierende Unterdrückung
Mit der Flugzeugentführung sollte die Freilassung von insgesamt dreiundfünfzig Inhaftierten aus Gefängnissen in Israel, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz erpresst werden. Darunter waren auch Mitglieder von zwei deutschen Terrororganisationen, nämlich der Roten Armee Fraktion um Andreas Baader und Ulrike Meinhof sowie der Bewegung 2. Juni. Außerdem forderten die Entführer fünf Millionen US-Dollar von der französischen Regierung für die Rückgabe des Flugzeuges.
Die Passagiere wurden in der alten Transithalle des Terminals von Entebbe als Geiseln gehalten, wo sie in Juden und Nicht-Juden selektiert wurden. Die Selektion wurde von den Deutschen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann vorgenommen. Sie nutzten dafür israelische Papiere, aber auch vermeintlich jüdische Namen, wodurch teilweise auch Menschen irrtümlich als Juden identifiziert wurden.
Ein Überlebender des Holocaust zeigte Wilfried Böse seine eintätowierte Häftlingsnummer, um ihn an die Selektion in den Konzentrationslagern zu erinnern. Böse erklärte daraufhin: „Ich bin kein Nazi. Ich bin Idealist!“
Auch die iranische Revolution von 1979 wurde nicht zuletzt von linken „Idealisten“ im Westen begrüßt oder unterstützt. Die antiwestliche Haltung dieser politischen Szene führte zu Spannungen innerhalb der feministischen Bewegung. Während Aktivistinnen wie Alice Schwarzer früh vor dem fundamentalistischen Charakter des neuen Regimes warnten, sahen andere westliche Feministinnen in der Revolution zunächst eine antiimperialistische Befreiungsbewegung.
Heute zeigt sich ein ähnliches Muster: Während im Westen Vergleiche zwischen „Handmaid’s Tale“ und westlichen Politikern gezogen werden, wird die reale und seit Jahrzehnten existierende Unterdrückung von Frauen im Iran häufig relativiert oder politisch instrumentalisiert. Im Iran eskaliert diese Realität bereits seit 1979 – konstant und alltäglich, seit die Mullahs das politische System in eine strenge Theokratie umgebaut haben.
Was ist eigentlich mit dem Frauenrecht?
Es ist eine Eskalation, wenn Frauen gezwungen werden, Kleidervorschriften einzuhalten, wenn sie vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden oder wenn sie für Proteste verfolgt, inhaftiert oder getötet werden. Es ist eine Eskalation, wenn Frauen und Männer aufgrund ihrer politischen Meinung verfolgt werden. All dies geschieht seit Jahrzehnten, und dennoch wird in der internationalen Debatte häufig der Eindruck erweckt, jede ernsthafte Herausforderung dieses Regimes sei eine gefährliche „Eskalation“.
Was ist eigentlich mit dem Frauenrecht? Was ist mit den Menschenrechten? Wenn das Völkerrecht gegen das Frauenrecht geht, müssen Frauen sich nicht daran halten. Wenn das Völkerrecht gegen die Menschenrechte geht, darf dieses Völkerrecht von Menschen ignoriert werden. Wenn ein Regime systematisch Frauen unterdrückt, politische Gegner verfolgt und grundlegende Freiheitsrechte verletzt, dann gelten Frauenrechte und Menschenrechte vor dem Völkerrecht.
Gerade Frauen im Iran erleben seit Jahrzehnten, dass internationale Regeln und diplomatische Rücksichtnahmen ihnen keinen Schutz bieten. Internationale Organisationen veröffentlichen Berichte, Regierungen äußern Besorgnis, doch an der Realität im Alltag vieler Frauen ändert sich oft wenig. Wenn ein Rechtssystem dazu führt, dass Unterdrückung dauerhaft bestehen bleibt, dann verliert dieses Rechtssystem seine moralische Autorität.
Der völkerrechtliche Doppelstandard offenbart nicht nur eine ideologische Blindheit, sondern auch eine latente Bereitschaft, reale Frauenrechtsverletzungen zu übersehen, solange sie nicht politisch in das eigene Weltbild passen. Während westliche Demonstrierende Kostüme anlegen, um auf symbolische Unterdrückung aufmerksam zu machen, erleben Frauen im Iran diese Unterdrückung täglich.
Sollte die aktuelle internationale Auseinandersetzung tatsächlich zu einem Ende der Islamischen Republik führen, könnte die historische Ironie darin bestehen, dass ausgerechnet die Vereinigten Staaten, unter einem Präsidenten wie Donald Trump, entscheidend zum Zusammenbruch eines der frauenfeindlichsten politischen Systeme der Gegenwart beigetragen haben.

Das Wort Zigarette ist auch nur eine Verballhornung von Souffragette. Aber wem sage ich das?
Die Ossis in Dresden hatten eine Moschee, wo sie Zigaretten gerollt haben. Daher kommt das. Daher kommt auch die witzige Vermutung, der Nachbar würde wieder Orient-Teppiche rauchen.
Also man soll in Symbolen keinen Sinn suchen. Manchmal ist es ganz profan und hat mit richtiger Gesinnung überhaupt nichts zu tun.
Gut oder Böse lautet ihr „gewaltiges“ Alphabet, darüber hinaus ist alles ausgeblendet. Bis dahin allerdings, bekennt man sich betont geistreich.
Was Trumps edlen Kampf für Frauenrechte angeht: Wer war nochmal POTUS, als am 29. Februar 2020 das Doha-Abkommen (Agreement for Bringing Peace to Afghanistan) mit den Taliban unterzeichnet wurde?
Ein gutes Jahr später war Hibatullah Akhundzada (das afghanische Pendant zu Ali Chamenei) „im Amt“. Der IStGH hat mittlerweile einen Haftbefehl¹ ausgestellt, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgrund Verfolgung von Mädchen, Frauen und Personen, die sich nicht an die Geschlechterpolitik der Taliban halten, sowie deren Verbündete.
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¹) um Missverständnisse zu vermeiden: gegen Akhundzada
Was schlägt Herr Buurmann vor? Eine verbindliche Kleiderordnung für amerikanische Demonstrantinnen? Oder lieber gleich ein Demonstrationsverbot für Frauen? Wohl
kaum. Seltsamer Artikel.
Vielen Dank für den Artikel, ich hatte bisher diese Erscheinungen nicht richtig einordnen können. Die meisten Universitäten, in denen neben Khomenei auch die marxistischen Heilslehren überwintern durften wurden im Hochmittelalter von Dominikanern gegründet. Sie gruben die antike Dialektik aus, soweit so schön und brachten die meisten Großinquisitoren hervor. Der Hochschulkampf von 1968 trieb Professoren wie Fraenkel beinahe in erneute Immigration, Adorno konsterniert, starb ein Jahr darauf und Professor Ratzinger wechselte seinen Lehrstuhl und seine Haltung ebenfalls. Während H. Marcuse oder Hans Küng der studentische Protest zu großer Bedeutung verhalf, kritisierte Fromm bereits 10 Jahre zuvor eine Infantilisierung und überwarf sich mit Marcuse. Ernst Bloch, der stalinistische Gnostiker war so weltfremd und kurzsichtig, daß man gerade noch seine Manuskripte retten konnte, die er in Leipzig 56 nach dem Aufstand der Ungarn zurückließ. Er wurde verehrt wie ein Märchenerzähler aus 1001 Nacht, andere wurden das Opfer von Schmiererei und Geschrei. Die Pamphlete und Kursbücher landeten längst in den Papiermühlen, auffällig ist aber die schönfärberische Sicht auf das Sowjetsystem und auf die Segnungen der chinesischen Kulturrevolution. Jüngst wurde offengelegt, welche Gelder die Emirate den Ivy-League Universitäten spendeten- an sich ist Mäzenatentum lobenswert, Trump kritisierte die Umtriebe und Ausschreitungen etwa an der Columbia gegen die, welche bei der hochproblematischen Identitätspolitik und ihrer ideologischen Begründung nicht mitspielen. Die Grünen beschlossen, das Winkelmann Institut in Berlin zu schließen, einem Gebiet, in der Deutschland Weltgeltung beansprucht, um stattdessen Genderfluidität zu erforschen. Der Einfluß der Talare, Nahostkleriker und Politbüro-Apparatschik wurde 68 nicht wirklich abgewehrt; man kann den Nahen Osten auch nicht einschätzen, wenn es völlig tabu ist, Mentalitäten zu benennen oder den poststrukturellen Phrasensalat anzuzweifeln.
Dummheit, Bildungsmangel und Selbsthass kennzeichnen die westlichen Linksgrünwoken.
Vergleiche zwischen Literatur und Realität sind immer ein bisserl dumm. Kann man den Leuten nicht verübeln, denn ihnen würde auf dem Bildungsweg fast überall „Die Welle“ oder was vergleichbares mitgegeben.