Hans-Hermann Tiedje, Gastautor / 07.03.2021 / 11:00 / Foto: Pixabay / 17 / Seite ausdrucken

The Big Four und die dahinter

Wirecard und kein Ende. Die Schuldigen: Finanzvorstand Marsalek und die Finanzaufsicht BaFin. Die war mal wieder im Dämmerzustand, während der Wirecard-Verantwortliche sich aus dem Staub gemacht hatte. 

Dazu folgende Richtigstellung: 

In hiesigen Medien läuft die Geschichte des BaFin-Skandals als Dauerschleife mit den Pennern der BaFin in der Hauptrolle, während sich am Finanzplatz London eine andere Story durchgesetzt hat. Die „Financial Times“ mit der Schlagzeile auf Seite 1: „EY failed on basic Wirecard checks“. Zwischenzeile: „The big question … is what on Earth did EY do when they signed off the accounts?” Ja, was?

Das ist die Frage, und man könnte EY (Ernst & Young) durch KPMG, Deloitte oder PWC ersetzen. Diese Big Four der Wirtschaftsprüfung waren, anders als die BaFin, alle in dicke Skandale verwickelt. Durch falsche Testate, verkannte Fehlbuchungen, übersehene Bilanz-Manipulationen. Geprüft, geschlampt, geschwiegen. 

Das war schon in der Finanzkrise 2008/2009 so, von Lehman Bros. bis zur Hypo Real Estate (HRE). Bei der HRE prüfte PWC, bei Flowtex KPMG, bei Parmalat Deloitte. 

Zwar dürfen die Big Four bei systemrelevanten Firmen nicht mehr gleichzeitig Beratungs- und Prüfungsmandate ausüben, aber geändert hat sich wenig. Fehler bemerken andere. Wie Franziska Folter, damals 26, Bundesbank. Sie durchschaute 2016 das Wirecard-Wirrwarr. Ihre siebenseitige Analyse verschwand  wo? Im Nirvana. EY bemerkte nichts. Ein Fall für LobbyControl? 

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Leserpost

netiquette:

Volker Kleinophorst / 07.03.2021

Meint irgendwer “Sie kennen mich”-Merkel hat ihre abgeknabberten Pattscherchen da nicht drin? Die Kontrolleure sind so frei wie die Medien.

Bernd Meyer / 07.03.2021

Ach ja, Herr Tiedje, was meinen Sie? Würde Herr Schröder seinen Kopf für ein friedliches Europa opfern? Nicht, dass wir uns falsch verstehen.

Wolfgang Richter / 07.03.2021

Bei den vielen Finanzskandalen der letzten Jahre und dem Versagen der Kontrollmechanismen ist es schön zu wissen, daß deren Vorturner (Soze Scholz) der Meinung ist, er könne “Kanzler”. Vielleicht kann er für die Staatsruine, die Merkel und er bis zur kommenden Wahl übrig lassen, tatsächlich den überschaubaren Rest verkanzlern? Vielleicht weiß er ja aufgrund seiner Mittäterschaft wenigstens, wo die “Leichen” vergraben sind, über die “Murxel” vor Wochen schon mal drohte auszupacken, wenn es wer wagen sollte, ihre politische Alternativlosigkeit anzuzweifeln.

Wilfried Düring / 07.03.2021

Wer behauptet, daß die Big Four und die BaFin unfähig sind? ‘... Diese Big Four der Wirtschaftsprüfung waren, anders als die BaFin, alle in dicke Skandale verwickelt. Durch falsche Testate, verkannte Fehlbuchungen, übersehene Bilanz-Manipulationen. Geprüft, geschlampt, geschwiegen. ...’ . Was für die BaFin DIESES Staates als Erklärungsmuster noch logisch durchgeht; halte ich bei den Big Four für absolut falsch.  Ich unstelle - bis zum Beweis des Gegenteils - Absicht. Natürlich gegen ein ‘geringes Entgelt’ in ‘marktüblicher’ Höhe. BIG Brother weiß und wußte was er tut und tat - und BigTech und BigFour wissen das auch. Mit Unfähigkeit hat das nix zu tun - ganz im Gegenteil !!!

Wolfgang Kaufmann / 07.03.2021

Man hat den Eindruck, die Deutschen haben sich in einer Märchenwelt eingerichtet. Die Bösen sind die Unternehmer, die Rechten und Donald Trump. Die Guten sind die woken Feministen beiderlei Geschlechts und Hermaphroditen. – Der Blick auf den Finanzbetrug in der Nähe der BaFin und den Wissenschaftsbetrug im Umkreis der Charité übersteigt ihr schlichtes Fassungsvermögen. – Beschränkte Opfer machen es den Tätern leicht, vor allem wenn sie den Betrug gar nicht bemerken.

Dr. Peter Reich / 07.03.2021

Das erstaunliche am Versagen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft E&Y ist doch, dass es schon über einen längeren Zeitraum aus unterschiedlichen Quellen immer wieder Vorwürfe gegeben hat, dass Wirecard kein saubere Bilanzierung betreibt. Kritik am Geschäftsmodell und den Jahresabschlüssen hat es über Jahre mehr als einmal gegeben. Unter diesen Umständen prüft man die Zahlen als Abschlussprüfer doch wesentlich intensiver - wenn man noch halbwegs bei Verstand ist. Angebliche Milliardensummen auf Konten philippinischer Banken oder anderswo testiert man doch nur, wenn man einen eindeutigen Nachweis hat, dass das Geld dort existiert. Einem Big Four Unternehmen sollte die Erbringung dieser Prüfungsleistung möglich sein. Und wenn das Geld nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dann versagt man eben das Testat. Viele Anleger haben unter diesen Umständen jahrelang auf die uneingeschränkten Testate von E&Y vertraut. Dass diese Wirtschaftsprüfungsgesellschaft jetzt in Haftung genommen wird für ihr Versagen, ist überfällig

Uta Buhr / 07.03.2021

Hat nicht auch Olaf Scholz seine “Aktien” in diesem Skandal? Der ehemalige Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg und Megaversager beim G20 im Juli 2017, der, während ein Stadtteil abbrannte,  mit der adipösen Angela in der Elphie den Freuden schöner Götterfunken lauschte. Für seinen Totalausfall wurde er dann auch folgerichtig auf den Posten des Bundesfinanzministers befördert. Wenn das nicht der Beweis für die Richtigkeit des Peter-Prinzips ist. Typen wie er und seine Chefin sind zum Fremdschämen. Ich könnte kotzen.

Thomas Brox / 07.03.2021

Die Retourkutsche zu dem Artikel von H. Steinhöfle (Bankenaufsicht nach Art des Hauses Olaf Scholz). Klar, man kann deutsche Beamte nicht im Regen stehen lassen. Gab es Beschwerden? ++ Selbstverständlich hat die BaFin versagt. Der Chef der BaFin und eventuell andere Beamte werden jetzt mit üppiger Beamten-Pension bis zum Lebensende suspendiert. Für deutsche Beamte gibt es praktisch keine Privathaftung, Beamte sind de facto unfehlbar, für Versagen haftet der Steuerzahler. Der Laden gehört abwickelt. Aber deutsche Beamte sind schon per Gesetz unantastbar - von wegen Rechtsgleichheit. ++ Jede der vier Unternehmensberatungen kann man mit den Mitteln der Marktwirtschaft sehr wohl platt machen: Keine Aufträge. In einem funktionierenden kapitalistischen Rechtsstaat würden sie außerdem wegen Betrug verklagt werden, mit hoher Privathaftung. Danach wären sie insolvent. Die Unterzeichner der Testate und die entsprechenden Chefs würden ihr Vermögen verlieren und würden im Knast sitzen, die Eigner würden ebenfalls haften. ++ M.E. braucht man weder eine BaFin noch ähnliche ähnliche Nullnummern. Das normale bürgerliche Recht und eine gut funktionierende Justiz müssten vollkommen ausreichen, um Betrug, Fahrlässigkeit und Korruption zu unterbinden: Abschreckende Strafen und Privathaftung. Die Frage ist doch: Wieso versagt die Justiz, wieso versagt Marktwirtschaft und Rechtsstaat? Antwort: Weil wir schon lang in einer Art Soft-Sozialismus leben, einem Sozialismus, der sich unter der Maske des Gutmenschen versteckt.

Arthur Dent / 07.03.2021

Egal, ob sie als Wirtschaftsprüfer oder als Berater auftreten: Im Prinzip läuft das Geschäft so, dass der Auftraggeber sie bezahlt um eine für die Öffentlichkeit sichtbare Bestätigung zu bekommen, dass alles menschenmögliche für einen korrekten Ablauf getan wurde. Wenn das aber kein absolut einmaliger, sondern ein wiederkehrender Auftrag ist, besteht ein wirtschaftliches Interesse den Kunden nicht zu verärgern. Somit führt sich dieses System ad absurdum.

Ralf Pöhling / 07.03.2021

Zitat:“Ein Fall für LobbyControl?” Volltreffer. Man muss nicht nur auf Wirecard & co. schauen, sondern auch auf das, was sich momentan im Bundestag entwickelt und was da derzeit alles an brisanten Informationen an die Öffentlichkeit dringt und so manchen Parlamentarier wie auch Minister plötzlich in Bedrängnis bringt. Eine Steilvorlage nach der anderen für LobbyControl.  Dazu nur ein Tipp: Manche Chancen hat man nur einmal im Leben. Man sollte sie deshalb sofort und konsequent nutzen.

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