Wolfgang Röhl / 05.09.2011 / 10:36 / 0 / Seite ausdrucken

Telefon! Wie die Union sich selbst abwählt

Einer meiner Lieblingsfilme mit Charles Bronson ist „Telefon“ aus dem Jahre 1977, Regie Don Siegel. Darin geht es um sowjetische Agenten, die in Amerika eingeschleust wurden, dort wie harmlose Bürger leben, aber nur auf ein Signal warten, um Sabotageakte zu begehen. Ein russischer Offizier, der die Entspannung zwischen den USA und der UdSSR torpedieren will, aktiviert diese so genannten Schläfer über das Telefon, und zwar mit den wunderbaren Zeilen des Dichters Robert Frost: „Des Waldes Dunkel zieht mich an/doch muss zu meinem Wort ich stehn/und Meilen gehn/bevor ich schlafen kann…“ Kaum haben die Schläfer den Vers vernommen, begehen sie zombiegleich allerhand Schlimmes. Doch am Ende kommt Bronson ihrem Mastermind auf die Spur und bereitet dem Spuk ein Ende.

Wenn ich mal verschwörungstheoretisch gut drauf bin, reift in mir der furchtbare Verdacht, dass irgendein Netzwerk jede Menge Schläfer in die C-Parteien eingeschleust hat; Agenten, die gerade dabei sind, einen mustergültigen Zerstörungsplan abzuarbeiten.

Nicht nur, das Merkel mit aller Kraft, wenngleich ohne Atom, darauf hinarbeitet, die Union mindestens für die nächsten acht oder zwölf Jahre als Machtfaktor zu Bett zu bringen. Nicht allein, dass sich Irrlichter wie Röttgen und Seehofer mit ihrem beherzten Einsatz für eine De-Industrialisierung der Republik und gegen Genforschung um die Ehrenmitgliedschaft bei Greenpeace bemühen. Auch sonst schießt allerlei Grünzeug aus den morschen Fugen der Union, welches die Zukunft einer ehemals konservativen Partei ausgerechnet darin erblickt, die Ökopaxe beim Weltretten zu überholen. Nehmen wir den Fall einer CDU-Politikerin aus dem hohen Norden.

Alexandra Dinges-Dierig, geboren 1953 in Lübeck, hat auf Volkswirtin studiert und später mal was mit Schule gemacht. In Hamburg saß ADD ein paar Jahre als Senatorin für Bildung und Sport im Senat des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust, CDU. Der regierte ab seiner zweiten Amtsperiode die Stadt gemeinsam mit den Hamburger Grünen, welche zu seiner Befindlichkeit irgendwie besser passten als die spießigen Sozialdemokraten. Von Beust schuf so das erste Modell einer schwarz-grünen Koalition auf Landesebene. Mit durchschlagendem Ergebnis. Die CDU-Kernwählerschaft der Elbmetropole verpasste dem liberalen Freiherren, der gefühlt immerzu Urlaub auf Sylt oder Mallorca zu machen schien, eine krachende Watsche, nachdem er den Bürgern neben anderem Unfug auch noch eine Schulreform aus grünem Guss verpassen wollte.

Daher regiert in Hamburg seit 2010 wieder mal die SPD mit absoluter Mehrheit. Und das ist gut so, angesichts des Zustandes der hanseatischen CDU.

Zurück zu ADD. Die Powerfrau sann nach ihrem Ausscheiden aus dem politischen Dienst an der Elbe, wo sie keiner vermisste, auf neue Herausforderungen. Jetzt tritt sie für die CDU als Bürgermeisterkandidatin an, und zwar in ihrer Heimatstadt Lübeck. Und was ist das Knaller-Projekt dieses political animal? Sie will die Lübecker Altstadt zur „Umweltzone“ erklären! „Wir wollen keine Politik gegen die Bürger machen, aber die meisten Bürger haben das Thema Umweltschutz kapiert“, befindet die Kandidatin. Wer künftig in die City fahren wolle, solle das tun, „aber nur mit einem sauberen Auto.“ Toll.  In hellen Scharen werden es die Bürger der ADD danken. Und jene, die eigentlich vorhatten, die Grünen zu wählen, werden jetzt natürlich bei ihr das Kreuzchen machen. Denn wer die Wahl zwischen Original und Plagiat hat, wählt natürlich das Plagiat, ischa klar.

Klar auch dies: Lübeck, eine winddurchpustete Stadt nahe der Ostsee, braucht Umweltzonen so dringend wie Abu Dhabi Sandkörner. Große Teile der historischen Altstadt sind seit langem für Autos gesperrt. Die gemessenen Stickstoffdioxidemissionen sinken ständig, die Feinstoffeinträge unterschreiten die gesetzlichen Grenzwerte bei weitem. Darauf wies genüsslich auch die Lübecker SPD hin, die eine Umweltzone für ausgemachten Quatsch hält. Womit sie Recht hat. Umweltzonen erzeugen nicht nur keine Minderbelastungen, sondern sogar höhere Schadstoffeinträge. Wie sich zum Beispiel in Hannover gezeigt hat, wo man seit einiger Zeit nur noch mit der grünen Plakette fahren darf. Wer kein Grün an der Scheibe kleben hat, muss nun lange Umwege machen und bläst deshalb mehr aus dem Auspuff raus. So gut wie jeder, der Erfahrungen mit Umweltzonen hat, ist gegen diesen symbolpolitischen Blödsinn. Außer den Grünen, versteht sich. Und neuerdings auch der CDU.

Kleine Bürger und kleine Gewerbetreibende zu schikanieren, nicht vorhandene Gefahren an die Wand zu malen, sich beim ständigen Alarmrufen heiser zu schreien und kostspielige Mittelchen gegen erfundene Krankheiten zu verschreiben, all das zählt zur Kernkompetenz der Grünen. Deren Klientel fährt auf so was ab. Wie aber kann einer in der CDU dem Wahn verfallen, mit derselben Masche punkten zu können? Man kann wirklich auf komische Gedanken kommen, wenn plötzlich in einer solchen Partei Leute aufstehen und verrückte Dinge tun. Dinge, die den Tatbestand der Wählerverscheuchung, ja der blanken Sabotage erfüllen. Lernen diese Leute eigentlich aus keiner noch so krachenden Niederlage, wie der gestrigen von Meck-Pomm, dass kein Anschluss unter der grünen Nummer ist?

Wer hat diese Leute angerufen? Und wie lautet wohl das Codewort, das ihren Verstand ausknipst und sie zu irren Handlungen treibt? Vielleicht „Fukushima“?

Und wer hat diese Schläfer in die CDU geschleust? Der KGB? Die CIA? Der ökoindustrieelle Komplex? Charles Bronson, wo immer Sie stecken mögen - kommen Sie zurück, übernehmen Sie!

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