Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Es scheint immer schwerer zu werden, unpolitische Gespräche zu führen. Ich erlebe zumindest mehr und mehr, dass harmlos und banal beginnende Unterhaltungen schnell bei den zu hohen Mieten, den zu niedrigen Löhnen, den vielen Obdachlosen, der Migrationspolitik, der Altersarmut, der Klimafrage oder der Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens landen.
Dies habe ich des Öfteren in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch an der Uni beobachtet und vor allen Dingen auch erfahren, wie hitzig Debatten geführt werden, wenn die Diskutierenden eine entgegengesetzte Meinung vertreten. Schon mancher gesellige Abend ist gewissermaßen ruiniert worden, weil eine Diskussion sich zu einem Streit entwickelte und die Stimmung somit nachhaltig getrübt wurde. Die buchstäbliche Spaltung der Gesellschaft macht sich auch in meinem unmittelbaren Umfeld bemerkbar.
Grundsätzlich mag ich es, wenn es in Gesprächen ans Eingemachte geht, denn Smalltalk langweilt mich schnell, und tiefgründigere Themen finde ich viel reizvoller (es muss natürlich bei weitem nicht nur um Politik gehen). Und ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn mein Gegenüber eine andere Meinung vertritt, vielmehr ganz im Gegenteil. Dies macht eine Unterhaltung oft erst spannend. Mir ist jedoch zugleich aufgefallen, wie schwer es fällt, konstruktiv über Politik zu sprechen. Ich merke, dass die verhärteten Fronten, die sich momentan bei politischen Diskussionen auftun, scheinbar durch nichts aufzulockern sind, es scheint nur ein Schwarz oder ein Weiß zu geben, wo die Wahrheit doch oft in der Mitte liegt.
Ich selbst habe mich schon oft in derartigen Gesprächen ereifert und im Gegenzug starke Ablehnung erfahren. Dies hat mich häufig verletzt und somit betrachte ich die Anbahnung politischer Unterhaltungen – wenigstens in gewissen Kreisen – mehr und mehr mit Argwohn und habe stellenweise, trotz meines offenen Wesens, eine regelrechte Phobie dagegen entwickelt.
Erhellende Begegnungen
Doch auch bei flüchtigeren Begegnungen des Alltags, wie beispielsweise mit Kellnerinnen, Ladenbesitzern, Ärztinnen oder Nachbarn, die man nach Wochen mal wieder zufällig auf dem Hof trifft, führen die zumeist wenigen gewechselten Worte schnell zu gesellschaftskritischen, politischen Sachverhalten. Mir ist das neu, ich beobachte diese Entwicklung erst seit ungefähr zwei oder drei Jahren. Ich habe bis dato die deutsche Gesellschaft – im Vergleich mit anderen Ländern – als ziemlich unpolitisch wahrgenommen. Es tut sich etwas, es gibt eine wachsende Unzufriedenheit unter den Menschen, die immer öfter auch gegenüber Fremden geäußert werden will.
Natürlich sind bei weitem nicht alle dieser Gespräche nervlich aufreibend, immer wieder freue ich mich über einen unerwarteten erhellenden Austausch. Stellvertretend für all diese unmittelbaren Begegnungen möchte ich im Folgenden ein Gespräch mit einem Taxifahrer wiedergeben, das ich vor Kurzem führte.
Es war an einem Sonntagmorgen um 4 Uhr früh, als ich die Wohnung meiner besten Freundin verließ. Es war ein schöner Abend gewesen, wir hatten viel geredet und gelacht und so ging ich – mit mir und der Welt zufrieden (und auch ein bisschen beschwipst) – auf das gerufene Taxi zu. Ich war einerseits zu faul, um diese Uhrzeit noch die U-Bahn zu benutzen, andererseits finde ich es immer unangenehmer, zu später Stunde in Berlin mit den Öffentlichen zu fahren. Grundsätzlich bin ich seit einer Weile nicht mehr so gerne nachts unterwegs. Das ist sehr bitter für jemanden, der die Dunkelheit liebt. Denn eigentlich bin ich eine Nachtschwärmerin.
Hat jeder eine Chance verdient?
Ich stieg also ins Taxi. Wir waren gerade losgefahren und hielten an einer Kreuzung, als eine Gruppe finster aussehender Gestalten auf uns zukam. Der Taxifahrer betätigte prompt die Zentralverriegelung. Sowas hatte ich noch nicht erlebt! Er bemerkte mein Stirnrunzeln im Rückspiegel und erklärte: „Ach, wissen Sie, es gibt so viele Idioten heutzutage, da gehe ich lieber auf Nummer sicher.“
Ich war also nicht die einzige, die sich gruselte. Nachdem die Gruppe an uns vorbei gezogen war, fragte ich ihn, ob es eigentlich gefährlich sei, als Taxifahrer zu arbeiten. „Naja, Sie sollten schon ein dickes Fell haben, wenn Sie ängstlich sind, kommen Sie nicht weit.“
Unser Gespräch brach ab, müde wie ich war, freute ich mich, bald zu Hause zu sein und ins Bett fallen zu können. Ich lehnte meinen Kopf gegen die Scheibe und sah, wie wir über die Warschauer Straße fuhren. Es waren die üblichen Party People unterwegs, um sich in einem der Clubs des Berliner „Techno Strichs“ zu vergnügen. Dazwischen standen in Grüppchen die ebenfalls üblichen Dealer, bestehend aus afrikanischen Migranten. Sie verteilen sich auf die Warschauer und die angrenzende Revaler Straße, um zumeist sehr aufdringlich ihre Drogen anzubieten. Kommt man dort als Frau vorbei, muss man sich zudem auf einige Obszönitäten gefasst machen. Und wenn man gerade Pech hat – vor allem als Mann – wird man auch schon mal in den Rücken gestochen, wenn man keine Drogen will.
Gleichzeitig überlegte ich: Da haben sie nun den weiten Weg aus Afrika hinter sich gebracht, um am Ende hier als Drogendealer zu arbeiten. Ist das jetzt eine humane Lösung? Sie waren irgendwann, scheinbar wie aus dem Nichts an der Warschauer Straße aufgetaucht. Ich glaube, es war 2014.
„Also, hier würde ich um diese Uhrzeit als Frau nicht alleine langgehen“, meinte der Taxifahrer, als hätte er meine Gedanken erraten. „Naja, es ist jedenfalls nicht sehr angenehm“, entgegnete ich.
„Wissen Sie, ich finde, man sollte grundsätzlich jedem, der hierher kommt, eine Chance geben. Wenn er diese Chance vertut und kriminell wird, dann sollte er abgeschoben werden. Aber wenigstens eine Chance hat doch jeder Mensch verdient oder meinen Sie nicht?“, fragte er mich.
Aufgestautem Ärger Luft machen
Schon wieder so ein schwieriges Thema. Und das um diese Uhrzeit!
„Grundsätzlich schon. Aber ich glaube nicht, dass die grenzenlose Migration aus Entwicklungsstaaten das Wahre ist“, erwiderte ich knapp.
„Tja …“, kam es vom Fahrersitz zurück. „Ich führe sehr häufig mit meinen Fahrgästen Gespräche über dieses Thema. Was meinen Sie, was mir die Leute alles erzählen!“
„Die Migrationsfrage beschäftigt ja mehr oder weniger uns alle“, sagte ich.
Mittlerweile waren wir vor meiner Haustür angekommen. Nachdem ich bezahlt hatte, drehte er sich zu mir um: „Ich befasse mich in meiner Freizeit viel mit politischen Fragen, mit dem Wirtschaftssystem und allem, was da dran hängt. Es ist einfach nur unglaublich, was hier gerade stattfindet. Wie man beispielsweise Italien mit den Target-2-Salden mitgespielt hat …“ Nun legte er los und machte in den nächsten Minuten seinem angestauten Ärger Luft.
Schließlich stieg ich aus und schloss meine Haustür auf. Was wird das Ergebnis all dieser Debatten sein, überlegte ich. Der Groll wächst, und zwar auf allen Seiten. Die meisten Politiker scheint das jedoch wenig zu stören, sodass bestehende Konflikte nicht angegangen werden. Sind die Probleme unserer Zeit überhaupt so leicht zu lösen? Wird es bald heftigere Proteste geben? Stehen uns gar gewaltsame Auseinandersetzungen bevor? Ich stieg die Stufen zu meiner Wohnung hinauf und war plötzlich wieder hellwach.

Gleiche Beobachtung - nur mit anderen Vorzeichen, nämlich: lieber vorsichtig sein, dass keiner was mitbekommt! Zu spät gekommen? Tja ... (bloß nichts von den unzumutbaren Verkehrsschikanen erzählen oder andeuten, sonst kommt gleich die politische Diskussion oder schlimmer noch die Zuordnung als "Rechter"). Strafzettel? Tja ... (Bloß nichts von dem raffgierigen Bedürfnis unseres Staates anfangen, damit der mit dem erpressten Geld ... werweißwen bezahlt). Arabischer Clan? Tja ... (bloß nicht über die verfehlte Migrationspolitik oder Parallelgesellschaften reden). Schlechtes Wetter? Sturm? Tja ... (bloß keinen Scherz über die "Klimakatastrophe" machen). Und so weiter! Der Alltag ist ein steiniger geworden - und zwar nicht nur mitten auf der Straße, sondern eben auch drinnen unter "den Anderen".
Die zu erwartenden Auseinandersetzungen sind politisch gewollt. Die Entwicklung(en) ist (sind) keineswegs zufällig. Und was wir zu erwarten haben, ist bereits seit Jahren bundesweit deutlich zu beobachten - falls mensch denn sehen will.
Ich erlebe diese Spaltung der Gesellschaft ebenfalls sehr stark, und zwar in Kreisen des "gehobenen Mittelstands", den man sich gern als Subjekt einer "bürgerlichen Öffentlichkeit" vorstellt. Was Habermas schon 1962 in "Strukturwandel der Öffentlichkeit" als obsolet beschrieben hat. Mein Eindruck ist: Eine große Mehrheit unter diesen Leuten ahnt wohl, wie es um Deutschland und Europa steht. Man lebt in dem Gefühl, daß die fetten Jahre spätestens seit 9/11, verstärkt seit 2008 (Finanzkrise) und 2015 (Massenzuwanderung), vorbei sind und der eigene Wohlstand bedroht ist. Als Reaktion darauf richtet man sich in einer Rosamunde-Pilcher-Welt ein und blendet krampfhaft alle kritischen Gedanken aus. Wer auf Mißstände hinweist, bedroht diese Idylle und unterminiert die mühsame Verdrängungsleistung. Das verstärkt die uneingestandene Angst. Der Mahner muß daher aus dem biedermeierlichen Kreis der Wohlmeinenden ausgeschlossen werden. Unter diesen Umständen erscheint eine Merkel mit ihrer unpolitischen, narkotisierenden Art als die Lichtgestalt, an der verbissen festgehalten wird. Denn sie verspricht, daß alles in Ordnung ist und auf ewig Bestand hat - jedenfalls solange Mutti die Macht hat.
Es gibt eine Alternative, die man wählen kann, wenn man diese Zustände nicht haben möchte. Mehr und mehr Menschen begreifen das. Der Taxifahrer hat es offensichtlich auch schon begriffen, weil er nah an den Problemen ist. Je mehr Menschen mit den Problemen in Kontakt kommen, desto mehr werden die Alternative wählen. @Benjamin Zuckschwerdt: Das Gerücht zur AFD und Goldman Sachs hält sich hartnäckig. Fragen Sie sich doch mal, warum wir AFDler jeden Tag unsere Freizeit opfern, um über alternative Kanäle die Menschen aufzuklären und uns dabei auch noch den übelsten Strapazen aussetzen. Wenn Goldman Sachs hinter uns stehen würde, wäre das alles nicht nötig. Die Partei finanziert sich zum Großteil aus Mitgliedsbeiträgen. Aber um das zu erkennen, müsste man mal bei uns vorbeischauen, uns über die Schulter gucken und auch mit uns und nicht nur über uns reden.
Vor 15 Jahren in Budapest lernte ich als erstes von meiner dort lebenden Kontaktperson, dass der Druck auf den Zentralverriegelungknopf noch vor dem Anlassen des Motors obligatorisch ist. Der Beitrag beschreibt recht gut die gegenwärtige Stimmung. Und die erinnert mich immer mehr an die in der DDR 1988, als ich in einem vollbesetzten D-Zugabteil mit einer wildfremden Dame nach ein paar Minuten in einer erregten politischen Diskussion landete. Ich forderte damals, wie ich mich erinnere, den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik und die Einführung von Bundesländern in Osten. Damit würgte ich damals noch das Gespräch sofort ab, da hatte ich mich zu weit vorgewagt. Ein Jahr später war diese Forderung bereits Allgemeingut und noch ein Jahr später Realität. Damals wie heute gilt: die Machthaber sollten sich nie zu sicher sein, mit ihrer allgegenwärtigen Propaganda alles im Griff zu haben.
Ich bin der Ansicht, dass es in Deutschland weder zu einem gesellschaftlichen GAU kommt, noch zu irgendeiner anderweitigen gravierenden Verwerfung, sei es politisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich. Es verhält sich ungefähr so, wie man allenthalben vorzuwarnen versucht, dass es in Deutschland bald zu einem Black-Out kommen wird. Was wurde nicht die vergangenen Wochen gewarnt bzgl. des Polarwirbels, der für wochenlange sibirische Kälte sorgen wird? Täglich ist zu hören, dass aufgrund der Energiewende die Netzfrequenz instabil ist. Und? Wo? Gab? Es? Den? Black-Out?? Es vergeht doch keine Stunde, wo die Deutschen nicht vom Wahnsinn hören, den die von ihnen gewählte politische Kaste zu verantworten hat. Und? Was? Genau? Tut? Der? Deutsche? Genau: er liest, regt sich auf, echauffiert sich über das ungerechte System und geht am Montag weiter fleisig seiner sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach, um dem Raubstaat am Leben zu erhalten. Ganz ehrlich? Ihr Deutschen habt doch nicht mehr alle Latten am Zaun - hört auf zu jammern! Denn ihr wollt es offensichtlich exakt genau so, wie ihr es jetzt habt. Die etwa 1 Million Leser der Achse sind nur ein "Vogelschiss" im System. Der große Rest und das Establishment hat es sich bequem eingerichtet. Und es wird sich aufgrund der Staatsgläubigkeit (Freiheit durch den Staat (!)) der großen Masse für "Otto-Normal" nichts, aber auch gar nichts zum Besseren verändern. Ihr seid einfach zu wenige (800 Demonstranten in Stuttgart gegen das Fahrverbot für Diesel-Autos... WOW. Beeindruckend). Freundliche Grüße aus dem Nicht-EU-Ausland. Ein ehemaliger Leistungsträger.
Fuer das ruinieren geselliger Abende kann ich mich mit gutem Gewissen als Experte bezeichnen. Jeder dieser Abende mündete in eine Katastrophe. Wobei die Gegenstände des Streits eben andere waren, als heute bei Ihnen. Rilling oder Richter i. S. Matthäus passion. Zum Beispiel. Da flogen die fetzen. Das geriet flott ins Unversöhnliche. Wir haben uns eben um die wichtigen Fragen gestritten. Heute scheint das eher nicht der Fall zu sein.