Die Energiewende ist – daran soll es ja möglichst keinen Zweifel geben – eine gute Sache. Wir retten schließlich die Welt und das Klima, wenn wir hoffentlich bald unseren gesamten Strombedarf aus erneuerbarer Energieerzeugung decken. Dummerweise gibt es da immer wieder solche unschönen Zahlen, nach denen erhebliche Lücken in der Energieversorgung klaffen würden, wenn es die abzuschaltenden konventionellen Kraftwerke nicht gäbe. Auch das Problem der Energiespeicherung ist noch nicht gelöst.
Trotz aller schönen Worte à la „Wir schaffen das“ sorgen solche Zahlen dafür, dass Zweifel genährt werden, die den Glauben an das Gelingen der Energiewende und damit auch die Bereitschaft, dafür zu zahlen, schwinden lassen könnten. Wo schöne Worte nicht reichen, um gegen unschöne Zahlen zu bestehen, da müssen eben schönere Zahlen her. Und wenn es die nicht gibt, dann müssen sie halt schön erklärt werden. Die Welt berichtet über eine Berechnung, die das Publikum offenkundig beeindrucken soll:
„Der im vergangenen Vierteljahrhundert in Deutschland produzierte Strom aus erneuerbaren Energien reicht theoretisch aus, um die fünf größten Flughäfen 1000 Jahre lang zu versorgen. Wie der Energieanbieter Eon ausrechnete, wurden seit 1993 in Deutschland 2,3 Millionen Gigawattstunden grüner Strom aus Wasser-, Wind- und Sonnenenergie produziert. Das reiche aus, um die Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin und Hamburg rund 1000 Jahre lang mit Strom zu versorgen.“
Tausend Jahre! Welchen Deutschen überzeugt die Machbarkeit tausendjähriger erneuerbarer Stromversorgung nicht davon, nun bedingungslos auf den Strom aus Sonne, Wind und Wasser zu setzen? Wer in der Dimension von tausend Jahren denkt, beweist schließlich, dass es hier um etwas Großes geht. Und eigentlich sollte man solche Visionäre nicht mit den kleinlichen Fragen behelligen, die dem normalen Stromrechnungszahler in den Sinn kommen.
Glückwünsche zum „Tag der Erde“
Wenn die fünf größten Flughäfen mit dem Strom aus 25 Jahren für 1.000 Jahre versorgt werden könnten, wie lange könnte denn das gesamte Land mit dieser Strommenge auskommen? Neben den fünf Flughäfen gibt es ja noch ein paar andere Stromverbraucher im Lande. Die Antwort auf diese Frage scheut E.ON nicht, nur leider sieht die oben noch so gut klingende Rechnung dann schon gar nicht mehr so überzeugend aus:
„Den Berechnungen zufolge würde der seit 1993 produzierte grüne Strom auch reichen, um den gesamten bundesdeutschen Strombedarf für knapp vier Jahre zu decken – gemessen an dem Niveau von 2018.“
Vier Jahre reicht die Stromerzeugung aus 25 Jahren? Irgendwie reicht das ja doch nicht so ganz für all die Energiehungrigen im Lande. Zumal die Frage danach, wie man den Strom speichern und damit ansparen könnte, immer noch nicht beantwortet ist. Da klingt das Versprechen der tausendjährigen Stromversorgung für die Flughäfen schon irgendwie schöner. Das passt auch besser zu dem Anlass, zu dem diese schöne Rechnung vorgelegt wurde.
„Eon äußerte sich anlässlich des am kommenden Dienstag anstehenden Tags der Erde, einem weltweit begangenen Aktionstag zum Umweltschutz. Er entstand in den USA und wird seit Anfang der 90er Jahre auch in Deutschland begangen.“
Da bleibt einem nur noch, allen Energiebedürftigen und Stromrechnungszahlern einen schönen „Tag der Erde“ zu wünschen.
Dieser Text erschien auch hier auf sichtplatz.de
Beitragsbild: Karel K. zeno.org via Wikimedia Commons

Für den BER würds sogar für TB, TW oder wars Th reichen, muss noch mal das Annalenchen fragen.
Die irgendwann generierte Energie (GWh) ist für die Stromversorgung völlig irrelevant, wenn sie nicht auf die (weniger als) Sekunde genau dann erzeugt wird wenn sie gebraucht wird. Was einzig und allein zählt ist die Kraftwerksleistung (GW) die zu jedem Zeitpunkt (Sekunde) dem Verbrauch (Last) entsprechen muss. Sonst ändert sich die Netzfrequenz was zum Blackout führt. Wie oft also der Flugbetrieb der genannten Flughäfen hätte eingestellt werden müssen, und zwar wegen Unterversorgung mit elektrischer Leistung, sagt Eon nicht. Hier noch mal für das Marketing von Eon: Energie ist gleich Leistung mal Zeit. Aber die Kollegen in der Schaltwarte bei Eon hatte wohl niemand gefragt,
Da hat Eon aber ganz listig verschwiegen, dass es sich hier um (kumulierbare) Energie handelt, nicht um Leistung, dann würde es anders aussehen. Wahrscheinlich ist man bei Eon und der "Welt" der Ansicht, dass der Leser den Unterschied ohnehin nicht kennt. Deutsche Professoren und Energiesachverständige, z. B. Frau Kemfert, wissen das schließlich auch nicht, wie sie in Interviews immer wieder bestätigen. Erstaunlich, dass deren Vorgesetzte das so durchgehen lassen. Aber wenn die Ideologie stimmt, darf man ja in diesem Land der Dichter und Denker jeden Unfug behaupten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.
Der Alkohol, den ich in meinem Leben getrunken habe, würde fünf Fliegen eine Million Jahre betrunken machen.
"Tausendjähriger Strom" ! Dazu fällt mir nur das Zitat eines bekannten Österreichers ein : "Das ein solcher historischer Vorgang wie jede Kampfhandlung, hie und da zu bedauerlichen Erscheinungen führt, liegt auf der Hand "
In meiner Ecke wird grade gegen Südlink demonstriert. Nachdem die tödlichen, durch elektrische Felder aufgeladenen, krebserregenden (fein-) Staubteilchen in der Nähe von Gleichspannungstrassen beobachtet wurden und deswegen entschieden wurde, die nahezu komplette Trasse unterirdisch zu verlegen, ist das nun auch wieder Mist. Wegen den Bäumen, dem Ackerbau etc. Da werden Transparente in die Luft gehalten „Keine Südlink- baut gefälligst Energiespeicher“ Für Speicher braucht man bestimmt keine Bäume fällen und auch kein Ackerland zu zerstören. Dumm ist der, der Dummes tut. Hat glaube ich Forrest Gump mal von sich gegeben.
Eine Siegesmeldung nach der anderen in den Medien, alles schon mal da gewesen.....