Die noch heute geltenden Regeln des diplomatischen Verkehrs und der Achtung der Rechte souveräner Staaten haben sich im 18. Jahrhundert rund um die jahrzehntelangen Verhandlungen entwickelt, die schließlich den Dreißigjährigen Krieg beendeten und 1648 zum Frieden von Münster und Osnabrück führten.
Es ging darum, durch die Formen des Protokolls und des diplomatischen Austausches Empfindlichkeiten zu schonen, Prestigekämpfe zu vermeiden und sicherzustellen, dass niemand, auch nicht der Kleine und Schwache, unnötig beleidigt wurde und so sein Gesicht verlor. Das verhinderte nicht, dass es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit erneuten Regelbrüchen gab. Aber die stabilen Friedenzeiten nahmen zu, und der regelbrechende Aggressor dachte sich gute Gründe aus, um seinen Regelbruch zu rechtfertigen. Die Verhaltensregeln des diplomatischen Verkehrs souveräner Staaten werden heute selbst von den meisten Diktaturen und ihren Herrschern weitgehend beachtet, denn das damit verbundene Mehr an Berechenbarkeit ist für alle vorteilhaft.
Ganz anders Donald Trump. Er unterscheidet nicht zwischen seinen Gefühlen und Impulsen als Privatmann, seiner Rolle als parteilicher Politiker, seiner Aufgabe als Staatsmann und seiner Verantwortung als Präsident des mächtigsten Landes der Welt. Er schwingt durch die Fülle der nationalen und internationalen Themen wie sich einst Tarzan an Lianen von Baum zu Baum schwang, und die Jane, die er beschützen möchte, ist allenfalls sein eigenes Ego.
Es geht nicht um Grönland, sondern um Trump
Bei dem Versuch, sich mit Trump verlässlich zu einigen, nähert sich die Welt einem neuen München-Moment. Beim Münchner Abkommen im Herbst 1938 glaubten Großbritannien und Frankreich noch, dass mit einem Reichskanzler Adolf Hitler ein rationaler Akkord möglich sei. Im Frühling 1939 wurden sie eines Besseren belehrt. In Bezug auf Trumps Rolle in der Welt nähern wir uns einer ähnlichen Situation.
Auch bei Grönland geht es nicht um Grönland, sondern um Trump. Sachlich gesehen sind alle militärischen und Sicherheitsargumente, die Trump anführt, vorgetäuscht und tragen nicht. Die USA sind auf Grönland schon seit dem Zweiten Weltkrieg militärisch engagiert, haben allerdings dieses Engagement in den letzten Jahren deutlich zurückgefahren. Sie könnten dort sicherlich mit Zustimmung Dänemarks weitere militärische Stützpunkte einrichten, wenn sie dies wollten.
Trump offenbart sich als ein Narzisst, der seine Emotionen kaum im Zaum halten kann und das Niveau des internationalen Dialogs auf immer neue Tiefen führt. Seine Eitelkeit scheint so grenzenlos, dass sie Verstand und Gedächtnis gelegentlich in Mitleidenschaft zieht. Mehrfach erklärte ihm der norwegische Ministerpräsident, dass nicht die norwegische Regierung, sondern ein unabhängiges Komitee den Friedensnobelpreis vergibt, ohne dass er das zu verstehen schien.
Immer neue Tiefpunkte
Werden die amerikanischen Institutionen willens und imstande sein, Trump Grenzen zu setzen, oder geht es mit „Executive Orders“ allmählich in eine Diktatur? Geht es weiter damit, dass alle Ministerialbeamten, die ihm und seiner Politik widersprechen, umstandslos gefeuert werden? Geht es weiter damit, dass seine Regierung nach Gutdünken Gerichtsbeschlüsse missachtet? Trump wurde von seinen Anhängern gewählt, um die Einwanderung zu kontrollieren und die Meinungsfreit zu schützen. Dass vieles auf eine Autokratie oder Schlimmeres hindeutet, stand nicht auf der Agenda.
Beispiel Außenpolitik: Wenn Trump Grönland bekäme, was hinderte ihn daran, als nächstes Spitzbergen zu fordern, unter norwegischer Hoheit, aber militärisch ungeschützt, vielleicht auch Island oder die ebenfalls dänischen Faröer-Inseln? Und warum nicht gleich Nordnorwegen? Nördlich von Trondheim leben über 1.500 km bis zum Nordkap nur 400.000 Menschen, und Öl und Gas gibt es dort auch noch.
Dieser Mann führt das Niveau des internationalen Dialogs auf immer neue Tiefpunkte, jetzt veröffentlicht er schon vertrauliche Botschaften des französischen Präsidenten. Die Militärgouverneure im besetzten Deutschland haben Konrad Adenauer weitaus höflicher behandelt, als Trump es mit seinen internationalen Partnern tut. Nur rüde Diktatoren und Antidemokraten wie Putin oder Erdogan, die seinem Zerrbild vom starken Mann entsprechen, scheint er halbwegs zu respektieren. Mittlerweile halte ich Donald Trump für mental unbalanciert, und dass er die (noch) stärkste Militärmacht der Welt führt, das stimmt mich zutiefst besorgt.
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Danke für die klaren Worte. Und Dank an die Redaktion, diesen Text zu veröffentlichen, obwohl klar war, dass einige Trump-Anhänger beleidigt sein würden. Obwohl ich einzelne Aspekte von Trumps Politik auch schätze, hätte er niemals Präsident werden dürfen. In einem Punkt muss ich widersprechen – Sie schrieben: „Trump wurde von seinen Anhängern gewählt, um die Einwanderung zu kontrollieren und die Meinungsfreit zu schützen. Dass vieles auf eine Autokratie oder Schlimmeres hindeutet, stand nicht auf der Agenda.“ Doch, viele seiner (radikaleren) Anhänger wollten, dass er das Kriegsrecht ausruft und z.B. alle führenden Politiker der Demokraten verhaften lässt und ins Gefängnis verfrachtet. Es gab viele proto-faschistische Vorstellungen unter einem Teil seiner Anhänger. (Und gibt es wohl leider immer noch.) Man kann nur hoffen, dass Trump am Ende seiner Amtszeit geräuschlos von der Bühne verschwindet, und nicht in irgendeinem zwielichtigem Manöver versucht, illegal die Macht an sich zu reißen.
Ach was: @ Bei dem Versuch, sich mit Trump verlässlich zu einigen, nähert sich die Welt einem neuen München-Moment. Beim Münchner Abkommen im Herbst 1938 glaubten Großbritannien und Frankreich noch, dass mit einem Reichskanzler Adolf Hitler ein rationaler Akkord möglich sei. Im Frühling 1939 wurden sie eines Besseren belehrt. In Bezug auf Trumps Rolle in der Welt nähern wir uns einer ähnlichen Situation.„ Impertinent, der Vergleich.
Venezuela scheint es leicht besser zu gehen nach der amerikanischen Spezialoperation. Als naechstes muss man hoffen, dass ein Mittel gegen die Mullahs gefunden wird. Man kann so etwas kaum vergleichen mit den Ereignissen vor WK II. Exil-Venezolaner sind begeistert, Exil-Perser hoffen, halten aber Prince Cyrus fuer ungeeignet.
Gucken Sie doch mal auf die richtige Landkarte, Herr Sarrazin, die mit dem Nordpol (keine Pinguine) in der Mitte. Dann sehen Sie, dass es absolut sinnvoll ist, dass die Vereinigten Staaten die Oberherrschaft dort haben. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Europa jemals diese Insel verteidigen kann, oder? Sie wirken hier naiv.
Dass Donald Trump nicht so eloquent erscheint wie sagen wir Bill Clinton, ist eben so. Auch Bill„s Freund Epstein war sehr eloquent. So what also. The Donald hat auch etwas mehr Offspring zuwege gebracht, als Bill und Icey. Ob nun dieser ansehnliche Offspring seine Jane ist oder die Vereinigten Staaten, muss dahingestellt bleiben, vielleicht beides.
Auf jeden Fall interessiert er sich bedeutend mehr fuer sein Land, als unsere Politiker nach Gerhard Schroeder. Wir leben jetzt schon 20 Jahre mit Politikern, die sich fuer unser Land und seine malochenden Buerger nicht sonderlich interessieren. Schon “Laenger-Hierseiende„ seien wir, und die Krankenkassenbeitraege steigen und steigen. Dann schon lieber DT, egal, was er parliert.
God Bless America! Take it lightly. Gucken Sie mal die Olympia-outfits an, bitte. Snow-white America versus Dunkeldeutschland mit etwas Folklore. Take care!
Seit mindestens 30 Jahren hält sich niemand mehr an die vielbesungenen ´Regeln´, mit denen die umnachteten Westeuropäer immer noch glauben, die Welt durch die Manege führen zu können als wären wir im Jahr 1900. Die Sowjets hatten übrigens auch schon herzlich drauf gepfiffen. Aber Herr Sarrazin säuselt was vom „Niveau des internationales Dialogs“ und sieht nur Narzissmus, wenn der Chef der freien Welt robust am grünen Tisch rüttelt oder einen Präsident spielenden Drogenbaron schlicht einbuchtet. Wo lebt der Mann? Was die USA von den Europäern wollen, weit mehr als Grönland (welches die Europäer zu verteidigen unfähig sind) und völlig zu Recht, ist echtes Engagement. Die Welt ist gefährlich und die Freiheit gefährdet wie lange nicht mehr. Und Euro-Poltiker agieren immer noch als sei die NATO eine Art Wohlfahrtsverein, mit dem der amerikanische Spendieronkel good old Europe vor allen Übeln der Welt beschützt. Wofür eigentlich? Und wenn es Ärger mit den Atom-Mollahs gibt, dann bleiben die Euros lieber zu Hause und verurteilen amerikanische Tech-Giganten für irgendwelchen Kokolores zu noch ein paar Milliarden Euro Strafe? Aufwachen, bitte, so läuft das nicht.
@ M. Feldmann:
„Diplomatie wie im Artikel behandelt, war und ist keine seiner Charaktereigenschaften, ist ihm völlig fremd. Der Lack ist ab!“
Mitnichten, werter Herr Feldmann. Ich finde, „Donaldinho“ glänzt richtig vor lauter Lack. Nein, keine Ironie. Sie übersehen, dass die, die einen Trump mögen – ob hier oder in den Staaten – und die, die ihn drüben gewählt haben und deren Interessen er mit großem Nachdruck vertritt, auch wenn er bisweilen wie jeder Mensch Fehler macht, sich genau das gewünscht haben. Nämlich keine dieser nach oben buckelnden, nach unten tretenden und sich stets politisch und diplomatisch korrekt ausdrückenden Politikernaturen, sondern genau diesen Gegenentwurf zum klassischen Politiker. Einen echten Typen mit Ecken und Kanten, aber unbeschreiblicher Dynamik mit fast 80 – der am Ende debile Biden war in keiner Phase seines Lebens so vital wie der aktuelle „Orange Man“ -, einen, der die, die in Deutschland und der EU immer wieder triumphal den Stiefel auf uns stellen und uns das Leben zur Hölle machen, höchst undiplomatisch zur Schnecke macht, als wären sie Lakaien. Sind sie ja auch. Gegenüber den sogenannten kleinen Leuten zeigt Trump aber Respekt und Achtung, ja sogar menschliche Wärme. Ich habe viele Reden von ihm und seine Interaktionen mit dem Publikum recht genau verfolgt, sein Volk bedeutet ihm etwas. Ich finde das Spitzenklasse in einer Zeit, in der Politiker (Merz. u.v.a.) es geradezu als ihre Pflicht erachten, den Wählerwillen in die Tonne zu treten. Unter dem Strich und bei aller Eigenwilligkeit macht Trump einen sauguten Job. Ein ganzer Kerl und kein Abziehbild.
Doch das erschließt sich einem staatsgläubigen Gesinnungs-Sozialdemokraten wie Herrn Sarrazin eben nicht, der nur gut war, als es um die Massenzuwanderung ging. „Deutschland schafft sich ab“ war spitze, danach kam fast nur noch Durchschnitt mit starker Mainstream-Tendenz. Dieses Elaborat z.B. würde gut in die linkswoke Haltungs-Journaille a la Süddeutsche oder FAZ passen.
Sarrazin, das war doch derjenige, der die Berliner Immobilien zum Tiefstpreis verschleudert hat? Was die wohl jetzt wert wären? Und nun arbeitet er sich mit sozialistischem Neid an einem ab, der auch im Immobiliengeschäft mehr Weit- und Klarsicht beweist.
Man muss Trump nicht mögen, um zu erkennen, dass seine disruptive Art die letzte Chance des Westens ist, bevor der in byzantinische Erstarrung und Verzwergung verfällt.
@ Werter Herr Jungnickel:
In meinen Augen sind Sie verblendet vor Russen-Hass. Okay, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Doch wenn Sie schon den Geschichtskundigen aufs Trapez bringen, sollten Sie eigentlich wissen, dass alles in ständiger Bewegung und Veränderung ist und man schon deshalb keine Gleichsetzungen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte vornehmen sollte. Ein Stalin ist natürlich Lichtjahre entfernt von einem Putin, ersterer war tatsächlich ein ekliger kommunistischer Sadist, Putin ist das nicht. Doch der Vergleich an sich über an die 100 Jahre ist schon absurd. Jetzt sage ich Ihnen noch war, geschätzter Herr Jungnickel: Ich bin rein zufällig promovierter Historiker, arbeite aber – weil mir der Unibetrieb, in dem ich schon den Fuß in der Tür hatte, zu selbstreferenziell war – schon lange in einem anderen Genre. War dumm von mir, an der Uni hätte ich eine viel bessere Absicherung gehabt, doch das ist ein anderes Thema. Ich habe mich sogar eine zeitlang recht intensiv mit Osteuropäischer Geschichte und den slawischen Völkern befasst. Vielleicht kaufen Sie mir das nicht ab, kann das auch schlecht via Internet beweisen, finde es aber lustig, wenn man mir bisweilen sagt: Befassen Sie Sich erstmal mit Geschichte! Noch eine Frage an Sie; Macht es Sie nicht stutzig, mit welchen Charaktergrößen im politischen und medialen Bereich Sie in der Causa Ukraine auf einer Linie liegen?