Der Stern der Klima-Ideologie ist im Sinken, gleichwohl wollen Nutznießer von „Klimatechnologien“ noch nicht ablassen. Das WEF macht aus der Not eine Tugend und nennt „klimaneutral“ jetzt „natur-positiv“.
Nachdem die Leitung des Weltwirtschaftsforum (WEF), das die rund 1.000 größten global agierenden Konzerne vernetzt, übergangsweise von BlackRock-Chef Larry Fink und Roche-Vizepräsident André Hoffmann übernommen worden ist, ist es ziemlich ruhig um die einflussreiche Stiftung geworden. Im Vorfeld der 80. UN-Generalversammlung, die seit dem 22. September in New York stattfindet und zu der Annalena Baerbock – übrigens Mitglied im WEF-Programm Young Global Leaders – als Präsidentin vereidigt wurde, hat das WEF jedoch wieder einige bemerkenswerte Beiträge auf seiner Webseite veröffentlicht.
Am 5. September stellte es zum Beispiel seinen Jahresbericht 2024/25 vor, am 8. September folgte eine Stellungnahme zum 80-jährigen Bestehen der UNO, und am 15. September gab es bekannt, wer an seinen „Sustainable Development Impact Meetings“ teilnehmen wird. Diese Treffen richtet das WEF parallel zur UN-Vollversammlung aus, um Maßnahmen zur Förderung der Nachhaltigkeitsziele voranzutreiben. Damit sind die siebzehn Ziele (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs) gemeint, die von den Vereinten Nationen bereits 2015 in der Agenda 2030 festgeschrieben worden sind und die auf einen totalen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Klimaneutralität hinauslaufen. Am 12. September stellte das WEF auf seiner Webseite dazu die Frage: „Noch fünf Jahre: Sind wir auf dem richtigen Weg, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen?“
Zwar hatte es in letzter Zeit so ausgesehen, als würde das WEF sich neu ausrichten und zumindest ansatzweise die Abkehr von der Klimaneutralitäts-Doktrin wagen. Denn im sogenannten „Chief Economists Outlook“ des WEF von Mai 2025, der angeblich die wichtigsten Prognosen der Chefökonomen der Welt zusammenfasst, tauchte das Stichwort „Klima“ gar nicht mehr auf, während der „Klimawandel“ im Vorjahresbericht sogar noch als eigene Kategorie angeführt war. Doch offenbar haben die mit der „Klimaneutralität“ verbundenen Technologien als Geschäftsfeld noch nicht völlig ausgedient.
Jedenfalls hält das WEF in seinen aktuellen Publikationen ausdrücklich an der Klimakrise fest. Dabei beruft es sich auf den Bericht 2025 zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen. Daraus gehe hervor, dass nur 35 Prozent der SDGs auf dem richtigen Weg seien, hingegen fast die Hälfte zu langsam vorankomme und sogar 18 Prozent Rückschritte verzeichneten. Um die Ziele der Agenda 2030 doch noch zu verwirklichen, seien größere nachhaltige Investitionen und eine verstärkte internationale Zusammenarbeit nötig – auch zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.
Die „Energiewende“ gesichtswahrend relativieren
Am Mittwoch, den 24. September, lädt das WEF daher zu einem Forum ein, bei dem es um das Thema „Klimaresilienz: Systeme sichern, Leben erhalten“ geht. In der Ankündigung heißt es: „Der Planet ist mit zunehmendem ökologischen und wirtschaftlichen Druck konfrontiert, wobei extreme Wetterereignisse eskalieren und die Verschlechterung der Ökosysteme das Wohlergehen von 3,2 Milliarden Menschen beeinträchtigt. In dieser Sitzung wird untersucht, wie die Überwindung dieser Belastungen zirkuläre Modelle fördern kann, die Wachstum, Resilienz und Innovation ermöglichen.“ Bei einem weiteren Panel, das bereits am 23. September stattfinden soll, wird allerdings der Frage nachgegangen: „Energiewende: Aufschwung oder Abschwung“? Hier wird die Energiewende zwar insgesamt nicht zur Disposition gestellt, doch immerhin relativiert: „Im Jahr 2025 wird die globale Energielandschaft durch geopolitische Unvorhersehbarkeit, sich verändernde Marktdynamiken und Unsicherheiten hinsichtlich der Klimaziele neu definiert. Annahmen über Geschwindigkeit, Umfang und Richtung der Energiewende werden auf die Probe gestellt, da die Nationen ihre Prioritäten in Bezug auf Energiesicherheit, Bezahlbarkeit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit neu kalibrieren.“
Die Ergebnisse dieser Sitzung könnten durchaus interessant ausfallen, denn vermutlich wird ein Weg gesucht werden, wie der Markt der Klimatechnologien noch einmal erschöpfend abgegrast und danach die Prioritäten „neu kalibriert“ werden können – sprich: die „Energiewende“ gesichtswahrend relativiert werden kann. Obwohl Trump in den USA das Ende der Subventionen für die Klima-Ideologie schon eingeläutet hat, hat das WEF den Klima-Markt demnach noch nicht ganz aufgegeben – zumal die EU eisern an ihrem Green Deal festhält. Dazu passt auch eine weitere WEF-Veröffentlichung vom 19. September mit dem Titel: „7 Wege, wie die Tech-Branche den natur-positiven Wandel vorantreiben kann“ (im englischen Original: „7 ways the tech sector can lead the nature-positive transition“).
Darin ist zu lesen: „Die Nachfrage nach Rechenzentren, Halbleitern und Hardware für die neue technologische Revolution war noch nie so groß wie heute. Das Wachstum des Technologiesektors hängt jedoch stark von der Natur ab, verbraucht enorme Mengen an Wasser, Energie und Bodenschätzen und ist gleichzeitig mit steigenden Risiken durch den Klimawandel und die Zerstörung von Ökosystemen konfrontiert. Die Auseinandersetzung mit der Beziehung des Sektors zum Planeten und Investitionen in eine natur-positive Zukunft können Unternehmen die gesellschaftliche und regulatorische Legitimation für Wachstum und Betrieb sichern, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber naturbezogenen Risiken stärken, die steigenden Erwartungen der Stakeholder erfüllen und Chancen für finanzielles Wachstum und Kosteneinsparungen eröffnen.“
Unternehmen sollen Politik gestalten
Es ist beim WEF jetzt also von Investitionen in eine „natur-positive“ Zukunft die Rede – und nicht mehr von Investitionen in eine „klimaneutrale“ Zukunft. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Weiter heißt es: „Ein natur-positiver Ansatz hat das Potenzial, Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen in Höhe von bis zu 800 Milliarden US-Dollar entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Technologiesektors zu erzielen.“ Dafür setzt das WEF unter anderem auf Kreislaufwirtschaft wie das Recyclen von Abwasser, aber vor allem auch auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Überwachungstechnologien. So sollen etwa ein KI-gesteuertes Prozessmanagement und innovative Kühlsysteme sowohl den Energie- als auch den Wasserverbrauch reduzieren.
Dabei sollen Unternehmen proaktiv die Politik gestalten, um den „natur-positiven“ Wandel voranzutreiben. Beispielsweise arbeitet bereits ein gemeinsames Gremium der US-Regierung und der Technologiebranche (darunter IBM, Microsoft, Alphabet, AWS und AMD) für eine „verantwortungsvolle KI-Infrastruktur“ zusammen. Ähnliche Partnerschaften wie etwa auch die European Green Digital Coalition könnten nach Vorstellung des WEFs nun branchenweite Plattformen für Naturkennzahlen schaffen.
Dabei behauptet das WEF, dass die aktuellen Buchhaltungssysteme die Emissionsreduktionen der Unternehmen nicht mit der Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit erfassen können, die für den Übergang zur „Natur-Positivität“ erforderlich seien. Weswegen künftig eben KI-gestützte Systeme zum Einsatz kommen müssten. Für den „natur-positiven Wandel“ hat das WEF übrigens eine eigene Webseite eingerichtet, auf der die einzelnen Bereiche thematisiert werden, die „natur-positiv“ ausgerichtet werden sollen, wie zum Beispiel „natur-positive“ Städte, „natur-positive“ Häfen und ein „natur-positiver“ Finanzmarkt. Hier ist ersichtlich, dass das WEF den Begriff „natur-positiv“ schon mindestens seit 2023 verwendet, ihn jedoch jetzt gezielt pusht. Schaut man sich die einzelnen WEF-Veröffentlichungen dazu genauer an, fällt auf, dass die „natur-positive“ Entwicklung stets eng mit künstlicher Intelligenz verbunden wird. Um etwa Städte „natur-positiv“ zu machen, sei ein datengestützter Ansatz der kommunalen Politk mit klaren Leistungskennzahlen und einem entsprechenden Überwachungsrahmen erforderlich.
Mit anderen Worten: Das WEF sucht gezielt die Verbindung von Umwelttechnologien mit künstlicher Intelligenz. So werden zwei Märkte miteinander verknüpft, wodurch es möglicherweise einfacher wird, die Klimaideologie nach und nach zu entschärfen. Dabei ist dem WEF besonders an der „Wiederherstellung des Vertrauens in Technologie“ gelegen. Auf seiner Webseite ist dazu zu lesen: „Weniger als die Hälfte der Menschen weltweit ist bereit, der Nutzung von KI durch Unternehmen zu vertrauen, doch 66 % der Menschen nutzen sie bereits regelmäßig selbst. Mit der rasanten Entwicklung von Spitzentechnologien wächst auch deren Fähigkeit, Wirtschaft und Unternehmen grundlegend zu verändern. Welche Entscheidungen müssen Führungskräfte treffen, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, alle Interessengruppen zu unterstützen und sicherzustellen, dass Technologien verantwortungsbewusst eingesetzt werden?“
Bekämpfung von „Desinformation“
Vereinfacht lautet die Frage: Was nützt die schönste Technologie, wenn „die Menschen“ ihr gegenüber skeptisch sind? Ein bisschen Zwangsbeglückung kann da dem Markt sicher nicht schaden, wie etwa der digitale Impfpass während der Corona-Krise gezeigt hat, der ausgerechnet mit der „Reisefreiheit“ beworben wurde. Auf der Webseite der EU-Kommission heißt es immer noch wörtlich dazu: „Um sicheres Reisen auch während der Corona-Pandemie zu ermöglichen, führte die Europäische Union das digitale COVID-Zertifikat der EU ein. Am 1. Juli 2023 übernahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das digitale COVID-19-Zertifizierungssystem der EU, um daraus ein globales System zum weltweiten Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor aktuellen und künftigen Gesundheitsbedrohungen (z. B. Pandemien) zu bauen.“
Demnach schützt also nicht nur die vermeintlich nebenwirkungsfreie neue Technologie der mRNA-Impfstoffe die Menschheit, sondern auch das von der EU auf den Markt gebrachte COVID-19-Zertifizierungssystem. Begründet wird diese Schutzfunktion von der EU-Kommission wie folgt: „Das digitale COVID-Zertifikat der EU war im Kampf gegen Corona von zentraler Bedeutung – mehr als 2,3 Milliarden Zertifikate wurden ausgestellt. Das Zertifikat, das Corona-Impfungen und -Tests sowie die Genesung von COVID-19 umfasste, erleichterte Bürgerinnen und Bürgern sicheres Reisen und war auch entscheidend für die Unterstützung der stark betroffenen europäischen Tourismusbranche. Als die Mitgliedstaaten aus Gründen der öffentlichen Gesundheit Reisebeschränkungen einführten, erleichterte das Zertifikat den Bürgerinnen und Bürgern das sichere Reisen innerhalb der Europäischen Union. Und sobald dies möglich war, ermöglichte das Zertifikat eine koordinierte Aufhebung dieser Beschränkungen.“
Folgt man dieser Begründung, würden wir uns ohne das digitale Zertifikat nach wie vor noch in finstersten Lockdowns befinden. Da die WHO das Zertifizierungssystem mittlerweile übernommen hat, ist davon auszugehen, dass der digitale Impfpass sowie weitere digitale Identifizierungstechnologien noch lange Bestand haben und entsprechend lukrative Geschäftsmöglichkeiten bieten werden. Zumindest, wenn sich nicht allzu großer Widerstand dagegen regt. Damit die Öffentlichkeit nicht durch kritische Informationen verwirrt wird, kümmern sich daher sowohl das WEF als auch die UNO leidenschaftlich um den Kampf gegen vermeintliche „Desinformation“.
So haben beide Organisationen in ihrem jeweiligen aktuellen globalen Risiko-Bericht („Global Risks Report“) „Desinformation“ als eine der größten Gefahren für die derzeitige Welt definiert. Während das WEF in seinem Report hervorhebt, dass „Desinformation“ das Vertrauen in die Regierungsführung untergrabe und die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Krisen erschwere, kündigt die UNO an, dass sie eine Arbeitsgruppe einrichten will, die sich auf die Auswirkungen von „Desinformation“ über die Vereinten Nationen konzentrieren werde.
Der 80-jährigen UNO geht das Geld aus
Die UNO und das WEF gehen auch sonst Hand in Hand. Anlässlich des 80. Geburtstags der Vereinten Nationen betont das WEF eilfertig, dass die UNO selbst im „schwierigen Kontext der letzten Jahre“ ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt habe, wichtige Vereinbarungen zu treffen, um zur Lösung der größten Probleme der Welt beizutragen. Allein in diesem Jahr habe sie den Compromiso de Sevilla (ein erneuertes globales Rahmenwerk zur Finanzierung „nachhaltiger Entwicklung“) und über die WHO das Pandemieabkommen ins Leben gerufen, das die weltweite Vorbereitung und Reaktion auf Krankheitsausbrüche wie Covid-19 verbessern werde. Tatsächlich bereitet dieses Abkommen zusammen mit den überarbeiteten Internationalen Gesundheitsvorschriften eher ein globales Gesundheits-Regime vor. Selbstverständlich kümmert sich auch das WEF um das Thema Gesundheit, das schließlich ein bedeutender Wirtschaftszweig ist. In seinem am 18. September herausgegebenen Bericht zum „Aufbau wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit gegenüber den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels“ teilt es mit, dass der Gesundheits- und Pflegesektor etwa 10 Prozent des globalen BIP ausmacht.
Dabei lasse sich der Gesundheits- und Pflegesektor in zwei Hauptbranchen unterteilen: die Entwicklung und den Verkauf von Medizinprodukten sowie die Patientenversorgung. Der Gesundheitssektor als globaler Arbeitgeber beschäftige rund 65 Millionen Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen und andere medizinische Fachkräfte. Dazu kämen etwa acht Millionen Beschäftigte in der Pharmaindustrie. Und das WEF stellt fest: „Die Entwicklung neuartiger Medikamente, Medizinprodukte und Diagnostika für klimabedingte Erkrankungen wird kommerziell immer attraktiver, da die Patientenzahlen und die Nachfrage in neuen Märkten steigen.“ Auch hier soll Künstliche Intelligenz künftig eine Rolle spielen: Über hochmoderne generative KI-Plattformen könnten etwa rund um die Uhr Klimarisikowarnungen bereitgestellt werden. Und Versicherungen könnten durch die Integration multimodaler Daten (zum Beispiel meteorologische Daten und Daten von tragbaren Gesundheitstrackern) Risiken bestimmen und Modelle aktualisieren, die als Grundlage für Prämien dienen.
In Verbindung mit dem Gesundheitsmarkt und der Künstlichen Intelligenz hält das WEF also doch noch gerne am Thema Klima fest und treibt daneben eine Initiative zur digitalen Transformation im Gesundheitswesen voran. Außerdem unterstützt es nach wie vor die Impfallianz Gavi, ein weiteres Geburtstagskind in diesem Jahr: Die Gavi wurde im Jahr 2000 beim Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet und maßgeblich von der Gates-Stiftung anfinanziert. Erklärtes Ziel der Gavi ist es, die stagnierenden Impfquoten in den ärmsten Ländern der Welt anzukurbeln – und damit natürlich auch die Interessen der Pharmaindustrie zu bedienen. Außerdem ist Gavi eines der fünf Gründungsmitglieder der Organisation ID2020, die digitale Identifikationsformen weltweit schaffen will – und damit gleichzeitig der Digitalindustrie zuarbeitet.
Während die Gavi mit ihren 25 Jahren im besten Alter ist, hat die 80-jährige UNO gerade schwer zu kämpfen, denn das Geld wird knapp: Nach Ablauf des ersten Halbjahres hatte sie nur 13 Prozent der ursprünglich für 2025 beantragten 44 Milliarden US-Dollar an Hilfsgeldern erhalten. Ursache dafür sind in erster Linie die drastischen Kürzungen der US-Finanzmittel und die eklatant gestiegenen Verteidigungsausgaben der EU. UN-Generalsekretär António Guterres, dessen Amtszeit im Dezember 2026 endet, kündigte daher die neue UN80-Initiative an, die drei Reformbereiche umfassen soll: die Verbesserung der internen Effizienz durch Bürokratieabbau und Verlagerung von Dienstorten; die Entfernung veralteter Mandatsdokumente zur Priorisierung von Aufgaben sowie möglicherweise strukturelle Veränderungen und eine Neuausrichtung der Programme im gesamten UN-System.
Die Weltpolitik wird skrupellos privatisiert
Nach außen verkauft die UNO ihre Reform allerdings nicht als Sparmaßnahme, sondern als Verbesserung des Multilateralismus, also der Zusammenarbeit der Staaten. Die Reform sei nur Teil einer umfassenderen Neugestaltung der internationalen Zusammenarbeit. Und hier kommt abermals das WEF ins Spiel mit seinem „Globalen Zukunftsrat zur Neugestaltung der Entwicklungshilfe“ (Global Future Council on Reimagining Aid), mit dem es ebenfalls die internationale Zusammenarbeit neu gestalten will, um ein System aufzubauen, das „auf neuen Formen der Partnerschaft basiert und sich auf vielfältigere Finanzströme stützt“.
Dieser Anspruch wird auch im aktuellen WEF-Jahresbericht deutlich: Schon im gemeinsamen Vorwort betonen Fink und Hoffmann, dass das WEF ein „einzigartiger Katalysator für Zusammenarbeit“ sei, der „Wirtschaft, Regierung und Zivilgesellschaft“ zusammenbringe. Dann folgt ein Überblick über alle Arbeitsbereiche des WEF: von der Initiative „Zukunft des Wachstums“ („Future of Growth“) über das Projekt „Navigieren durch die Fragmentierung des globalen Finanzsystems“ („Navigating Global Financial System Fragmentation“) und die „AI Governance Alliance“ bis zur „Reskilling-Revolution“ – einer Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 einer Milliarde Menschen eine „bessere Bildung“ zu verschaffen, sprich: passend zu den WEF-Plänen umzuschulen. Außerdem betreibt das Forum das „Global Lighthouse Network“ (GLN), das industrielle Abläufe durch den großflächigen Einsatz fortschrittlicher Technologien transformieren will, sowie ein „Zentrum für Finanz- und Währungssysteme“.
Das WEF fühlt sich also dazu berufen, in sämtlichen Politikbereichen mitzuentscheiden. Dazu arbeitet es eng mit der UNO zusammen und ist über Fink mit dem weltweit größten Vermögensverwalter verbunden. Die globale Governance wird dadurch immer mehr von supranational agierenden Organisationen übernommen: von Stiftungen, Banken, Konzernen, Investoren und Nichtregierungsorganisationen. Das bedeutet jedoch faktisch eine Entmachtung der Parlamente, und die Interessen der Bürger bleiben auf der Strecke. Das Ganze wird dann als öffentlich-private Partnerschaften, Kooperationen und Multlaterismus verkauft. Und das mit Erfolg. Denn die Zahlen sprechen für sich: Das WEF erwartet bei seinen Sustainable Development Impact Meetings mehr als 1.000 weltweit führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, internationalen Organisationen, Zivilgesellschaft (Stiftungen und NGOs) und Wissenschaft. Die Weltpolitik wird skrupellos privatisiert.
