Gunter Weißgerber / 29.06.2018 / 15:00 / Foto: Pixabay / 4 / Seite ausdrucken

Tanz im Orientexpress: Das Buch, das fehlte

Es war einmal ein junges Mädchen. Am liebsten hätte es wohl in der Welt von „Tausendundeine Nacht“ gelebt. Eine fremde, schöne Welt mit viel Glück am Wege. So wie es Märchen oft eigen ist. 

Niemand, schon gar nicht ein Kind, nimmt den Inhalt eines Märchens wortwörtlich. Irgendwie klappt das mit dem Ausblenden, dem Überlesen auch sehr schlimmer Dinge in Geschichten, die uns doch so gefallen. So entstand wohl nie Mitleid mit der Hexe, die von Hänsel und Gretel verbrannt wurde. Auch glaubten wir, dass diese Hexe mit Hans und Gretel Grausames vorhatte. Unsere Eltern, die es sicher besser wussten, was angeblichen Hexen an Folter angetan wurde, um den armen Geschöpfen abstruse Geständnisse zu entlocken, schützten uns vor den Wahrheiten hinter den Märchen. Niemand wollte uns die schönen Mythen zerstören. Schön sollten wir es haben.

Was die Gebrüder Grimm in ihren Kriminalromanen, gemeinhin Märchen genannt, zuwege brachten, das war nachgerade ein Klacks im Vergleich mit den Geschichtenerzählern von „Tausendundeiner Nacht“. Eine exotische, bunte, dem Anschein nach harmonische Welt, deren einzelne Sätze und Beschreibungen nicht zu wörtlich genommen werden dürfen. 

Ich denke, wer mehr über das Geschlechterverhältnis in der islamischen Welt, mehr über die Justizpraxis und über Strafen im Orient wissen möchte und spröde Fachliteratur zunächst umgehen möchte, der kann sich noch einmal dieser Märchensammlung widmen. Dieses Mal aber einfach nur Wort für Wort, entkleidet aller romantischen Gefühle, lesen. Ein Aha-Erlebnis ist vorprogrammiert: Die islamische Welt steht seit 1.400 Jahren, zwar mit westlicher Technik modernisiert, scheinbar unverrückt dort, wo sie zu des Propheten Zeiten stand – weitverbreitete Geschlechterapartheid, weitverbreitete Akzeptanz schlimmster körperlicher Strafen, weitverbreiteter Judenhass. Selbst Kinder sind Eigentum des Vaters. Alles sehr ernüchternd.

Weltoffenheit und Vorsicht bedingen einander

Antje Sievers ist nun so ein romantisches Mädchen gewesen, das sich mit großer Naivität und Leidenschaft ihrem Märchenbild von orientalischer Kultur nicht nur ohne jegliche Ressentiments, sondern, im Gegenteil, ausgestattet mit einer ganzen Welt voll positiver Vorstellungen näherte. Wer soll ihr das verdenken? Alle Menschen sind gleich, alle wollen Frieden und Freiheit – wer so aufwächst, der transformiert das schöne Märchen 1:1 in die reale Welt, in die schöne Welt. Die Eltern von Frau Sievers haben alles richtig gemacht, Kinder erzieht man nicht zu Missgunst und Geringschätzung anderer. Meine Eltern hatten das mit meinem Bruder und mir auch nicht getan. 

Gerade weil Antje Sievers mit viel Liebe und Vorschusslorbeeren für die orientalische Kultur ihr Leben mit dem Bauchtanz in Angriff nahm, gerade deshalb ist ihr die Schilderung ihres Bauchtänzerinnenlebens so gut gelungen. Ich kann das Buch nur allen Eltern empfehlen, die ihre Kinder, und besonders die Mädchen unter ihnen, weltoffen aufziehen. Weltoffenheit und Vorsicht jedoch schließen sich nicht aus, sie bedingen einander. Es soll ja gut gehen beim Aufeinandertreffen von Kulturen. Je besser man andere Menschen und ihre Kultur kennt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht zu Konflikten kommt.

Wenn aber, um ein Beispiel auszuwählen, junge Frauen nichts davon wissen, wie sie in der orientalischen Kultur gesehen und eingeordnet werden, dann kann das nur in Katastrophen enden. Nichts spricht gegen multikulturelle Partnerschaften Okzident-Orient, wenn den Beteiligten alle Zusammenhänge und Erwartungen klar sind. Ich verstehe Antje Sievers’ Buch als Ratgeber für ein konfliktärmeres Miteinander von Orientalen im europäischen Okzident. Nirgendwo hebt sie den Finger und rät ab, schon gar nicht ist sie rassistisch oder islamophob. Diese Vorwürfe werden zwar kommen, doch treffen sie nicht zu. Nicht bei diesem Buch, erst recht nicht bei Antje Sievers.

Eigentlich hätte der „Tanz im Orientexpresse“ eine Begleitlektüre für die Völkereinwanderung 2015/2016 sein müssen. Frau Sievers’ Erkenntnisse, Informationen und Ratschläge hätten die Teddywerfer vom Münchner Hauptbahnhof schon beim Werfen im geistigen Gepäck haben müssen. So wie man allen Ankömmlingen das deutsche Grundgesetz hätte aushändigen sollen – möglichst als Kombination Deutsch/jeweilige Muttersprache. Ich weiß, für das Buch wäre es zu früh gewesen. Immer sind es die Menschen, die erst klüger werden müssen.

Handbuch für die Willkommenskultur

Sievers’ Buch wäre 2015 ein wichtiges Handbuch in der Hybris der sogenannten „Willkommenskultur“ gewesen. Nur – kein Verlag hätte es ohne deutschlandweite Empörung wegen angeblichem Rassismus und genauso angeblicher Islamophobie bewerben können. Nachdenkliche Stimmen haben es heute noch schwer durchzudringen, 2015/2016 wären sie einem öffentlichen Selbstmord nachdenklicher und skeptischer Citoyens gleichgekommen. 

Welche Tipps gibt uns Frau Sievers auf dem Weg zu einem Kennenlernen Deutscher und Zugewanderter auf Augenhöhe mit? Ohne das komplette Buch zu referieren, seien in der Folge einige Themenbereiche hervorgehoben.

Unsere Hausordnung: Antje Sievers’ unterschwellige Hauptbotschaft ist die Notwendigkeit der Anerkennung unserer „Hausordnung“. Wir haben das Grundgesetz, wir sprechen deutsch, wir bieten Schutz und Chancen. Dafür erwarten wir die Akzeptanz unserer Hausordnung. Frauen sind in jeder Hinsicht selbstständige Menschen mit absolut gleichen Rechten und Pflichten. Kein Mann ist den Frauen obertan. Die Sexualität der Frauen gehört den Frauen, nicht den Männern. Kinder sind Schutzbefohlene, eigenständige Menschen, sie gehören im Sinne von sächlichem Besitz weder Mutter noch Vater. Die Religionen sind geschützt, die Religionsausübung unterliegt dem Grundgesetz. Vom Grundgesetz abweichende religiöse Praktiken und Verfahren werden nicht geduldet. Das Verlassen von Religionsgemeinschaften ist vom Grundgesetz gedeckt. Das gehört zur Religionsfreiheit.

Europäische Frauen und orientalische Männer: Es gibt in den meisten Fällen eine Beziehung – vor der Eheschließung und danach. In den meisten Fällen wird der muslimisch sozialisierte Mann nach der Hochzeit den muslimischen Pascha herauskehren. Zieht das Paar dann in die Heimat des Mannes, wird das alles viel dramatischer. Nichts gilt mehr, was im Leben davor Gültigkeit hatte. Fortan regiert das muslimische Geschlechterverständnis, welches leider auch seitens der Schwiegermütter verlangt wird. „Wenn ein muslimischer Mann heiratet und eine Familie gründet, schließt sich der Kreis, er tritt in die Fußstapfen seiner Vorfahren, und alles, was er von nun an tut, ist eine Frage des guten Rufes und seiner Ehre. Als Familienoberhaupt muss er ein guter Muslim sein. Nach und nach ändern sich seine Lebensgewohnheiten, …und [er] beginnt damit, seine Ehefrau an die Kandare zu nehmen. … Deutsche Ehefrauen wissen es nicht. Was immer vor der Heirat ihre Lebensgewohnheiten gewesen sein mögen: Ab sofort gehören sie der Vergangenheit an.“ (S. 50/51).

Wenn (Ehe-)Frauen sich auflehnen: Dann gilt Sure 4:34! Frauen mögen sich bitte nichts vormachen. Um diese Sure und deren Folgen kommen sie nicht herum: „Wenn ihr befürchtet, dass Frauen sich auflehnen könnten, ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie“ (S.70).

Im Orient lügt man anders (S. 64): Es ist für Orientalen inakzeptabel, unangenehme Wahrheiten offen zu sagen. Das Gesicht muss gewahrt bleiben. Deshalb wird in der Regel versucht, die Wahrheit zu seinem Vorteil zu verändern. Was für uns wie eine Lüge wirkt, ist für Muslime die Möglichkeit, nicht unhöflich zu sein. Missverständnisse sind zuhauf vorprogrammiert. 

Selbstbeherrschung als Malus: Orientalische Flüchtlinge kommen aus archaischen Gesellschaften, in denen Gewalt selbstverständlich dazu gehört. Selbstbeherrschte, kontrollierte Menschen gelten als schwach. Gewaltausübung ist ein Ausdruck von Überlegenheit. (S. 79).

Antje Sievers beschreibt viele Fallen beim unerwarteten Zusammentreffen von Okzident und Orient. Wie Frauen sich Respekt verschaffen müssen, und wie sie das nicht schaffen, wie männliche Selbstmordversuche Teil des Geschlechterkampfes sind, wie normal Ehen unter engen Verwandten sind, wie Zweckehen gegründet werden (Bezness), welche tödliche Missachtung Juden und Homosexuelle zu erwarten haben usw., usf. 

Und sie hat noch eine ganz besondere Warnung parat: Liebe Europäerin, hüte dich vor der Schahada! Unbedingt! Wer bei einer Trauung einige Worte auf Arabisch nachsprechen soll, ohne die Bedeutung zu kennen, kann – ohne es zu ahnen – im selben Augenblick zum Islam konvertiert sein. Daraus gibt es kein Entrinnen mehr. Die Worte heißen auf Deutsch „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.“ Vor Zeugen ausgesprochen, ist man damit lebenslänglich zum Islam konvertiert. (S. 107).

Im Kapitel „Da staunt der Vordere Orient, da staunt der Hintere Orient…“ lässt Antje Sievers eine Ahnung aufkommen, was sie und viele Andere auch insbesondere seit 2015 verloren haben: die Lebensfreude gelebter Multikultarilität. Sie kannte das, was sie unter „Multikulti“ in seiner schönsten Form beschreibt. Und es fehlt ihr schmerzlich. 

„Schaffen wir das?“: „Tatsache ist, wir müssen es schaffen. Integration geschieht nicht von selbst, Patentrezepte kann man nicht aus der Tasche ziehen, aber es gibt ein „Zauberwort: Respekt. Respekt sollte das oberste Gebot sein. ... Das letzte, was wir im Hinblick auf die Probleme von Zuwanderung und Integration riskieren dürfen, ist es, diese Werte (Grundgesetz, Aufklärung, freie Gesellschaft, unsere Demokratie) zu hinterfragen. Es sollte Schluss sein mit der Toleranz für Intolerante.“ (S. 130-139).

Weil die Menschen so sind, wie sie sind, müssen bestimmte Erfahrungen immer erst von vielen Menschen gemacht werden. Erst dann setzt das gruppendynamische Nachdenken ganzer Gesellschaftsschichten ein. So ein Zustand ist inzwischen erreicht. Die Zuwanderungshybris weicht täglich stärker der Erkenntnis, wir ließen uns in etwas hineinziehen, von dem wir nicht wissen, wie wir da heil wieder herauskommen. Deutschland ist, wie die Europäische Union in Gänze, in Gefahr. 

Große Teile der Gesellschaft waren 2015/16 willig trunken und hatten ihren Kater noch vor sich. Antje Sievers liefert mit ihrem „Tanz im Orient-Express“ ein gutes Handbuch für das Deutschland des Jahres 2018. Damit der Kater nicht übermächtig werde, sei das Buch wärmstens empfohlen.

Antje Sievers: „Tanz im Orientexpress – Eine feministische Islamkritik“, mit einem Nachwort von Zana Ramadani, Hardcover/Klappenbroschur, 21,0 x 14,5 cm, Verlag Achgut Edition, ISBN 978-3-9819755-0-5, 17,00 €. Hier gehts zum Shop.

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Belo Zibé / 29.06.2018

Integration geschieht nicht von selbst,es müssen immer zwei Partien daran beteiligt sein .Das Problem ist aber, dass sich die aufnehmende Gesellschaft Ratgeber kauft,um muslimische Immigranten besser zu verstehen,während diese damit beschäftigt sind ihren 1400 Jahre alten Stillstand in Deutschland neben dem Grundgesetz , der freien Gesellschaft und Demokratie zu etablieren.Es ist zwar interessant zu erfahren, dass im Orient anders gelogen wird,aber das hat in Deutschland keine Rolle zu spielen,weil auch in anderen Kulturen aus diesen oder jenen Gründen anders gelogen wird.Deshalb bin ich der Meinung, dass nicht wir die Integration schaffen müssen,sondern in erster Linie die muslimischen Immigranten.

Hans-Jürgen Ewers / 29.06.2018

Unbewusste „Islamisierung“ ? Die meisten Mitglieder in den Parlamenten des Bundes und der Länder und auch viele „Normalbürger“ unseres Landes behaupten, dass keine „Islamisierung“ unseres Landes stattfindet. Dass aber gerade sie dafür sorgen, dass es doch geschieht, scheinen sie nicht zu bemerken. Denn sie sind es doch auch, die behaupten, dass der Islam zu Deutschland gehört. Ihnen scheint es nicht klar zu sein, dass ihre Behauptung gleichzeitig als Willensbekundung dahingehend zu werten ist, dass sie es anerkennen, dass der Islam zu ihnen ganz persönlich gehört, denn jeder von diesen Apologeten des Islam ist ja ein Teil Deutschlands. Es ist also so, dass nicht nur die Bürger unseres Landes, die sich irgendwann die Eigenschaft zugelegt haben, „genuine Muslime“ sein zu wollen, für die „Islamisierung“ Deutschlands ihren „Beitrag“ leisten, sondern dass auch eine große Anzahl der „Nicht-Muslime“ durch ihr Anerkenntnis, dass der Islam zu Deutschland gehört, kräftig für die „Islamisierung“ Deutschlands sorgt. Sie haben sich durch ihr Anerkenntnis selbst den Status zugelegt, „Pseudo-Muslime“ oder „mittelbare Muslime“ zu sein. Gemeinsam mit den „genuinen Muslimen“ tragen sie, ohne dass es ihnen bewusst zu sein scheint, dazu bei, dass der Islam in Deutschland immer mehr zu einer signifikanten Größe wird, was bei dem Rest der Bevölkerung Deutschlands – den wirklichen „Nicht-Muslimen“ – große Besorgnis hervorruft und deswegen von ihnen nicht ohne Widerstand hingenommen wird. Und weil sie Widerstand leisten, wird auf jede Art und Weise versucht, sie zu verunglimpfen, zu diffamieren und zu diskreditieren, was ebenfalls Besorgnis erregend ist. Es wird oft behauptet: „Den Islam gibt es nicht“. Doch ! Zur Kritik eines stereotypen Abwehrdogmas (Hartmut Krauss).

Peter Volgnandt / 29.06.2018

Ich möchte nur, dass nicht der Eindruck entsteht, dass Frau Sievers ein dummes romantisches Mädchen war. Als sie Bauchtanz in Ägypten lernte, da war die Welt dort eine ganz andere. Bei den Abiturientenfeiern saßen die Mädcheen in westlichen Kleidern auf den Abschlussfotos. Heute mit Kopftuch und langen Mänteln.  Thema ihres Buches war es ja gerade, dass sich die islamische Welt geändert und leider auf dem Weg rückwärts ist. Das Video, das hier vor kurzem zu sehen war, das hat das alles sehr eindrucksvoll und sensibel geschildert. Die dummen romantischen Mädchen, die heute in den IS-Staat ziehen, Kinder in die Welt setzen und dann zurückkommen und von der Stütze leben, sind da schon eine andere Kategorie.

Michael Lorenz / 29.06.2018

Es gibt noch so ein Buch, das einem die Augen öffnet. Auch dieses Buch sollte Pflichtlektüre für jeden Westler sein: der Koran.

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