
Genau aus den hier zutage tretenden Faktoren bin ich kein Unterstützer der Tafeln mehr: Es kommt überwiegend denen zugute, die es sich - leider völlig legal und von der Politik der letzten Jahre auch forciert - in unserem sozialen System ohne Vorleistungen bequem gemacht haben. Arme Rentner, die jahrzehntelang die Gesellschaft mitgetragen haben, oder sonst wie durch das Netz Gefallene, z. B. durch Krankheit, Schicksal o.ä. bilden nurmehr eine Minderheit. Ich bin sicher, dass die Zahlenverhältnisse der Essener Tafel auch bundesweit nicht viel anders aussehen. Hier ist nun ein Feld, auf dem der Verdrängungsprozess schon gut sichtbar wird; viele andere (ich kenne Leute, die ihre Organspender-Erklärung widerriefen) werden folgen.
Wenn Lauterbach, Barley und Chebli Nachbarn, Kollegen oder Verwandte wären, würde man nur den Kopf schütteln über so viel Dummheit, Verblendung und Selbstgerechtigkeit, aber da sie in höchsten politischen Ämtern Verantwortung tragen, kann man sich nur gruseln.
Es besteht die Gefahr einer Entsolidarisierung untereinander. Umso inhomogener eine Gesellschaft wird, mit einer immer kleiner werdenden Schnittmenge, umso weniger werden sich weiterhin Menschen sozial engagieren wollen. Grundsätzlich, losgelöst von dieser Story.
Die Menschen, die sich so “hochmoralisch” entrüsten und über angeblich mangelnde Menschlichkeit beklagen, sollten sich einmal fragen, ob es nicht gerade ein Zeichen von sozialer Gerechtigkeit ist, wenn auch den armen Mütterchen mit Gehilfe oder Rollator ermöglicht werden soll, Hilfe durch die Tafel zu erhalten, ohne Gefahr zu laufen, schwer zu stürzen, weil so rabiat und ohne jede Rücksicht gedrängelt wird. Es ist einfach legitim, Menschen fernzuhalten, die sich nicht benehmen können und wollen und dadurch Angst verbreiten. Würden sie sich benehmen, gäbe es dieses Problem nicht. Da liegt der Fehler - nicht bei denen, die Mitgefühl für Verängstigte haben. Außerdem sind die Lebensmittel Geschenke und die dort Tätigen arbeiten ehrenamtlich. Niemand - auch die Politik oder die Kirchen nicht - hat das Recht, ihnen Vorschriften zu machen und sie zu instrumentalisieren. Sie retten mit großem Engagement und Einsatz diejenigen, an denen der Staat versagt hat. Dafür gebührt ihnen Respekt und Dank.
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