Mohammed Hanif schreibt in der NZZ:
In meiner Heimatstadt im Punjab konnte ein befreundeter Geschäftsmann seine Begeisterung über die jüngsten Entwicklungen kaum zurückhalten. «Wenn zweihundert Taliban die Stadt übernähmen, könnten wir endlich selbst unsere Entscheide fällen. Wer braucht überhaupt dieses korrupte Regierungssystem.» Dieser Freund ist ein typischer konservativer Pakistaner der Mittelklasse, und im ganzen Land sind in der städtischen Bevölkerung ähnliche Stimmen zu vernehmen. Ich versuchte nachzuhaken. «Du bringst deine Töchter jeden Morgen zur Schule, in deinem Auto läuft immer Musik. Wenn die Taliban an der Macht sind, ist es vorbei damit.» Er zauderte einen Moment und fuhr dann die Erklärung auf, mit der sich die meisten bessergestellten Pakistaner zu beruhigen versuchen. «Was sie in Swat anstellen, entspricht ihrer paschtunischen Kultur», sagte er. «Aber der Islam schreibt Bildung für Männer und Frauen vor. Und wir Punjabis haben ja auch eine andere Kultur.»
Die gleiche naive Behauptung habe ich in Fernsehshows gehört und in Editorials gelesen: Die Ideologie der Taliban ist ganz in Ordnung, nur ihre Methoden sind nicht stubenrein. Irgendwie hält sich die Hoffnung, dass die Taliban, wenn sie erst einmal in Lahore oder Islamabad einmarschieren, mit einem Schlag realisieren, dass der Islam eine Religion des Friedens ist, in der es keinen Zwang zum Glauben gibt.
Wer unter den Taliban gelebt hat, gibt sich keinen solchen Illusionen hin. Hier weiterlesen!