Claudio Casula / 08.11.2023 / 06:00 / Foto: Imago / 142 / Seite ausdrucken

Svenjas Welt und die Gaza-Wirklichkeit

„Die Palästinenser sind nicht die Hamas“, meint Entwicklungshilfeministerin Svenja Schulze und rechtfertigt damit die Zahlung von gut 90 Millionen Euro an die Palästinenser. Damit macht sie es sich viel zu einfach.

Genau einen Monat währte die Schamfrist, jetzt wird Deutschland von sofort an wieder „Entwicklungsprojekte" in den Palästinensergebieten finanzieren, wie gestern unter anderem in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. „Wir sehen das große Leid der Zivilbevölkerung in Gaza und wollen es lindern“, wird Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) zitiert. Die Prüfung, ob die Millionen nicht indirekt der Hamas zukommen, sei zwar noch nicht abgeschlossen, aber Frau Schulze kann es kaum erwarten, sie auszuzahlen – mit Blick „auf die wachsende Not der Menschen im Gaza-Streifen und die zunehmend instabile Lage in einigen Nachbarländern". Dass es im Herrschaftsbereich eines Regimes wie dem der Hamas unmöglich ist, Geld an den Herrschern vorbei an „unschuldige Zivilisten“ zu zahlen, ficht die Ministerin nicht an.

So wird Deutschland nicht nur seine Millionenzahlungen an das Terroristen-nahe UN-Hilfswerk UNRWA (ausschließlich für palästinensische Flüchtlinge von 1948 und ihre Nachkommen) wieder aufnehmen, sondern auf die bereits geplanten Zusagen in Höhe von 71 Millionen Euro für die UNRWA noch 20 Millionen Euro für den „gestiegenen Bedarf“ draufpacken. Einen Widerspruch zwischen den Solidaritätsbekundungen für Israel und der Unterstützung der Palästinenser sieht Schulze nicht: „Israels Kampf gilt ja der Hamas“, so die Ministerin. „Die Palästinenserinnen und Palästinenser sind nicht die Hamas, das muss man unterscheiden.“

Das Argument, die Deutschen seien nicht die Nazis, hat man im Zweiten Weltkrieg eher nicht gehört, dabei ist der Vergleich durchaus angemessen. Bei den letzten freien Reichstagswahlen im November 1932 erreichte die NSDAP keine Mehrheit, wurde aber mit 33,1 Prozent stärkste Partei und erfreute sich lange einer gewissen Beliebtheit im Volke. Dennoch käme niemand auf die Idee, die Deutschen von den Verbrechen des Nationalsozialismus freizusprechen.

Die Palästinenser wählten Hamas – besonders in Gaza

Ganz anders sieht man es offenbar bei den Palästinensern, die 2006 die Hamas-Liste mit dem euphemistischen Namen „Wandel und Reform“ an die Macht wählten: Die 44,5 Prozent (im Gazastreifen war sie – mit Ausnahme des Distrikts Rafah an der Grenze zu Ägypten – noch stärker als in der Westbank) brachten ihr eine Mehrheit im Parlament. Wie es unter Mafiabanden üblich ist, löste man, weil die Fatah die Macht nicht abgeben wollte, die Machtfrage mit Gewalt, wobei unter anderem Rivalen von Hochhausdächern gestoßen wurden, und die Hamas übernahm den Gazastreifen. Die Nacht der langen Messer, gewissermaßen. 

Mit einem gewissen Recht stellte Israels linksliberaler Präsident Yitzchak „Buji“ Herzog, sicher kein Palästinenserfresser, kürzlich fest:

Es ist eine ganze Nation da draußen, die verantwortlich ist. Es ist nicht wahr, dass die Zivilbevölkerung nichts weiß und nicht beteiligt ist. Das ist absolut nicht wahr. Sie hätten sich erheben können. Sie hätten gegen dieses böse Regime kämpfen können, das den Gazastreifen durch einen Staatsstreich übernommen hat."

Svenja Schulze macht es sich also zu einfach, wenn sie jeden Zivilisten im Gazastreifen für vollkommen unschuldig erklärt – und wir reden jetzt nicht von den Zivilisten, die sich am 7. Oktober an dem Massaker in Israel beteiligten, mitmordeten, mitvergewaltigten, mitplünderten und Geiseln mit nach Gaza nahmen.

UNRWA-Mitarbeiter feiern Massaker in den sozialen Medien

Kommen wir noch einmal auf die UNRWA zurück. Die beschönigend „Hilfswerk“ genannte Institution, die größtenteils palästinensische (im Gazastreifen also der Hamas genehme) Angestellte beschäftigt und unter anderem den Bildungssektor betreut, steht schon lange in der Kritik. Die Schulbücher enthalten Material, das zum Dschihad, zu Gewalt und Märtyrertum aufruft, Antisemitismus, Hass, Intoleranz und mangelnde Neutralität propagiert.

Der Europäischen Union ist dies durchaus schon lange bekannt, dennoch will sie ihre Finanzhilfe für die Palästinensische Autonomiebehörde nicht von der Abschaffung antisemitischer Schulbücher abhängig machen. Entsprechende Vorstöße wurden zwar gelegentlich unternommen, nicht aber, wen wundert's, von deutscher Seite.

Aktuell meldet Fox News, dass einem neuen Bericht des britischen Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (IMPACT-se) zufolge mindestens 14 Lehrer und Mitarbeiter von UNRWA-Schulen das Massaker der Hamas an 1.400 Israelis, Amerikanern und anderen Ausländern am 7. Oktober in Israel auf ihren Social-Media-Konten öffentlich gefeiert haben. So veröffentlichte Mahmoud Abu Adhm, ein UNRWA-Mitarbeiter in Gaza, zahlreiche Pro-Hamas-Botschaften zur Unterstützung der Gräueltaten vom 7. Oktober. Drei Tage später ermutigte er die Hamas zur Ermordung israelischer Geiseln mit den Worten: „Geht nicht an einem Gefangenen vorbei, der nicht amnestiert wurde, ohne ihm den Hals abzuschlagen, um den Feind zu terrorisieren“. Auch Abu Adhm gehört zu den Zivilisten, die Svenja Schulze in toto zu Unschuldigen erklärt hat.

Lieber die gütige Tante mit der dicken Brieftasche spielen

Afaf Talab, ein Lehrer, der laut IMPACT-se-Bericht bei der UNRWA beschäftigt ist, teilte auf seiner Facebook-Seite ein Video, in dem das Massaker der Hamas als „erster echter Sieg“ auf dem Weg zur Befreiung aller Palästinenser bezeichnet wird. Am 23. Oktober rief er dazu auf, Gott möge „die Juden vernichten“. Man muss dazu sagen, dass diese Rhetorik im Gazastreifen nicht die schockierende Ausnahme, sondern gang und gäbe ist. In den Lehrbüchern der UNRWA-Schulen werden die Terroristen al-Walid und Izz ad-Din al-Qassam, deren Namen die Hamas für ihre Milizen verwendet, als „Helden“ des Dschihad in einer arabischen Leseverständnisübung der Klasse 5 verherrlicht. Im Stadtbild sind die Visagen der Terrorfürsten plakatiert, sie gelten als Vorbilder und Märtyrer, denen es nachzueifern gilt.

Man kann das alles wissen, schon lange. Auf Webseiten wie denen von Palestinian Media Watch oder vom Middle East Media Research Institute sind zahllose Videos und Berichte zu finden, in denen man das, was in der islamischen Welt im Allgemeinen und im Nahen Osten im Besonderen von Politikern, Klerikern, Journalisten und anderen gesagt und geschrieben wird, im Original hören, sehen oder lesen oder in englischer Übersetzung genießen kann. Aber weil unsere Politiker sich selbst nach dem 11. September 2001 nicht dazu überwinden konnten, sich mit dem politischen Islam auseinanderzusetzen (die Muslimbruderschaft wurde vor 90 Jahren gegründet!) und sich aus erster Hand kundig zu machen oder wenigstens echte Experten konsultierten, sondern sich kommod im ideologischen Wolkenkuckucksheim eingerichtet haben, denken sie nun einmal ganz naiv im Sinne von „irgendwie sind wir doch alle gleich“ – klar, Mutter Teresa und Hitler, Gandhi und Pol Pot, israelische Armee und Hamas.

Diese verantwortungslose Haltung spricht nicht nur den Lippenbekenntnissen von der Sicherheit Israels als deutscher Staatsräson Hohn, sie wird uns sehr bald gehörig auf die Füße fallen, wie die Rufe radikaler Muslime nach einem Kalifat in Deutschland kürzlich deutlich gemacht haben. Dafür sorgen Politiker, die sich in der Rolle der großzügigen Tante mit der dicken Brieftasche gefallen und die hässliche Wirklichkeit ausblenden. Solche wie die politische Leichtmatrosin Svenja Schulze.

 

Claudio Casula arbeitet als Autor, Redakteur und Lektor bei der Achse des Guten.

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Emil.Meins / 08.11.2023

Wer mehr über diese Frau wissen möchte, sollte zuerst auf “ihrer” Wikipedia Seite nachlesen. Abitur mit 20 (wo hat sie die 2 “fehlenden” Jahre zugebracht? Auf der Reservebank?,) Zeitgleich in die SPD eingetreten. Danach gings dann aufwärts. Daneben war sie als NRW-Wissenschaftsministerin in die “Atomkugel-Affaire” der AVR Jülich verwickelt, als im April 2011 durch eine kleine Anfrage der Grünen bekannt wurde , dass 2285 radioaktive Brennelementekugeln abhandengekommen sein sollten. Wer dazu auf der Wiki-Seite zur AVR Jülich nachliest, bekommt das kalte Grausen. Damals kam es im Umkreis der Anlage zu enormen Strahlenbelastungen,, da bauseitig eine Abschirmung des Reaktorbehälters auf der Oberseite fehlte, und so Strahlung ungehindert entwich. Zudem zahlreiche Störfälle. Und erhöhtes Auftreten von Krebserkrankungen in der Folge. Inzwischen alles dem gnädigen Vergessen anheim gefallen. Und eine Svenja S. kann weiter ihr Unwesen treiben und schwadronieren.

Konrad Goecke / 08.11.2023

Frage an unsere Entwicklungsministerin Svena Schulze: Wie erklären Sie, dass Singapur, welches 1950 zu den unterentwickeltsten und ärmsten Regionen der Welt gehörte, heute zu den wohlhabendsten Regionen gehört, und Palestina sich geläufig entwickelt hat, obwohl es über Jahrzehnte Milliarden an Entwicklungshilfe erhalten hat im Gegensatz zu Singapur? Könnte es vielleicht doch an der Hilfe liegen?!

R.Camper / 08.11.2023

Die Deutschen haben auch den GröFaZ gewählt und haben nach dem Krieg so getan als wenn die Nationalsozialisten vom Mars gekommen wären. Wenn über die Untaten der Deutschen im zweiten WK gesprochen wird, waren es fast immer die Nazis, selten die Deutschen. Das gleiche Spiel jetzt mit der Hamas und den Bewohnern des Gazastreifens, auch „Palästinenser” genannt.

Karsten Paulsen / 08.11.2023

Entwicklungshilfeministerium? Auflösen ... komplett, weg damit. Familien(einmischungs)ministerium, Umweltministerium ... gleich hinterher.

Rudi Knoth / 08.11.2023

Was die Deutschen im 3. Reich angeht, so hat 1945 auch nicht jeder Deutsche die NSDAP gewählt, weil er/sie dafür zu jung war. Das sollte man bei der Kollektivschuld bedenken, wenn man bei Verstand ist.

R.Camper / 08.11.2023

“Die Hamas sind nicht die „Palästinenser”.————Was immer dort im Gassstreifen lebt, es sind auf keinen fall „Palästinenser”. In Amerika leben auch keine Amerikaner, die Amerikaner werden dort Indianer genannt. Die angeblichen Amerikaner sind eigentlich europäische Invasoren. Ich wäre mal neugierig, wie man uns in 50 Jahren nennt, ich schätze mal „die Dhimmis”.  Die „Neubürger” werden sich in 200 Jahren als Deutsche bezeichnen, dann wird es wahrscheinlich für „uns” nur noch ein Reservat geben, so eine Art Zoo.

Dr. Detlef Wacker / 08.11.2023

Wenn ich das richtig sehe, dann zahlt Deutschland über die “Tante”  90 Mio. € , über UNRWA 90 Mio. € und Baerbock wirft noch mal zusätzlich 50 Mio. € “Soforthilfe” über GAZA ab. Dazu kommt der größte Anteil der nun auf 100 Mio. € aufgestockter EU-Hilfe als Beitragszahler. Vielleicht sagt die Hamas auch Danke Deutschland!  Indes marodieren auf den Straßen die Terrorunterstützer zu tausenden. Wann kommen deutsche Politiker auf die Idee, Waffen zur “Selbstverteidigung” natürlich, an notleidende Palästinenser zu liefern? Ich mag gar nicht daran denken, was neben dem Aufbau der Ukraine der Wiederaufbau von Gaza durch Deutschland alles kosten wir. Neben weiteren tausenden sogenannten Flüchtlingen, inkl. Hamas Terroristen, Kriminelle und Hasspredigern natürlich.

Talman Rahmenschneider / 08.11.2023

Ich schwöre Ihnen, wenn die Deutschen sowas wie die UNRWA hätten, die Kartoffeln meine ich, würden sie trotzdem arbeiten. Die UNRWA, kombiniert mit levantinischer Mentalität, läd zum Kinderkriegen und zum Nichtstun ein. Längst hätten sich die Westpalästinenser ein schönes Touristengebiet und Gemüse- und Obstanbau zulegen können. Dann würde die UNRWA aber nicht mehr zahlen. Ohne Ökonomiestudium in einem (ex officio zwar) Posten in der Weltbank ist seltsam. Solche Personalien hat nur Armseligstan.

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