Super-Mario Nummer Zwei

Von Alberto Noceti.

Wir erinnern uns. Schon einmal hat Italien einen Super-Mario gehabt: Mario Balotelli, der bei der Fußball-EM 2012 mit zwei denkwürdigen Toren Italien zu einem historischen Sieg gegen Deutschland schoss. Was ist aus ihm geworden? Mittlerweile dümpelt er in der Anonymität der B-Serie.

Und heute? Wieder ein Super-Mario: Mario Draghi, der vielgepriesene „Retter des Euro“, der nun seinen Vorgänger Giuseppe Conte in der Rolle des Ministerpräsidenten ablöst. Auch er hat elf Gegenspieler, die man nicht unterschätzen sollte:

• die Corona-Pandemie,

• eine Welle von Gewalt gegen Frauen,

• die sizilianische Mafia,

• die kalabrische ‘Ndrangheta,

• die apulische Sacra Corona Unita,

• die neapolitanische Camorra,

• einen bürokratischen Wasserkopf,

• Korruption auf allen Ebenen, angefangen bei der Vergabe von Impf-Terminen bis zur Müllabfuhr,

• illegale und giftige Mülldeponien,

• die Flüchtlingspolitik,

• einen extrem belasteten Arbeitsmarkt.

Die Ersatzbank des Gegners ist auch gut besetzt:

• die marode Stahlindustrie, 

• viel zu hohe, unrealistische Erwartungen an die Politik, 

• ungelöste umwelttechnische Probleme. 

Damit stellt sich die Frage: Wird Mario Draghi mit seinem Charisma als Wirtschaftsexperte und seiner technokratisch ausgerichteten Mannschaft das Ganze wirklich schultern können? Daran ist sehr zu zweifeln. Denn wahrscheinlich wird er – trotz seiner „gesegneten“ Karriere als Jesuiten-Schüler – wie viele andere vor ihm untergehen in einem unüberschaubaren Sumpf parteipolitischer Scharmützel und Intrigen, wie die bereits jetzt zerstrittene Mehrheitspartei „Cinque Stelle“. 

Aber umso mehr: Als Italiener und Europäer kann ich Mario Draghi nur alles Gute wünschen in der Hoffnung, dass er nicht in den Niederungen der Zweitklassigkeit versinkt… und vielleicht keine weiteren Spielzeiten absolvieren muss. 

Buona fortuna, Signor Draghi!

 

Dr. Alberto Noceti lebt und arbeitet als Dolmetscher und Übersetzer in München. Er hat u.a. Arbeiten von Wolf Biermann ins Italienische übertragen.

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Leserpost

netiquette:

Gunter Erhard / 27.02.2021

Eine prima Idee, des Italienexperten Dr. Noceti, Mario Draghi mit Mario Balotelli zu vergleichen

Dr. Wolfgang Haberl / 27.02.2021

Schonungslos legt der Autor seinen Finger in alle Wunden Italiens und zweifelt zu Recht die guten Chancen der heilenden Hand eines Mario Draghi an. Wie will man dieses traditionsverhafte Paradoxon von einem Land, bei dem man eben auch an gutes Essen, Sonne, Meer und eine beeindruckende Architektur denkt, auch regieren. Der Autor könnte zur komplexen Problematik dieses Italiens sicher noch eine Menge aufschlussreiche Kommentare abgeben. Bis dahin folge ich seinen guten Wünschen für Mario Draghi, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Margit Broetz / 27.02.2021

Damit setzt die ach-so-demokratische EU (war da nicht mal eine Kommissionspräsidentenwahl? Für die dann per ordre der mutti eine Kandidat*in eingesetzt wurde die vorher gar nicht aufgestellt war?) - den Italienern ein drittes Mal einen Ministerpräsidenten vor, den sie nicht gewählt haben - nach Prodhi und Monti. Und wie Monti war auch dieser früher bei Goldman-Sachs. - Was haben wir damals gerätselt, wie die Italiener so blöd sein konnten, jenen Lustgreis wieder und wieder zu wählen. Heute weiß ich es: Ber-lust-coni stand wenigstens auf dem Wahlzettel, und blöder als die Deutschen sind die Italiener auch nicht!

Fred Burig / 27.02.2021

Das kann nicht gut gehen und wir werden es wieder einmal mehr sehen: Auf allen Ebenen/ Ämtern versagt, aber privat ausgesorgt. So sind sie heute alle ! MfG

Rolf Mainz / 27.02.2021

Nun, die Italiener wissen eben, wem sie für den aufgeschobenen Staatsbankrott durch etliche deutsche Euro-Milliarden dankbar sein müssen, eben “Super-Mario”. Der “Retter des Euro” ist halt in Wirklichkeit der Retter der staatlichen italienischen (und sonstigen Mittelmeer-Club-) Misswirtschaft. Nullzinsen, damit fleissig und günstigst weiterhin die staatliche Umschuldung betrieben werden kann. Soll der private Sparer und Altersvorsorgende - vor allem in Deutschland - doch schauen, wo er bleibt. Und der werte deutsche Michel schläft - wieder einmal. Ja, ja, “whatever it takes”...

Robert Korn / 27.02.2021

Der Normalitaliener verachtet die Politiker. Und macht sich keine Illusionen,  daß die “casta” etwas dauerhaft wenden könne. Er ist aber großzügig und regt sich über deren profitables Eigenleben nicht länger auf. Allerdings zollt er den Berlusconis und Craxis Respekt.  Er mag sie aber nicht. Im Allgemeinen versucht er, meist erfolgreich,  den Staat mürrisch zu ignorieren. Und daran wird Draghi nichts ändern, un cazzo…. Ich kenne und mag die Italiener, spreche ihre wunderbare Sprache und mache mich nicht anheischig, ihnen mit Ratschlägen beizuspringen.

Herbert Ruhl / 27.02.2021

Das sind namhafte Gegenspieler für Signor Draghi. - Auch Helenio Herrera, Giovanni Trapattoni und Marcello Lippi mussten sich mit starken Gegnern auseinandersetzen. Die Spielweise ihrer Teams war nicht immer elegant und vom Jubel der Massen begleitet. Aber die Teams waren erfolgreich. Alles Gute für Signor Draghi und sein Team! Buona fortuna!

Sepp Kneip / 27.02.2021

Draghi - Retter des Euro? Dass ich nicht lache. Mit der Euro-“Rettung” haben er und Merkel alles zerstört. was für Deutschland und Europa substanziell gewesen wäre. Eine Stabilität gibt es nicht mehr. dafür umso mehr Schulden, die niemand mehr bezahlen kann. Durchgeschleift wird das nur mit immer mehr frisch gedrucktem Geld und immer mehr Schulden. Ein Teufelskreis, der in Kürze auseinanderfliegt. Und mit ihm Europa und der Rest der Welt. Angeschoben haben das Draghi und Merkel. Aus Dummheit oder Berechnung? Bei Draghi war es alleine Berechnung, bei Merkel beides. Mit der wahnwitzigen Euro-“Rettung” hat die Destabilisierung Europas und damit der Welt begonnen. Fortgeführt wurde das mit der Energiewende, der Massenimmigration, der Klima-Hysterie und schließlich mit dem künstlichen Corona-Virus. Das Wahnsinnige dabei ist, dass alle Krisen, die von diesen Herrschaften verursacht wurden, von diesen auch “behoben” werden. Das ist aber auch logisch, denn aus der Krise soll der Great Reset hervorgehen. Dass das Idiotie ist, versteht sich von selbst. Nur der gehirngewaschene Bürger bestaunt seine “Retter” und erwacht in einem totalitären Regime.

Margherita Bozzano / 27.02.2021

Italiens kritische Seiten hat der Autor Alberto Noceti genau aufgelistet. Draghis Aufgabe ist zweifelsohne extrem schwierig und kurzfristige Lösungen gibt es nicht. Trotzdem ist Italien auch eine wirtschaftliche Macht mit vielen Exzellenzen und in Draghis Regierung sind einige Minister absoluten Niveaus, die fuer den Next-Generation-EU-Plan verantwortlich sind. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass Italien auf dem richtigen Weg ist und dass es doch schaffen wird, diese Krise erfolgreich zu meistern. Buon lavoro Signor Draghi !

Silas Loy / 27.02.2021

Draghi gehört zu den Politikern, die ein gewisses Grundvertrauen in ihre Spezies endgültig erschüttert haben. Die Staatsfinanzierung durch die Notenpresse, wie auch immer verbrämt, war ein ungeheuerlicher Vertrauensbruch. Und es war auch nicht mehr. Es war keine intellektuelle Glanzleistung, es war keine geschickte Taktik, es war schon gar kein einfacher Anstand, es war lediglich der -von ihm zum Zwecke der Deutschenverarsche “Dicke Bertha” genannte- Verrat an der Stabilitätspolitik durch eine heillose Gelddruckorgie, die kein Problem löst, aber viele in die Zukunft verschoben hat. Draghi hat die EZB italienisiert, französisiert, und ihre Mandat ad absurdum geführt. Ein kleiner Mann, ein grosser Schaden.

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