Griechenland könnte bald über den Berg, besser: durch das Tal der Tränen sein. Die Retter dürfen sich auf die Schulter klopfen. Die Euro-Gruppe in Brüssel hat einen guten Job gemacht. Das melden zahlreiche Agenturen seit den frühen Morgenstunden. Bei Spiegel Online heißt es zum Beispiel: "Griechenland bekommt nicht nur neue Hilfsmilliarden, sondern auch Schuldenerleichterungen."
Was tatsächlich bei den elfstündigen Verhandlungen herausgekommen ist, erfahren wir dann weiter unten im Artikel: Die Griechen bekommen neue Finanzhilfen in Höhe von 10,3 Milliarden. Das zwar schon länger fest, nun aber wissen wir, dass die erste Tranch "bereits in der zweiten Junihälfte" überwiesen werden "könnte". Immerhin.
"Der internationale Währungsfonds (IWF) konnte überzeugt werden, sich weiter an den Finanzhilfen an den Finanzhilfen zu beteiligen." Und, wir zitieren weiter Wort für Wort: "Dem IWF-Leitungsgremium soll vorgeschlagen werden, bis Ende des Jahres weiter Mittel bereitzustellen." Mit anderen Worten und weniger verschwiemelt: Dem IWF soll bis Ende des Jahres "vorgeschlagen" werden, wovon er gestern, am 24. Juni 2016, "überzeugt" worden ist.
Und: "Griechenland bekommt ab 2018 Schuldenerleichterungen. Konkrete Beschlüsse dazu gibt es nicht." Das muss man erst einmal so hinbekommen: In einem Satz einen Erfolg vermelden, um gleich im nächsten zu sagen, dass darüber noch gar nicht gesprochen wurde und niemand sagen kann, ob die Vorhersage überhaupt je eintreffen wird. Das ist wie beim Wetterbericht, der Sonnenschein verkündet; und wenn es später regnet, hat man sich immerhin ein paar Stunden über die Vohersage freuen dürfen.
Ohne Erfolg muss diese Strategie keineswegs sein. Die DDR hat bald vierzig Jahre überlebt, indem sie die Erfolge, an die ihre Bürger glauben sollten, vorausschauend zusammen fantasierte. Kaffeesatzleserei stand bei den Genossen hoch im Kurs. Sie war die Basis der Propaganda. Wie weit es die EU und die Euro-Gruppe insbesondere damit bringen werden, bleibt abzuwarten. Die Griechen jedenfalls wären gut beraten, wenn sie die neusten Erfolgsmeldungen aus Brüssel so ernst nehmen würden wie die Wettervorhersage für den kommenden Monat.
