Der totale Blackout, der am 28. April 2025 die iberische Halbinsel und das Baskenland auf beiden Seiten der Pyrenäen lahmlegte, dort schätzungsweise 150 Todesopfer gefordert hat und beinahe auf ganz Westeuropa übergegriffen hätte, hat schlagartig die Verwundbarkeit des gesamten Systems der westeuropäischen Elektrizitätsversorgung offengelegt. Nach der Veröffentlichung des umfangreichen Untersuchungsberichts der Vereinigung europäischer Transportnetzbetreiber ENTSO-E im März 2026 sollte es keinen Zweifel mehr über die Hauptursachen der Beinahe-Katastrophe geben. (Ich habe darüber vor gut einem Jahr auf Achgut.com berichtet.) Schuld daran war eine Überproduktion ungeregelter Solarenergie bei gleichzeitigem Mangel an trägen rotierenden Massen (die Rotoren der Turbinen und Generatoren) zur Überbrückung von Frequenzschwankungen.
Auch die dogmatischsten Verteidiger der „Energiewende“ konnten nicht mehr abstreiten, dass die Entwicklung nicht so weiterlaufen kann, wollte man nicht eine europaweite Katastrophe heraufbeschwören. Doch kaum jemand wagt es, die hoch subventionierte und daher lukrative Umwandlung ganzer Landstriche in glitzernde Industriewüsten durch den massiven Ausbau von Solarparks infrage zu stellen. Daher erwecken die sozialistische Regierung Spaniens unter Pedro Sánchez und die Brüsseler EU-Bürokratie unter Ursula von der Leyen nun den Eindruck, der tödliche Blackout sei hauptsächlich dem unzureichenden Ausbau der europäischen Elektrizitätsnetze geschuldet. So habe der „gute“ Solarstrom nicht rechtzeitig abgeleitet und verteilt werden können. Von einem wetterabhängigen, d.h. zufälligen und nicht regelbaren Überangebot von Solarstrom ist kaum noch die Rede.
Kurz vor Weihnachten 2025 stellte die EU-Kommission ihren Entwurf des von Kommissionspräsidentin von der Leyen angekündigten „Netzpakets“ (Grid Package) vor. Darin geht es um die Neureglung bereits bestehender Vorschriften in der Verordnung über die Transeuropäischen Energienetze (TEN-E). Der Entwurf geht von der Feststellung aus, dass die bisherigen Pläne zum Ausbau grenzüberschreitender Übertragungskapazitäten mit 32 statt 66 Gigawatt nur etwa zur Hälfte erfüllt wurden. Das bisherige Ziel des TEN-E, alle EU-Mitgliedsländer bis zum Jahre 2030 mit einer grenzüberschreitenden Übertragungskapazität von 15 Prozent des Elektrizitäts-Gesamtbedarfs auszustatten, könne von einigen Ländern nicht erreicht werden, stellt das Papier der EU-Kommission fest.
„Energieautobahnen“ und „Wasserstoffkorridore“ sollen es richten
Die Kommission schlägt drei Maßnahmen-Pakete vor: Erstens die Stärkung der grenzüberschreitenden Infrastrukturplanung, zweitens die Beschleunigung des Infrastruktur-Ausbaus durch schnellere Genehmigungsverfahren sowie drittens acht bis neun Vorrangprojekte (Korridore) unter dem Schlagwort „Energieautobahnen“:
- Das sind erstens zwei Pyrenäen-Übergänge zwischen Spanien und Frankreich mit einer Kapazität von acht Gigawatt, die 2040 verfügbar sein sollen.
- Zweitens der Great Sea Interconnector, der Zypern mithilfe eines 900 Kilometer langen Unterseekabels ins europäische Stromnetz integrieren soll.
- Drittens der Harmony Link zwischen Litauen und Polen, der die vollständige Integration der baltischen Strommärkte ermöglichen soll.
- Viertens eine Trans-Balkan-Pipeline (TBP), um die vorhandene Erdgasübertragungskapazität auch in umgekehrter Richtung nutzen zu können.
- Fünftens das Bornholm Energy Island, ein hybrides Offshore-Projekt, um die Ostsee zum Hub zu machen.
- Sechstens der Südost-EU Preisstabilitätskorridor zur Sicherung und Verbesserung der Preisstabilität der Energieträger in Südosteuropa.
- Siebtens und achtens schließlich zwei „Wasserstoffkorridore“: der SouthH2-Korridor, der Deutschland, Österreich und Italien mit Tunesien verbinden soll, und der südwestliche Wasserstoffkorridor, der Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal mit H2-Pipelines verbinden soll.
Die beiden letztgenannten „Korridore“ halte ich für utopisch und werde deshalb nicht näher darauf eingehen. Dafür ist die Liste gescheiterter H2-Projekte, mit denen Milliarden versenkt wurden, schon jetzt zu lang. Doch auch die anderen Projekte der EU-Kommission zeigen, dass nicht die Sicherheit der europaweiten Energieversorgung im Vordergrund steht, sondern die Ausweitung des Anteils sogenannter Erneuerbarer Energien und deren Integration in die europäischen Transportnetze – koste es, was es wolle. Stünde die Versorgungssicherheit im Vordergrund, müssten sich die Bürokraten zuerst um die Rückkehr zu einem vernünftigen Energiemix kümmern – mit einem größeren Gewicht von Elektrizität, die über Wasser- und Dampfturbinen und herkömmliche Generatoren erzeugt wurde.
Erbitterter Widerstand französischer Energiefachleute
Der Plan der EU-Kommission sieht neue Instrumente zur Finanzierung und beschleunigte Genehmigungsverfahren für grenzüberschreitende Energieübertragungs-Projekte und Verfahren der Kostenaufteilung zwischen Nachbarländern vor. Die Gesamtkosten der „Energieautobahnen“ werden im Kommissionsvorschlag über das Netzpaket auf 1,2 Billionen Euro geschätzt. Nicht nur die Höhe dieser Summe, sondern mehr noch die vorgeschlagenen Wege, sie aufzubringen, treffen auf den erbitterten Widerstand französischer Energie-Fachleute, die darin einen Angriff auf die Prinzipien der Subsidiarität und nationalen Souveränität sehen.
Sie stören sich insbesondere an dem Vorschlag, gewisse grenzüberschreitende Elektrizitätstransport-Projekte von (angeblich) gegenseitigem Interesse automatisch als „vorrangig“ einzustufen. Aber auch außerhalb Frankreichs regt sich Protest. Infolge des hohen Anteils der Kernenergie und der Wasserkraft könnte Frankreich bei der Elektrizitätsversorgung praktisch autark sein. Zusätzliche „erneuerbare“ Energiequellen sind schlicht überflüssig. Da lässt man sich nicht gerne von außen hineinregieren.
Genau das haben aber Grüne Netzwerke in der EU und insbesondere auch in Frankreich geschafft. Insider wie der ehemalige französische Umweltminister François de Rugy weisen darauf hin, dass so gut wie alle französischen Ministerien systematisch von Grünen NGOs infiltriert wurden. Sie alle arbeiten seit etlichen Jahren darauf hin, der an sich erfolgreichen Kernenergie-Wirtschaft nicht nur in Frankreich, sondern europaweit mit immer strengeren Normen und anderen administrativen Eingriffen das Leben schwer zu machen. Nachdem bereits der sozialistische Staatspräsident François Mitterand im Jahre 1981 angekündigt hatte, keine neuen KKW-Projekte mehr zu unterstützen (es gab damals auch genug), erklärte der sozialistische Staatspräsident François Hollande bei seinem Amtsantritt im Jahre 2012, den Anteil der KKW an der französischen Stromversorgung bis 2025 von 75 auf 50 Prozent reduzieren zu wollen. Noch-Präsident Emmanuel Macron kündigte kurz nach seinem Amtsantritt im Jahre 2017 die Außerbetriebnahme von 12 weiteren Kernreaktoren an, nachdem sein Amtsvorgänger bereits die mit Milliardenaufwand frisch renovierten Kernreaktoren von Fessenheim im Elsass stillgelegt hatte, um potenzielle Grüne Koalitionspartner bei Laune zu halten.
Doch abgesehen von der Schließung der beiden elsässischen Reaktoren haben Macron und die Sozialisten ihre Ziele wegen des Widerstands der Bevölkerung und einiger vernünftiger NGOs (zum Glück!) bislang nicht erreichen können. Sie mussten sogar den Bau von sechs neuen Kernreaktoren vom Typ EPR2 ankündigen. Noch ist deren Finanzierung und Realisierung allerdings wegen eines vertieften Kontrollverfahrens der EU-Bürokratie nicht in trockenen Tüchern. Währenddessen arbeiten Macron und die NGO-U-Boote in seinen Ministerien stur weiter an der Umsetzung des von EU-Gremien im Rahmen der REPowerEU Roadmap festgelegten Ziels, den Anteil der „Erneuerbaren“ an der Elektrizitätsversorgung der EU-Mitgliedsländer bis zum Jahre 2030 auf 42,5 Prozent zu bringen.
Das gelingt in Frankreich wegen beträchtlicher Widerstände gegen Windkraft- und Solarprojekte an Land zwar nur teilweise. Doch wird auch das französische System der Elektrizitätsversorgung schon jetzt immer empfindlicher gegenüber Witterungseinflüssen. So gibt es zwar Protest gegen das „Netzpaket“ der EU-Kommission. Doch kaum jemand möchte komplett aus dem begonnenen Regulierungsprozess mit dem Ziel einer engeren Vernetzung und Zentralisierung der gesamten europäischen Elektrizitätsversorgung aussteigen, um die Vorteile des französischen Strommixes besser zur Geltung bringen zu können. Nur die parlamentarischen Vertreter des Rassemblement National (RN) haben dazu bislang klar Position bezogen. Es wird interessant sein, wie das EU-Parlament im September 2026 darüber abstimmen wird
Dieser Beitrag erschien zuerst beim Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) hier.
Ich würde es für unangemessen halten, aus dem Blackout in Spanien für Deutschland zwingende Schlussfolgerungen abzuleiten, aber den Energiefachleuten in Frankreich, die nicht nur unmittelbar beteiligt waren, sondern auch pleite, ein Recht einzuräumen, dagegen zu sein. Mal ganz ohne konkrete Überlegungen. Das passt mir einfach nicht.
So richtig EU: die schwierige Aufgabe, Flatterstrom irgendwie zu stabilisieren, wird durch eine komplexe gesamteurpäische Stromverteilung ergänzt. Man muss den Mangel nur gerecht verteilen und es wird Überfluss draus, oder umgekehrt ist der Überfluss nur die Kehrseite des mangelhaften Stromnetzes. Aber Hauptsache, es wird nicht durch Atomstrom verstopft.
@ Sam Lowry : Wasser-Rationierung in München: Das Grundwasser unter München wird zu einem Teil aus dem Uferfiltrat der Isar gespeist. Z.B. musste das Sendlinger Loch in der Alramstraße, eine 12-15m tiefe Baugrube aus einer Insolvenz 27/7 gepumpt werden, völlig unabhängig vom Niederschlag.
Das Problem: München trinkt nicht sein eigenes Grundwasser. Das münchner Wasser kommt aus drei Quellbereichen weit außerhalb der Stadt. Die berühmteste ist der Sylvenstein-Stausee.
Das Problem ist aber nicht der Zustrom, sondern eher der enorme Verbrauch der letzten Tage. Das betrifft aber weniger die städtischen Bereiche, sondern eher den Speckgürtel. Denn wer in einem fünfstöckigen Mietshaus wohnt hat gar keinen Pool zum Auffüllen. Die Gerechtigkeit verlangt nun aber, dass ALLE solidarisch sind, wie immer.
Was bedeutet Monopolprofit?
Wenn ein Unternehmen die absolute Marktmacht besitzt (ein Monopol), muss es sich nicht an Mitbewerbern orientieren.
Preissetzungsmacht: Das Unternehmen diktiert die Preise unabhängig von den tatsächlichen Produktionskosten.
Extragewinn: Der Preis liegt weit über dem normalen Marktpreis, was zu dauerhaften Extragewinnen führt.
Machtasymmetrie: Verbraucher müssen den hohen Preis zahlen, da funktionierende Alternativen fehlen.
Was ist nichtäquivalenter Tausch?
In der Wirtschaftstheorie ist der Äquivalenztausch die Norm: Waren mit dem gleichen Wert (gemessen in der dafür nötigen Arbeitszeit) werden direkt gegeneinander getauscht. Ein nichtäquivalenter Tausch bricht diese Balance.
Wertungleichheit: Es werden Güter getauscht, die objektiv nicht denselben Wert besitzen.
Ausbeutung: Eine Partei erhält für ihre Leistung oder Ware systematisch zu wenig Gegenwert.
Ein Monopol kann auf Verkäuferseite bestehen, aber auch auf Käuferseite. Wenn Unternehmen für öffentliche Aufträge arbeiten, hat der Käufer ein Monopol.
Nichtäquivalenter Tausch in einer Marktwirtschaft wird über das Geld als Wertträger vermittelt. Man muss systematisch zu viel bezahlen und hat keine Möglichkeit, durch Anbieterwechsel auszuweichen.
Die „Liberalisierung“ des Strommarktes durch die Bundesnetzagentur ist ein Kartell. Wenn alle Pseudo-Anbieter z.B. den Grundpreis bzw. die Netzentgelte auf der Basis eines Gesetzes auf den gleichen Betrag anheben, ist der Wettbewerb ausgeschaltet. Es handelt sich dann um ein Monopol des Staates, der als Wertschaftsteilnehmer auftritt. Ein Extrem des Staatsmonopolismus ist z.B. das CE-Kennzeichen der EU-Kommission. Der Überstaat EU macht den Markzugang der Marktteilnehmer von seinem Zeichen (des Tieres) abhängig, das nur nach überteuren Zertifizierungsverfahren gewährt wird. Der Gebühr steht kein Wert gegenüber. Es ist reiner Monopolprofit des Überstaates, der im ZGB dem Raub entspricht. Die letzte Phase heißt Korporatismus=Faschismus.
@Uwe Borchert : >>Ich vermisse Vorschläge zur Erhöhung der rotierenden Masse. Diese bringt Stabilität, was jeder aus dem täglichen Leben wissen sollte.<<
## Diese Leute wollen unser Denken mit Blödsinn beschäftigen. Das ist gar nicht unsere Sache und es war auch nicht der Grund für den Blackout. Außerdem gibt es die drehenden Massen, auch wenn ein Großkraftwerk aktuell nicht im Leistungsbetrieb läuft. Die Synchrongeneratoren (und das sind die drehenden Massen. Genaugenommen geht es nicht um Masse, sondern Drehmoment) können passiv mit laufen und behalten damit ihre Stabilisierungswirkung über ein bis zwei Sekunden. Aber diese Stabilisierung braucht es nur, um die Frequenzsprünge um die Viertelstundengrenze etwas abzufangen. Diese Sprünge resultieren daraus, dass Großkraftwerke (und nur diese sieht man in den Frequenzkurven) elektrisch getrennt werden, weil man den Dampfdruck der Kessel nicht im Viertelstundenrhytmus steuern kann.
Die Kaufleute haben sich eine Börse ausgedacht, die das Netz instabil macht. Wann endlich begreift das eine kritische Masse? Wenn es niemand begreift, sehen die keinen Grund das zu ändern. Weil die kein Problem haben, wenn das Netz immer mal zusammenbricht. Die haben längst alle vorgesorgt. Und wir lassen uns mit der Möhre vor der Nase in der Mange herum führen. Und ich werde bald nicht mehr die Energie aufbringen, dagegen zu diskutieren, wozu denn, wenn es doch keiner begreift. Ich habe doch auch längst vorgesorgt! Das sind doch gar nicht meine Probleme.
@A. Ostrovsky: Ich habe es so live beobachtet und gut ist. Sie hatten mir schonmal dazu Ihre Ansicht mitgeteilt. Ich bin der Meinung, dass diese Spitze (um die 50,2) nachträglich im Chart angepasst wurde. Natürlich eine reine Verschwörungstheorie. MFG
Die Behauptung massenhafter Erzeugung durch nicht regelbare Solarkraftwerke (gemeint ist nicht „abregelbar“) ist ein Märchen, das oft von Leuten behauptet wird, die sich nicht im Minimum auskennen. Sowohl in Spanien, als auch in Deutschland geht es um die FERNSTEUERBARKEIT der Abregelung:
Anlagen bis 25 kWp: Private Dachanlagen besitzen oft keine Fernsteuerung. Hier greift eine gesetzliche Wirkleistungsbegrenzung (z. B. die Deckelung auf maximal 60 % der Einspeiseleistung), solange kein intelligentes Messsystem 〈iMSys〉 verbaut ist.
Anlagen ab 25 kWp bis 100 kWp: Diese Anlagen müssen per Gesetz über technische Einrichtungen (z. B. Rundsteuerempfänger oder Smart-Meter-Gateways mit Steuerbox) ferngesteuert reduzierbar sein.
Anlagen über 100 kWp: Hier ist die Fernsteuerbarkeit und die verpflichtende Direktvermarktung des Stroms seit Jahren Standard.
Ferngesteuerte Abregelung (in Spanien Curtailment genannt) ist durchgängige Praxis für Anlagen ab 25kWp.
In Spanien beträgt die installierte Leistung der technisch nicht abregelbaren Solaranlagen rund 9,3 GW. Dies entspricht in etwa 17 % bis 18 % der gesamten spanischen Photovoltaik-Kapazität (ca. 54 GW).
Im Vergleich dazu sind die ebenfalls ungeregelten Steckersolaranlagen/Balkonkraftwerke, die pro Anlage auf 800W begrenzt sind, weit unterhalb 70MW, also <0,07GW. Das fällt komplett nicht ins Gewicht.
Der Unterschied DE<-->ES. Während ferngeregelte Anlagen bei Abregelung in DE eine Vergütung erhalten, ist das in ES das Risiko der Betreiber. Deshalb gibt es in ES Grabenkämpfe, weil DESHALB die Betreiber der bisher nicht fernsteuerbaren Anlagen auf 60% ihrer installierten Leistung reduziert werden müssen. Das sind dann noch 5,8GW Peak. An den Solarkurven bei Energy-Charts würde man die Begrenzung auf 60% bei den nicht fernabregelbaren, sowie auf 800W bei BKA als Absenkung der Mittagsspitze sehen. Es ist aber kaum erkennbar. Das bedeutet, da wird viel Geschrei gemacht, aber es ist irrelevant.