Sebastian Biehl, Gastautor / 08.04.2019 / 11:00 / Foto: Pixabay / 17 / Seite ausdrucken

Südafrika: So geht Strom abschalten

Von Sebastian Biehl.

In Südafrika ist „loadshedding“ oder „beurtkrag“ schon ein geflügeltes Wort. Es bedeutet, dass es nicht genug Strom für alle gibt und deswegen jeder Haushalt (und jede Firma) mal eine Weile ohne Strom zurechtkommen muss. Im März war es wieder besonders schlimm, wo auch tagsüber, zur besten Arbeitszeit, stundenlang der Strom ausfiel – und damit natürlich auch die elektronischen Kommunikationsnetzwerke. Der Schaden für die Wirtschaft ist kaum zu ermessen und ist ein weiterer Sargnagel für das ohnehin schon taumelnde Land.

Solche Stromunterbrechungen kennt man eigentlich aus Ländern der Dritten Welt, vor allem aus sozialistischen Staaten wie Kuba, Zimbabwe oder Venezuela . Es ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, das Eskom eine Topfirma war, als der ANC Südafrika übernahm. Eskom ist der zentrale, staatliche Stromversorger, und Südafrika produzierte mehr Strom als der Rest von Afrika zusammen und führte diesen aus. Eskom-Strom war auch mit der billigste weltweit und befeuerte das kleine Wirtschaftswunder in den späten 1990er Jahren.

Eskom wurde eines des ersten Opfer des ANC-Kaderbeschäftigungssystems. Leute, die politisch einflussreich waren, wurden zu Direktoren und Abteilungsleitern von Eskom, ohne Erfahrung von der Wirtschaft, ganz zu schweigen von der Elektrizitätsversorgung. Bis auf die unterste Ebene wurde Eskom transformiert, das heißt, weiße Techniker und Verwaltungsangestellte wurden durch Schwarze ersetzt. Da Eskom von Anfang an eine Staatsfirma war, war dies recht einfach. Die Milliarden innerhalb Eskoms wurden nun gnadenlos verteilt: fette Einkommen, Bonusse ohne Gegenleistung, luxuriöse Betriebsfeiern und „work shops“, bei denen alles andere als gearbeitet wurde, Vollversorgung der Angestellten und dergleichen.

Da die ANC-nahen Gewerkschaften sehr stark innerhalb von Eskom organisiert sind, gab es auch niemanden, der Interesse am Sparen und Investieren hatte. Es wurde so gut wie nichts am Stromangebot getan, wogegen die Nachfrage durch gratis Häuser und Strom für die Armen (wovon viele aus afrikanischen Nachbarländern kommen) gewaltig stieg. Schulden von Gemeiden wurden wegen des politischen Zündstoffs, den Demonstrationen bieten, nicht eingetrieben.

Auf gute alte sozialistische Art keine Konkurrenz

Eskoms Probleme sind nicht neu. Schon Anfang der 2000er Jahre gab es Probleme mit nicht-funktionierenden Kraftwerken. Wie immer wurde die Schuld auf Andere geschoben, üblicherweise das „alte Regime“, das nicht genug getan hätte für die Stromversorgung der Armen. Es wurde von der ANC-Regierung kaum etwas getan, um die Probleme anzusprechen, etwa durch den Bau neuer Kraftwerke, Einsparungen, Eintreibung der Schuden, Instandhaltung und stärkere Förderung von individuellen Stromanbietern. Der privat generierte Solarstrom bietet im Sonnenland Südafrika riesige Möglichkeiten, wird aber kaum gefördert. Auch eine Privatisierung von Eskom wäre eine Lösung gewesen. Aber im Gegenteil, der Staat will auf gute alte sozialistische Art bloß keine Konkurenz haben.

Die Regierung versprach immer wieder Besserung und tat hier und da etwas Halbes. 2014, zur Regierungszeit Jacob Zumas, wurde der damalige Vizepräsident Cyril Ramaphosa beauftragt, sich um Eskom zu kümmern. Wenig ist passiert, wie die heutigen Probleme zeigen. Auf gebräuchliche ANC-Art macht Ramaphosa sein Versagen und das des ANC zu „einer Herausforderung für uns alle und etwas, das wir alle zusammen lösen müssen“, so als ob der Verbraucher schuld ist, weil er regelmäßig Strom verbraucht und seine Rechung pünktlich bezahlt.

Es gehört zum Standardrepertoire des ANC, dass alle hausgemachten Probleme zu so etwas wie Naturkatastrophen erklärt werden (oder etwas, was eigentlich die Schuld der weißen Regierung ist), wo dann alle brüderlich zusamenstehen und sich helfen müssen. Ein Eingeständnis des eigenen Versäumens kommt so gut wie nie vor. Der Geist von „Nation building“ und „Ubuntu“ kommt immer noch bei den ANC-Anhängern an. Meinungsumfragen zur Wahl im Mai zeigen, das der ANC kaum für seine zahlreichen Fehler und Versäumnisse verantwortlich gemacht wird. Es ist auch Teil der schwarzen Kultur, nicht Individuen, sondern „Systeme“ und „Strukturen“, die man kollektiv bekämpft, für alles verantwortlich zu machen.

Sebastian Biehl lebt in Südafrika

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leane Kamari / 08.04.2019

Leider bestätigt dies meine Erfahrungen aus einer Zeit als ich selbst dort lebte und arbeitete; ich habe nichts anderes erwartet.

A. Nöhren / 08.04.2019

@Gilbert Brands Sie haben in Ihrem Kommentar die Erwähnung der grün-linken Partei, die sich CDU nennt vergessen.

Kai Arentz / 08.04.2019

Sehr geehrter Herr Biehl, meine volle Zustimmung. Lassen Sie mich die Liste noch ein wenig erweitern: - Soekor (jetzt PetroSA) - SABC (Staatlicher Rundfunk) - SAA (Airline) - SATS jetzt Transnet (Eisenbahn, Hafenanlagen etc. ) - Armscor - jetzt zu Teilen Denel - ISCOR - jetzt zu Teilen Acelor Mittal (bei SABC mit Einschränkungen) first class Unternehmen die alle mehr oder weniger in der gleichen Art und Weise heruntergewirtschaftet worden sind wie Eskom - Inkompetenz, Vetternwirtschaft, Korruption.

H. Meier / 08.04.2019

Einer von Merkels grünen Experten beschreibt die Scheinlösungen wie man die Blackouts in ihrem Klima-Regime dummdreist weg argumentiert, siehe „achgut, Stromnetz minus Grundlast ist gleich smart“. Südafrikanische Verhältnisse liegen voll im Trend der Sozialisten die sich als Berufsfunktionäre auf Kosten der Bevölkerung persönlich bereichern und dann aus der Verantwortung stehlen. Die dringend notwendige Balance von Wechselstrom-Erzeugung, passgenau zum gleichzeitigen Verbrauch und das bei exakt 50 Hertz an Takt zu verstehen, gelingt Politikern offensichtlich nicht. Aber Schuldzuweisungen und andere Lügen haben sie stets parat.

A.Arndt / 08.04.2019

Wir schaffen das! Was in Wirklichkeit nun seht zu wie ihr klarkommt heißt, geht in genau die Richtung. Ähnlich wird in Deutschland schon länger argumentiert. Die Populisten sind an allem Schuld und am Antisemitismus der Araber sind wir schuld, weil wir sie nicht genug lieben. Der Klimawandel ist es der unsere Zukunft ruiniert u.s.w. An Unfug nicht zu über bietende Geschichten werden mit Hingabe geglaubt. Bei Neuwahlen hätten wir das gleiche Ergebnis wie ehedem. Wir sind kein bißchen schlauer als die Südafrikanische Mehrheit. Die Reformation und der Kampf der letzten Generationen für Fortschritt werden mit Füßen getreten.

Mathias Havlik / 08.04.2019

Hallo Herr Brands, das geht Ihnen nicht allein so, allerdings vermisse ich noch die Schulstreiks gegen die Benutzung von Elektrogeräten! Könnte man doch vielleicht mal initiieren ? Wenn dann immer noch zu viel Knete in der Kasse ist, dann könnte man noch den Heilsbringer aller Heilsbringer einladen. Gegen ein kleines Salär opfert sich Herr Obama bestimmt , etwas von seinen Weisheiten abzusondern. Braucht in einem afrikanischen Land auch keine frenetischen Standing Ovations.

Gilbert Brands / 08.04.2019

Warum meine ich, ein déjà vue zu haben, wenn ich nach diesem Bericht an Grüne und SPD denke?

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com