Ruanada ist, entgegen der allgemeinen Meinung, keine Diktatur. Staatspräsident Kagame verübeln das Entwicklungshilfe-Establishment und die dazugehörigen Medienvertreter, dass er sagt: "Afrika braucht keine Babysitter"
Seit Jahren wird Ruandas Staatspräsident Paul Kagame von westlichen Journalisten gerne als „umstritten“ bezeichnet. Auch die Samariterindustrie hat es ihm sehr übel genommen, als er erstmals in einem Interview mit Jeune Afrique 2018 sagte: „Afrika braucht keine Babysitter. Je weniger sich die Welt um Afrika kümmert, umso besser geht es Afrika.“ Aber Entwicklungshilfe-Lobbyisten wollen weiter aus ihren übervollen Töpfen schöpfen, da stört Kritik von Afrikanern wie Kagame.
Seit die konservative Regierung von Großbritannien illegal Eingereiste – zu Abschreckungszwecken – nach Ruanda (im Rahmen einer „Partnerschaft für Migration und wirtschaftliche Entwicklung“) ausfliegen will, ist dies für 17 „wohlwollende Medien“, wie Spiegel, Zeit, ZDF, Standard, Le Monde oder Guardian eine willkommene Gelegenheit, sich zu einer so genannten „Investigativredaktion“ zusammen zu tun und am Bild des vorbildlich entwickelten Musterstaats zu kratzen. In Ruandas Asylsystem bestehe die Gefahr, dass an unsichere Orte abgeschoben würde. Das sei unmenschlich und zynisch. Ruanda sei nicht wirklich sicher und demokratisch regiert.
Dabei wird „vergessen“, dass derzeit bereits 135.000 Flüchtlinge in Ruanda leben. Sie kommen aus Burundi und dem Kongo (Kinshasa). Sie müssen nicht in Camps wohnen, können sich frei bewegen und dürfen arbeiten, Unternehmen gründen und Grundbesitz haben.
Ruanda ist in der Tat ein autoritäres Entwicklungsmodell mit einer Krankenversicherung für alle (einmalig in Afrika). Infrastruktur und Bildungswesen gehören zu den Besten auf dem Kontinent. Ruanda wird straff regiert, aber das Gemeinwohl steht im Vordergrund, wichtige Reformen, kluge Verwendung ausländischen Kapitals. Das ist ein Ansporn für den Kontinent. Gute Regierungsführung hat sich zum Nutzen der Bevölkerung ausgezahlt. Afrikaner anderer Staaten, die ich kenne, sehnen sich nach dieser politischen, sozialen wie ökonomischen Stabilität und wären bereit, dafür auf einen Teil ihrer Freiheit zu verzichten.
Leute, die den Präsident ablehnen, seien schwerer zu finden als solche, die ihn feiern, schreibt die Schweizer Journalistin Barbara Acherman nach einem monatelangen Aufenthalt in dem Land. Wenn Ruanda eine Diktatur ist, wie die investigativen Journalisten von Spiegel bis Guardian schreiben, ist es doch seltsam, dass nach dem Völkermord sehr viele gut situierte Ruander aus Frankreich zurückgekehrt sind.
Volker Seitz, ist Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, dtv, 2021 (11. aktualisierte Auflage)