Gerade sind wir zurückgekehrt von unserer Reise in den Osten Deutschlands, wo man sich neben reicher Kultur und schönen Landschaften auch einen sehr guten Eindruck von den rauhen Anfängen der Menschheitsgeschichte verschaffen kann: Empfehlenswert sind zu diesem Thema besonders das Staatliche Museum für Archäologie (smac) in Chemnitz und der Geopark Eiszeitland am Oderrand. Beeindruckende Ausstellungen zeigen die unglaubliche Härte und die Strapazen, die das Überleben in Europas Frühzeit mit sich brachte. Zeitgleich stolperte ich über einen Artikel im Magazin Stern, der seltsamerweise den Ausdruck "Steinzeitparadies" für die Beschreibung der versunkenen Landmasse Doggerland verwendete. Steinzeit gleich Paradies? Wie kommen Menschen, die in modernen paradiesischen Zuständen leben dazu, die Steinzeit so zu verklären?
Es ist für uns Wohlstandsgewöhnte schwer bis unmöglich, auch nur einen geringen Einblick in die Härten eines Überlebenskampfes zu bekommen. Unsere Großeltern hatten da teilweise noch ganz andere Erfahrungen.
Für ein wenig Selbsterfahrung gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, uns zu reduzieren und zumindest vorübergehend im Campingurlaub unseren Wurzeln etwas näher zu kommen. Aber Camping ist natürlich nicht gleich Camping! Bis vor einigen Jahren war ich noch selbst auf Touren, bei denen man querfeldein ging, auf dem offenen Feuer kochte, ohne Zelt unter den Sternen schlief, per Kompass und Karte navigierte und seine komplette Ausrüstung für zwei Wochen auf dem Rücken trug. Aber selbst diese Reduktion ist noch paradiesisch, da angereichert mit jeder Menge hilfreicher Werkzeuge und moderner Materialien, die das Leben enorm erleichtern. Heutzutage sieht der Zelturlaub für uns und die meisten Mitcamper anders aus: jagen im Supermarkt, kochen – wenn überhaupt – auf dem Trangiakocher, schlafen im bald zimmergroßen Hightechzelt auf der (ab 40+) extradicken Thermarestmatte.
Junge Frauen strömen zur modernen Wasserstelle
Und auch die letzte Bastion ist in diesem Jahr gefallen: Ich bin ins Lager der Smartphone-Träger gewechselt! Die Verführung war zu groß, die Vorteile bei der Informationsbeschaffung und Navigation zu überzeugend.
Und nun sehe ich mich, eingereiht in die Gruppe der modernen Jäger und Sammler, auf der endlosen Jagd nach Energie für meinen wiederaufladbaren Akku. Wir Zeltnomaden sind natürlich im Gegensatz zu den rollenden Nomaden eindeutig im Nachteil. Wenn man sich nicht dazu herablässt, mit freundlichen Steckdosenbesitzern in Handelskontakte zu treten und eine Akkuladung zu ergattern oder eine Powerbank besitzt, muss man regelmäßig auf die Jagd gehen.
Das geschieht vor allem nach Sonnenuntergang: Da strömen ganze Gruppen von jungen Frauen zur modernen Wasserstelle und scharen sich für Stunden um die vier Steckdosen, während auf den Dusch- und Toilettensitzen die social-media-Kontakte gepflegt werden. Bei den Männern nebenan – habe ich mir sagen lassen – gibt es anscheinend nur echte Klogänger. Keine Ahnung, wie die ihre Beute erlegen.
Der Hunger nach Energie dominiert unser sommerliches Jäger- und Sammlerdasein. Ich muss verlegen über mich selbst lachen. Den Steinzeitparadies-Menschen wären die Augen aus dem Kopf gefallen!
Beitragsbild: Einsamer Schütze CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Die Steinzeit, liebe Frau Buchta, die kann man gar nicht verklären, das sagen Sie - als weibliches Wesen. Denn da konnten Männer noch Männer sein: in der rechten Hand die Keule (irgendwie mußte man ja Freßbeute machen) und in der linken den Haarschopf eines frisch erbeuteten Sexualobjekts - hinter sich herschleifend. Einfach herrlich. Ein Leben wie im...Comic.
Liebe Cornelia, You made my day :) Nun, die Männer erlegen die Beute am Grill, während die Frauen der Kommunikation huldigen. Insofern eigentlich eine treffende Metapher für ein archaisches Rollenverständnis, oder? By the way... so wie ich gelesen habe, brachten die Menschen früherer Zeiten etwa 4-6 Stunden für die Nahrungsbeschaffung zu, also ein Halbtagsjob, und den Rest hatten sie Zeit. Klingt doch gar nicht so schlecht.
Achtung: Populismus von einem bösen, weisen und alten Mann! In Zukunft wird es Überlebenskurse von minderjährigen und unbegleiteten Schutzsuchenden in der VHS für Schneeflocken (w,m+d) geben, in welchen unterrichtet wird, wie man durch Wüsten und über das Mittelmeer kommt, alles verliert, außer dem Smartphone und der Akku ist immer voll !?
es würde reichen,die Zeit 35 Jahre zurück zu drehen...damals war nichts schlechter,vieles Besser :) Damals hat man am Münzautomat noch überlegt, was beim wöchentlichen(in meinem Fall) Heimtelefonat an die Familie(aus der Ferne von B zb)zu besprechen war,denn die Münzsammlung konnte durchaus mal ein Abwürgen bedeuten. Briefe schreiben war auch noch in...da gabs weniger faktische Analphabeten,die ohne Autocorrectur im Leben nicht klar kamen bei der Vermittlung Ihrer Gedanken. Hatte beides etwas für sich,denn man sortierte wichtiges von banalem VOR dem Brief/Telefonat. ich wünsche den Grünen vollen Erfolg beim weiteren "Kreuzzug" gegen Atom/Kohle/Gas/ÖL und bin sicher,wenn der erste tagelange Blackout mal eintritt, dann sind auch wieder die vernünftigen Kommunikationsformen angesagt :) eins noch für die ganz verwegenen....Amateurfunk waer dann auch wieder in, geht naemlich mittels Autobatterie :)
Die Naivität der Stromabsteller (alias "Klimaretter") ist unglaublich. Es wäre mir egal, würden sie uns nicht alle mit in die Katastrophe nehmen. Ich hoffe auf einen baldigen Stromausfall (Blackout) für ein paar Tage, möglichst mit den ersten Plünderungen, damit diese Gehirnerweichten aufwachen. Nur nicht bei mir, sondern z.B. in Berlin!
Auch bei der Darstellung von Steinzeitmenschen waltet die politische Korrektheit. Die Grobiane haben blond zu sein und ähneln (s.o.) Boris Becker. Nett ist das nicht.
Ja die Medien sind sich für nichts zu blöd. Vielleich demnächst der Stern in Keilschrift.