Henryk M. Broder / 16.10.2018 / 06:20 / Foto: Pixabay / 57 / Seite ausdrucken

Steinmeier und seine geheimen Gäste

Wie in den meisten Zeitungen zu lesen war, hatte das Bundespräsidialamt einige Mühe, Gäste zu finden, die bereit waren, an dem Bankett für den türkischen Präsidenten teilzunehmen. Wie viele andere Bundesbürger, die solche Events finanzieren, wollte ich wissen, wer an dem Gala-Dinner teilgenommen hat und wandte mich deswegen an die Pressestelle des Bundespräsidialamtes, voller Vertrauen auf die Bürgernähe und Transparenzbereitschaft dieser republikanischen Institution. 

Montag, 1. Oktober, 10:31

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir die Liste der Teilnehmer am Staatsbankett für den türkischen Präsidenten schicken würden. Also nicht die Liste der Eingeladenen, sondern derjenigen, die tatsächlich an dem Bankett teilgenommen haben.

Vielen Dank für ihre Mühe

h.m. broder

Montag, 1. Oktober, 12.54 

Sehr geehrter Herr Broder,

haben Sie Dank für Ihre Anfrage. 

Das Defilee beim Staatsbankett am 29.09. war zwar öffentlich, ich bitte dennoch um Ihr Verständnis, dass wir Namen von Personen und Organisationen, die zu einem Staatsbankett eingeladen wurden und/oder teilgenommen haben, grundsätzlich nicht herausgeben. 

Mit freundlichen Grüßen
Esther Uleer

Stellv. Sprecherin des Bundespräsidenten

Montag, 1. Oktober, 21:34

Sehr geehrte Frau Uleer,

vielen Dank für Ihre rasche Antwort.

Erlauben Sie mir bitte, meine Anfrage um zwei Punkte zu ergänzen.

Ich würde gerne wissen, welche Sorten Wein bei dem Bankett kredenzt wurden. Stimmt es, dass es u.a. Château Mouton-Rothschild 2005 und der 2015 Golan Heights Winery Gamla Cabernet Sauvignon waren?

Ich meine, bei den bewegten Bildern aus dem Festsaal u.a. Präsident Steinmeier, Minister Altmeier, die Abgeordneten Özdemir und Friedrich sowie die Präsidentin des deutschen Pen-Zentrums, Regula Venske, erkannt zu haben. Können Sie bestätigen, dass die genannten Personen an dem Bankett teilgenommen haben?

Vielen Dank für Ihre Mühe und Grüße aus dem Altmühltal

Ihr h.m. broder

Mittwoch, 10. Oktober, 19:31

Sehr geehrte Frau Uleer,

nach Rücksprache mit einem Fachmann für das Presse- und Verwaltungsrecht möchte ich Sie bitten, Ihre unkooperative  Haltung zu überdenken. Wie Sie es "grundsätzlich" mit der Herausgabe von Informationen halten, ist nach Maßgaben des Informations-freiheitsgesetzes irrelevant. Als Bürger habe ich einen Anspruch auf die von mir erbetene Information. Es werden weder Persönlichkeitsrechte berührt noch sicherheitsrelevante Einzelheiten. 

Ich erlaube mir deswegen, ihnen eine Frist bis zum kommenden Mittwoch, 17.10., 20 Uhr zu setzen. Sollte ich die erbetene Information bis dahin nicht erhalten, werde ich sie einklagen.

Mit besten Grüßen

Ihr HB

Donnertag, 11. Oktober, 00:47

Lieber Herr Broder, danke fuer Ihre Mail. Meine Abstinenz hatte nichts mit mangelnder Kooperation zu tun, sondern damit, dass ich mir die Nachfrage im Detail durchgegangen ist. Das tut mir leid. Ich sende Ihnen morgen das Menü und verhalte mich zu den genannten Personen. Das hatte ich - wie gesagt - längst vor. Beste Grüße. Esther Uleer 

Donnerstag, 11. Oktober, 16:28

vielen dank für ihre mail, liebe frau uleer, sieht aus, als wären Sie und ich die einzigen in diesem land, die auch nach mitternacht noch arbeiten.

voller vorfreude 

ihr hb

Frieitag, 12. Oktober, 09:41

Sehr geehrter Herr Broder,

anbei die Menükarte - inkl Programm des Abends, wie besprochen. 

Sie hatten in Ihrer Ursprungsanfrage nach vier Personen gefragt. Leider erinnere ich mich nicht an die Namen und kann vom Ausland aus nicht auf diese Mail zurück greifen. Ich liefere das gerne am Montag nach.

Beste Grüße 

Esther Uleer

Freitag, 12. Oktober, 09:23

vielen dank, liebe frau uleer,

es ging nicht um die vier personen, die ich glaubte erkannt zu haben, ich habe sie um die gästeliste gebeten, also jene gäste, die zum empfang erschienen sind. nicht diejenigen, die eingeladen waren und nicht erschienen sind. haben sie eine schöne zeit in griechenland,

bis montag

ihr hb

Freitag, 12 Oktober, 12:43 

Lieber Herr Broder, danke fuer die Antwort. Wie bereits in meiner früheren Mail mitgeteilt, sind entsprechende Listen fuer Staatsbankette o.ä.intern und wir geben Sie nicht heraus. Mit besten Grüßen, Esther Uleer 

Freitag, 12. Oktober, 13:01

liebe frau uleer,

ich habe ihre mails etwas anders verstanden. so bleibt mir nichts anderes übrig, als die herausgäbe der erdogan-steinmeier-gäste-liste gemäß dem informationsfreiheitsgesetz gerichtlich zu erzwingen.

viele grüße, b

Freitag, 12 Oktober, 13:39

Lieber Herr Broder, 

diese Antwort zu der Gästeliste hatte ich Ihnen bereits unmittelbar auf Ihre erste Anfrage geben müssen. Alle anderen erfragten Informationen (u.a.zu den Weinen) haben Sie sehr gerne von uns erhalten.

Beste Grüße, ‎

Esther Uleer

Soweit der Notenwechsel zwischen Frau Uleer und mir. Immerhin wissen wir jetzt, was es bei dem Empfang für Erdogan zu essen gab: Tomatensalat, Eintopf von Nordseefischen mit Salzkraut und Kaiserhummer; Sauerbraten mit Ysop-Schmorsud, Trauben, Kürbis und Apfel, Kartoffel-Lauchküchlein; Birne mit Gewürznelke und Kakao. Das ist immerhin etwas. Eine Anfrage der BILD, was der ganze Staatsbesuch gekostet habe, wurde von der Bundesregierung abschlägig beschieden. Auch das dürfte nicht das letzte Wort in dieser Causa gewesen sein.

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Leserpost

netiquette:

Dr. Gerhard Giesemann / 16.10.2018

Also mein schwäbischer Landsmann Cem Öschdemir war jedenfalls dabei, das wurde des öfteren ins Volk getragen - und er hat den Herrn Präsidenten von Türkschdeuland zu einer “versteinerten Miene” veranlasst. Eine Heldentat, die in die Geschichte eingehen wird. Der andere Präse ist im Volke deshalb Nr. 1 der Beliebtheit, weil er so viel Harmonie ausstrahlt. Medizynisch auch als Harmophilie bekannt. Harmlos und .... .

Burkhard Mundt / 16.10.2018

“Weiß Er wohl, ...daß ich Ihm seine Mühle nehmen kann, ohne einen Groschen dafür zu geben?” . Der Müller von Sanssoucie erwiderte: “Ja, Ew. Majestät…wenn das Kammergericht in Berlin nicht wäre”.

Martin Landvoigt / 16.10.2018

Eigentlich eine Petitesse, aber es illustriert, was die Regierung vom Volk hält: Der Souverän ist faktisch wohl nicht der Bürger und Steuerzahler, sondern die mächtigen, die dem Wahlvolk die lange Nase zeigt. Ludwig XIV. hätte vermutlich nicht anders reagiert.

Hartmut Laun / 16.10.2018

Wie die Herrin, so das Gescherrin.

B.Klingemann / 16.10.2018

Die gute Frau ist unbedarft. Wenn der Apparat meint, Sie mit Stellvertretern abspeisen zu können, ist er es ebenfalls. Mich wundert hier nichts mehr.

Thomas Raffelsieper / 16.10.2018

Allein die Idee, sich die erlauchte Kredenzliste des “Erdoganbesuchs” erfahren zu wollen, ist genial unangemessen nett. Einfach köstlich. Das ist eines Karl Valentin würdig.

Perry Eschwege / 16.10.2018

Es ist doch immer so wenn sich die ganz Reichen und Mächtigen auf Kosten der ganz Armen und Untertanen mal so richtig satt essen können. Da kümmern sich dann ca 15 Bedienstete um einen Patienten, also ungefähr im selben Verhältnis wie in jedem Pflegeheim. Welcher gute Familienvater holt denn nicht sein gutes Geschirr und die edelsten Tropfen aus dem Schrank wenn der Peiniger seiner Nazikinder sich herabläßt ihn zu besuchen. Welcher gute Familienvater steht denn nicht applaudierend und kopfnickend daneben, wenn der Peiniger die Kinder dann beschimpft und maßregelt bis sie endlich begreifen das der Peiniger zur Familie gehört und ihr völlig ungerechtfertigtes Taschengeld ihm gebührt.

Marc Blenk / 16.10.2018

Lieber Herr Broder, bei den Recherchen muss Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen sein. Den Château Mouton-Rothschild trinkt Erdogan, soweit ich weiß, nur am Zuckerfest, und mit dem Tropfen von den Golanhöhen bereitet Emine ab und zu ihrem Männe sein Lieblingsgkäsefondue nach einem Rezept aus der ‘Frau im Spiegel’.  Aber vielleicht verwechsle ich das auch mit Donald und Melania. Dass dies aber Frau Uleer nicht genauer wusste ist wieder typisch für jemand, der beim Feind Urlaub macht, anstatt in diesen Zeiten in Antalya. Was die Kosten betrifft: Kam da nicht 2006 eine Regelung heraus, an die sich der Mundschenk des Berliner Staatszirkus strikt zu richten hat und wonach die Kosten nicht das Jahresgehalt von Jogi Löw überschreiten sollte? Am besten noch mal beim DFB nachfragen.

Thomas Raffelsieper / 16.10.2018

Es ist immerwieder entzückend zu beobachten, wie artig und höflich ein Broder doch von allen offiziellen “Hofschranzen” und “Etiquettlingen” doch behandelt wird. Ob dieselbigen intern genauso über Herrn Broder reden? “Das verfluchte Ar.., der soll doch endlich eingeh..        “

Peer Munk / 16.10.2018

Wo kämen wir hin, wenn jeder Bürger selbstbewusst aufträte und einfach Fragen stellte? Komme nur zum Fürst, wenn du gerufen wirst…

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