Wenn heutzutage der Wald heftiger brennt als früher, wird gern geleugnet, dass statt eines „menschengemachten Klimawandels“ das nach derzeit angewandten Forstkonzepten nicht geräumte Totholz damit zu tun haben könnte. Waldbrandexperte Prof. Michael Müller von der TU Dresden hält dagegen.
Ich habe in den letzten Jahren wiederholt über die Probleme in den Wäldern der Sächsischen Schweiz berichtet (siehe Links am Ende des Artikels). Nach den verheerenden Bränden im Sommer 2022, bei denen v.a. große Teile der Wälder des angrenzenden Nationalparks Böhmische Schweiz vollständig vernichtet wurden, wurde seitens des sächsischen Umweltministeriums immer wieder beteuert, Totholz habe bei der Brandausbreitung keine Rolle gespielt.
„Abgestorbene Bäume befeuern Waldbrände in Sachsen nicht“, konnte man damals auf der Website des MDR Sachsen (in einer Meldung vom 1. Februar 2023) lesen. Da im Nationalpark „die Natur sich selbst überlassen und abgestorbene Bäume liegen bleiben“, würden sich Stimmen mehren, die behaupteten, dieses „Totholz“ habe die Waldbrände begünstigt. Es sei auch schnell der Vorwurf erhoben worden, dass „die fehlende Waldbewirtschaftung im Nationalpark die Brände begünstigt“ hätte. Dass der Forstwissenschaftler und Waldbrand-Experte der TU Dresden, Prof. Michael Müller, in einer gutachterlichen Studie, die der Freistaat Sachsen selbst in Auftrag gegeben hatte, nicht zu den Ergebnissen kam, die der Auftraggeber hören wollte, focht den damaligen grünen Umweltminister Günther nicht an. Schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf.
Dabei hatte Prof. Müller bereits damals auf spezifische Phasen mit mehr oder weniger stark ausgeprägten, vom Wetter abhängigen, unterschiedlich zündfähigen Brandlasten – auch in Nationalparken – hingewiesen. Auch kam das Gutachten zu dem Schluss, dass das Totholz im Brandgeschehen sehr wohl einen verstärkenden Einfluss auf den jeweiligen Brandort gehabt hatte.
(Der Artikel vom 1. Februar 2023 ist mittlerweile von der Website des MDR verschwunden, aufrufbar allerdings noch über Wayback Machine.)
Nach den Waldbränden in der sächsischen Gohrischheide in den vergangenen Wochen räumt Prof. Müller von der TU Dresden nun endgültig mit dem Mythos auf, Totholz habe keinen Einfluss auf das Brandgeschehen. „Waldbrände gehören in Deutschland grundsätzlich nicht zur natürlichen Waldentwicklung und spielen fürs Ökosystem hier niemals eine nützliche Rolle“, erklärte er am 8. Juli 2025 in einem SZ-Artikel. „Die umkippenden Stämme sind da weniger das Gefahrgut. Es ist jetzt vor allem das Geäst. In solch einem Fall muss man sich ganz schnell Gedanken machen, wie man mit diesem Problem umgeht. Zu glauben, die Natur macht das schon, ist komplett falsch.“
Was in einer Felsenlandschaft wie der des Nationalparks Sächsische Schweiz im Brandfall erschwerend hinzukommt, ist die schwere Zugänglichkeit vieler Areale – insbesondere, wenn Zuwegungen immer wieder durch umgestürzte Baumleichen versperrt werden. Prof. Müller: „Man kann mit keinem Luftfahrzeug einen Waldbrand löschen. Das ist immer nur eine Unterstützung für die Bodenkräfte. Wenn man am Boden nicht an das Feuer herankommt, dann braucht man auch nicht aus großer Höhe das Wasser abzuwerfen. Das wäre nur Verschwendung von Löschmaterial.“
Wir dokumentieren im Folgenden die aktuelle Pressemitteilung der Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz vom 13. Juli 2025:
Totholzberäumung als Waldbrandprävention – Erkenntnisse nach dem Brand in der Gohrischheide
Der am 1. Juli ausgebrochene Brand im Naturschutzgebiet Gohrischheide zeigt erneut die enorme Bedeutung der Waldbrandvorsorge. Laut der Pressemitteilung des Landratsamtes Meißen vom 9. Juli sind 2.400 Hektar der Gohrischheide vom Brand betroffen. Damit ist die insgesamt 2.800 Hektar große Heidefläche fast in ihrer Gesamtheit zerstört und das Naturschutzgebiet faktisch abgebrannt. Orte mussten evakuiert werden, mehr als hundert Bewohner waren davon betroffen und hunderte Einsatzkräfte befanden sich im Einsatz.
Einmal mehr wird nach dem Brand nach den Ursachen gefragt. In diesem Zusammenhang äußerte sich in einem am 8. Juli veröffentlichten Artikel in der Sächsischen Zeitung Waldbrandexperte Prof. Michael Gunter Müller zum Brand in der Gohrischheide mit bemerkenswerten Erkenntnissen zur Waldbrandprävention. Müller plädiert nach einem Brand für die Beräumung toter Bäume aus dem Wald, da sonst das Brandrisiko sofort wieder vorhanden wäre. Binnen kurzer Zeit sei erneut Brennmaterial vorhanden, denn die Hitze des Brandes am Boden führt zum Absterben der Bäume. Viele Baumkronen blieben jedoch erhalten, obwohl diese genau wie das Wurzelwerk tot seien. Entsprechend fallen Nadeln, Blätter und trockene Äste zu Boden.
„In solch einem Fall muss man sich ganz schnell Gedanken machen, wie man mit diesem Problem umgeht. Zu glauben, die Natur macht das schon, ist komplett falsch. Man muss die toten Bäume aus dem Wald holen, sonst ist das Brandrisiko sofort wieder da“ – so wird Prof. Müller im Artikel der Sächsischen Zeitung zitiert. Für den Waldbrandexperten steht zudem die – politisch entschiedene – völlige Unberührtheit der Natur in Wildnisgebieten und Nationalparks einer möglichen völligen Zerstörung dieser Gebiete im Brandfall gegenüber. Er verweist in diesem Zusammenhang auf das Brandereignis 2022 in der Sächsischen Schweiz.
Gleichzeitig sieht es Müller als wichtig an, Leben und Güter außerhalb dieser Wildnisgebiete zu schützen. Grundlegend gehören für ihn Waldbrände in Deutschland nicht zur natürlichen Waldentwicklung und spielen für das Ökosystem hier keine nützliche Rolle, denn jeder Waldbrand stellt eine starke Beeinträchtigung für die naturnahe Weiterentwicklung der Wälder dar.
Es ist doch sehr verwunderlich und wirft Fragen auf, warum solche konkreten Aussagen nach dem Waldbrand 2022 bezüglich der Sächsischen Schweiz nicht gefallen sind. Für die Bürgerinitiative bestätigen sich damit einige ihrer Kernforderungen.
- Abgestorbene Fichtenbestände (mit entsprechend toten Baumkronen und herabfallendem Geäst und Nadeln) sind brennbares Material, deren Anteil in der Sächsischen Schweiz umgehend reduziert werden muss.
- Die Anwendung des Konzepts Natur Natur sein lassen in der Kulturlandschaft muss grundlegend infrage gestellt werden. Es bedeutet ein Risiko und kann – nicht nur im Brandfall – die schützenswerte Landschaft vollständig zerstören.
- Es ist an der Zeit, anzuerkennen, dass der Wert eines Naturschutzkonzepts von seiner Wirksamkeit bestimmt wird und nicht von der Macht politischer Entscheidungen oder seiner Werbetauglichkeit.
Der Forstwissenschaftler und Feuerökologe Johann Georg Goldammer verweist in einem Interview, das bereits im Mai in einem Artikel der Zeitschrift GEO veröffentlicht wurde, auf die Bedeutung des Waldumbaus hinsichtlich der Beherrschbarkeit von Feuern. Er plädiert für die Koexistenz verschiedener Waldformen, einem Nebeneinander von Nadel-, Laub- und Mischwald. In einem voll geschützten Wald, in dem das Totholz nicht aufgearbeitet wird, herrsche ein erhöhtes Brandrisiko. Wenn Wälder nicht bewirtschaftet werden, sammeln sich Totholz, Äste, Zweige und Stämme am Boden, die zu Brennmaterial für Feuer werden. Hier sollten Brandschutzkorridore helfen, um die Außenbereiche abzusichern, wenn eine Kernzone mit Totholz besteht, die es aus Gründen des Biodiversitätsschutzes zu erhalten gilt. Diese Korridore sollen das Feuer ausbremsen und frei von Totholz sein.
Mindestens diese Schutzempfehlungen müssten in der Sächsischen Schweiz umgesetzt werden. Mehr noch sollten die Waldbranderfahrungen des Jahres 2022 bei Ministerien und Behörden zu einem Umdenken führen. Wir sind immer noch weit entfernt von einem aktiven Waldumbau, der das effektivste Mittel der Waldbrandvorsorge darstellt. In der Kulturlandschaft Sächsische Schweiz befinden sich schützenswerte Naturareale in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen, kostenintensive Verkehrsinfrastrukturen durchziehen die Region, historische Wege und Kulturdenkmäler befinden sich im Naturraum.
Diese Einzigartigkeit darf nicht einem Konzept geopfert werden, dessen Wirksamkeit für den Erhalt der historisch geprägten Landschaft und für einen gelingenden Natur- wie Bevölkerungsschutz äußerst fragwürdig ist – wenn nicht gar fahrlässig.
Bürgerinitiative
Naturpark Sächsische Schweiz
Sprecherin Hanka Owsian
www.naturpark-saechsische-schweiz.de
(Titelbild: Stefan Klinkigt, Nationalpark Sächsische Schweiz, Brückengrund / Kleiner Zschand, 2024)
Stefan Klinkigt, Baujahr 1956, geboren und aufgewachsen in Sachsen, studierte damals Bauingenieurwesen (mit Abschluss als Dipl.-Ing.). Lebt nach 26 Jahren Rheinland seit 2015 wieder in Sachsen und arbeitet als bildender Künstler, Kommunikationsdesigner und Fotograf. Für Achgut als Autor, Lektor und Karikaturist tätig. Streift mehrmals in der Woche mit der Kamera in der Sächsischen Schweiz herum.
Artikel, die wir zu dieser Thematik bereits veröffentlicht haben:
Nachhilfe auf dem Weg zur Wildnis?
Sächsische Schweiz: Zerstörung heißt jetzt „Waldpflege“
Die Natur findet einen Weg? Manchmal muss mensch nachhelfen.
Sächsische Schweiz: Bilder der Verwüstung
Neues vom Streit um den Nationalpark Sächsische Schweiz

CO2 ist wasserlöslich und schwerer als Luft. Das sind keine Schwebeteilchen, die fallen runter und/oder regnen ab. CO2 ist kein Klimagas. CO2 ist ein Geschäftsmodell. Der Handel mit CO2-Emissionspapieren boomt auch in Afrika, die Eingeborenen sprechen von Öko-Rangern und Öko-Diktatur. Mit dem Emissionshandel werden die Safari-Parks finanziert. Dahinter stecken NGOs wie z.B. der WEF und Prinz Harry. Mit den Parks – zum Schutz der Umwelt – vertreiben die die Einheimischen. Man stellt irgendwo ein Nashorn hin und zieht einen Zaun drumrum. Dann darf man Waffen tragen und auf Wilderer und Eindringlinge schießen. Dafür gibt es Fördergelder. Das ist Afrika. Das waren vor allem die reichen Großwildjäger aus dem Westen, die ihre Liebe zur Natur entdeckt haben. Die haben bemerkt, daß sie viele Tierarten ausgerottet haben, jetzt machen sie mit dem Wiederansiedeln Geschäfte. Prinz Charles ist ein Öko-Diktatur. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Da kommen nur Touris gegen Eintritt rein. / Der jährliche Rückschnitt von Bäume und Gebüsch wird mit großen Maschinen gemacht. Die schneiden nicht, die brechen die Bäume um und reißen das Gebüsch ab. Das Totholz bleibt liegen. Die Maschinen in der Forstwirtschaft sind aus den Kettenfahrzeugen und Tanks des 1. Weltkriegs hervorgegangen. Das ist kein Rückschnitt, die führen die Krieg gegen die Natur. Das sind keine Schutzgebiete, wir werden kanalisiert und eingezäunt. Das ist Landraub
@ Kenneth Gund „dass man früher das Totholz als Brennmaterial aus dem Wald geholt hat,“ – Wozu heute noch, wo „die Politik“ alles dran setzt, zB private „Kaminöfen“ zu verbieten, Verfeuerung von Holz zu verunmöglichen?? Zumal inzwischen behauptet wird, auch die Verbrennung von Holz sei „klimaschädlich“, nicht 2klima-C02-neutral„.
Grundsätzlich muß man ja wohl feststellen, daß Holz, auch „Totholz“ egal in welchem Mengen, sich nicht selbst entzündet, selbst wenn die Öffi-Medien dieses quasi im Zusammenhang mit dem behaupteten „Menschen gemachten Klimawandel“ dem Konsumenten ihrer Ideologiebeschallung suggerieren. Nicht das „Klima“, aber die Feuer, dürften idR schon „Menschen gemacht“ sein, in südlichen Ländern im Übrigen sehr schön zu sehen, wenn dort das Gras an den Straßenrändern „Fleckenweise“ immer wieder abgebrannt ist, dem Anschein nach Folge aus dem Auto geschnippter Zigarettenkippen. Blöder geht offenbar immer.
Ein wesentlicher Punkt ist bei unseren grünen Naturschützern komplett außen vor: die ‚Genießer ‘dieser Idylle, die, nach meiner eigenen täglichen Erfahrung mit Hund im Wald, diesen Genuß in großer Zahl mit dem ‚Genuß‘ von Zigaretten unterstützen. Und diese Genießer entsorgen ihre noch brennenden Kippen auch in ausgedörrtem Gras am Waldrand durch das großzügige Wegschnippen. Ich habe selbst solche Kleinbrände noch austreten können. Und geraucht wird bei Leibe nicht nur Tabak. Schon allein diese Tatsache unterscheidet unsere Wälder von wirklichen Naturwäldern, bei denen in unseren Breiten natürliche Entzündung die extreme Ausnahme wäre. Die Neandertaler haben schwerlich im Wald noch eine Joint geraucht, und die Kippe dann einfach ins Gras oder Laub geworfen.
Falls es tatsächlich bei uns wärmer werden sollte, was wunderbar ist, bleibt die Aufforstung von Nadelwäldern, als Flachwurzler, müßig. Empfehle Ihnen, Herr Klinkigt, falls Sie Zeit & Geld haben, den Besuch des Felsengebirges des Gargano (der Stiefelsporn Italiens, der in die Adria ragt). Es war wohl früher für die Italischen Seemächte zu aufwendig die Eichen- & Buchenwälder dort abzuholzen & abzutransportieren, um sie für den Flottenbau zu verwenden. Der Gargano ist „klimatisch“ ein ganz anderes Italien als der Rest des Stiefels. Übrigens der Plural von Nationalpark ist nicht Nationalparken auf einem Großdeutschen Parkplatz, sondern schlicht die „Nationalparks“.
Wo kommen wir denn hin , wenn sich in diesem Land einmal Logik ,Sachverstand und Erfahrungswerte gegenüber Grünen-roten Ideologischen Wahnsinn durchsetzen würde .
Also bitte , wir hätten preiswerte Energie , gezielte Einwanderung, leistungsbezogene Bildung, Wirtschaftswachstum und einen wachsenden Wohlstand.
Wer will denn sowas , bunt , tolerant und Gendergerecht ist doch viel schöner. Wir sind doch ein reiches Land
Herr Klinkigt,noch wichtiger als Totholz sind die Waldwege,die frei und breit genug sein müssen um mit den Feuerwehrfahrzeugen an den Brand zu kommen.Ist in den 70ern in Altena Sauerland passiert,wo ein Feuerwehrfahrzeug am Berg abgestürzt ist,weil der Waldweg
zu schmal war.Danach wurden die Wege breiter gemacht.