Volker Seitz / 16.02.2022 / 12:00 / Foto: Pixabay / 19 / Seite ausdrucken

Staatsstreiche, aber auch Lichtblicke in Afrika

Staatsstreiche im Monatstakt machen immer wieder Schlagzeilen, doch Afrika hat auch gute Nachrichten zu vermelden. Ein Blick in sechs Staaten, die vernünftig regiert werden und prosperieren.

Vom August 2020 bis heute gab es in Afrika sechs Staatsstreiche (2 x Mali, Tschad, Guinea, Sudan, Burkina Faso) und einen fehlgeschlagenen in Guinea-Bissau. Die amerikanischen Politikwissenschaftler Jonathan Powell und Clayton Thyne haben für den ganzen Kontinent mehr als 200 Putschversuche seit den späten 1950er Jahren gezählt, rund die Hälfte war erfolgreich. Wegen des Zorns über Korruption, Vetternwirtschaft und Wahlmanipulation wurde die erfolgreiche Machtübernahme durch die Militärs auf den Straßen oft ausgelassen gefeiert. 

Veye Tatah schreibt in Africa Positive Nummer 84, 2022: „Es war daher nicht verwunderlich, dass in Mali und Guinea das ganze Land und die Opposition für das Militär in Jubel ausbrachen. Sie sahen in der Militäraktion die dringend benötigte Befreiung, nach der sie sich lange gesehnt hatten. Sogenannte demokratische Regierungen trampeln in vielen Ländern Afrikas auf den Verfassungen. Sie unterdrücken die Bevölkerung, plündern die Staatskassen, anstatt eine Infrastruktur zu bauen, und kleben jahrzehntelang an der Macht“

Es gibt aber auch Staaten, wo ein Blick auf die Amtsführung der Regierungen lohnt. Diese – zugegeben – wenigen Staaten, die gut abschneiden, weil sie die Interessen und Nöte des Volkes halbwegs ernst nehmen, möchte ich kurz vorstellen: Botswana, Kap Verde, Ruanda, Senegal, Seychellen und Mauritius. 

Botswana

Botswana gilt als eines der stabilsten Länder Afrikas. Es hat sich gut entwickelt und konnte zuletzt ein hohes Wirtschaftswachstum verzeichnen. Ein Grundstein dafür war die erfolgreiche Politik der botswanischen Regierungen. In dem südafrikanischen Land gibt es acht große Volksgruppen, die zu einer Nation zusammenwuchsen. Ein zentrales Instrument war, die einzelnen Ethnien dazu zu bringen, sich gegenseitig kennenzulernen. Als Botswana 1966 von Großbritannien unabhängig wurde, begann die Regierung, Beamte, Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern quer durchs Land zu schicken. Oft gehörten sie einer anderen Ethnie an als die Menschen vor Ort. Viele fanden dort neue Freunde, gründeten Familien und bekamen Kinder. Trotz unterschiedlicher Volksgruppen und anderer Sprachen wuchs das Land so zusammen. 

Das Land von der Größe Frankreichs spielt eine Vorreiterrolle bei gutem Regierungsmanagement. An der Spitze steht der Staatspräsident, der nur einmal wiedergewählt werden darf. Als 1967 die ersten Diamanten in der Heimatregion des damaligen Präsidenten Seretse Khama entdeckt wurden, erklärte er sie sofort zu Allgemeinbesitz. Das kann man sich in anderen afrikanischen Staaten nicht vorstellen. Mit guter Regierungsführung und dem Diamantenabbau hat sich Botswana von einer armen, von der Viehzucht lebenden Gesellschaft in eine afrikanische Erfolgsgeschichte verwandelt. Botswana hat – anders als viele andere afrikanische Staaten – seine Ressourcen auf verantwortungsvolle Weise genutzt. Es hat ein beispielhaftes kostenloses Gesundheits- und ein vorbildliches Erziehungssystem. Das Land hat durch gute Bildungschancen die Geburtenrate nach unten drücken können. Sie sank in den letzten Jahren auf 2,9 Kinder pro Frau. Gleichzeitig konnte die Sterblichkeitsrate bei Kindern reduziert werden. Botswana hatte zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit ca. fünfzehn Kilometer Teerstraßen. Heute gibt es überall im Land die nötige Infrastruktur. Es gibt eine gute Bankeninfrastruktur, Gesundheitszentren und ein funktionierendes Internet. 

Die Staatsführung investiert die hohen Einnahmen aus den Diamantenvorkommen in die Infrastruktur, besonders in die Sektoren Gesundheit und Telekommunikation, und lässt die Gelder nicht wie andernorts in Afrika in den Taschen der Machthaber verschwinden. Es gibt ein soziales Sicherheitsnetz. Arbeitslose erhalten Grundnahrungsmittel. Ein soziales Entwicklungsprogramm bietet beispielsweise kurzfristige Beschäftigung für Arbeitslose an. Außerdem gibt es ein Rentensystem. Die Rohstoffeinnahmen fließen in einen Staatsfonds – ähnlich dem Fonds in Norwegen. Dieses Geld soll zukünftigen Generationen erhalten bleiben, angespart für eine Zeit, wenn die Diamantenquellen einmal versiegt sein werden. Es besteht Konsens, den Fonds im Wesentlichen unangetastet zu lassen. 

Einen weltweiten Erfolg feierte Alexander McCall Smith mit seiner Mma Ramotswe-Reihe. Seit 1999 erscheinen die Geschichten über die sympathische, resolute botswanische – traditionell gebaute – Privatdetektivin unter dem englischen Originaltitel "The No. 1 Ladies' Detective Agency". Er schildert in den Büchern den Alltag in Botswana realistisch und atmosphärisch dicht. 

Kap Verde

Das frühere portugiesische Überseegebiet Kap Verde (Capo Verde) ist ein Inselstaat vulkanischen Ursprungs aus neun bewohnten Inseln – mit grünen Bergen, kargen Felsen und weiten Stränden – im östlichen Nordatlantik vor der Westküste Afrikas. Kap Verde ist heute eine der wenigen gefestigten Demokratien in Afrika. Nach der Unabhängigkeit wurde das Land von einer marxistischen Einparteiendiktatur regiert. Bei den Präsidentschaftswahlen 2001 wurde Pedro Verona Rodrigues Pires zum Präsidenten gewählt und 2006 im Amt bestätigt. 2011 erhielt er den renommierten Mo Ibrahim Preis, mit dem vorbildliche ehemalige afrikanische Staatschefs ausgezeichnet werden. Begründung der Jury: „Er hat das Land in ein Modell für Demokratie, Stabilität und zunehmenden Wohlstand verwandelt.“ Seit November 2021 ist José Maria Neves Staatspräsident. 

In der Rangliste des renommierten Ibrahim Index of African Governance liegt das Land nach Mauritius und Seychellen an dritter Stelle. Der Mo Ibrahim Preis wurde seit Gründung der Stiftung im Jahre 2007 erst sechsmal vergeben. Die Standards, die an den Gewinner gestellt werden, sind hoch und die Zahl potenzieller Kandidaten gering. In der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit – auch ein Zeichen für Machtkontrolle – von „Reporter ohne Grenzen“ liegt Kap Verde noch vor Australien, Portugal, Spanien und Frankreich. 

Exportiert werden Fisch (vor allem Thunfisch), Langusten, Zuckerrohr, Bananen, Textilien, Thunfisch-Konserven, Halbfertigwaren wie Schuhe und Lederwaren. Der Tourismus trägt etwa zehn Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Kap Verde gehört zu den trockensten Staaten der Welt. 90% der Lebensmittel müssen eingeführt werden, da nur 11% des Bodens landwirtschaftlich nutzbar ist. Angebaut werden neben Zuckerrohr (aus dem das Nationalgetränk Grogue hergestellt wird) Bananen, Maniok, Süßkartoffeln, Papaya, Avocado, Guaven und Mangos. Die geringen natürlichen Ressourcen und der Wassermangel schränken die Entwicklungsmöglichkeiten ein. Der Archipel ist seit Jahren ein beliebtes Touristenziel. 

Ruanda

Auch Ruanda entspricht ganz und gar nicht dem Klischee des hoffnungslosen Kontinents. Es wurde unter der Führung des Präsidenten Paul Kagame zu einem Vorzeigebeispiel für ein Land in Afrika, das vorankommt, ein rarer Lichtblick. Gute Regierungsführung hat sich zum Nutzen der Bevölkerung ausgezahlt. Der öffentliche Nahverkehr gilt als einer der modernsten in ganz Subsahara-Afrika: Auf rund 200 Kilometer frei von Schlaglöchern und breiten Asphaltstraßen fahren 560 Busse. Viele bieten kostenlos Wifi, und dank Chipkarten-Lesegeräten können die Menschen bargeldlos bezahlen. Um die Zahl der Nutzer zu erhöhen, werden Smartphones in Ruanda steuerfrei verkauft. Die Wirtschaft der jungen Nation boomt, und die Lebenserwartung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Der Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, konnte in fünf Jahren um zwölf Prozentpunkte auf 45 Prozent gesenkt werden. Das Jahreseinkommen pro Kopf hat sich auf 2020 auf 816 US-Dollar erhöht. (Zum Vergleich die ungleich reichere Demokratische Republik Kongo 544 Dollar.) Das ist das Verdienst der Regierung von Paul Kagame. Immer mehr in den Kriegswirren ausgewanderte Ruander kommen zurück. 

Nicht weniger als 41 Prozent der nationalen Ausgaben fließen in Gesundheit und Bildung. Die Führung des Landes hat verstanden, wie stark der Wohlstand und Lebensqualität eines Landes von der Bildung abhängt. Der Zugang zu primärer Schulbildung ist für Jungen und Mädchen gewährleistet. Ruanda hat eine Einschulungsrate von nahezu 100 Prozent. Die Anstrengungen lohnen sich. Das Bildungsniveau ist ein zuverlässiger Gradmesser für die langfristige Wohlstandsentwicklung und Stabilität des Landes. Es spielt eine Vorreiterrolle bei gutem Regierungsmanagement. Es hat eine qualitativ hohe Bildungsinfrastruktur. Was dort seit 20 Jahren passiert, ist eindrucksvoll. Das Land hat nach dem Völkermord das Beste aus der Situation gemacht. In der Nachkriegszeit mussten Frauen Führungsaufgaben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen und für den Wiederaufbau sorgen. 

Senegal

Betrachtet man die gesamte westafrikanische Region, ist Senegal seit der Unabhängigkeit 1960 von Frankreich ein politisch stabiles Land, das stolz auf seine demokratische Tradition ist. Seine politische Stabilität zieht mehr und mehr Investoren an. Direkte ausländische Investitionen stiegen seit dem Amtsantritt von Präsident Macky Sall 2012 um acht Prozent. Im letzten Doing-Business-Ranking der Weltbank ist das Land in die TOP 5 der Reformländer aufgestiegen. 

Der IWF schätzt das jährliche Wachstum von 2020 und 2021 mit durchschnittlich 7,5% bzw. 7,0% ein. Die Öl-Einnahmen sollten laut IWF einen positiven Effekt auf die Bautätigkeit haben. Aufgrund der Stabilität und einer weitgehend effizienten Verwaltung zieht das Land direkte ausländische Investitionen an. Steuern und Abgaben machen 60 Prozent des Budgets aus. Gemäß der Standard Chartered Bank ist der Senegal das einzige Land des Kontinents, das das Staatsdefizit (déficit public) in drei aufeinander folgenden Jahren verringern konnte. 

Der Senegal ist ein Vorbild für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft. Senegalesen setzen sich aktiv gegen Intoleranz ein und haben das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen im Land befördert. Über 90 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an. Sie hängen in der überwältigenden Mehrheit den vier Sufi-Bruderschaften an, die einen toleranten Islam vertreten. Im Sufismus zeigt sich ein Islam, der den Koran nicht immer wörtlich nimmt. Im Senegal hat der Einfluss der mächtigen Sufi-Bruderschaften segensreiche Wirkung. Es gibt einheimische und importierte Bruderschaften. Die Layene und die Mouriden (ein Drittel der Muslime gehören dieser Bruderschaft an) stammen aus dem Senegal selbst, die Tijaniyya (etwa die Hälfte) wurde im 18. Jahrhundert von einem Berber gegründet, und die Qadiriyya entstand bereits im 12. Jahrhundert in Bagdad. 

Präsident Macky Sall ist Mouride, wenig überraschend, doch seine Frau, die première dame, gehört der Tidjane-Bruderschaft an. Das spricht wieder für die tolerante Religionsausübung im Senegal. Das Land ist bislang von Terror verschont geblieben, Ethnien und Religionen leben weitgehend friedlich miteinander. Die Bruderschaften kämpfen gegen extremistische Strömungen und predigen Frieden und Toleranz. Die Bruderschaften sorgen für Stabilität und sozialen Zusammenhalt. Sie bieten Wirtschaftsnetzwerke und soziale Absicherung. 

Seychellen

Die Republik Seychellen besteht aus 115 Inseln im Indischen Ozean. Südlich der Seychellen liegen die Komoren, Mauritius und Madagaskar. Ein langer Streit über die Inseln zwischen Frankreich und Großbritannien endete 1814. Von 1903 bis 1976 waren die Seychellen eine britische Kolonie. Unter britischer Herrschaft waren die Seychellen zunächst Teil der Kolonie Mauritius. Selbstverwaltung erlangten sie 1976. 

Die Seychellen sind seit langer Zeit politisch stabil. Bei den Wahlen 2020 kam es zum ersten demokratischen Machtwechsel seit der Unabhängigkeit im Jahr 1976. Beim Korruptionsindex belegen die Seychellen den Spitzenplatz in Subsahara-Afrika. 

Die Seychellen befinden sich ziemlich genau am Äquator. Die Hauptstadt ist Victoria, benannt nach der britischen Königin. Die Seychellen sind ein Naturparadies. Mehr als die Hälfte des Landes steht unter Naturschutz. Die drei Hauptinseln sind Mahé, Praslin und La Digue. Die Wasserversorgung hängt von der Menge des gewonnenen Regenwassers ab. Der Tourismus ist wichtigster Arbeitgeber und Haupteinnahmequelle des Landes. Der Tourismus erwirtschaftet – auch dank unaufgeregter Corona-Politik – etwa 70 Prozent der Deviseneinnahmen. (Übrigens ein Geheimtipp für ungeimpfte Europäer.) Das Bettenangebot wird bewusst beschränkt, um ein Überangebot zu vermeiden. Hotelanlagen unterliegen strengen Vorschriften: Kein Gebäude darf die Baumkronen überragen. 

Wirtschaft: Es gibt es eine Thunfischkonservenfabrik mit etwa 2.000 Beschäftigten. Sie produziert ca. 40.000 Tonnen Thunfisch in Dosen pro Jahr. Die traditionelle Küstenfischerei deckt den heimischen Bedarf und Edelfisch (z.B. Red Snapper, Baracuda-Snapper, Gabelflossen-Snapper, Kaiser-Snapper) wird nach Mauritius und Europa exportiert. Die Strände zählen zu den schönsten der Welt. Auf den Seychellen wachsen Bananen, Kokosnüsse, Papayas, Mangos, Ananas, Zitrusfrüchte, Äpfel und Melonen. 

Mauritius

Mauritius ist ebenfalls eine der wenigen Erfolgsgeschichten in Afrika. Es ist eine rechtsstaatliche Demokratie mit weltoffenen Bürgern. Seit der Unabhängigkeit entwickelt sich die Insel positiv. Der Inselstaat Mauritius – vulkanischen Ursprungs – gehört auch zu den am besten regierten Ländern in Afrika. Das Land belegt Spitzenplätze im Economic Freedom Index, im Doing Business Ranking und beim Korruptionswahrnehmungsindex. 

Nach 150 Jahren britischer Herrschaft wurde Mauritius am 12. März 1968 unabhängig. Mauritius hat eine stabile Demokratie mit regelmäßigen freien Wahlen und eine positive Bilanz bei der Durchsetzung von Menschenrechten. Dadurch hat das Land bedeutende ausländische Investitionen angezogen und eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Afrika. In den letzten Jahren haben Naturkatastrophen und der fallende Preis für Zucker dazu geführt, dass sich das Wachstum verlangsamt hat. Die Volkswirtschaft stützt sich auf Zucker, Tourismus, Textilien und Bekleidung sowie Finanzdienstleistungen. Zudem dehnt sie sich auf weitere Bereiche aus: Fischverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Entwicklung des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Immobiliensektors. Mauritius hat durch eine konsequente Öffnungspolitik als Touristenstandort sowie als Freie Produktionszone komparative Vorteile ausgenutzt. Längst ist der Tourismus Einnahmequelle Nummer 1. 

Den Aufstieg von Mauritius in den letzten Jahrzehnten kann man nachvollziehen, wenn man Nobelpreisträger V.S. Naipaul liest. Er berichtet in seinem Buch „Die letzte Kolonie“ (deutsch 2005, Claasen, Berlin), dass im Jahre 1972 noch viele Mauritier eine Anstellung als Krankenpfleger im Ausland suchten, weil die Arbeitslosigkeit ein großes Problem darstellte. Er schreibt: „Krankenpfleger sind die einzigen Mauritier, die man im Ausland willkommen heißt. Die Mauritier sind eine Nation von Krankenpflegern.“ Heute hat Mauritius die höchste Lebenserwartung aller Staaten in Sub-Sahara-Afrika. Gleichzeitig mit 1,5 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate. 

Mauritius ist ein Vielvölkerstaat. Die indischstämmige Bevölkerung ist mit 70 Prozent in der Mehrheit. 30 Prozent sind Kreolen und Afrikaner. Die meisten Bewohner sind Hindus, ein Drittel sind Christen und es gibt eine muslimische Minderheit. 

Heute ist die Insel, mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als Köln, demokratisch, rechtsstaatlich, friedfertig (ohne Militär) und weltoffen. Das Pro-Kopf-Einkommen ist deshalb an der Spitze Afrikas. Kaum ein Mauritier will noch auswandern. Mauritius hat immer wieder neue Geschäftszweige aufgebaut, Tourismus, leistungsfähige Textil- und Bekleidungsindustrie, Call-Center, Finanzdienstleistungen, Informations- und Telekommunikationstechnologien sowie „Business Outsourcing“. Das Land profitiert von seiner Zeitzone zwischen Afrika und Asien. 

Angesichts fehlender landwirtschaftlicher Flächen kann sich das Land nicht selbst ernähren. Hauptlieferländer für Nahrungsmittel sind Australien, Spanien, Frankreich, Indien, Neuseeland und Südafrika. Die mauritische Sozialpolitik ist im afrikanischen Kontext vorbildlich. Die Regierung setzt auf Infrastrukturprojekte, insbesondere im Hafenbereich („Ocean Economy“), um den Fischereisektor zu stimulieren und Investitionen für die Fischverarbeitung zu fördern. 

Fazit

Der Schlüssel zum Erfolg waren und sind in den genannten Staaten politisch geschaffene Rahmenbedingungen, die Unternehmern und Investoren den nötigen Freiraum geben. Dadurch wurde Arbeit und Einkommen geschaffen. Die eigenen Antriebskräfte stehen in diesen Staaten im Vordergrund. Es wurde, vorwiegend aus eigener Kraft, erreicht, was viele Afrikaner für ihr Land nur zu träumen wagen. Es sind Länder, die bescheidenen Wohlstand bieten, zu dem auch Sicherheit – und damit auch keine Staatsstreiche – gehört. Um dies zu erreichen, bedurfte es starker und verantwortungsbewusster Institutionen, Standards und Denkweisen. Was sich dort in den letzten Jahren getan hat, nötigt Respekt ab.

PS.: Kaum hatte ich diesen Artikel beendet, berichtete africa-live.de, dass der senegalesische Präsident Macky Sall jedem Spieler und Betreuer, der an der kontinentalen Fußballmeisterschaft, dem Afrika-Cup, beteiligt war, gönnerhaft Geldprämien im Wert von 50 Millionen CFA (76.495 Euro) und zwei wertvolle Grundstücke in der Hauptstadt Dakar und der neuen Stadt Diamniadio geschenkt hat. 

Die meisten Spieler werden in europäischen Ligen sehr gut bezahlt. (Der Afrikameister vom FC Bayern, Bouna Sarr, bezieht z.B. ein Jahresgehalt von 2,5 Mio. €, und Sadio Mané vom FC Liverpool erhält 6 Mio. € im Jahr, also – nicht nur für Senegalesen unvorstellbare – mehr als 17.000 € pro Tag.) Deshalb ist dieses Geschenk eine Provokation für die meisten Senegalesen, die nur ein geringes Einkommen haben. 

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte 11. Auflage erschien am 18. März 2021. Volker Seitz publiziert regelmäßig zu afrikanischen Themen und hält Vorträge (z.B. „Was sagen eigentlich die Afrikaner“, ein Afrika-ABC in Zitaten).

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Arne Ausländer / 16.02.2022

@Rolf Mainz: Bei allem Verständnis für die Sorgen vor dem heutigen Islam - historisch ist diese Sicht unberechtigt. Während in Spanien nach der Reconquista sogar Konvertiten verfolgt wurden, konnten unter islamisch-arabischer bzw. -türkischer Herrschaft Christen undd Juden jahrhundertelang überleben (gewiß nicht unbehelligt, aber immerhin). Bis vor kurzem lag der Anteil von Christen in Ägypten und Syrien bei etwa 10% - genau wie im Senegal. Wie das Christentum, wenn es an der Macht ist, so kann auch der Islam sehr unterschiedliche Formen annehmen. Bei der Beurteilung der heutigen Situation des Islam und seiner Gefahren darf man keinesfalls dessen langjährige Verstrickung mit den diversen westlichen Regierungen, Geheimdiensten etc. außer acht lassen. Welcher islamische Staat, welche islamische Organisation sollte denn frei davon sein? Ich kenne keine. Aber nur mit Blick auf dieses unheilvolle Zusammenwirken lassen sich die Entwicklungen halbwegs verstehen, kann man auf Gefahren sinnvoll reagieren.—Zum Botswana-Abschnitt im Beitrag des sehr geschätzten Autors: Vor einiger Zeit konnte ich eine botswanische Kulturdelegation auf die “Ladies’ Detectives” ansprechen und durfte feststellen, daß dieses Werk auch dort bei Einheimischen bekannt und beliebt ist. Ich hoffe, dieses Land bleibt von Anschlägen verschont, die die gewiß manchen mißfallende Stabilität zerstören könnten. Ich denke da an dubiose “Unglücksfälle” auf Zypern sowie die Attacke in (bzw. auf) Norwegen - beide Länder waren zuvor finanziell stabil, trotz “Finanzkrise”.

Ulla Schneider / 16.02.2022

Verehrter Autor, ich hörte gestern, daß momentan eine große Auswanderungswelle aus Europa und innerhalb zu den Rändern stattfindet. Ein richtig großer Teil Italiener plus 90% ihres Vermögens wandern nach Afrika ( heim zu den Genen). Wohin genau weiß ich noch nicht, das wäre zu recherchieren. Vielleicht wissen Sie da genaueres.  -Das! wird richtig spannend werden.  Und nochmals Dankeschön für den Beitrag.

A. Ostrovsky / 16.02.2022

Sechs verschiedene Länder ... Das ist zu viel für meinen Kopf. Ich habe also erstmal über Botswana gelesen. Ein Land, über das ich gar nichts weiß. Umso erstaunter bin ich, dass dort genau das selbe zur Verständigung führen soll, was früher und in anderen Ländern zu Konflikten geführt hat. Wenn die Eliten einer anderen Volksgruppe angehören, die auch noch eine andere Sprache sprechen, hat das bisher überall zu kaum lösbaren Konflikten geführt. Ich gebe zu bedenken, dass mir nicht einleuchtet, wieso das ausgerechnet in Botswana, und nur dort, zur gegenseitigen Verständigung führt. Selbst bei gleicher seltsamer Sprache und eigentlich gleicher Abstammung ist manchmal nur die Religionszugehörigkeit der Grund für unüberwindlichen Hass. Ich schaue nach Nordirland, nach Dunkeldeutschland, ins frühere Jugoslawien. Oder eine andere Sprache, oder nur ein anderer Dialekt, der die Feindschaft zwischen dem Schwaben und dem Badenser, dem Sachsen und dem Preußen, oder dem Oberbayern und Franken aufkochen lässt. Oder die Ukraine, oder das Elsass, oder die Bretagne? Die “Wende” in der DDR war nur die direkte Folge davon, dass beide Programme des DDR-Fernsehens vom berlinernden Klamauk beherrscht wurden und der Staatsratsvorsitzende aus dem Saarland kam. Die Stalinsche Nationalitätenpolitik ist krachend gescheitert, führt heute zu Bürgerkrieg und Grenzkonflikten. Einmal durch Umsiedelung geschaffene Tatsachen können nie wieder “rückgängig gemacht” werden, aber am Rande der Welt, in Botswana führt genau das selbe Konzept zur Völkerverständigung? Das kann nicht sein. Es muss eine andere Ursache für die Verständigung geben, oder es ist eine ideologisch gefärbte Illussion, dass daraus Frieden und Wohlstand erwächst.

Ludwig Luhmann / 16.02.2022

“Der Senegal ist ein Vorbild für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft. Senegalesen setzen sich aktiv gegen Intoleranz ein und haben das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen im Land befördert. Über 90 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an. Sie hängen in der überwältigenden Mehrheit den vier Sufi-Bruderschaften an, die einen toleranten Islam vertreten. Im Sufismus zeigt sich ein Islam, der den Koran nicht immer wörtlich nimmt. Im Senegal hat der Einfluss der mächtigen Sufi-Bruderschaften segensreiche Wirkung.”—- Und wenn auch die restlichen ~10% vom einzig wahren Glauben überzeugt wurden, dann drehen sich alle Sufi-Senegalesen*Innen im Kreis, bis das Paradies sie friedensvoll bruderschaftlich umhüllt. Ist das nicht ganz wunderbar? - Immerhin gibt es im Senegal ein Gesetz gegen Sklaverei. Das wäre etwas, was wir gebrauchen könnten, wenn die Impfpflicht kommt. Denn Sklaven haben keine die Hoheit über ihre Körper. Aber wen interessieren heute noch Rechte, wenn es um querdenkende Nazis geht?

Wilfried Cremer / 16.02.2022

Sehr geehrter Herr Seitz, das gleiche Missverhältnis, was Belohnungen für Fußballmeisterschaften angeht, gibt es in Europa auch. Hier handeln Spieler Prämien sogar im Voraus aus.

Volker Seitz / 16.02.2022

@Dr.Gerhard Maus Danke für die Blumen. Deutsche TV-Talkrunden schätze ich nicht, weil sie m.E. wenige interessante Informationen bieten. Ich habe noch nie eine dieser Shows zu Ende gesehen. Schade um die Zeit. Allerdings habe ich mir kürzlich erstmals eine Talkrunde von SERVUS-TV angeschaut und kann diese Art von Information, die alle Meinungen zu Worte kommen lässt, sehr empfehlen. Gerade weil Wegscheider und sein Servus-TV immer wieder diffamiert werden, empfehle ich jedem sich seine eigene Meinung zu bilden. Selbst im französischen Staats-TV gibt es mehr Meinungsfreiheit.

Rolf Mainz / 16.02.2022

“Der Senegal ist ein Vorbild für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft. Senegalesen setzen sich aktiv gegen Intoleranz ein und haben das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen im Land befördert. Über 90 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an.” Sorry, aber da musste ich lächeln. Wenn erst einmal 90% dem Islam angehören, dürfte das Zusammenleben tatsächlich erheblich einfacher sein. Vielleicht nicht unbedingt für die noch fehlenden 10%, aber in Summe schon. Sicher ein Erfolgsmodell auch für kommende Verhältnisse in Westeuropa.

Klaus Keller / 16.02.2022

Von Ruanda könnte man in der Ukraine ggf etwas lernen. Sie haben es schließlich geschafft ihr Land zu befrieden und das wahrscheinlich ohne viel Hilfe von außen. Vielleicht sogar deshalb. Bei den Seychellen war ich sehr überrascht. Die Erklärung ist einfach: Ich hatte das Land mit den Malediven verwechselt. Da kann man deutlich sehen wie sich scheinbar ähnliche Länder doch sehr unterschiedlich entwickeln. PS Danke für den Bericht und die Korrektur meiner Fehlwahrnehmung. PPS Was man jetzt vielleicht nicht denken sollte: Ob ein Staatsstreich in Deutschland wünschenswert ist? Bei uns ist es ja eher so das die Regierung den Bürgern einen Streich versetzt, was im globalen Maßstab allerdings die Regel ist.

Dr. Gerhard Maus / 16.02.2022

Sehr geehrter Herr Seitz, vielen Dank für Ihre immer sehr informativen Beiträge. Den heutigen Beitrag könnte man auch nennen: ” Es geht also doch - Good Governance in Afrika - auch wenn diese “guten” Staaten in der Minderheit sind.” Ich wünsche Sie mir als Teilnehmer in einer TV-Talkrunde (Laz o.ä.), in der es um Entwicklungshilfe geht. Fundiertes Faktenwissen gegen das sonst übliche “politische Geschwurbel”. Leider wird es dazu wohl nicht kommen - schade!

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