Volker Seitz / 16.02.2022 / 12:00 / Foto: Pixabay / 19 / Seite ausdrucken

Staatsstreiche, aber auch Lichtblicke in Afrika

Staatsstreiche im Monatstakt machen immer wieder Schlagzeilen, doch Afrika hat auch gute Nachrichten zu vermelden. Ein Blick in sechs Staaten, die vernünftig regiert werden und prosperieren.

Vom August 2020 bis heute gab es in Afrika sechs Staatsstreiche (2 x Mali, Tschad, Guinea, Sudan, Burkina Faso) und einen fehlgeschlagenen in Guinea-Bissau. Die amerikanischen Politikwissenschaftler Jonathan Powell und Clayton Thyne haben für den ganzen Kontinent mehr als 200 Putschversuche seit den späten 1950er Jahren gezählt, rund die Hälfte war erfolgreich. Wegen des Zorns über Korruption, Vetternwirtschaft und Wahlmanipulation wurde die erfolgreiche Machtübernahme durch die Militärs auf den Straßen oft ausgelassen gefeiert. 

Veye Tatah schreibt in Africa Positive Nummer 84, 2022: „Es war daher nicht verwunderlich, dass in Mali und Guinea das ganze Land und die Opposition für das Militär in Jubel ausbrachen. Sie sahen in der Militäraktion die dringend benötigte Befreiung, nach der sie sich lange gesehnt hatten. Sogenannte demokratische Regierungen trampeln in vielen Ländern Afrikas auf den Verfassungen. Sie unterdrücken die Bevölkerung, plündern die Staatskassen, anstatt eine Infrastruktur zu bauen, und kleben jahrzehntelang an der Macht“

Es gibt aber auch Staaten, wo ein Blick auf die Amtsführung der Regierungen lohnt. Diese – zugegeben – wenigen Staaten, die gut abschneiden, weil sie die Interessen und Nöte des Volkes halbwegs ernst nehmen, möchte ich kurz vorstellen: Botswana, Kap Verde, Ruanda, Senegal, Seychellen und Mauritius. 

Botswana

Botswana gilt als eines der stabilsten Länder Afrikas. Es hat sich gut entwickelt und konnte zuletzt ein hohes Wirtschaftswachstum verzeichnen. Ein Grundstein dafür war die erfolgreiche Politik der botswanischen Regierungen. In dem südafrikanischen Land gibt es acht große Volksgruppen, die zu einer Nation zusammenwuchsen. Ein zentrales Instrument war, die einzelnen Ethnien dazu zu bringen, sich gegenseitig kennenzulernen. Als Botswana 1966 von Großbritannien unabhängig wurde, begann die Regierung, Beamte, Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern quer durchs Land zu schicken. Oft gehörten sie einer anderen Ethnie an als die Menschen vor Ort. Viele fanden dort neue Freunde, gründeten Familien und bekamen Kinder. Trotz unterschiedlicher Volksgruppen und anderer Sprachen wuchs das Land so zusammen. 

Das Land von der Größe Frankreichs spielt eine Vorreiterrolle bei gutem Regierungsmanagement. An der Spitze steht der Staatspräsident, der nur einmal wiedergewählt werden darf. Als 1967 die ersten Diamanten in der Heimatregion des damaligen Präsidenten Seretse Khama entdeckt wurden, erklärte er sie sofort zu Allgemeinbesitz. Das kann man sich in anderen afrikanischen Staaten nicht vorstellen. Mit guter Regierungsführung und dem Diamantenabbau hat sich Botswana von einer armen, von der Viehzucht lebenden Gesellschaft in eine afrikanische Erfolgsgeschichte verwandelt. Botswana hat – anders als viele andere afrikanische Staaten – seine Ressourcen auf verantwortungsvolle Weise genutzt. Es hat ein beispielhaftes kostenloses Gesundheits- und ein vorbildliches Erziehungssystem. Das Land hat durch gute Bildungschancen die Geburtenrate nach unten drücken können. Sie sank in den letzten Jahren auf 2,9 Kinder pro Frau. Gleichzeitig konnte die Sterblichkeitsrate bei Kindern reduziert werden. Botswana hatte zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit ca. fünfzehn Kilometer Teerstraßen. Heute gibt es überall im Land die nötige Infrastruktur. Es gibt eine gute Bankeninfrastruktur, Gesundheitszentren und ein funktionierendes Internet. 

Die Staatsführung investiert die hohen Einnahmen aus den Diamantenvorkommen in die Infrastruktur, besonders in die Sektoren Gesundheit und Telekommunikation, und lässt die Gelder nicht wie andernorts in Afrika in den Taschen der Machthaber verschwinden. Es gibt ein soziales Sicherheitsnetz. Arbeitslose erhalten Grundnahrungsmittel. Ein soziales Entwicklungsprogramm bietet beispielsweise kurzfristige Beschäftigung für Arbeitslose an. Außerdem gibt es ein Rentensystem. Die Rohstoffeinnahmen fließen in einen Staatsfonds – ähnlich dem Fonds in Norwegen. Dieses Geld soll zukünftigen Generationen erhalten bleiben, angespart für eine Zeit, wenn die Diamantenquellen einmal versiegt sein werden. Es besteht Konsens, den Fonds im Wesentlichen unangetastet zu lassen. 

Einen weltweiten Erfolg feierte Alexander McCall Smith mit seiner Mma Ramotswe-Reihe. Seit 1999 erscheinen die Geschichten über die sympathische, resolute botswanische – traditionell gebaute – Privatdetektivin unter dem englischen Originaltitel "The No. 1 Ladies' Detective Agency". Er schildert in den Büchern den Alltag in Botswana realistisch und atmosphärisch dicht. 

Kap Verde

Das frühere portugiesische Überseegebiet Kap Verde (Capo Verde) ist ein Inselstaat vulkanischen Ursprungs aus neun bewohnten Inseln – mit grünen Bergen, kargen Felsen und weiten Stränden – im östlichen Nordatlantik vor der Westküste Afrikas. Kap Verde ist heute eine der wenigen gefestigten Demokratien in Afrika. Nach der Unabhängigkeit wurde das Land von einer marxistischen Einparteiendiktatur regiert. Bei den Präsidentschaftswahlen 2001 wurde Pedro Verona Rodrigues Pires zum Präsidenten gewählt und 2006 im Amt bestätigt. 2011 erhielt er den renommierten Mo Ibrahim Preis, mit dem vorbildliche ehemalige afrikanische Staatschefs ausgezeichnet werden. Begründung der Jury: „Er hat das Land in ein Modell für Demokratie, Stabilität und zunehmenden Wohlstand verwandelt.“ Seit November 2021 ist José Maria Neves Staatspräsident. 

In der Rangliste des renommierten Ibrahim Index of African Governance liegt das Land nach Mauritius und Seychellen an dritter Stelle. Der Mo Ibrahim Preis wurde seit Gründung der Stiftung im Jahre 2007 erst sechsmal vergeben. Die Standards, die an den Gewinner gestellt werden, sind hoch und die Zahl potenzieller Kandidaten gering. In der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit – auch ein Zeichen für Machtkontrolle – von „Reporter ohne Grenzen“ liegt Kap Verde noch vor Australien, Portugal, Spanien und Frankreich. 

Exportiert werden Fisch (vor allem Thunfisch), Langusten, Zuckerrohr, Bananen, Textilien, Thunfisch-Konserven, Halbfertigwaren wie Schuhe und Lederwaren. Der Tourismus trägt etwa zehn Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Kap Verde gehört zu den trockensten Staaten der Welt. 90% der Lebensmittel müssen eingeführt werden, da nur 11% des Bodens landwirtschaftlich nutzbar ist. Angebaut werden neben Zuckerrohr (aus dem das Nationalgetränk Grogue hergestellt wird) Bananen, Maniok, Süßkartoffeln, Papaya, Avocado, Guaven und Mangos. Die geringen natürlichen Ressourcen und der Wassermangel schränken die Entwicklungsmöglichkeiten ein. Der Archipel ist seit Jahren ein beliebtes Touristenziel. 

Ruanda

Auch Ruanda entspricht ganz und gar nicht dem Klischee des hoffnungslosen Kontinents. Es wurde unter der Führung des Präsidenten Paul Kagame zu einem Vorzeigebeispiel für ein Land in Afrika, das vorankommt, ein rarer Lichtblick. Gute Regierungsführung hat sich zum Nutzen der Bevölkerung ausgezahlt. Der öffentliche Nahverkehr gilt als einer der modernsten in ganz Subsahara-Afrika: Auf rund 200 Kilometer frei von Schlaglöchern und breiten Asphaltstraßen fahren 560 Busse. Viele bieten kostenlos Wifi, und dank Chipkarten-Lesegeräten können die Menschen bargeldlos bezahlen. Um die Zahl der Nutzer zu erhöhen, werden Smartphones in Ruanda steuerfrei verkauft. Die Wirtschaft der jungen Nation boomt, und die Lebenserwartung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Der Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, konnte in fünf Jahren um zwölf Prozentpunkte auf 45 Prozent gesenkt werden. Das Jahreseinkommen pro Kopf hat sich auf 2020 auf 816 US-Dollar erhöht. (Zum Vergleich die ungleich reichere Demokratische Republik Kongo 544 Dollar.) Das ist das Verdienst der Regierung von Paul Kagame. Immer mehr in den Kriegswirren ausgewanderte Ruander kommen zurück. 

Nicht weniger als 41 Prozent der nationalen Ausgaben fließen in Gesundheit und Bildung. Die Führung des Landes hat verstanden, wie stark der Wohlstand und Lebensqualität eines Landes von der Bildung abhängt. Der Zugang zu primärer Schulbildung ist für Jungen und Mädchen gewährleistet. Ruanda hat eine Einschulungsrate von nahezu 100 Prozent. Die Anstrengungen lohnen sich. Das Bildungsniveau ist ein zuverlässiger Gradmesser für die langfristige Wohlstandsentwicklung und Stabilität des Landes. Es spielt eine Vorreiterrolle bei gutem Regierungsmanagement. Es hat eine qualitativ hohe Bildungsinfrastruktur. Was dort seit 20 Jahren passiert, ist eindrucksvoll. Das Land hat nach dem Völkermord das Beste aus der Situation gemacht. In der Nachkriegszeit mussten Frauen Führungsaufgaben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen und für den Wiederaufbau sorgen. 

Senegal

Betrachtet man die gesamte westafrikanische Region, ist Senegal seit der Unabhängigkeit 1960 von Frankreich ein politisch stabiles Land, das stolz auf seine demokratische Tradition ist. Seine politische Stabilität zieht mehr und mehr Investoren an. Direkte ausländische Investitionen stiegen seit dem Amtsantritt von Präsident Macky Sall 2012 um acht Prozent. Im letzten Doing-Business-Ranking der Weltbank ist das Land in die TOP 5 der Reformländer aufgestiegen. 

Der IWF schätzt das jährliche Wachstum von 2020 und 2021 mit durchschnittlich 7,5% bzw. 7,0% ein. Die Öl-Einnahmen sollten laut IWF einen positiven Effekt auf die Bautätigkeit haben. Aufgrund der Stabilität und einer weitgehend effizienten Verwaltung zieht das Land direkte ausländische Investitionen an. Steuern und Abgaben machen 60 Prozent des Budgets aus. Gemäß der Standard Chartered Bank ist der Senegal das einzige Land des Kontinents, das das Staatsdefizit (déficit public) in drei aufeinander folgenden Jahren verringern konnte. 

Der Senegal ist ein Vorbild für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft. Senegalesen setzen sich aktiv gegen Intoleranz ein und haben das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen im Land befördert. Über 90 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an. Sie hängen in der überwältigenden Mehrheit den vier Sufi-Bruderschaften an, die einen toleranten Islam vertreten. Im Sufismus zeigt sich ein Islam, der den Koran nicht immer wörtlich nimmt. Im Senegal hat der Einfluss der mächtigen Sufi-Bruderschaften segensreiche Wirkung. Es gibt einheimische und importierte Bruderschaften. Die Layene und die Mouriden (ein Drittel der Muslime gehören dieser Bruderschaft an) stammen aus dem Senegal selbst, die Tijaniyya (etwa die Hälfte) wurde im 18. Jahrhundert von einem Berber gegründet, und die Qadiriyya entstand bereits im 12. Jahrhundert in Bagdad. 

Präsident Macky Sall ist Mouride, wenig überraschend, doch seine Frau, die première dame, gehört der Tidjane-Bruderschaft an. Das spricht wieder für die tolerante Religionsausübung im Senegal. Das Land ist bislang von Terror verschont geblieben, Ethnien und Religionen leben weitgehend friedlich miteinander. Die Bruderschaften kämpfen gegen extremistische Strömungen und predigen Frieden und Toleranz. Die Bruderschaften sorgen für Stabilität und sozialen Zusammenhalt. Sie bieten Wirtschaftsnetzwerke und soziale Absicherung. 

Seychellen

Die Republik Seychellen besteht aus 115 Inseln im Indischen Ozean. Südlich der Seychellen liegen die Komoren, Mauritius und Madagaskar. Ein langer Streit über die Inseln zwischen Frankreich und Großbritannien endete 1814. Von 1903 bis 1976 waren die Seychellen eine britische Kolonie. Unter britischer Herrschaft waren die Seychellen zunächst Teil der Kolonie Mauritius. Selbstverwaltung erlangten sie 1976. 

Die Seychellen sind seit langer Zeit politisch stabil. Bei den Wahlen 2020 kam es zum ersten demokratischen Machtwechsel seit der Unabhängigkeit im Jahr 1976. Beim Korruptionsindex belegen die Seychellen den Spitzenplatz in Subsahara-Afrika. 

Die Seychellen befinden sich ziemlich genau am Äquator. Die Hauptstadt ist Victoria, benannt nach der britischen Königin. Die Seychellen sind ein Naturparadies. Mehr als die Hälfte des Landes steht unter Naturschutz. Die drei Hauptinseln sind Mahé, Praslin und La Digue. Die Wasserversorgung hängt von der Menge des gewonnenen Regenwassers ab. Der Tourismus ist wichtigster Arbeitgeber und Haupteinnahmequelle des Landes. Der Tourismus erwirtschaftet – auch dank unaufgeregter Corona-Politik – etwa 70 Prozent der Deviseneinnahmen. (Übrigens ein Geheimtipp für ungeimpfte Europäer.) Das Bettenangebot wird bewusst beschränkt, um ein Überangebot zu vermeiden. Hotelanlagen unterliegen strengen Vorschriften: Kein Gebäude darf die Baumkronen überragen. 

Wirtschaft: Es gibt es eine Thunfischkonservenfabrik mit etwa 2.000 Beschäftigten. Sie produziert ca. 40.000 Tonnen Thunfisch in Dosen pro Jahr. Die traditionelle Küstenfischerei deckt den heimischen Bedarf und Edelfisch (z.B. Red Snapper, Baracuda-Snapper, Gabelflossen-Snapper, Kaiser-Snapper) wird nach Mauritius und Europa exportiert. Die Strände zählen zu den schönsten der Welt. Auf den Seychellen wachsen Bananen, Kokosnüsse, Papayas, Mangos, Ananas, Zitrusfrüchte, Äpfel und Melonen. 

Mauritius

Mauritius ist ebenfalls eine der wenigen Erfolgsgeschichten in Afrika. Es ist eine rechtsstaatliche Demokratie mit weltoffenen Bürgern. Seit der Unabhängigkeit entwickelt sich die Insel positiv. Der Inselstaat Mauritius – vulkanischen Ursprungs – gehört auch zu den am besten regierten Ländern in Afrika. Das Land belegt Spitzenplätze im Economic Freedom Index, im Doing Business Ranking und beim Korruptionswahrnehmungsindex. 

Nach 150 Jahren britischer Herrschaft wurde Mauritius am 12. März 1968 unabhängig. Mauritius hat eine stabile Demokratie mit regelmäßigen freien Wahlen und eine positive Bilanz bei der Durchsetzung von Menschenrechten. Dadurch hat das Land bedeutende ausländische Investitionen angezogen und eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Afrika. In den letzten Jahren haben Naturkatastrophen und der fallende Preis für Zucker dazu geführt, dass sich das Wachstum verlangsamt hat. Die Volkswirtschaft stützt sich auf Zucker, Tourismus, Textilien und Bekleidung sowie Finanzdienstleistungen. Zudem dehnt sie sich auf weitere Bereiche aus: Fischverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Entwicklung des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Immobiliensektors. Mauritius hat durch eine konsequente Öffnungspolitik als Touristenstandort sowie als Freie Produktionszone komparative Vorteile ausgenutzt. Längst ist der Tourismus Einnahmequelle Nummer 1. 

Den Aufstieg von Mauritius in den letzten Jahrzehnten kann man nachvollziehen, wenn man Nobelpreisträger V.S. Naipaul liest. Er berichtet in seinem Buch „Die letzte Kolonie“ (deutsch 2005, Claasen, Berlin), dass im Jahre 1972 noch viele Mauritier eine Anstellung als Krankenpfleger im Ausland suchten, weil die Arbeitslosigkeit ein großes Problem darstellte. Er schreibt: „Krankenpfleger sind die einzigen Mauritier, die man im Ausland willkommen heißt. Die Mauritier sind eine Nation von Krankenpflegern.“ Heute hat Mauritius die höchste Lebenserwartung aller Staaten in Sub-Sahara-Afrika. Gleichzeitig mit 1,5 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate. 

Mauritius ist ein Vielvölkerstaat. Die indischstämmige Bevölkerung ist mit 70 Prozent in der Mehrheit. 30 Prozent sind Kreolen und Afrikaner. Die meisten Bewohner sind Hindus, ein Drittel sind Christen und es gibt eine muslimische Minderheit. 

Heute ist die Insel, mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als Köln, demokratisch, rechtsstaatlich, friedfertig (ohne Militär) und weltoffen. Das Pro-Kopf-Einkommen ist deshalb an der Spitze Afrikas. Kaum ein Mauritier will noch auswandern. Mauritius hat immer wieder neue Geschäftszweige aufgebaut, Tourismus, leistungsfähige Textil- und Bekleidungsindustrie, Call-Center, Finanzdienstleistungen, Informations- und Telekommunikationstechnologien sowie „Business Outsourcing“. Das Land profitiert von seiner Zeitzone zwischen Afrika und Asien. 

Angesichts fehlender landwirtschaftlicher Flächen kann sich das Land nicht selbst ernähren. Hauptlieferländer für Nahrungsmittel sind Australien, Spanien, Frankreich, Indien, Neuseeland und Südafrika. Die mauritische Sozialpolitik ist im afrikanischen Kontext vorbildlich. Die Regierung setzt auf Infrastrukturprojekte, insbesondere im Hafenbereich („Ocean Economy“), um den Fischereisektor zu stimulieren und Investitionen für die Fischverarbeitung zu fördern. 

Fazit

Der Schlüssel zum Erfolg waren und sind in den genannten Staaten politisch geschaffene Rahmenbedingungen, die Unternehmern und Investoren den nötigen Freiraum geben. Dadurch wurde Arbeit und Einkommen geschaffen. Die eigenen Antriebskräfte stehen in diesen Staaten im Vordergrund. Es wurde, vorwiegend aus eigener Kraft, erreicht, was viele Afrikaner für ihr Land nur zu träumen wagen. Es sind Länder, die bescheidenen Wohlstand bieten, zu dem auch Sicherheit – und damit auch keine Staatsstreiche – gehört. Um dies zu erreichen, bedurfte es starker und verantwortungsbewusster Institutionen, Standards und Denkweisen. Was sich dort in den letzten Jahren getan hat, nötigt Respekt ab.

PS.: Kaum hatte ich diesen Artikel beendet, berichtete africa-live.de, dass der senegalesische Präsident Macky Sall jedem Spieler und Betreuer, der an der kontinentalen Fußballmeisterschaft, dem Afrika-Cup, beteiligt war, gönnerhaft Geldprämien im Wert von 50 Millionen CFA (76.495 Euro) und zwei wertvolle Grundstücke in der Hauptstadt Dakar und der neuen Stadt Diamniadio geschenkt hat. 

Die meisten Spieler werden in europäischen Ligen sehr gut bezahlt. (Der Afrikameister vom FC Bayern, Bouna Sarr, bezieht z.B. ein Jahresgehalt von 2,5 Mio. €, und Sadio Mané vom FC Liverpool erhält 6 Mio. € im Jahr, also – nicht nur für Senegalesen unvorstellbare – mehr als 17.000 € pro Tag.) Deshalb ist dieses Geschenk eine Provokation für die meisten Senegalesen, die nur ein geringes Einkommen haben. 

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte 11. Auflage erschien am 18. März 2021. Volker Seitz publiziert regelmäßig zu afrikanischen Themen und hält Vorträge (z.B. „Was sagen eigentlich die Afrikaner“, ein Afrika-ABC in Zitaten).

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Holger Kammel / 16.02.2022

@ArneAusländer Natürlich haben sie in gewissem Sinne recht. Ich bin als junger Mann dem Suffismus in Nordafrika begegnet und war überrascht. Die mystische Auffassung des Gottesglaubens und die Friedfertigkeit und Toleranz haben mich verblüfft. Ich habe meine Zweifel, daß sich diese Form der Religion durchsetzt. Historisch ist eins klar.  Wir reden über die Untaten der Kreuzritter. Für die Untaten der Söhne Allahs bei der Eroberung des ehemals christlichen Nordafrikas und des nahen Ostens gibt es entweder keine Zeugen oder es wird bagatellisiert. Heute wird der Toten des Amoklaufs von Hanau gedacht. Mit Verlesung der Namen der Opfer im Bundestag. Wie war das eigentlich mit dem kleinen Jungen, der in Frankfurt vor einem einfahrenden Zug gestossen wurde. Vergessen?? Kennt jemand die Namen der Opfer auf dem Breitscheidtplatz? Wir haben das"beste Deutschland aller Zeiten.”

Peter Herrmann / 16.02.2022

Langsam beginne ich eine ungewöhnliche Form des Patriotismus zu entwickeln. Nur weil Togo nicht in ein westliches Beurteilungsraster mit Preisverleihungen und BIP passt, gehört es nicht zu den favorisierten Ländern. Das empfinde ich als schade. Hier leben viele Religionen friedlich nebeneinander und der Präsident wurde einigermaßen ordentlich gewählt. So lange wie Frau Merkel auch. Im Gegensatz zu Deutschland und der erwähnten Dame hat der Präsident in politischen Positionen weitgehend intelligente Menschen um sich. Beurteilungskriterien sollten auch nicht nur politisch sein. Es gibt prima Essen in Togo und sehr viel mehr asphaltierte Straßen als in den beschriebenen Musterländern. Es gibt hier eindeutig weniger Diebstahl von Regierung über Steuern als in Deutschland und auch weniger Korruption. Nicht alles ist gut, wir sind nicht das Paradies, aber Kinder lernen in der Schule ohne Maske. Und nicht nur Togo entwickelt sich. Erst gestern schwärmte mir ein Franzose von der tollen Entwicklung in der Republik Benin vor. Mit Gesundheitszentren in gigantischem Ausmaß und enormem wirtschaftlichen Wachstum. Bis man in Westafrika auch sowas wie Autos bauen kann wird es noch eine Weile dauern, aber Lebensqualitäten steigen. Ganz nebenbei: So ein kleiner Putsch würde vielleicht auch Deutschland gerade gut tun.

robert schleif / 16.02.2022

Ich habe 2019 den Senegal bereist und versucht, so viel wie möglich zu erfahren. Ja, dort sind kein Mord und Totschlag, keine Hungersnot, keine extreme Armut, kaum Repressionen - aber Dreck, Schlendrian, Korruption, (gutmütige) Unfähigkeit, extremes Bevölkerungswachstum, Perspektivarmut, Ungerechtigkeit, frecher französischer Neokolonialismus… Bezeichnend, wenn selbst so ein Land schon als positives Beispiel dient! Und auf den Seychellen, Kapverden und Mauritius geht es vielleicht deshalb so gut, weil sie gar nicht zu Afrika gehören!

Walter Prinz / 16.02.2022

Ich lese die Artikel von Volker Seitz immer sehr gerne; nicht nur recherchiert er gut (wie bei der Achse durchaus üblich), sondern, er schafft es auch, sich auf den eigentlichen Inhalt zu konzentrieren, ohne diesen durch exzessive Polemik und Häme in den Hintergrund zu drängen (dies ist leider mittlerweile auch sehr üblich bei der Achse).

Siegfried Meissner / 16.02.2022

Habe noch nie etwas über Botswana gelesen. Es war für mich ein afrikanisches Land = Kinder mit Fliegen im Gesicht und kurrupte Regierung. Hätte nicht gedacht, daß es auch anders geht. Ein sehr interressanter Artikel.

Wolfgang Kolb / 16.02.2022

Hallo Herr Seitz, Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel. Es ist erfrischend zu sehen, dass es auch Positives aus Afrika zu berichten gibt. Danke für den Buchtip, muss ich unbedingt verfolgen.

herman Sattler / 16.02.2022

Mit großer Freude habe ich die interessanten Artikel gelesen. Da kann man doch sicher erwarten, dass diese Länder demnächst ihre armen Nachbarn tatkräftig unterstützen und damit aktiv beitragen,dass die Landflucht und die Versteppung unbearbeiteter Gebiete sicher gestoppt wird.. Und wer den Spaten und die Hacke nimmt, kann sich mit Brunnen und Unterstützung auch bald selbst ernähren. Im übrigen empfehle ich, bzgl. riesiger D- Entwicklungshilfe nachzuforschen, wie viele Milliarden D seit 1950 bis heute bezahlt hat-von unseren Steuern und Abgaben. Leider große Teile nicht zielgerichtet und nicht kontrolliert(Goldene Betten, mit D-Geld Panzer gekauft u.Ä.) Und keine Geburtenkontrolle obligatorisch verlangt wurde. —Wären diese Milliarden zielgerichtet kontrolliert verwendet worden, dann müssten inzwischen große Landstriche in A blühende Landschaften sein. Ebenfalls völlig kontraproduktiv bzgl. A ist die Tatsache. dass Neukolonisten hier in Masse in einer Höhe Gegenleistungs-frei alimentiert werden, dass die den Teufel tun werden, ihr Land “im Schweiße ihres Angesichts” mühsam zu beackern. Kann man verstehen, muss man aber nicht akzeptieren.

Valentina Zweifel / 16.02.2022

In Ruanda können also “dank Chipkarten-Lesegeräten (...) die Menschen bargeldlos bezahlen”. Besonders für die Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, muss das eine enorme Erleichterung im Alltag sein. Es ist ja auch wirklich lästig, dieses Bargeld. Wenn es demnächst keins mehr gibt auf der Erde, werden alle Menschen glücklich sein!

Daniel Oehler / 16.02.2022

Der mit Abstand größte Optimist bezüglich der Zukunft Afrikas war der in jeder Hinsicht einzigartige Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi. In seinem Grünen Buch - herausgegeben von der Akademie des Grünen Buches in Tripolis - hat er folgende These vertreten: Die Vergangenheit habe der gelben Rasse gehört, die Gegenwart gehöre den Weißen und die Zukunft den Schwarzen. Und damit hat er nicht die Unionsparteien in Deutschland gemeint. Er hat es ja auch mit der Einführung einer goldbasierten Währung in Afrika versucht. Das missfiel Frankreich, dass seine Ex-Kolonien in Afrika gezwungen hat, den Kolonial-Franc als Währung zu haben und einen erheblichen Teil der nationalen Reserven in Paris zu lagern. Der größtmögliche Lichtblick für Westafrika wäre es, die französische Herrschaft abzuschütteln und sich weniger bevormundende Partner zu suchen.

R. Korlitzki / 16.02.2022

Zu A. Ostrovsky: Vielleicht liegt es daran, dass der Staatschef in Botswana eine englische Mutter hat und deshalb nicht “vollständiges” ethnisches Mitglied des Stammes war und insoweit von “außerhalb” agieren konnte. Es fehlte an der für uns nicht mehr nachvollziehbaren Bindung an Stamm und Großfamilie. Weil er erfolgreich agierte, waren viele einverstanden. Ein Regierungsmitglied sagte mir: ’ Wir müssen Englisch mit ihm reden, unsere Sprache beherrscht er nicht’. Gleiches galt für Ghana unter J.J. Rawlings. 1979 geputscht, um gegen die Korruption vorzugehen. Versprochen, die Macht nach sechs Monaten wieder an eine gewählte Regierung abzugeben, was geschehen ist.  Diese neue Regierung -  gewählter Staatschef war der frühere Geheimdienstchef - war noch korrupter als die vorherigen. Also putschte J.J.Rawlings erneut und behielt die Macht. Nach 1990 zog die Demokratie auch in den afrikanischen Ländern wieder ein, da das bisherige Manövrieren zwischen Moskau und Washington nicht mehr so zu spielen war.  J.J. Rawlings wurden danach zweimal mit großer Mehrheit demokratisch zum Staatspräsidenten gewählt, er war von Juni 1979 bis September 1979 und danach von 1981 bis 2001 im Amt. Im Gegensatz zu anderen militärischen Staatsoberhäuptern hatte er sich als Staatschef nie im Rang befördern lassen, sondern blieb, was er 1979 war, Fliegerhauptmann. Sein Vater war Schotte. Wir kennen Afrika nicht und sehen es durch unsere europäische Brille. Die Afrikaner haben eine andere Brille auf.

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