Vergessen Sie Hesse, Hölderlin, Habeck und Habermas. Sie wissen nichts. Sie sind noch nicht zum Kern der Dinge durchgedrungen. Zur Kinderbuchliteratur. Waren „Max und Moritz“ und der Struwwelpeter schon grausam, waren Grimms Märchen oder die Bibel voll mit Mord und Totschlag und Inzest, dann ist das nur ein ganz kleiner Teil dessen, was man heute Kindern zumuten darf.
Diese Buchbesprechung widmet sich heute einem Kleinod der deutschen Kinderbuchliteratur, staatlich gefördert von der „Stiftung Lesen“, deren merkwürdiges Angebot sich laut Eigentext „gezielt an Familien sowie an Erzieher*innen, Lehrer*innen und andere Fachexpert*innen“ richtet, die des deutschen Gerndersternch*innens mächtig sind. Und genau dafür arbeitet die Stiftung – wer auch immer da literarisches Unheil gestiftet hat - „eng mit Ministerien, wissenschaftlichen Einrichtungen, Verbänden, Unternehmen und anderen Stiftungen zusammen.“ Aber die Brandstiftung kann noch mehr: „Die Stiftung Lesen führt in enger Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesministerien, wissenschaftlichen Einrichtungen, Stiftungen, Verbänden und Unternehmen bundesweite Programme, Kampagnen, Forschungs- und Modellprojekte durch, zum Beispiel den Bundesweiten Vorlesetag im November.“
Und damit immer noch nicht genug, und jetzt begebe ich mich auf dünnes, delegitimierendes Eis: „Die Stiftung Lesen steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.“ Das kann natürlich nur ein Schirm in Regenbogenfarben sein. Neben ganz vielen anderen Professordoktorhups*innen der Geschwätzwissenschaften ist mir ein Name besonders ins Auge gefallen: Katja Kipping ist mit dabei. Sie haben von ihr sicher schon gehört, sie bringt als Qualifikation folgende Eigenschaften mit (und WEHE, Sie lachen jetzt!):
Ein freiwilliges soziales Jahr, ein erfolgreiches (!) Magisterstudium der Literaturwissenschaften (schätzungsweise Marx und Engels und Lenin und Otto Pieck und wie die ganzen DDR-Granden hießen), leider „ein reichliches Vierteljahrhundert Arbeit in der Parteipolitik“ bei der Ex-SED, diese Karriere beschloss Katja „mit der Arbeit als Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin“. Danach musste sie sich bekanntlich beruflich neu orientieren, und das hat sie getan: Sie „nutzte die Zeit der beruflichen Neuorientierung für ein Masterstudium Personalmanagement“ und, jetzt kommts, „für das Engagement als Rettungsschwimmerin bei Schwimmkursen“. Kein Witz. Ich nehme Sie nicht auf den Arm. Steht da. Rettungsschwimmerin. Im Lesekreis. Aber: „So verschieden die Einsatzfelder sind, so gibt es einen roten Faden – die Leidenschaft für Sozialpolitik“. Oh ja!
Eine erzieherische Wirkung mit nachhaltiger Memorierung
Katja Kipping und die anderen überforderten und überförderten Linksausleger unterstützen ein wunderbares Kinderbuch ab zwei Jahren, dessen Inhalt auf pädagogisch kleinkindgerechte Weise den jungen Pionier*innen die Themen Inklusion bei gleichzeitig akustischer Reflektion des Gehörten oder Gelesenen nicht nur im Habermasschen Sinne, sondern auch, nicht ohne subtil-ironische Subtexte zum Kantschen Imperativ unter Berücksichtigung sozialistischer Umverteilung und chemischer Kriegführung zu nehmen, ganz ohne antiautoritäre Plattitüden eine erzieherische Wirkung mit nachhaltiger Memorierung des zu erziehenden Antagonisten ohne ideologische Scheuklappen erzielen will. Oder so.
Das bahnerbrechende Werk „Willi Wutpups“ mit dem Untertitel: „Achtung stinkig“ darf heute getrost in jedem Kinderzimmer fehlen. Ich gebe zu, nach der Lektüre mit der dreijährigen Nichte war ich das auch. Stinkig. Verbrochen hat dieses Machwerk an Schwachsinn eine gewisse Anne Scheller als Texterin, und Tim Zänker hat die Bilder gemalt, mutmaßlich als Therapie. Das Buch kommt auf bissfestem Karton und hat noch ein interaktives Gadget dabei, dazu aber gleich mehr.
Willi Wutpups ist ein „Wockergneiß“, was sich – vielleicht nicht ganz unzufällig – irgendwie mit „Woker Greis“ assoziieren lässt. Sie, liebe Lesende, wissen nicht, was ein „Wockergneiß“ ist? „Dann“, so geht es pädagogisch gleich voll ins Mett, „hören Sie mal gut zu!“ (Sie Nazi): „Wockergneiße haben zwei Beine und einen Schwanz, Schuppen wie ein Krokodil und eine lange Zunge, mit der sie ihre eigene Nase abschlecken können.“ Geben Sie es zu: Sie haben soeben eine Drag-Queen vor ihrem geistigen Auge gesehen!
Der Protagonist des Buches ist der Wockergneiß Willi, der eigentlich so wie alle anderen Phantasiegeschöpfe auch ist: Er frisst Pilze wie nix Gutes, „spielt gerne Verstecken, wenn er froh ist, lacht er, wenn er traurig ist, weint er.“ Awww. Nur wenn er wütend ist: Dann hat er so ein kleines Darmproblem. Er furzt dann. Laut dem Buch sehr stinkig und unangenehm. Kennt man ja. Und jetzt kommt das interaktive Gadget ins Spiel: Rechts unten befindet sich ein Plastikknopf. Den soll Ihre kleine Leseratte am Ende einer jeden Seite drücken, wenigstens drei verschiedene Furzgeräusche konnte ich identifizieren. Pfarrrz. Bei einem hatte ich das Gefühl, da war jetzt, wie man so schön sagt, „Land dabei“.
Von einer sozialistischen Rettungsschwimmerin empfohlen
Willi kann also verschiedene akustische, aber, wie uns das Buch wissen lässt, auch optisch unterschiedliche Gasblasen ausstoßen: Die Bandbreite reicht von Hellrosa über Dunkelrot (was ich persönlich untersuchen lassen würde) bis hin zu „finsterstem Grau“. Was für Pilze muss man dafür genascht haben? Also, als Autor? Beschrieben werden die Flatulenzen des furzenden Vollidioten als „Mini-Sturm, dass die Blätter an den Bäumen wackeln. Dazu wirbelt eine Stinkewolke aus seinem Po, die den stärksten Wockergneiß umhaut.“ Bitte vergegenwärtigen Sie sich, dass dieses literolfaktorische Machwerk von einer Institution mit Akademikern und einer sozialistischen Rettungsschwimmerin empfohlen und gefördert wird. Wer es also rund machen will, sollte vor dem Vorlesen und Furzknopf drücken als Laktoseintoleranter 250 Gramm Hüttenkäse gefuttert haben. Das macht es noch authentischer und erlebbarer.
Willi Wutpups, die stinkende Ausgeburt der linkswoken Hölle, gerät mit einer anderen woken Geisel namens Hilli in einen Streit über das Besitzrecht an einem Pilz, und was macht er dann? Bitte rechts unten auf den Knopf drücken. Seine jetzt Ex-Freundin Hilli bekommt den hellroten Wutfurz (steht so da, ich kann nix dafür) ins Gesicht und beschwert sich über das Odeur. Das macht den Protagonisten noch wütender und dann stößt es sich den Fuß und das macht ihn erst recht wütend, und er lässt die Winde wehen. Hilli verzieht sich, verständlicherweise, und Willi trottet traurig auf sein Wohnklo und beschließt, künftig einzuhalten.
Am nächsten Tag ist Pilzpartei, und unser Willi kneift buchstäblich die Arschbacken zusammen, damit nicht „na du weißt schon“ passiert. Deswegen wird sein Kopf aber roter (oder röter?) als das Parteibuch von Katja Kipping, was wiederum den „großen Günter“, einen blauen Wokrian, zum Lachen bringt. Und dann passiert es: Die Natur nimmt ihren Laut und pffrrt. Die Knallgasexplosion beschreibt die Autorin so: „Er knattert und rattert, er bumst und knallt“. Auf jeden Fall furzt Willi die Pilzparty derart ein, dass alle gaskrank fliehen.
Nachdem Willi also wie ein Silvesterkracher hochgegangen ist, hockt er allein in den stinkenden Trümmern seines Werks. Lediglich die vollgefurzte Hilli erkundigt sich, wie es unserer Stinkmorchel geht und bietet wie Merz Klingbeil an, „zusammen aufzuräumen“. Mit der Zeit trudeln auch die anderen Idioten wieder ein, sogar der große blaue Günter. Prompt rutscht Willi Wutpups auf einem Luftballon aus, nimmt das aber erstaunlich gelassen, bis Günter, die blaue Sau, ihn wieder auslacht und was passiert? Push the Button rechts unten. Diesmal fallen aber die Wutwichtel nicht ohnmächtig vom Stängelchen, sondern, Obacht, der blaue große Günter entschuldigt sich! Jawohl! Und die Moral von der Geschicht? „Zum ersten Mal klingt der große Günter ganz klein“, mutmaßlich, weil er Angst vor einer neuen Gasattacke hat. Ja, und unser Willi? „Ich bin nicht bloß Willi“ stellt der fest. „Ich bin Willi Wutpups!“ Denn „er weiß jetzt, dass die Wut mit allen Farben zu ihm gehört. Aber er weiß auch, dass er nicht immer drauflosknattern muss.“
Und, in Fettdruck: „Er ist okay so, wie er ist.“ Alle freuen sich und die Sonne kommt hinter der Gaswolke hervor. Willi feiert mit den anderen draußen, was sinnvoll ist, solange keine Gasmasken ausgegeben werden, und er feiert sein neues Selbstbewusstsein mit einem… Und tatsächlich: Er furzt (hihi), sie ahnen es bereits und drücken das Gadget rechts unten, einen Regenbogen. Kein Witz! Pfarrrtz. Und ich stelle mir meine Nichte mit 30 als Managerin auf der mittleren Führungsebene der Deutschen Bank vor, wie sie mitten im Meeting „okay so ist, wie sie isst“. Und die chinesischen Übernehmer und Unterhändler fluchtartig den Raum verlassen. Gelernt ist gelernt. Ich freue mich jetzt schon wie Bolle auf die nächsten Bände „Käthe Kotz“, „Rudi Rülps“ und „Otto Orgasmus“. Natürlich wieder mit akustischem Gadget. Bleiben Sie dran!
(Weitere Wutwürze des Autors unter www.politticker.de)
Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten
Beitragsbild: Richard Newton (1777-1798) - The US Library of Congress, ref http://hdl.loc.gov/loc.pnp/cph.3g08788, Public Domain, via Wikimedia Commons

Boh es geht immer noch tiefer. Dieses Land ist noch nicht ganz unten. Die hier Machthabenden -aussen -und -innen – können mich mal sowas von….
Tim Zänker, der Illustrator, scheint kein 175er zu sein, denn als solcher würde er den Anus nicht dort vermuten. wo er ihn vermutet. – Schlimmer geht immer, sagt man wohl. Im Bestand an Kinderbüchern fand sich bei einer guten Freundin leider ein ähnliches, wohl auch von SPD und Grünen gefördertes Machwerk, das von der ersten bis zur letzten Seite die Frage ventilierte, von wem die abgebildete (Kot-)Wurst stammt, der Haufen, die Spritzer usw. Der Vater der Kinder, Dr.med.auf dem Weg zum Facharzt für Chirurgie, kam aus einer Zahnarztfamilie, wo man offensichtlich andere Bücher, Fachliteratur natürlich ausgenommen, nicht kannte.
Nach der großen Geschichte widmen Sie sich jetzt der Kinderliteratur? Mehr habe ich von Ihnen auch nicht erwartet. Einmal FDP immer FDP. Sie hat ihren Verrat weder verstanden noch erkannt.
Das angemessen gewürdigte Kleinod deutscher Kultur für Kleinkinder jeden Alters ergänzt die Kinderliteratur des Philosophen Dr. Robert Habeck ebenso vortrefflich wie es sein „Heizgesetz“ stützt.
Ja, die Stiftung Lesen… Auch ich hatte einmal (2022) die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ mitgemacht. Und war richtig sauer, als ich die Bücher abholte, mitleidige Bemerkungen vom Buchhändler inklusive. Wenn die Stiftung Lesen Kindern ein Taschenbuch „schenken“ will, dann sollte es auch schön sein. Aber hier Papier vom Typ „Werrakrepp extra hart“, hässlich-primitive Comiczeichnungen, billigste Ökopropaganda in betulicher Altedamensprache. Immerhin, die Kinderchen haben daran kritisches Lesen trainiert. Nun ja. Dabei ist die Stiftung Lesen grundsätzlich eine gute Sache. Vielleicht könnte die rote Katja der Stiftung aus dem beiseite geschafften SED-Vermögen etwas Kleingeld für kinderfreundliches Papier und Schreiben organisieren? Aber vermutlich sollen, wie bei dem berüchtigten DDR-Klopapier, eben die letzten A….löcher auch noch rot werden.
hi, die haben alle Regenbogenfarben durchgelutscht. Jetzt geht’s zurück in die anale Phase. Die besagten Rotschattierungen sind eine Lüge, um die Braunnuancen schönzureden. (Oder hat man Hämorrhoiden?) Und in dem Milieu befindet sich der Bundespräsident?
Wilhelm Pieck