Zunächst eine Klarstellung: Donald Trump will mit seinen Aussagen selten informieren, sondern provozieren und sondieren, wie die Welt reagiert. Er ist ein Pokerspieler, der sagt: „Ich habe ein Full House“ – und dann die Mimik der anderen aufmerksam beobachtet.
Die zweite Klarstellung: Eine Atombombe ist kein Sack voller Sprengstoff, der in einem Bunker lagert, sondern eine sehr komplizierte Vorrichtung. Die von den USA auf Hiroshima abgeworfene Bombe war vergleichsweise einfach: sie bestand aus zwei „subkritischen“ Massen von Uran 235, die beim Abwurf innerhalb der Bombenhülle gegeneinander geschossen wurden, wodurch in der Summe eine „kritische“ Masse entstand, welche die verheerende Explosion verursachte. Der Ausdruck „kritisch“ bezeichnet den Zustand, in dem ausreichend spaltbares Material vorhanden und so konfiguriert ist, dass es zu einer nuklearen Kettenreaktion kommt. Ein AKW, das Strom erzeugt, ist „kritisch“, wobei die Kettenreaktion hier kontrolliert abläuft. In einer Bombe wird das spaltbare Material so zu einer kritischen Masse gefügt, dass die Kettenreaktion exponentiell mit hoher Geschwindigkeit anwächst.
Aus dieser Perspektive verliert Trumps Ankündigung etwas an Dramatik, denn Chris Wright, Chef der Nuklearabteilung im U.S. Department of Energy, stellte klar, dass es keine „kritischen“ Tests geben werde – also keine echten Atomexplosionen.
Schon bald nach Entwicklung der ersten Bombe, die ihre zerstörerische Kraft aus der Spaltung schwerer Atomkerne gewinnt, gelang es, eben diese Kraft zu nutzen, um noch tiefer in die Büchse der Pandora zu greifen und sich einer noch größeren Energiequelle zu bedienen: der Kernfusion. Das war die Geburt der „Wasserstoffbombe“. Bei deren frühen Tests wurde selbst den Bombenbauern mulmig. Die 1954 auf dem Bikini-Atoll der Marshallinseln gezündete Explosion „Castle Bravo“ übertraf die von den Physikern berechnete Sprengkraft um das Zweieinhalbfache: Statt erwarteter sechs Megatonnen TNT waren es fünfzehn.
Die Sowjets legten 1961 nach – mit der Zar-Bombe über Nowaja Semlja, die unglaubliche 60 Megatonnen erreichte, das Viertausendfache der Hiroshima-Bombe. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass es Forschern binnen weniger Jahre gelang, die nahezu unbegrenzte Kraft der Kernfusion für Zerstörung zu nutzen, während ihr friedlicher Einsatz in Fusionsreaktoren trotz vieler Jahrzehnte intensiver Forschung ungelöst bleibt.
Der Wahnsinn des Wettrüstens wurde 1963 mit dem Verbot atmosphärischer Tests gebremst, nachdem gewaltige Mengen radioaktiven Fallouts in die Luft gelangt waren. Unterirdische Tests liefen weiter, bis sich die etablierten Atommächte 1992 schließlich auf ein Moratorium einigten. Nur Nordkorea durchbrach es und zündete 2016 seine erste Bombe.
Garantierte gegenseitige Vernichtung
Würden neue US-Tests die nukleare Atempause beenden? Die USA besitzen derzeit rund 3.500 Atombomben, überwiegend Fusionswaffen. Andere Atommächte verfügen über ähnliche Arsenale. Diese Bomben sind hochkomplexe Systeme mit Komponenten, die regelmäßig gewartet und ersetzt werden müssen, um ihre Funktionssicherheit und Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.
Im Rahmen der „Stockpile Stewardship Surveillance“ werden die US-Atomwaffen laufend überprüft: Einige werden ausgemustert, andere modernisiert und an neue Trägersysteme angepasst. Insofern gehören gewisse Tests unweigerlich zum Routinebetrieb. Wenn Chris Wright also betont, es gehe nur um „nicht-kritische“ Tests, dann ist Trumps Ankündigung kaum ein Startschuss für ein neues nukleares Wettrüsten.
Und selbst wenn die USA ihr Arsenal von 3.500 auf 4.000 Bomben erweiterten – was würde das an der globalen strategischen Lage ändern? Russland und China verfügen über vergleichbare Mengen. Ihr Einsatz würde in jedem Fall zur „Mutually Assured Destruction (MAD)“ führen – zur garantierten gegenseitigen Vernichtung, also zum Ende des Lebens, wie wir es kennen.
Niemand will einen solchen Krieg beginnen. Und selbst ein Einzelner, der in einem Anfall von Wahnsinn „auf den roten Knopf“ drücken wollte, würde an den zahlreichen Safeguards scheitern – jenen Schutzmechanismen, die genau eine solche Katastrophe verhindern sollen. Tatsächlich wurde in den 80 Jahren seit Nagasaki keine einzige Atombombe in einem Krieg eingesetzt.
Bikinis für den Frieden
Doch da ist dieser geniale Film „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick, der minutiös zeigt, wie ein durchgeknallter General der Airforce all diese Sicherungen aushebelt und den nuklearen Angriff auf Russland befiehlt. Der Film stammt aus dem Jahr 1964 – kann der heute, nach 60 Jahren noch Bedeutung haben? Vielleicht. Immerhin spielt einer seiner Hauptdarsteller auch heute noch eine zentrale Rolle in der US-Luftwaffe: die Boeing B-52.
Wollen wir hoffen, dass Kubrick sich diesmal getäuscht hat, dass die Bomben im Keller bleiben und die Tests der Fusionsbomben auf dem Bikini-Atoll uns nicht mehr hinterlassen als diese hübsche zweiteilige Badekleidung der Strandnixen.
Hans Hoffmann-Reinkes Bestseller „Grün und Dumm“, und andere seiner Bücher, sind bei Amazon erhältlich. Weitere Artikel und Kontakt zum Autor bei www.think-again.org
Foto: Der „War Room“ in Stanley Kubricks Dr. Strangelove, 1964.
Beitragsbild: Dr. Strangelove trailer from 40th Anniversary Special Edition DVD, 2004, Public Domain, via Wikimedia Commons

Da es laut der Mehrheit hier gar keine Atombomben gibt, hat niemand was zu befürchten, ich bin beruhigt.
Roland Völlmer / 13.11.2025
Fehlt noch der Hinweis dass Deutschland schon Atomwaffen auf seinem Gebiet hat. Die offizielle Darstellung ist dass wir damit geschützt werden. Es wären aber auch die ersten Ziele die ein Gegner angreifen würde im Kriegsfall. …
Unter dem Jubel der Mitteparteien werden ja ab 2026 Mittelsteckenraketen in Deutschland stationiert, deren Standorte und Einheiten für die Russen natürlich prioritäre Ziele sind. Nennenswerte Proteste der Bevölkerung gibt es wohl nicht, das war bei Pershing noch anders, aber auch damals setzte Helmut Schmidt die Position der Amerikaner durch, etwas anderes blieb ihm wohl auch nicht übrig. Wie sagte mal Valentin Falin: Wenn es während des kalten Krieges in Mitteleuropa zum Krieg gekommen wäre, wäre Deutschland innerhalb von Stunden abgebrannt wie eine Kerze.
Die Wirkung von Atomwaffen wird überschätzt. Heutzutage wäre es kaum möglich, solch einen Klops nach dem Hiroshima-Modus abzuwerfen. Die USA warfen den Klops über einem faktisch bereits besiegten Land ab. Und ich bezweifle, dass vom Gerümpel der Russen von 100 abgeschossenen Raketen mit „Atomsprengköpfen“ auch nur 5 ins Ziel gelangen würden. Im Übrigen hat die NATO „gewisses“ Material NACH 1945 eingesetzt: U.a. bei den Terrorangriffen auf Jugoslawien, die zur Begründung des hochkriminellen Staatszombies namens Kosovo führten (so eine Art Ukraine-Vorläufermodell), wurde uranhaltige Munition verwendet. Die Durchschlagskraft war aber nicht wesentlich effektiver als bei konventionellem Material. Krebsraten in kontaminierten Gebieten Serbiens sollen etwas erhöht sein, aber die Daten lassen sich nicht unabhängig prüfen. Also, bitte: vergesst alle miteinander ganz schnell die Sprüche aus der Friedensbewegung der 80er („Die Welt kann sich schon dreifach vernichten, wir brauchen dringend Abrüstung“). Das war nie der Fall, es waren gekonnte Inszenierungen. Der Krieg der Zukunft ist asymmetrisch und extrem grausam. Deutschland ist mitten im Krieg. In einem großen geostrategischen Weltenbrand (Situation wirklich gefährlich, nicht wie in den 80ern). Und die „Freunde“ sind nicht immer die Freunde. Man kann nicht ausschließen, dass Deutschland komplett geopfert wird – nicht durch Angriffe mit „Atomwaffen“, sondern schlichtweg durch herbeigeführten Zerfall: Unruhen, Deindustrialisierung, Verarmung, Verelendung, Verzwergung.
Die A-Bombe als globales Argument gegen Kernkraftwerke: Kernkraft ist billigste Energie und wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil. Mit Kernkraft billiger produziert werden und der Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt steigt; die wirtschaftlich Mächtigen geraten unter Druck.
@ Lutz Herrmann: „ Die Russen marschieren bei ihren Nachbarn ein, aber die AdG hat den schwarzen Peter. “ – Ich beneide Sie wirklich. Wie einfach muss die Welt für Sie sein. Wie in Hollywood, die Bösen und die Guten sind stets eindeutig gekennzeichnet und es gibt nie eine Verwechslung oder einen Zwischenton. Selig sind sie, denn ihnen ist das Himmelreich.
Es gibt einige Dokumentationen, die Atombomben in Frage stellen. Natürlich sind es nicht die Wafennarren, die in das System eingebunden sind. Die Dokumentationen sind aber mit altem Filmmaterial belegt. Demnach gab es weder Atombombenabwürfe auf Japan, noch Testreihen. Die Argumente sind recht plausibel. Wer will, findet die Dokus. Wir sind ja damit groß geworden, daß nach einem Abwurf eine großes Gebiet für zehntausende Jahre verstrahlt und unbewohnbar ist. Wieso konnten die Japaner Hiroshima und Nagasaki so schnell wieder zu blühenden Städten machen? Müßten die Bewohner nicht dicke Krebsgeschwüre und 3 Köpfe haben? Die Theorie sagt, die Amerikaner haben große Mengen Phosphor-Bomben abgeworfen. Angenommen, es gibt keine A-Bomben, dann könnte die Gaukelei dazu dienen, anderen Staaten die Nutzung der Kernkraft als billige Energie zu untersagen, beziehungsweise, sie beliebig zu sanktionieren und mit Krieg bedrohen? Uran gehört zu den kritischen Rohstoffen! Wir werden in Angst gehalten, daß dort A-Bomben gebaut werden, schlucken das und stellen uns hinter unsere Regierung!
Seit 1945 werden keine Atomwaffen eingesetzt. Aus nachvollziehbaren Grund: weil wer einmal damit anfängt, bekommt Atomwaffen auf eigenen Gebiet gezündet zurück. Da sowas kein Volk dieser Welt bejubelt, wären stante pede einige Regierungen auf Rasierklingenritt und ein politisches Tohuwahobu in den entsprechenden Ländern keine Alternative.