Wer sich in die neuen Medien begibt, kommt darin zwar nicht um (hoffentlich!), macht aber immer wieder und immer öfter die Erfahrung, dass man von einer Sekunde auf die andere stummgeschaltet werden kann. Facebook, Twitter und YouTube haben unter dem Druck des deutschen „Netzwerkdurchsetzungsgesetzes“ ihre Löschtruppen verstärkt und canceln, was das Zeug hält. Kürzlich traf es die Basler Bloggerin Tamara Wernli. Obwohl sie in ihrem YouTube-Video nichts gesagt hatte, was gegen YouTubes „Gemeinschaftsrichtlinien“ verstieß, verschwand ihr Beitrag von der Plattform, und sie bekam einen „strike“ (Verwarnung). Eine simple Denunziation hatte genügt, um sie von der YouTube-Öffentlichkeit abzuschneiden.
Jetzt hat es unseren Podcast „indubio“ erwischt, und zwar – das ist etwas Neues – auf der Plattform Spotify, die bis jetzt noch wenig durch übereifrige Zensur und politische Missgriffe aufgefallen ist. Doch diesen Montagnachmittag erreichte uns folgende E-Mail: „We found the following podcast episode to be in violation of our content policies, and have removed it. Please see what content is prohibited on Spotify for more information. Show title: indubio, Episode title: Flg. 61 – Trans-Babies und Pubertätsblocker. Please don't respond to this email as replies aren't monitored. Sincerely, Spotify“.
Leser von Franz Kafka wissen Bescheid: hier läuft ein neuer „Prozeß“. Man bekommt ein Urteil zugestellt (episode removed), aber man erhält keine Begründung. Was an diesem Interview mit Birgit Kelle über ihr neues Buch „Noch normal?“ könnte um Himmels willen die „content policies“ verletzt haben? Die sachliche Aufzählung von pressenotorischen Vorfällen im Bereich Genderpolitik? Das Zitieren einschlägiger Publikationen? Die kritische Auseinandersetzung mit Kirchen, NGOs und anderen Interessengruppen?
Wir möchten einmal festhalten, dass in keiner Ausgabe von „indubio“ jemals etwas vorgekommen ist, das auch nur entfernt unter Hassrede und Hetze fällt. Und es wird auch nicht vorkommen. Jeder, der diesen Podcast kennt und noch alle Tassen im Schrank hat, weiß das. Aber wie kann man das der Firma Spotify beibringen? Wir haben natürlich gegen diese Behandlung protestiert und bekamen folgende Antwort: „Hey there, Thanks for reaching out. Your hosting provider has been notified of this episode's removal. We recommend reaching out to them for more info. We'll be here for anything else. Best wishes, Karin”. Hier direkt auf Achgut.com und auch auf Youtube können Sie die Folge nach wie vor hören und sich selbst ein Bild machen.
Wir pfeifen auf Einwendungen
Hier hätte Kafka weitere Anregungen gefunden: Spotify trifft die selbstherrliche Entscheidung, eine Podcast-Folge zu löschen und verweist uns mit unserer Beschwerde an eine Stelle, die damit nicht das mindeste zu tun hat: den „hosting provider“, der nur eine technische Verteilstation ist. Karin hätte auch schreiben können: Beschwert Euch bei Eurem Friseur. Im Klartext lautet die Botschaft also: Wir pfeifen auf Einwendungen. Wir machen uns sogar lustig über Euch.
Wer immer mit dem Gedanken spielt, die kostenpflichtigen Dienste von Spotify zu abonnieren, sollte das berücksichtigen. Und wer schon ein Abo hat, sollte es überdenken. Es gibt zum Glück auch auf diesem Sektor Konkurrenz. Tatsächlich hat die Firma sehr viel Geld. In den USA schloss Spotify unlängst einen Exklusivvertrag mit dem Star-Podcaster Joe Rogan. Von mehr als hundert Millionen Dollar ist in den Medien die Rede.
Rogan hat sich allerdings die Transgenderlobby und LGBTTIQ-Aktivisten zu Feinden gemacht, weil er „heteronormative“ Ansichten äußert und zu gewissen „männlichen“ Freizeitbeschäftigungen (Jagd, Mixed Martial Arts) steht. Jetzt läuft eine Kampagne gegen ihn, weil er die Publizistin Abigail Shrier in seinem Podcast interviewt hat. In ihrem Buch “Irreversible Damage” beschreibt sie genau das, was auch Birgit Kelle in ihrem Buch anprangert: dass es sich bei Transsexualität vorrangig um eine mediengetriebene Modeerscheinung handelt und dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen biologischen Geschlecht („gender dysphoria“) sich durch soziale Ansteckung („social contagion“) verbreitet.
Rogan zu zensieren, hat sich Spotify noch nicht getraut. Aber mit „indubio“ hat man sich natürlich leichter getan.
PS.
Und weil wir uns davon nicht beeindrucken lassen, hier gleich der Hinweis auf das Indubio von Morgen: Unser Podcast für Kopfhörer, wird aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit einen Tag früher gesendet, also schon am morgigen Samstag, 3. Oktober, statt wie üblich am Sonntag. Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, die Schriftstellerin Cora Stephan und der Schriftsteller Bernhard Lassahn sprechen mit Burkhard Müller-Ullrich über das Deutschsein, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung. Unbedingt anören, ab morgen 12 Uhr Mittag!
Beitragsbild: Pixabay

Als Heiko Loeber eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sein Land zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.
Der Trend geht wieder zum Samisdat. Eigentlich eine begrüßenswerte Entwicklung. Technisch war die Zentralisierung der Informationsverteilung schon vor Facebook und Co obsolet. Jetzt zerlegen sich diese Plattformen selbst und der Eigenbau-Blog kommt wieder. Ich bin dafür.
"Wer sich in die neuen Medien begibt, kommt darin zwar nicht um (hoffentlich!), macht aber immer wieder und immer öfter die Erfahrung, dass man von einer Sekunde auf die andere stummgeschaltet werden kann..." Richtig. Habe gerade eine Stranzeige wegen 130 StGB aus dem Briefkasten geangelt. Beschuldigtenvernehmung am Mittwoch. Ich schreibe nichts mehr... alles kann und wird gegen mich verwendet werden. Bin nur mal gespannt, von welcher Seite das kommt. Tschüss und gute Zeit im Sein.
Habe mich gestern noch beim Hören von Indubio Folge 63 gefragt, ob Spotify auch zensiert. Von den anderen Plattformen weiß ich das ja. Habe eben aufgrund der Zensur von Indubio Folge 61 flugs mein Premium Abo bei Spotify gekündigt. Beim Kündigungsprozess konnte ich auf deren Webseite dann wie folgt meine Gründe für die Kündigung erläutern: "Habe eben lesen dürfen, dass Ihr eine Episode des Podcasts Indubio zensiert habt. Das verstösst gegen meine Prinzipien einer freien Welt ohne Zensur. Daher werde ich euch den Rücken kehren müssen und mache das nun hiermit!"
Ich frage mich immer, ob eine solche Rechnung für diese Unternehmen aufgeht. Hat man doch neulich in den USA gesehen, wo ein Anbieter "Vom Winde verweht" rausgenommen hat, auch aus Angst vor einem shitstorm, weil irgendein prominenter Regisseur das gefordert hat. Ergebnis: ein paar Tage später war der Film bei Amazon Platz 1. Außerdem: im Podcasting muss eine Plattform doch eigentlich bestrebt sein, "alles" zu haben, weil die Leute nicht zwischen mehreren Plattformen switchen wollen. So viel Spielraum für Zensiererei besteht da eigentlich auf Dauer nicht (vielleicht wieder anders bei youtube, da die schon ziemlichen Alleinstellungsstatus haben).
Wer nicht bemerkt in welche Richtung unser Zug fährt, dem hilft vielleicht ein Zitat auf de Sprünge =>"Wenn unsere Gegner sagen: Ja, wir haben Euch doch früher die […] Freiheit der Meinung zugebilligt – –, ja, Ihr uns, das ist doch kein Beweis, daß wir das Euch auch tuen sollen! […] Daß Ihr das uns gegeben habt, – das ist ja ein Beweis dafür, wie dumm Ihr seid!" - Rede vom 4. Dezember 1935, zitiert nach Helmut Heiber (Hrsg.), Goebbels-Reden, Band 1, Droste, Düsseldorf 1971.
„ Wir möchten einmal festhalten, dass in keiner Ausgabe von ‚indubio‘ jemals etwas vorgekommen ist, das auch nur entfernt unter Hassrede und Hetze fällt.“ Das sagen SIE. Was Hassrede und Hetze ist, bestimmt in Deutschland aber nicht der Souverän oder der Gesetzgeber, schon gar nicht Journalisten aus den „neurechten Medien“, sondern die linke Nomenklatura. Geistesgrößen wie Claudia Roth, Sawsan Chebli, oder ehemalige Stasitanten wie Annetta Kahane schreiben uns vor, was man äußern darf oder nicht. Selbstverständlich auch der Rest des Allparteienspektrums und auch die Staatskommödianten von ARD und ZDF (zu denen ich auch Kleber, Slomka, Illner, Will und Maischberger, sowie meinen Liebling, den medialen Bücherverbrenner Denis Scheck zähle) ist Hassrede oder Hetze stets das, was dieser Klientel gerade nicht in den Kram passt. Also im Prinzip alles, was hier geschrieben steht oder in podcasts gesagt wird. Legt man also die Maßstäbe der (pseudo)intlligentia zugrunde, dann ist die Löschung völlig zurecht erfolgt. Sorry. :-)