Annette Heinisch / 17.09.2021 / 06:15 / Foto: Pixabay / 66 / Seite ausdrucken

Spiegel TV an der Ostfront

Dass ein Schwarzer dermaßen als rotes Tuch wahrgenommen wird, trägt zur Popularität von Hans-Georg Maaßen womöglich mehr bei, als seine Feinde ahnen. Unterm Stahlhelm von Spiegel-TV hat das aber noch keiner gemerkt.

“Ich bin weder rechts, noch bin ich links – eigentlich bin ich völlig normal“. Das würden viele Bürger über sich sagen, konkret war es der Wirt des Schützenhof XXL im thüringischen Crock. Warum fühlt sich der Gastwirt zu solch einer Aussage, öffentlich auf Facebook verbreitet, genötigt? Nun ja: Spiegel TV war da. Und die Schilderungen, die daraufhin verbreitet wurden, gerieten alles andere als zutreffend (Wie etwa hier). 

Das im folgenden Geschilderte geschah vor dem Hintergrund einer Wahlkampfveranstaltung der CDU, die Spiegel TV filmen wollte. Es war aber nicht irgendeine CDU-Wahlkampfveranstaltung, sondern die des größten Angstgegners der linken und grünen Parteien sowie vieler Medien, nämlich die Hans-Georg Maaßens.

Das zu stören, scheint offenbar erste Bürger- und Medienpflicht, und so wurden dann auch Mitglieder des Wahlkampfteams durch Spiegel TV bedrängt. Die CDU wollte nämlich nicht, dass Besucher der Veranstaltung ohne oder gegen ihren Willen gefilmt werden, sie sollten ohne Furcht zuhören und reden können. Vertreter der schreibenden Zunft konnten teilnehmen, Spiegel TV jedoch wurde gebeten, das Grundstück zu verlassen. Dies wurde von Spiegel TV als mangelndes Demokratieverständnis qualifiziert, was allerdings eher deren eigenes seltsames Demokratieverständnis offenbart.

Demokratie als eine Regierungsform, in welcher das Volk der Souverän ist und mit Mehrheit entscheidet, hat mit dem Recht auf Ausübung des Hausrechts rein gar nichts zu tun. Und dass in diesem Land jeder das Recht am eigenen Bild als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts hat, müsste den betreffenden Journalisten eigentlich bekannt sein.

Ein sehr pünktlicher Neonazi 

Damit aber nicht genug: Wie der Zufall es will, kommt just in time während der Anwesenheit von Spiegel TV der als Neonazi bekannte Tommy Frenck um die Ecke und trinkt ein Bier in der Gaststube. Zur Veranstaltung der CDU im Biergarten der Gaststätte, an der neben Bürgern auch der Landrat und Unternehmer teilnehmen, wird er nicht zugelassen. Maaßen lehnt dies ab, der Wirt bittet Frenck daraufhin zu gehen. Das geschieht auch, Frenck verlässt anstandslos die Gaststätte ganz offen durch die Tür. Anders, als Spiegel TV behauptet, wonach Frenck „die Veranstaltung durch den Nebenausgang“ verlässt. 

Dass Frenck gar nicht auf der Veranstaltung von Maaßen war, wird von Spiegel TV nicht erwähnt. Es wird sogar der genau gegenteilige Eindruck erweckt, verstärkt durch die Fragen von Spiegel TV an Frenck, wie die Rede von Maaßen gewesen sei. Es ist schon merkwürdig, dass das Fernsehteam Frenck offenbar schon bei seiner Ankunft filmt, genau weiß, wer er ist, die Bedeutung des Auto-Kennzeichens erklärt, aber ihn zu diesem Zeitpunkt nicht befragt. Warum? Und wenn sie nicht wissen, warum er da ist, wieso vermutet Spiegel TV überhaupt, dass er nicht einfach nur zur Gaststätte fährt, um in Ruhe ein Bier zu trinken?

Tatsächlich wird anlasslos unterstellt, dass er zu Maaßen wollte. Genauso „Die Zeit“, die vom „eigens angereisten Rechtsextremisten Tommy Frenck“ spricht. Abgerundet wird dieses Meisterwerk des Journalismus durch die weit verbreitete Mitteilung, Frenck hätte eine Wahlempfehlung für Maaßen abgegeben. Dazu passt die Überschrift „Mission rechte Anbiederung“. In einer Kandidatenvorstellung am folgenden Tag, der Wahlarena in Suhl, wurde Maaßen natürlich genau darauf angesprochen, denn wer wollte schon die Möglichkeit ungenützt verstreichen lassen, die „Nazi-Keule“ zu schwingen?

„Das ist mein bürgerliches Recht“

Welch wunderbar orchestriertes Vorgehen, eines greift ins andere, heraus kommt das Ergebnis, welches die politischen Gegner sich wünschen: Dämonisierung. Nur hat man dabei vergessen, dass es darüber hinaus auch Andere trifft, zum Beispiel den Wirt, der sich nunmehr als „rechter Haken“ tituliert sieht. Wahrscheinlich vergaß man es nicht, sondern sah es als notwendigen Kollateralschaden an, beruhigte sein schlechtes Gewissen mit „Selber schuld, was beherbergt er auch solche Gäste“. Aber dieser Wirt nimmt es nicht so einfach hin, durchaus ähnlich wie die Bürger der vom Spiegel berühmt gemachten US-Kleinstadt Fergus Falls. Der Gastwirt ist ein aufrechter Bürger dieses Landes. In seinem Video sagt er:

„Wir haben keine rechtsradikale Gesinnung. Wir haben keine linksradikale Gesinnung. Wir haben keine linke Gesinnung. Wir sind Bürger der Bundesrepublik Deutschland, und zwar alle. Auf dem Fuße des Grundgesetzes. Und nichts anderes. Und ich verbitte mir wirklich jede Art von Bewertung oder Abstempelung meiner Person, die meiner Familie oder sonst irgendetwas. Und ich garantiere euch, sollte das jetzt hier weitergehen, werde ich entsprechende Maßnahmen ergreifen. Das ist keine Drohung. Das ist mein bürgerliches Recht. Und damit meine ich mein bürgerliches Recht, ich bezahle Steuern, wir leben hier, wir arbeiten hier und wir sorgen dafür, dass dieser Staat funktioniert.“

Richtig. Es ist unser Land, wir sorgen dafür, dass es funktioniert. Zumeist nicht, weil wir gut regiert werden, sondern obwohl wir oft grottenschlecht regiert werden. Die Flutkatastrophe im Ahrtal fällt einem sofort ein, aber es gibt viele Beispiele. Wo wäre denn der Staat in der Flüchtlingskrise ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer gewesen, denen es überhaupt nur zu verdanken ist, dass die Krise bewältigt werden konnte? „Wir schaffen das“ – ja, Frau Kanzlerin, wir, die Bürger, schaffen eine Menge. Wir schaffen es sogar, viel von dem Unheil halbwegs in den Griff zu bekommen, das die Regierung anrichtet. Nur eben nicht alles.

Was „wir“ nicht schaffen, ist, gegen eine von oben geförderte Spaltung der Gesellschaft anzukommen. Oder wie ein Kommentator zu dem Video des Wirtes des Schützenhofes in Crock so zutreffend schrieb:

„Liebe Leute, hier ist ein Denken im Gange, was mit Demokratie wenig zu tun hat. Ein Gastronom muss Geld verdienen. Wenn er Räumlichkeiten für eine demokratische Partei zur Verfügung stellt, so ist das sein gutes Recht. Man muss die Partei nicht mögen, aber man muss sie tolerieren. Darf man jetzt einem Politiker / einer Politikerin kein Brötchen, keine Kleidung usw. mehr verkaufen, weil einem die Nase / Partei nicht passt? Wo bleibt die Gleichberechtigung / Meinungsfreiheit, die so oft eingefordert wird. Wir sollten gut abwägen, wo die Grenzen der Demokratie erreicht werden. Dazu ist Objektivität eine wichtige Voraussetzung, Ideologie ein schlechter Ratgeber.“

Wahre Worte. Es ist seltsam, dass gerade die, die so oft von Buntheit und Vielfalt schwadronieren, diese so selten akzeptieren.

Man zerstört Ansehen und wirtschaftliche Existenz

Das Unterdrücken „falscher Ansichten“ hat sich langsam eingeschlichen, nicht nur dieser Wirt ist vom finanziellen Ruin bedroht. Schon früher hatte es den Bürgerrechtler Michael Beleites getroffen, dessen Todsünde es war, dass er dazu riet, mit den Pegida-Anhängern das Gespräch zu suchen und deren Demonstrationen nicht als „Naziaufmärsche“ zu dämonisieren. Sein Befund lautete: „Im Kern handelt es sich nicht um ausländerfeindliche Vorurteile, sondern um eine tiefe Vertrauenskrise in die Wahrhaftigkeit von Politik und Medien insgesamt.“

Daraufhin folgten Presseartikel, die Beleites als „nach rechts abgedriftet“ bezeichneten und schließlich die „Auslistung“ der Produkte seines Gartenbauunternehmens “Blankensteiner Blumen“ aus der Dresdner VG Verbrauchergemeinschaft für umweltgerecht erzeugte Produkte eG, womit ihm der Vertriebsweg abgeschnitten wurde.

Kontaktschuld ist der neue, nur scheinbar moralische Impetus. Gestern noch gefeierter Bürgerrechter, heute schon ein Ausgestoßener. Oder, um Beleites zu zitieren: „Einst wurden Bürgerrechtler dafür gefeiert, dass sie mit allen Seiten reden. Heute brauchen wir wieder solche Vermittler.“

Aber statt mit allen zu reden, den Standpunkt des Andersdenkenden kennenzulernen und zu verstehen, um sich darüber überhaupt ein Urteil erlauben zu können, werden Andersdenkende vernichtet. Nicht physisch, nein. Heute geht man subtiler vor, man zerstört deren Ansehen und deren wirtschaftliche Existenz. Aber es bleibt Vernichtung. Audiatur et altera pars, also der Grundsatz, dass man auch die andere Seite höre, wird ad absurdum geführt. Allein schon die Diffamierung sorgt dafür, dass diese nicht wirklich gehört wird und die Vernichtung des Ansehens und der Existenz sorgt dafür, dass Angst den Mund ganz verschließt.

Nun stehen die Bürger vor der Wahl, in welche Richtung es gehen soll. Halten sie diesen Weg, den so viele aus der DDR noch kennen, für richtig und gut? Oder sind sie Bürger mit Rückgrat, die für ihre bürgerlichen Rechte und Freiheiten kämpfen? Denn Freiheit gibt es nicht umsonst, sie muss erkämpft werden, immer wieder neu. Und so manches Mal in der Geschichte war der Geächtete von heute der Held von morgen.

Foto: Pixabay

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Christina Struve / 17.09.2021

Sehr guter Artikel! Es ist schon mehr als widerlich, welche absurden stillosen Geschütze aufgefahren werden, um Herrn Maaßen zu verhindern! Geht nicht besonders Herr Maaßen so friedlich und freiheitsliebend für unsere Werte in die Öffentlichkeit wie wir es einst 1989 taten? Warum kommt ihm soviel Hass zuteil? War und ist er nicht einer der aufrichtigsten Beamten und Demokraten - wenn auch jetzt a. D.? Jeder Wähler in Südthüringen wie auch jeder Bürger in unserem Land schaue sich auf seiner Homepage oder in vielen öffentlichen Medien seine Interviews und vor allem ein kürzlich stattgefundenes Gespräch mit Prof. Dr. Scholz an. Denken heißt vergleichen - wie ebenfalls einst Walter Rathenau sagte und man greift nur den an, der den Ball in der Hand hat. Wem nutzt es???????? Ich drücke Herrn Maaßen von Herzen alle Daumen der Welt, dass ihm in unser aller Interesse der Einzug in den Bundestag am 26.09.2021 gelingt!

Karl Schmidt / 17.09.2021

Kontaktschuld ist ein schlechter Begriff, weil es ein Fehlverhalten impliziert. Das dient nur dem politischen Gegner. In der Sache dürfte es sich um eine Zersetzung nach altem Stasi-Muster handeln. Die Methode ist alt und braucht schon deshalb keinen neuen Begriff und zeigt außerdem die politische Verwandtschaft besser auf.

Rainer Hanisch / 17.09.2021

“Es ist seltsam, dass gerade die, die so oft von Buntheit und Vielfalt schwadronieren, diese so selten akzeptieren.”  Das ist nicht seltsam, das ist Programm! Und wie die Medien reagieren und “objektiv” berichten, hat Herr Maaßen ja selbst zu spüren bekommen. In Chemnitz will ja Frau Merkel auch “Hetzjagden” gesehen haben, jedenfalls Videos darüber. Obwohl es keine gab, weder Videos (abgesehen von dem sekundenlangen Schnipselchen) noch Hetzjagden.

b. stein / 17.09.2021

Liebe Annette Heinisch, nicht nur “Spiegel” verdreht. Der Paul Ronzheimer spricht heute Abend im BILD Talk “viertel nach acht” nicht anders. Finde ich echt peinlich. Nun könnte ich sagen, naja is BILD, who cares, was willste erwarten. Aber da sein Chef Reichelt auch ab und zu Artikel bei “achgut” veräffentlicht wollt ich Ronzheimers Aktion wenigstens mal erwähnt haben.

Kostas Aslanidis / 17.09.2021

Maasen weiss das die CDU eine Partei der Bueckler, Ja sager und Opportunisten ist. Da er noch dort Mitglied ist, zeigt das es abgesprochen wurde mit der Fuehrung um AfD Waehler zu taeuschen. Maasen ist in der richtigen Partei fuer Ihn. Nur Alibi.

Dietmar Becker / 17.09.2021

was ich nicht verstehe. Hier sind viele Autoren, die sich der Gendersprache bedien, aber gefühlt konservativ denken. Ich negiere alles mit Gender.

Dirk Jürgens / 17.09.2021

Jahrzehntelang war es die Aufgabe der CDU/CSU, konservative (heute: “rechte”) Wähler an sich zu binden, um eine demokratische rechtsradikale Partei im Bundestag zu verhindern. Das hat Merkel bekanntlich aufgegeben, und seit 2017 haben wir die AfD im Parlament. Da die AfD “nazi” ist, darf die Union mit ihr nicht koalieren (anders als die SPD mit den Kommunisten), weshalb die Union gezwungen ist, mit mindestens einer linken Partei (SPD, Grüne) zu regieren oder gar wie in Thüringen eine rotrotgrüne Minderheitsregierung zu tolerieren, obwohl es eine Mehrheit für eine bürgerliche Regierung gibt. (Bei der Bundestagswahl 2017 stimmten 56% für Union, FDP und AfD, nur 38% für RRG, trotzdem haben wir eine “linke” Regierung, weil die Union der SPD alle wichtigen Themen überlassen hat.) Deshalb stellt Hans-Georg Maaßen für die linke Seite (SPD, Grüne, PDS, ARD, ZDF, SZ, Spiegel, ZEIT, taz usw.) eine so große Gefahr dar: Die AfD muss stark bleiben, damit die CDU schwach bleibt und wir weiterhin links regiert werden, obwohl die Mehrheit das nicht will. Die CDU wird - so der feuchte Traum aller Linken von Janine Wissler über Kevin Kühnert bis Caren Miosga - dann irgendwann eine unbedeutende kleine Seniorenpartei sein, und über den Umbau der Gesellschaft (immer mehr Schulden, immer mehr Steuern, immer mehr vom Sozialstaat Abhängige und immer mehr Migranten) wird es dann tatsächlich eine linke Mehrheit geben, die man nie wieder loswird.

Chr. Kühn / 17.09.2021

@Dr. H. Böttger: “Haldewankisten” Den Begriff, den Sie suchen, ist Haldewanker. Zweite Hälfte des Wortes natürlich auf Englisch mit der entsprechenden Bedeutung. ;-)

Stefan Riedel / 17.09.2021

Sehr geehrte Frau Annette Heinisch und sehr geehrter Herr Maaßen, ich dachte immer ich bin Oberfranke und nicht Südthüringer. Volksabstimmung 1919 Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha zu Thüringen oder Bayern? Bayern, wohin sonst?  Deutscher Arbeiter und Bauern Staat? Wollen wir jetzt nicht vertiefen. Also ich bin weder in Bayern noch in Thüringen wahlberechtigt. Für mich als (geborenen) Cobburgger stellt sich schon die Frage, Söder-Bayer oder Südthüringer- Maaßen? Helfen Sie mir.

lutzgerke / 17.09.2021

Das Manager Magazin gehört zur Spiegel-Gruppe. Wahrscheinlich machen die Corona-Propheten des umstrittenen Spiegel-Magazins schnell die Augen zu, wenn sie das Manager-Magazin auf den Fluren liegen sehen, wie die Tagesschau-Journalisten den Börsen-Rapport, wo unauffällig Schleichwerbung für Industrie-Produkte gemacht wird und Aktien beworben werden mit “Phantasie”, schnell abschalten. “Investoren Andreas und Thomas Strüngmann “Mit Biontech entsteht wieder ein eigenständiger Pharmakonzern in Deutschland” manager-magazin

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