Claudio Casula / 01.01.2023 / 13:00 / Foto: Pixabay / 57 / Seite ausdrucken

SPIEGEL kassiert Story von der toten Maria ein

Das war’s: Die Geschichte vom toten Flüchtlingsmädchen ist nach eingehender Prüfung durch das Magazin journalistisch nicht mehr zu halten. Offenbar hat man eine faustdicke Lüge verbreitet, weil sie politisch ins Konzept passte.

Der SPIEGEL hat seine Artikel zum angeblich getöteten Flüchtlingsmädchen „Maria“ endgültig zurückgezogen, meldet faz.net. Über die massiven Zweifel an der Darstellung hatte Achgut bereits im November 2022 berichtet. In gleich vier Beiträgen hatte Giorgos Christides behauptet, ein fünfjähriges Flüchtlingsmädchen aus Syrien, „Maria“ geheißen, sei gestorben, „weil ihr griechische Behörden jede Hilfe versagten“. Jetzt räumt der SPIEGEL ein:

„Wir haben die Situation in unserem Artikel nicht korrekt beschrieben. Die SPIEGEL-Beiträge erwecken den Eindruck, die Flüchtlingsgruppe sei fast einen Monat lang immer wieder auf derselben griechischen Insel gestrandet. Doch: Weder waren die Migranten immer auf derselben Insel, noch waren sie immer auf griechischem Boden. Tatsächlich lässt sich nur für wenige Tage belegen, wo sich die Geflüchteten genau aufhielten.“

Noch gravierender: Maryam B. und Mohammad A. hatten offenbar nur vier, nicht fünf Kinder. Ein Nachweis, dass es „Maria“ überhaupt gab, existiert nicht.

„Die Eltern können sich nicht mehr genau erinnern, wo das Kind begraben sein soll, und besitzen keine Fotos, die seine Existenz belegen können – auch nicht von früher.“

Auch bei NGOs registrierte sich die Familie sechsköpfig, von einer Maria ist in keinem Dokument die Rede. Und selbst der tödliche Skorpionstich, der zum Tod „Marias“ geführt haben soll, ist, wie in der Veröffentlichung der „vertieften Recherche“ des SPIEGEL eingeräumt wird, höchst unwahrscheinlich.

„...den Todesfall in ihrer Verzweiflung erfunden“

Im Fazit heißt es:

„Auch wenn ein letztgültiger Beleg fehlt, deutet doch manches daraufhin, dass einige der Geflüchteten den Todesfall in ihrer Verzweiflung erfunden haben könnten. Möglicherweise dachten sie, dass sie dann endlich gerettet würden.“

Mit anderen Worten: So, wie es aussieht, hat sich das Nachrichtenmagazin an der Hamburger Relotiusspitze – das soeben vom hochgradig unseriösen Portal NewsGuard, (mehr dazu hier, hierhierhier und hier), das sich anmaßt, willkürlich und mit politischer Schlagseite die Glaubwürdigkeit von Medien zu beurteilen, im Ranking der „glaubwürdigsten Websites“ an die Spitze gesetzt wurde – eine faustdicke Lüge auftischen lassen und diese weiterverbreitet, weil sie so wunderbar ins politische Narrativ des Blattes passt. Entsprechend werden auch die Lügen im Fall „Maria“ noch als Verzweiflungstat geframed, geboren aus der Hoffnung, „endlich gerettet“ zu werden. Tatsächlich am Ziel ist jedenfalls Baidaa S., die verschiedenen Medien und NGOs die Geschichte von der toten Maria auftischte: Sie lebt inzwischen in Deutschland.

Seiner ohnehin angezählten Glaubwürdigkeit hat der SPIEGEL mit seiner Maria-Story keinen Gefallen getan. Er wird sie auch nicht wiedergewinnen, so lange für ihn nicht gilt, „Das Erreichte zählt“, sondern: „Das Erzählte reicht“.

Foto: Pixabay

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Uwe Heinz / 01.01.2023

Papst Benedikt wird vom Lieben Gott im Himmel herumgeführt und bekommt alles gezeigt. Am Ende der Runde bleiben sie vor einer großen aus unzähligen winzigen Lämpchen bestehenden Wand stehen. Hie und da leuchtet von Zeit zu Zeit ein Lämpchen auf und erlischt wieder. Papst Benedikt fragt den Lieben Gott was es damit auf sich habe und der erklärt ihm: „Immer, wenn auf der Erde ein Mensch lügt, dann blitzt ein Lichtlein auf und ich kann sofort sehen wer da gelogen hat!“ Fasziniert betrachtet Papst Benedikt die riesige Wand mehrere Minuten lang. Auf einmal beginnt die ganze Wand, jedes einzelne Licht, wie wild zu blitzen und zu pulsieren. Erschreckt fragt Papst Benedikt was um aller Welt da los sei. Der Liebe Gott blickt auf seine Uhr und meint trocken: „Ach das ist nur die tägliche Besprechung beim Spiegel auf der entschieden wird was veröffentlicht wird!“

Detlef Rogge / 01.01.2023

Spiegel habe ich mal jahrzehntelang gelesen. Montag war damals Spiegeltag. Ärgerlich, das Heft hatte nach meiner Erinnerung mehr Werbung zu bieten als geschriebenes Wort der Redakteure. Dann zunehmend tendentiöser der Inhalt, schließlich politische Einseitigkeit als Kernkompetenz. Vor etwa zwanzig Jahren war dann für mich Schluß. Soll lesen wer will.

Wilfried Düring / 01.01.2023

Einspruch bzw. Ergänzung lieber Herr @Freiling. Meine Anmerkung ist wirklich nicht bös gemeint. Ich denke Sie haben in vielem Recht. Aber DEN einen folgenden UNTERSCHIED, nach welchem Sie auch fragen, sollten wir gemeinsam schon wahrnehmen. Und den müssen wir dann auch ehrlich benennen: Ein wichtiger Unterschied besteht meines Erachtens in den - unzensierten - Debatten und Diskussionen hier im Achse-Leser-Forum und einer liberalen, ja großzügigen Freischaltungs-Praxis, die doch vglw. selten ist. Und es ist GUT, daß hier auf der Achse nicht zu (fast) allen Themen, (fast) alle einer Meinung sind! Denn, ‘wo alle einer Meinung sind - wird meistens gelogen!’ (Slogan der ‘Jungen Freiheit’). Ja, die Autoren Osthold und Sarrazin sind ‘meinungssstark’ und ihren Rußland-Beiträge sind sie oft anderer Meinung als ich. Viele Leser - manchmal auch ich - halten dagegen, stellen Fragen, machen kritische Anmerkungen. Das Achse-Forum ist gerade deshalb ‘lebendig’. Auch Ihr heutiger - anstandslos freigeschalteter - Kommentar (für welchen Sie mglw. noch die Zustimmung weiterer Leser erhalten werden) ist ein Zeichen dafür, daß Sie hier auf Achse willkommen sind.

Stefan Ahrens / 01.01.2023

Wie oft wird dieses Lügenblatt wohl noch mit derartigen Geschichten durchkommen? Macht den Laden dicht, “Sturmgeschütze der Demokratie” sind heute sowieso andere (z.B. Achgut, TE und Reitschuster)!

Rolf Mainz / 01.01.2023

Hat man bereits Anzeige gegen die betrügerisch berichtende, zugewanderte Dame und gegen die vermeintlichen Eltern der fiktiven Person erstattet? Darf ich raten?

Peter Wagner / 01.01.2023

Der Lügel mal wieder. Überrascht mich absolut nicht. Der ÖRR lebt von solchen “Sendungen”, besonders im Wirrenschaftsbereich, was früher Wissenschaft war.

Thomas Hechinger / 01.01.2023

Der Spiegel hat doch schon immer gelogen. „Spiegel, Spiegel an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Und was antwortet der Spiegel der Königin auf die Frage? „Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“ Doch schon da hätte der Spiegel wissen können, daß das nicht stimmt. Später korrigiert er sich: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“ Auch damals versuchte der Spiegel, die alte „falsche Wahrheit“ noch irgendwie zu retten, um sich nicht ganz zu blamieren: „Ihr seid die Schönste hier.“ Papperlapapp, was heißt da „hier“? Das war nicht gefragt. Die Schönste ist nun mal nicht die Königin, sondern ihr Stieftöchterchen. Also: an der Relotiusspitze nichts Neues.

Fritz Gessler / 01.01.2023

‘lügenpresse’ wäre noch geschmeichelt, um SPIEGEL & co. zu beschreiben.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Claudio Casula / 08.05.2024 / 12:00 / 44

Noah, Mohammed und die fehlenden Kinder

Die jetzt kursierende Liste mit den beliebtesten Namen für Neugeborene macht eine Entwicklung deutlich und ignoriert eine andere.  Und da ist sie wieder, die Liste…/ mehr

Claudio Casula / 04.05.2024 / 06:15 / 111

Wollt Ihr den totalen Stuss?

Jüngst brillierte SPD-Chefin Saskia Esken in einer unter deutschen Politikern beliebten Disziplin: dem Nazi-Vergleich, ohne zu begreifen, wie geschichtsvergessen und verleumderisch dieser ist. „Wer heutzutage in einer…/ mehr

Claudio Casula / 03.05.2024 / 06:15 / 138

Good Buyx!

Nach acht Jahren, davon vier als Vorsitzende, ist Alena Buyx aus dem Deutschen Ethikrat ausgeschieden. Anlass, ihr Wirken in der Corona-Zeit noch einmal angemessen zu würdigen. In einer…/ mehr

Claudio Casula / 01.05.2024 / 06:15 / 82

Der Tag der verschmähten Arbeit

Auch an diesem 1. Mai werden Politiker wieder über Arbeit sprechen und dabei reichlich heiße Luft emittieren. Selbst haben sie immer häufiger mit echter Arbeit…/ mehr

Claudio Casula / 29.04.2024 / 12:00 / 103

Hamburg auf Kalifat-Kurs

Seit vielen Jahren ist Hamburg eine Hochburg des Islamismus, doch die Behörden haben vor allem ein Auge auf den Rechtsextremismus. Am Wochenende riefen hier über 1.000 Islamisten…/ mehr

Claudio Casula / 27.04.2024 / 06:00 / 100

Mario Voigt und die Lizenz zum Twittern

Im digitalen Raum regt sich unvermindert Widerstand. Jetzt liebäugelt auch Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt mit Zensur-Fantasien. Mehr als vier Jahre ist es her, da wurde die Wahl eines…/ mehr

Claudio Casula / 25.04.2024 / 06:00 / 108

Boris der Große im ZDF

Ein Film über Verteidigungsminister Boris Pistorius im ZDF wird als Meisterwerk der Hofberichterstattung in die Fernsehgeschichte eingehen. Vor einer Woche zeigte das ZDF die Doku „Mensch Merz!…/ mehr

Claudio Casula / 24.04.2024 / 06:25 / 58

Mit Inhalierscham das Klima retten

Schlechte Nachrichten für die 6,1 Millionen Patienten in Deutschland, die auf Inhalatoren angewiesen sind: Sie sind von einer neuen EU-Verordnung betroffen. Die Verordnung über fluorierte Treibhausgase und…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com