
Es gibt doch virtuell geschaffene Welten. Alle jungen Menschen, die glauben, dass der neue Sozialismus besser sein soll als der alte, sollte in so eine virtuelle Welt eintauchen und sich die DDR und Polen vor der Wende ansehen. Das wird dem einen oder anderen doch wieder die Augen öffnen. Denn wer das wirklich will, dem ist nicht mehr zu helfen.
Ich war in meiner Jugend im Osten immer recht interessiert an den Gesellschaftswissenschaften. Es war einfach spannend, und man konnte die Widersprüche zwischen Theorie und Praxis mit Händen greifen und spürte das auch am gequälten Gebahren der Lehrer. Heute fängt der Widerspruch schon damit an, dass von Marx und Sozialismus gesprochen wird. Marx hatte das kapitalistische Gesellschaftssystem des 19. Jahrhunderts mit seinen Widersprüchen analysiert und die These aufgeworfen, dass diese nur mit einer klassenlosen Gesellschaft zu lösen seien. Der Alltag in einer solchen Gesellschaft und der Weg dahin haben ihn nicht sonderlich interessiert. Diese klassenlose Gesellschaft ist aber der Kommunismus. Der Sozialismus ist eher eine Erfindung von Lenin und Konsorten und als Übergangslösung in Richtung Kommunismus gedacht. Wer heute von Sozialismus spricht, der redet, bewusst oder unbewusst, einer Zukunft das Wort, die mehr mit Pol Pot, Mao Tse Tung und Stalin zu tun hat als mit sozialer Gerechtigkeit. Das muss man immer wieder laut sagen und vor allem seinen Kindern erklären. Und noch etwas: Wer im Osten gelebt hat, der weiss, dass der Sozialismus dort enorm echt war, echter geht es gar nicht.
“Fragt man Verfechter des „echten“ Sozialismus aber, was denn genau „unecht“ war am real existierenden Sozialismus, und was sie genau anders gemacht hätten, so fällt es diesen schwer, die Frage zu beantworten. ” Ich glaube da kann ich ihnen helfen ;-) Ein Beispiel gefällig.: Nach Marx ist Kommunismus ( oft verwechselt mit Sozialismus ) nur in hoch entwickelten Industriegesellschaften machbar. Europa galt nach seiner Meinung damaligen Zeitpunkt in weiten Teilen zu einen solchen. “Rußland” keineswegs!!! Das war ein feudaler Agrarstaat und weite Teile des Landes hatten noch nicht einmal Strom. Das Problem an der zutiefst humanen, sozialen und gerechten Idee sind die Menschen….zumindest einige Menschen. Bei Farm der Tiere sind das die Schweine. Überhaupt findet man in diesen nett verfilmten Buch eigentlich schon alles was es zu dem Thema zu sagen gibt.
Zustimmung! Vielen Dank für diese gelungene kompakte Darstellung des sozialistischen Zeitgeistes.
Der Begriff Sozialismus sollte vielleicht eher medizinisch oder psychologisch unter dem Themenbereich Pubertät definiert werden. Politisch wäre der Sozialismus errreicht, wenn alle Menschen genug zu essen haben, ein Dach über dem Kopf haben und ihre Blöße bedecken können. Einige Unterschiede materieller oder sonstiger Art können dann gerne bestehen.
Im Sozialismus ein Projekt zu sehen, das dem Kapitalismus entgegentritt, greift doch viel zu kurz. Es begann mitnichten erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die sozialistische Idee ist die säkularisierte Version der Erlösungsreligion. Diese entspricht und entspringt einem tiefen menschlich Bedürfnis, ist Resultat der Erfahrung der “Entfremdung” von einem tatsächlichen oder vermeintlichen Urzustand, des Empfindes von Schuld, ist eine menschliche Konstante. Deshalb wird diese Idee auch ewig Bestand haben und vorausgegangene Katastrophen ihrer Umsetzung werden immer nur kurzfristig hemmend wirken. Sozialismus als Vorstellung ist ein Trieb, wie Gier oder Sex. Kapitalismus dagegen ist ein Produkt gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklung. Er wird verschwinden, irgendwann, durch etwas abgelöst werden, das wir noch nicht kennen. Am Anfang wird man es gar nicht merken, was da passiert. Möglicherweise sind wir an diesem Anfang, möglicherweise existiert er auch noch hundert Jahre. Aber er ist, so effektiv er war und noch ist, genausowenig Endstadium der Geschichte wie Sozialismus oder Kommunismus es sind. Die “soziale Markwirtschaft” war ja eine Antwort auf den Sozialismustrieb. Die Gesellschaften werden eine moderate Antwort auf diesen Trieb finden, um ihn zu bändigen, oder der Trieb wird sich erneut ausleben, mit immer den gleichen katastrophalen Folgen natürlich. Aber das try and error wird man nicht verhindern können. Wer an die Effektivität des Kapitalismus glaubt ohne diesen menschlichen Trieb als Konstante zu berücksichtigen, agiert genauso unbelehrbar wie die immer neuen Sozialisten.
Soziale bzw. sozialistische wie auch grüne Utopien stehen immer unter der Voraussetzung: Wenn alle Menschen dies und jenes tun würden sowie dies und jenes unterlassen würden. Diese Utopien wollen immer den für sie passenden Menschen schaffen. Habe das hier schon einmal gereimt ausgedrückt: Sie führen Gottgleiches im Schilde, wollen Menschen schaffen nach ihrem Bilde. Das funktioniert natürlich nicht, denn: Gar nicht lässt sich ein Gott kopieren, Menschen sind nicht zu transformieren. Das fängt jedoch nicht erst mit dem Sozialismus an. Das Christentum enthält auch soziale Utopien die bekanntlich in kirchlichen Dogmen und Kreuzzügen mit vielen Opfern endeten. Deshalb: Geschichte wiederholt sich nicht - Die Geschichte des Menschen folgt immer Sentenzen, die stets das Gute wollen, verwandeln sich doch bald in Sollen. - Und wer sich gegen Sollen wehrt, wird bald gar nicht mehr verehrt. Man nimmt ihm Rede, Brot und Leben, das Pseudogute anzustreben. - Hat dieses “Gute” dann gewonnen, ist es bald ins Nichts zerronnen, entfaltet Terror und Gewalt, ganz allein zum Macherhalt. - Seh’ ich es in diesem Lichte, wiederholt sich doch Geschichte.
Man fühlt sich unwillkürlich an die verlogene Islam/Islamisten Diskussion erinnert. In jeder öffentlichen Diskussion wird ja von Muslimen angeführt, dass die Faschisten von IS/Hisbolla/HAMAS/Boko Haram etc. nicht dem “echten” Islam entsprechen würden. Der wäre ja friedlich und verträglich. Wers glaubt, bekommt gratis 72 Jungfrauen spendiert. Ich komme aus einer alten Sozenfamilie und bin in den 80ern in der DDR gewesen. Was ich dort erlebte hat mich damals (wie heute) einfach nur entsetzt. Der Umgang des “real existierenden Sozialismus” mit den Menschen war für mich schrecklich. Unsere Gruppe hatte einen Betreuer gestellt bekommen und an einem Abend haben wir den Mann abgefüllt und er hat dann mal so richtig über seinen Staat gelästert. Am nächsten Morgen kam er zu uns, er war bleich wie eine Wand und bat darum, dass wir bloß Nichts, was er gesagt hatte weitergeben sollten. Das wäre für ihn wirklich gefährlich. Dies kam mir sehr bekannt vor, denn meinem Opa (Gewerkschafter) hatten die Nazis in den 30er Jahren erzählt “Bernhard, holt din Mul oder du geihst no Neuengamme!” (Bernhard, halt dein Maul oder die gehst nach Neuengamme=Hamburger KZ) Seither bin ich vor Allem Antitotalitarist und politisches Dogma ist mir einfach widerlich! Aber einem Dogma oder einer dogmatischen Religion zu folgen ist für Viele sicherlich einfacher, als ein selbstbestimmtes, freies Leben zu führen. P.s.: denkt bitte an die Demos heute um 13 Uhr und geht hin!
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