„Millennial Socialism“: Warum fällt der Groschen nicht?

Von Kristian Niemietz.

Der Sozialismus ist, unter dem Stichwort „Millennial Socialism“, wieder in Mode gekommen. Zahlreiche Umfragen zeigen, dass sich sowohl die sozialistische Idee im Allgemeinen, als auch konkrete sozialistische Politikrezepte wie Industrieverstaatlichungen hoher Beliebtheit erfreuen, und das insbesondere unter jungen Leuten.

Millennial Socialism ist allerdings keine Sowjet- oder DDR-Nostalgie, sondern vielmehr die Vorstellung, dass es sich bei früheren Sozialismus-Modellen nicht um „echten“ Sozialismus gehandelt habe, und dass beim nächsten Mal alles anders werden wird. Es gilt heute als vulgär und proletenhaft, einem Sozialisten das Scheitern des real existierenden Sozialismus vorzuhalten. Dumme Menschen beurteilen den Sozialismus nach seinen Ergebnissen, intelligente Menschen beurteilen den Sozialismus nach seinen ursprünglichen Intentionen – so zumindest die gängige Meinung. Wer glaubt, die Bilanz des real existierenden Sozialismus sage etwas über die Idee des Sozialismus aus, der ist nur nicht klug genug, um zu verstehen, dass Marx ursprünglich etwas völlig anderes im Sinne hatte. Einem demokratischen Sozialisten den Stalinismus oder den Maoismus entgegenzuhalten, ist in dieser Interpretation genauso prollig, als würde man einem friedlichen Muslim die Gräueltaten von al-Quaida oder dem Islamischen Staat entgegenhalten.

Fragt man Verfechter des „echten“ Sozialismus aber, was denn genau „unecht“ war am real existierenden Sozialismus, und was sie genau anders gemacht hätten, so fällt es diesen schwer, die Frage zu beantworten. Sie ziehen es dann vor, ins Abstrakte zu flüchten. Sie sprechen lieber über hochtrabende Ziele, als über konkrete Institutionen und Mechanismen. Sie bemerken dabei meist nicht, dass diese hochtrabenden Ziele nichts Neues sind, sondern dass sie damit nur paraphrasieren, was Lenin, Honecker, Ceausescu, Hoxha, Mao, Chavez usw. ursprünglich auch einmal gesagt haben. Dass im Sozialismus die Macht vom Volke ausgehen soll, und nicht von einem hierarchischen Beamtenapparat, ist keine Neuinterpretation des Sozialismus. Das war immer schon die Idee. Das wollte Lenin ursprünglich auch.

„Echten“ Sozialismus hat es noch nie gegeben

„Echte“ Sozialisten definieren den „echten“ Sozialismus über die Ergebnisse, die sie sich von diesem erhoffen. Indem sie diese Ergebnisse in die Definition des „echten“ Sozialismus hineinmischen, machen sie die Behauptung, „echten“ Sozialismus habe es noch nie gegeben, unwiderlegbar. Es ist, als würden wir einen Regentanz definieren als „einen Tanz, der Regen erzeugt“, und nicht als einen Tanz, der Regen erzeugen soll. Unter letzterer Definition könnten wir, nach einer ausreichend großen Zahl von gescheiterten Experimenten, schlussfolgern, dass ein Tanz höchstwahrscheinlich keinen Regen erzeugen kann. Unter ersterer Definition ist das nicht möglich, denn dass er Regen erzeugt, steckt ja schon in der Definition drin. Die gescheiterten Versuche können also keine „echten“ Regentänze gewesen sein, denn wenn einer von diesen echt gewesen wäre, dann hätte er ja Regen erzeugt.

„Echten“ Sozialismus, im Sinne einer hierarchielosen Arbeiterdemokratie, hat es noch nie gegeben, und es kann ihn, wie in diesem Buch erläutert wurde (Sozialismus: Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt“, Anm. d. Red.) auch nicht geben. Da es aber eine ausreichend nebulöse Vision ist, ist es leicht, diese zeitweilig in real existierende Gesellschaftsmodelle hineinzuprojizieren. Aus dem gleichen Grund ist es ebenso leicht, diese Projektion dann rasch wieder abzuschalten. Genau das tun westliche Intellektuelle seit einem Jahrhundert. Schon vor über drei Jahrzehnten schrieb Hayek:

Die vergebliche Suche der Intellektuellen nach einer echten sozialistischen Gemeinschaft […] führt zu einer Idealisierung, und dann zur Desillusionierung, mit einer offenbar endlosen Kette von „Utopien“ – die Sowjetunion, dann Kuba, China, Jugoslawien, Vietnam, Tansania, Nicaragua“ (siehe Hayek: „Die verhängnisvolle Anmaßung. Die Irrtümer des Sozialismus“).

Diese Kette ist in der Zwischenzeit noch länger geworden.

Ein ewiger Reigen

Sozialistische Experimente durchlaufen, was ihre Wahrnehmung im Westen angeht, in der Regel drei Stufen. Es beginnt mit den Flitterwochen, einer Phase, in der das System ein paar (tatsächliche oder vermeintliche) Anfangserfolge erzielt, und in der sein internationales Ansehen dementsprechend recht hoch ist. Während dieser Phase stellen westliche Intellektuelle das Projekt gerne als Paradebeispiel für echten Sozialismus hin, welches zeige, dass der Sozialismus doch funktioniert.

Die Flitterwochen halten nie viel länger als ein Jahrzehnt an. Dann sprechen sich die Verfehlungen des Systems allmählich herum, und der internationale Ruf des Systems leidet. Jetzt beginnt die zweite, konfuse Phase, in der westliche Intellektuelle in die Defensive gehen und fieberhaft nach Ausreden suchen.

Aber irgendwann kommt immer der Punkt, an dem das Scheitern des Systems so offensichtlich und sein internationaler Ruf so irreparabel geschädigt ist, dass die meisten Sozialisten einsehen, dass sie mit der Verteidigung dieses Systems keinen Blumentopf mehr gewinnen können. Kleine Sekten von Unbelehrbaren halten immer noch daran fest, aber alle Mainstream-Intellektuellen verabschieden sich nach und nach stillschweigend. Die Party ist vorbei.

Sobald dann ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist, beginnen westliche Intellektuelle damit, den sozialistischen Charakter des Regimes im Nachhinein zu bestreiten. Die Losung lautet jetzt: Das System war nie sozialistisch, und wer etwas anderes behauptet, der hat den Sozialismus einfach nicht verstanden.

Neue Arbeiterparadiese füllten jetzt die Lücke

Es begann Ende der Zwanziger Jahre mit der Sowjetunion. In der „Roten Dekade“ der 1930er strömten westliche Intellektuelle zu Tausenden in den „ersten Arbeiterstaat der Welt“. Während dort Millionen verhungerten, hingerichtet wurden oder sich in Gulags zu Tode arbeiten mussten, glaubten westliche Intellektuelle, sie hätten das Arbeiterparadies der Zukunft gesehen.

Erst mit dem Einmarsch der Sowjetunion in den Osten Polens endeten für die Sowjetunion die Flitterwochen, und Phase 2 begann. Als der Kalte Krieg begann, rückten westliche Intellektuelle von der Sowjetunion ab.

Mitte der sechziger Jahre war die Rote Dekade längst vergessen, und der sowjetische Sozialismus war rückwirkend zum „unechten“ Sozialismus geworden. Neue Arbeiterparadiese füllten jetzt die Lücke und selbst von diesen sind die meisten nur minimal besser. Die Leute sind also keineswegs „uninformiert“ – sie sind vielmehr systematisch fehlinformiert. Sie irren sich immer in die gleiche Richtung: Sie unterschätzen systematisch den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in der Welt. Auch hierin sehen wir die intellektuelle Hegemonie des Antikapitalismus. Der Kapitalismus kann noch so erfolgreich sein – es wird ihm doch nichts nützen, wenn wir die Welt immer nur durch die Brille sehen, die seine Gegner uns aufgesetzt haben.

Mehr als zwei Dutzend Versuche, sozialistische Gesellschaften zu errichten, sind grandios gescheitert. Aber der Sozialismus bleibt. Der instinktive, impulsive Antikapitalismus liegt uns einfach im Blut. Der Kapitalismus kann noch so viele Erfolge aufweisen, aber er fühlt sich einfach falsch an. Wir tolerieren ihn vielleicht, aber etwas in uns sträubt sich gegen ihn. Wer Argumente liefert, die dieses Bauchgefühl zu rechtfertigen scheinen, der kann damit leicht zum Bestsellerautor aufsteigen oder zum Dauergast in politischen Talkshows werden. Der seichteste, oberflächlichste Antikapitalismus wird beim Publikum immer besser ankommen als das durchdachteste Plädoyer für die Marktwirtschaft. Ironischerweise ist es die Ablehnung der Marktwirtschaft, die Markterfolg garantiert, während die Befürworter der Marktwirtschaft selbst den Markttest nicht bestehen.

Was tun angesichts der Diskurshoheit der Antikapitalisten?

Daran, dass die Zahl der Kapitalismushasser die der Kapitalismus-Befürworter um ein Vielfaches übersteigt, können wir nichts ändern. Das wird so bleiben. Noch viel größer aber ist die Zahl derer, die weder das eine noch das andere sind. Eine latente Kapitalismus-Aversion mag immer da sein, aber diese muss nicht immer zu einer Massenbewegung anwachsen. Beliebt wird der Kapitalismus nie sein, und es wird nie als „cool“ gelten, marktliberal oder konservativ zu sein. Aber Zahnarztbesuche und Kfz-Haftpflichtversicherungen sind auch weder beliebt noch gelten sie als „cool“, und doch führt das nicht zu Massenrevolten gegen diese.

Die YouTube-Videos von marxistischen Medienprojekten wie Novara Media erreichen im Schnitt etwa eine Drittelmillion von Zuschauern. Das ist zwar wesentlich mehr als die Zuschauerzahlen von vergleichbaren marktliberalen oder konservativen Projekten, aber es macht trotzdem nur einen Bruchteil der Corbyn-Bewegung aus, zumal, wenn man bedenkt, dass dies weltweite Zuschauerzahlen sind. Als 2017 zwei Drittel aller Wähler unter 30 ihr Kreuz bei Jeremy Corbyn machten, geschah das nicht, weil sie ihn allesamt für den Karl Marx des 21. Jahrhunderts hielten. Sie hielten Corbyn vielmehr für einen gutmütigen, grundanständigen Menschen, der ihre Probleme verstand.

Einen solchen Vertrauens- und Sympathievorschuss werden Fürsprecher der Marktwirtschaft nie genießen. Aber es gibt doch zumindest ein Pfund, mit dem Marktwirtschaftler Sozialisten gegenüber wuchern können: Anders als letztere können wir auf eine Fülle von konkreten, greifbaren, praxiserprobten Erfolgsbeispielen in der realen Welt verweisen.

Natürlich gibt es in jedem Land mit einer marktbasierten Wirtschaftsordnung auch irgendwelche Probleme. Aber es gibt eben einen riesigen qualitativen Unterschied zwischen den Problemen, die wir im Sozialismus sehen, und denen, die wir im Kapitalismus sehen. Die Probleme, die wir in sozialistischen Wirtschaften sehen, sind immer die Gleichen. Die Probleme, die wir in kapitalistischen Wirtschaften sehen, sind dagegen hochgradig ortsspezifisch; sie variieren von Land zu Land, und oft sogar von Region zu Region. Für jedes Problem, das wir in einer bestimmten kapitalistischen Wirtschaft sehen, können wir auch irgendwo eine nicht minder kapitalistische Wirtschaft finden, in der es dieses Problem nicht gibt.

Man kann so gut wie immer eine marktkompatible Lösung finden

Würde sich ein Ostdeutscher, der sich noch an die DDR erinnert, mit einem Russen, der sich noch an die Sowjetunion erinnert, einem Flüchtling aus Nordkorea, einem Angolaner, der sich noch an die dortige Volksrepublik erinnert, und einem Exil-Kubaner, über die Probleme, die sie in ihrem jeweiligen Sozialismus-Modell hatten, unterhalten, so würden sich viele Überschneidungen ergeben. Würde sich dagegen ein Deutscher mit einem Briten, einem Niederländer, einem Neuseeländer, einem Kalifornier, einem Texaner, einem Spanier und einem Japaner über die Probleme in ihrem jeweiligen Kapitalismus-Modell unterhalten, so gäbe es hier weit weniger Überschneidung.

Die beiden Amerikaner würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit über die extrem hohen Kosten der Krankenversicherung in ihrem Land beschweren: Die USA geben ca. 17 Prozent ihres Bruttosozialproduktes für Gesundheit aus, und etwa jeder Zehnte hat überhaupt keine Krankenversicherung. Das käme dem Niederländer vermutlich seltsam vor. In den Niederlanden, wo die Gesundheit auch nicht weniger marktwirtschaftlich organisiert ist als in den USA, bekommt man für ca. 10 Prozent des Sozialproduktes eines der besten Gesundheitssysteme der Welt (siehe Kristian Niemietz „Universal Healthcare Without the NHS“). Der Brite und der Kalifornier würden sich möglicherweise über die extrem hohen Wohnungskosten in ihrem Land beziehungsweise Bundesstaat beschweren. Der Texaner und der Spanier könnten hier nicht mitreden, denn diese sind vermutlich an wesentlich günstigeren Wohnraum gewöhnt. Der Spanier würde wohl die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit in seinem Land ansprechen, ein Problem, das dem Briten und dem Deutschen als weit weniger dringlich erscheinen würde.

Kurz gesagt: Was auch immer das Problem ist, man kann so gut wie immer eine marktkompatible Lösung finden, die es, zumindest näherungsweise, in der Praxis schon irgendwo gibt. Liberalismus muss also keinesfalls einfach nur eine Verteidigung des Status quo sein. Liberale können den Status quo in Teilen sogar sehr scharf kritisieren – und das ganz ohne ein Abgleiten in einen Utopismus, der dem der Sozialisten ähneln würde. Die liberale Kritik am Status quo lautet dann gerade nicht „das war kein echter Kapitalismus; echten Kapitalismus gab’s noch nie.“ Sie lautet stattdessen: „Der real existierende Kapitalismus ist schon ziemlich gut – aber er könnte sogar noch viel besser sein. In den Politikbereichen X, Y und Z finden wir in den Ländern A, B und C Ansätze, die nicht minder marktwirtschaftlich sind als unsere, und die erwiesenermaßen besser funktionieren.“

Wer so argumentiert, der kann teils sehr radikale Veränderungen fordern, und dabei doch im Bereich dessen bleiben, was bereits real irgendwo existiert. Ein Publikum, dass lieber der nächsten Utopie hinterherjagen will, wird sich davon nicht überzeugen lassen. Einem Publikum aber, das sich von der rhetorischen Schaumschlägerei der Sozialisten nicht so leicht beeindrucken lässt, könnte diese Kombination aus Reformeifer auf der einen Seite, und einer Vorliebe für das Konkrete und bereits Erprobte auf der anderen durchaus zusagen.

Den ersten Teil dieser Beitragsfolge lesen Sie hier.

Lesen Sie morgen: Von „echtem“ und „unechtem“ Sozialismus.

Dies ist ein Auszug aus „Sozialismus: Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt“ von Kristian Niemietz, 2021, München: FinanzBuch Verlag, hier bestellbar.

Foto: Tim Maxeiner

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K.Lehmann / 13.03.2021

Also ich hab’ mich als Berliner (West) im Kapitalismus immer wohl gefühlt. Nur in den letzten 30 Jahren hat man das irgendwie kaputt gemacht. Da bleibt nicht mehr viel vom “wohlfühlen” übrig….

B. Ollo / 13.03.2021

Das Fabulieren vom “echten Sozialismus” ist im Wesentlichen eine westliche Macke totalitärer Fantasien. Es beruht immer auf den selben Grundannahmen: Wenn jeder sich auf eine bestimmte Art gleich verhalten würde, sich dem Ganzen unterordnet, dann ... und wer dagegen ist, der wird bitter bekämpft. Im muslimischen Kreis führte diese Grundannahme zur Bildung des Islamischen Staats. Auch dieser ist ein genauso entzückendes Produkt möchtegern-intellektueller Menschenhasser. Auch dort hieß es, wer sich an die Regeln hält, den richtigen Glauben hat und wer alle Kritiker und Gegner brutal bekämpft, der lebt im Paradies auf Erden. Die Organisations-Struktur war sogar dort ähnlich, der IS versorgte seine Unterstützer fürstlich, wie man es vom Sozialismus kennt. Wie im Sozialismus kamen beim IS die Gegner ins Arbeitslager, verrichteten Sklavenarbeit. Eine Forderung, die man auf jedem Parteitag der Linken hören kann. Der einzige Unterschied war nur, dass die Religion die Religion war und nicht die Staatsform. Kapitalismus ist nicht das Gegenteil von Sozialismus. Sozialismus, der auch nur für kurze Zeit funktionieren soll, muss immer kapitalistische Züge haben. Das Gegenteil von Sozialismus ist Liberalismus, Freiheit. Nur ein System, dass jedem Menschen in gewissen Grenzen ermöglicht, frei zu handeln, sich frei zu organisieren, auch sich frei mit anderen der eigenen Wahl zu solidarisieren, kann überhaupt “eine bessere Welt” schaffen. In einer besseren Welt gibt es keinen Zwang, sondern nur Freiheit und Möglichkeiten. Sozialismus kommt nie ohne Zwang aus, weil es darin nicht sein darf, dass es einem besser als dem anderen geht. Ist das der Fall, schürt das sofort Neid und Hass und führt zur Denunziation. Sozialismus appelliert immer an die niederen Instinkte, führt aber nie zum Besseren.

Heinrich Wägner / 13.03.2021

Echter Sozialismus, unechter Sozialismus.  Mein Gott wird da viel geschwafelt von Denen die nie den Sozialismus ob nun echt oder unecht erlebt haben. Fragen sie die, die Jahrzehnte in in diesen Verhältnissen leben mussten. Die ihnen sagen können wiviel Astlöcher die Klapppritsche an der Wand in der Dunkelhaft im Arbeitslager Berndshof hatte. Wir werden immer weniger. Und wenn es uns nicht mehr gibt ist alles Paletti . Keiner wird sich mehr erinnern wie SCHÖN der Sozialismus in der Deutschen DEMOKRATISCHEN Republik war. Die Parteien der Nationalen Front, CDUCSUSPDFDPSEDGRÜNE , Wir Schaffen das !

Dr Stefan Lehnhoff / 13.03.2021

Das Thema ist durchlöchert von ungenauen Scheindebatten, wo jeder definierend selektiert, wie er will. Obschon ich meine eigene Grundhaltung als recht libertäre bezeichnen würde, gebe ich Herrn Rosenhain recht: Der Ur-Mensch lebte in und von der Geborgenheit einer quasi-sozialistischen Kleingruppe und Erst Besitz brachte den Krieg wirklich in die Welt. Die moderne Welt ist kompliziert und schnell und brutal, da gibt es eine Sehnsucht nicht nur, aber gerade der Minderbemittelten gleich zu sein, selbst unter einer Herrschaftselite. Das abzustreiten oder lächerlich zu machen ist dumm. Man muss damit umgehen. Auch muss man mit dem Begriff Kapitalismus vorsichtig sein- was ist das und wo gibt es das auch nur annähernd? (Vermutlich nirgendwo) Ich will mehr Freiheit und mehr Marktwirtschaft und vor allem will ich nicht, dass die Milliardäre von heute als Kapitalisten durchgehen, es sind eher Finanzsozialisten, die sozialistische Idioten zu ihren Hilfstruppen machen. Aber Ideologien sind immer schlechte Modelle für die Wirklichkeit, auch die kapitalistische.

Richard Loewe / 13.03.2021

es sind genau solche peinlichen Beiträge, die vor allem Jugendliche zum Sozialismus führen. Niemand, absolut niemand ist für den theoretischen Sozialismus, schon gar Millenial. Ich frage meine Studenten regelmäßig, ob sie ihre Klamotten, iPhone und später mal ein Haus besitzen wollen. Ich habe noch keinen gefunden, der nein gesagt hat und damit ist das eine Axiom (kein Privatbesitz) der Theorie des historischen Materialismus’ weg. Ich habe auch noch keinen Studenten gehabt, der es moralisch gut fände, keine Freunde, und keine Eltern zu haben, oder daß alle die gleiche Note bekämen. Damit ist das zweite Axiom, nämlich das Gleichhandeln aller Menschen vom Tisch. Es ist kompletter Blödsinn, daß Menschen immer positiv über die Theorie des Sozialismus’ fühlen und immer nur die Geschichte vergessen.

Jan-Hendrik Schmidt / 13.03.2021

Man wird das Phänomen Sozialismus auch nicht vollständig erklären können, wenn man weiter die Frage außer acht lässt, welche menschlichen Persönlichkeitsstrukturen vorliegen müssen, um sich von sozialistischen Ideen angesprochen zu fühlen. Welcher Menschenschlag ist es, der sich zu sozialistischen Idealen hingezogen fühlt? Verdächtig fand ich immer das Eintreten von Intellektuellen für die Belange der Arbeiterklasse. Es gibt kaum jemanden, den westliche Intellektuelle mehr verachten, als den Proll am Ballermann, der zu Wolfgang-Petry-Musik um den Sangria-Eimer tanzt. Das aber ist der Proletarier wie er leibt und lebt. Zugegeben in klischeehaft zugespitzter Form. Warum wurde die Arbeiterklasse von den Intellektuellen zum Helden der Geschichte erklärt? Wurde der Arbeiter von den Intellektuellen vielleicht nur instrumentalisiert, um gegen die Bosse und ihren Reichtum zu stänkern? Litten die Intellektuellen unter folgendem Befund: intelligent, aber wirtschaftlich impotetent? Klug, aber arbeitsscheu bzw. den unbestreitbaren Verzicht an Freizeit und Lebenskomfort scheuend, um wirtschaftliche Reichtümer zu erarbeiten? Entstand die Dynamik des Kapitalismus in der Anglosphäre nicht auch aus Puritanismus und Calvinismus, in Deutschland aus dem preußischem Protestantimus? Alles Dinge, welche die Sozialisten verabscheuten, wie der Teufel das Weihwasser. Wir müssen den Sozialismus stärker unter dem Aspekt der psychologischen und mentalen Struktur seiner Protagonisten betrachten, um Antworten für seine scheinbar unsterbliche Attraktivität zu erhalten.

Volker Kleinophorst / 13.03.2021

Mit dem Frame “Gerechtigkeit” kann man besonders jungen Menschen gut ködern, Da diese eben nicht wissen, dass unter “Gerechtigkeit” jeder etwas anderes versteht, diese auf dem Verordungswege nicht herzustellen ist und wenn überhaupt immer in Richtung alle gleich arm (Funktionäre selbstredend ausgenommen) nie zu einen kollektiven Leben in Überfluss und Glückseligkeit führt. Links als in ich jung war. Interessant. Alle dagegen, blumige Reden. meine Ernüchterung kam allerdings früh. RAF war nicht mein Dig und der erste DDR-Besuch 1973 (Da hätte ich nicht tot überm Zaun hängen wollen. in so einem Land zu leben, wie in einem Knast. Horror. Genau wie jetzt auch.) haben links bei mir desillusioniert. Ich versehe ehrlich gesagt nicht, warum viele so extrem lange daran festhalten. Links sprach doch immer schon für sich.

Holger Sulz / 13.03.2021

@ Jürg Casanova Es freut mich, daß hier etliche meine kurz und bündige Definition des Sozialismus als Schmarotzerideal teilen, der “Arbeiter” gehört längst nicht mehr zur Klientel. Zweifelsfrei gehören aber überwältigende Teile der von Ihnen genannten Gruppen dazu, insbesondere die hochsubventionierten Maden des “Kulturbetriebs” (Deutsch mich nicht an!) und mediokren Schmierfinken der Afterjournaille, die SED ist längst wiedererstanden. Der tödliche Fehler des Bürgertums war es, die hochkriminelle Energie und absolute Skrupellosigkeit des neosozialistischen Packs zu ignorieren. Man hätte es wissen können: “Ein sozialistisches System erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert” (Solschenyzin), längst finden Treibjagden auf den politischen Gegner durch die Merkel-Junta statt und bald werden wir auch wieder wissen, was bei den Stalinschen “Säuberungen” so abging. Die Antifa-SA als Schlägertruppe der New world-Propagandisten von Gates bis Zuckerberg und Bezos- gestandene Altsozialisten drehen sich im Grabe um. Kann man sich nicht ausdenken…

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