Gastautor / 28.04.2024 / 10:00 / Foto: Pixabay / 47 / Seite ausdrucken

Sozialismus: Der lachende Hase im Schnee

Von Boris Blaha.

„Wenn Sie einmal links und einmal rechts am Hasen vorbei schießen, ist der Hase statistisch gesehen tot, hält sich aber den Bauch vor Lachen.“ Eine kurze Geschichte des Sozialismus.

Die erste Version des Sozialismus beruhte auf den von Marx entdeckten Naturgesetzen der Geschichte. Für seine deutschen Anhänger hatte dieser gesetzliche Verlauf den großen Vorteil, dass man sich um die gegenwärtige Lage des damaligen Kaiserreichs keine großen Gedanken machen musste, denn es war ja von vornherein ausgemacht, wo das Ganze enden wird: im Zusammenbruch der bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft. Dessen war man ganz sicher. Man übernahm von den protestantischen Endzeitsekten den kommenden Weltuntergang, verkürzte die Zeitspanne und übertrug die christlichen Tugenden Glaube und Hoffnung auf die Weltrevolution.

Man konnte sich daher beruhigt um wichtigere Dinge kümmern, die Entwicklung den Gesetzen überlassen und sich gemütlich auf den Tag X vorbereiten, an dem einem die volle Macht wie von selbst in den Schoß fallen würde. Der Rest war eine reine Organisations- und Modellierungsfrage und da es sich bei den ersten Genossen überwiegend um Handwerker handelte, wussten sie, wie man das mit der Neuen Gesellschaft und dem Neuen Menschen machen muss, ein bisschen absägen hier, ein bisschen die Ecken und Kanten rund feilen dort, was vorlaut hervorragt auf ordentliches Gleichmaß zurechtstutzen und den Materialausschuss entsorgen.

Da es sich aber um Geschichte und nicht Natur handelte, hatten die Marxschen Gesetze so ihre Tücken. Die Geschichte verzettelte sich in lauter unterschiedliche Geschichten, und diese machten auch noch, was sie wollten und hielten sich einfach nicht an die Marxschen Vorschriften. So brach unglücklicherweise die erste kommunistische Revolution ausgerechnet im ökonomisch rückständigsten Land des damaligen Europas aus. Man erfand aberwitzige intellektuelle Verrenkungen, um die widerspenstige Wirklichkeit wieder mit einer Theorie zu versöhnen, an der aus religiösen Gründen nicht gezweifelt werden durfte. Man stelle sich vor, die frühen Christen hätten bei den ersten Konflikten gesagt, tut uns leid, wir haben uns in Gott geirrt, es gibt jetzt doch wieder mehr als einen. Zum Glück war der sozialistische Adressatenkreis von eher beschränktem politischem Verstand, da musste nur die neue Parteilinie vehement verkündet, Abweichlern und Zweiflern mit der ganzen Härte der Partei gedroht werden, dann schluckten die das schon.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Verelendungstheorie angesichts von Waschmaschinen, Autos und jährlichem Urlaub in Italien an Überzeugungskraft. Mit der unzuverlässigen Geschichte war kein Sozialismus mehr zu machen. Ohne Apokalypse keine Massenmobilisierung. Es musste etwas Neues her.  Man verlagerte das Gesetz in die Natur und machte zwischen Verbrauch und Ressourcen eine einfache Rechnung auf. Heraus kam die nächste drohende Katastrophe – die Grenzen des Wachstums. Auch dieser Versuch, eine stabile Herrschaftsideologie für Aktivisten in die Welt zu setzen, krankte an der begrenzten Fantasie seiner Erfinder. Bei jedem vorhergesagten „Ende des Erdöls“ Termin gab es mehr Vorkommen als je zuvor. Die fleißigen Rechner und Untergangsverkünder waren erneut blamiert. Das Problem: Erdölvorkommen sind eine Sache der zuverlässigen Erfahrung, man bohrt und findet etwas oder auch nichts. Wenn etwas hervorsprudelt, ist es wirklich da, es riecht, es klebt, es macht die Finger schmutzig.

Statistisch gesehen, ist der Hase tot

Der dritte groß angelegte Versuch startete irgendwann in den 80ern. Geschichte ging nicht, Natur auch nicht, man suchte etwas, was nicht so leicht von jedem hergelaufenen Skeptiker überprüfbar war – so kam man aufs Klima. Da braucht man schon riesengroße Rechner, um das auszurechnen, das ist nichts für Otto Normalverbraucher, kann er sich gar nicht leisten, und all die Daten, die man dafür einspeisen muss, hat er zum Glück auch nicht. Der Trick: Man musste nur den Leuten etwas als wirklich verkaufen, was in Wirklichkeit gar nicht da war, denn Klima ist, so steht es in jedem Lexikon, ein mit meteorologischen und statistischen Daten errechneter Mittelwert. Ein Mittelwert ist aber kein Bestandteil der erfahrbaren Wirklichkeit. Unser alter Statistik-Professor hatte uns Studenten damals noch mit einem einfachen Beispiel davor gewarnt, Statistik mit der Wirklichkeit zu verwechseln.

„Wenn Sie einmal links und einmal rechts am Hasen vorbeischießen“, sagte er, „ist der Hase statistisch gesehen tot. Der tatsächliche Hase hält sich aber bei diesen Schießkünsten den Bauch vor Lachen.“ Klima hat deswegen einen großen Vorteil: Es lässt sich nicht erfahren. Sie können nicht vor die Tür gehen, zu ihren Gästen zurückkommen und stolz verkünden: ich habe gerade Klima xy getroffen. Erfahren lassen sich nur Wetterphänomene. Wenn es regnet, wird man ohne Schirm nass, und wer bei Kälte zu dünn angezogen draußen herumrennt, holt sich den Schnief, das wussten schon die Großeltern.

Was auf der einen Seite wie ein Mangel aussieht, macht auf der anderen seinen großen Erfolg aus. Man muss Klima einfach glauben. Man braucht nur wie bei der Verbreitung des Christentums seine Jünger und Missionare in die ganze Welt hinausschicken, die medialen Verbreitungswege kontrollieren wie seinerzeit die Bücher im Kloster, und schon funktioniert es mit dem Klimaschwindel. Das gefährliche Lachen wird Euch vor lauter Angst schon vergehen. Irgendwie scheint aber auch das nicht so ganz zu klappen. Während die globale Propagandamaschinerie jeden Monat den heißesten Monat seit Menschengedenken verkündet, posten in den sozialen Medien die unverbesserlichen Selbstdenker Bilder vom Schnee im Garten. Alles wie immer im April.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei hannah-arendt.de.

 

Boris Blaha geb. 1960 in München; ist Publizist. Er studierte Geschichte, Soziologie, Sozial- und Kulturwissenschaften an den Universitäten Würzburg, Regensburg und Bremen hat den Abschluss M.A.. Zudem ist er Gründungsmitglied des „Hannah Arendt Preis für politisches Denken“.

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Wolfgang Richter / 28.04.2024

@ Dr. Joachim Lucas - “Warum reicht das nicht zur Erkenntnis ?” - Ist doch ganz einfach:  Es lag nie an der genialen Idee des Sozialismus, sondern an der Unzulänglichkeit von Einzelnen, die bei der Umsetzung halt leider Fehler machten. Und da die aktuellen Akteure, zB. das hiesige linksgrüne Spitzenpersonal, sich für genial und einfach nur ganz toll halten, sehen sie sich als Ausersehene, die “es” jetzt “richtig” machen. Und wenn “es” unter dem Oberbegriff “Klima” auch noch dazu dient, die Welt zu retten, dann kann doch “alles” nur noch gut werden. Und da selbige “Geschichte” und die Kenntnis dazu für völlig überbewertet ansehen, haben sie natürlich auch keine Idee dazu, daß gerade Deutschland schon mal von einem, der sich als von Gott ausersehen zur Rettung -allerdings nur Deutschlands” - im Spiegel beim Üben seiner Reden selbst auf die Schultern schlug, um das Land -und nicht nur das- sodann in die Katastrophe führte. “Sie” sind völlig “lernresistent”. Bleibt nur so hoffen, daß “wir” diesmal mit einem “blauen Auge” davon kommen.

Lutz Liebezeit / 28.04.2024

Seit der russische Oligarchenfreund, Wladimir Bukowski, das Phamplet “Die EU-Verschwörung” geschrieben hat, in der es um eine angebliche Okkupation des Westens und seines Bankensystems durch abgehalfterte Kommunisten des Ostens geht, hat sich eine schier undurchdringliche Phalanx gebildet, die bei ihm beginnt und sich über Ulfkotte, Kopp, Wisnewski, Achgut, Compact, Nuoviso und unzählige Mainstream-Autoren durch - fast - alle alternativen Medien zieht. Wenn das so unglaublich klar ist, daß die EU vom Sozialismus heimgesucht worden ist und Joseph Ackermann aus der Deutschen Bank in Wahrheit eine Kolchose gemacht hat, wieso muß das dann seit 25 Jahren mit jedem 2. Satz wiederholt werden? 64 Jahre und nichts dazu gelernt. Das ist auch keine geringe Leistung.

Ernst-Fr. Siebert / 28.04.2024

Frau Meyer: Wo haben Sie denn den Unsinn aufgeschnappt? “Der CDU-Politiker Voigt will den Bürgern rückziehbare Lizenzen dafür ausstellen lassen, sich im Netz äußern zu dürfen. Die Idee stammt nicht von ihm, sondern ist eine chinesische Praxis.” Ich meine damit, daß das “chinesische Praxis sei. Bitte bringen Sie 2 ... 3 Chinesen herbei, die das bestätigen. O.K., Chinesenbashing ist in, da kann man nicht anecken und das glauben sogar die Konservativen hier, bei Köppel, bei achgut und anderswo.

Hermann Sattler / 28.04.2024

Es gab mal (oder gibt es noch) eine Sekte, die in regelmäßigen Abständen den Weltuntergang prophezeite, hat nie geklappt. Nach dem “3. virtuellen Weltuntergang”  wurde es recht still in dieser Gemeinde. Sind die verbliebenen Untergangs Propheten grün lastig in der Ampel untergekommen? Der Gassenhauer der Straße damals hieß” Am 15,Mai (Termin wählbar) ist der Weltuntergang, wir leben nimmer lang” Neues grün-rotes Kampflied? lol

Norbert Brausse / 28.04.2024

Es kommt doch immer darauf, den Menschen Angst zu machen, um damit die eigene Ideologie den Menschen scheinbar glaubhaft nahe zu bringen. Und dazu braucht man, wie der Autor sehr treffend festgestellt hat, immer wieder eine neue Idee, wenn die alte von der Praxis widerlegt wurde. Was aber immer bleibt ist das schamlose Bereichern der Ideologen, denn schon Marx wollte selbst kein Proletarier sein und die heutigen Klimaideologen konnten sich bisher auch noch nicht durch eigene wertschöpfende Arbeit auszeichnen.

Lutz Liebezeit / 28.04.2024

Der Autor ist wieder einer der Guten vom Mainstream.  Hannah Arendt hat sich gefälligst von der Klima-Sekte, Olaf Scholz und den Pharma-Oligarchen mißbrauchen zu lassen, als Schutzschild gegen den braunen Spritzenterror wandert man ins Gefängnis.  Achgut ist ein Axel-Springer-Auslegen für Doofe.  64 Jahre und nichts dazu gelernt.

Friedrich Richter / 28.04.2024

Schon den frühen “Praktikern” des Marxismus, nämlich Lenin und Stalin, war klar, daß sich das Volk nur dann für den Sozialismus begeistern lässt, wenn man eine hinreichende Anzahl der Menschen tötet und vom verbleibenden Rest 20% permanent in Gefängnissen und Arbeitslagern hält. Wer halbwegs unbeschadet davonkommen will, präsentiert sich unter diesen Umständen nach aussen hin mehr oder weniger willig als “neuer Mensch”. Wer heute sozialistische Bestrebungen zeigt, müsste das eigentlich wissen, es sei denn, er hat noch kein Buch darüber gelesen, ergo keine Ahnung - was die Sache nicht besser macht. Eine ruinierte Volkswirtschaft führt die Gesellschaft in diese Richtung, ob man es sich eingestehen will oder nicht.

Lothar Jöckel / 28.04.2024

Und manchmal - in ganz seltenen Fällen - kann die immer wieder neu belebte Idee des Irrglaubens vom Sozialismus/Kommunismus auch zu einem Glücksfall für den Rest der Welt gelangen. Man stelle sich nur mal vor, der “große” Mao Zedong in seinem großen chinesischen Reich hätte nicht die Eingebungen vom “großen Sprung”  und/oder der “Kulturrevolution” in seinem Reich gehabt.  Dem großen und gläubigen Marx-Jünger Mao ist es doch mit diesen “genialen Ideen”  beinahe gelungen, sein schönes großes Reich China in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast in die Steinzeit zurück zu versetzen. Hätte er diese Ideen nicht gehabt und sie mit aller nur möglichen Gewalt auch durchzusetzen, währe doch China schon seit ein paar Jahrzehnten die Weltmacht Nummer eins auf diesem Planeten.

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