Die Kunst des Ingenieurs bestand einst darin, ein sparsames, erschwingliches und flottes Mobil hinzustellen, das die Leute kaufen wollten. Es soll ja Leute geben, die glauben, ein Auto fahre mit Benzin, Diesel oder Strom. Heute besteht die Kunst darin, die Brüsseler Planwirtschaft zu umschiffen wie einst Kapitän Edward John Smith die Eisberge. Oder Kohlenstoff-Gutschriften auszureizen wie ein Steuerberater die Abschreibungsmöglichkeiten. Und jetzt müssen die Hersteller auch noch für die Herkunft der zugekauften Teile einen Arier-Nachweis beibringen. Mit Autos bauen hat dieses Geschäft nur noch am Rande zu tun.
Die entsprechende Idee der EU-Kommission heißt „Industrial Accelerator Act“, was perfiderweise als „IAA“ abgekürzt wird, denn so hies einmal die „Internationale Automobil-Ausstellung“ und zog in Frankfurt Millionen von Menschen an. MIt dem Industrial Accelerator Act will man im Wesentlichen die böse chinesische Konkurrenz im Zaum halten, die die EU-Kommission und ihre hiesigen Freunde mit dem Verbrennerverbot überhaupt erst herangezüchtet hat.
Zölle wären keine so gute Idee, weil die deutsche Autoindustrie von China abhängiger ist als umgekehrt. Alle Räder stehen still wenn Xi Jinping es will. Also musste die Sache anders genannt und rethorisch ins Positive gewendet werden. Die Bevorzungung heimischer Wertschöpfung soll unter anderem verhindern, dass die Chinesen hierzulande auch noch das Gros der Öko-Subventionen und E-Auto-Prämien abgreifen (Wie bei Solarzellen etwa). Bedauerlicherweise haben die brüsseler Genies es so gestaltet, dass es höchstwahrscheinlich ein weiterer Sargnagel für die europäische Autoindustrie ist – und die Chinesen einfach nur abwarten müssen. Und so kreist der Entwurf des „Gesetzes zur Beschleunigung der Industrie“ derzeit durch die europäischen Gremien wie die Omas gegen Rechts durch einen Kreisverkehr.
Und dabei kann einem ja schon mal schwindelig werden: Das IAA soll nämlich das Überholen erleichtern, indem man noch schärfere Geschwindigkeitsbegrenzungen einführt. Erfunden hat das bekantlich Walter Ulbricht mit seinem Einfall „überholen ohne einzuholen“.
Und damit das noch mehr Spaß macht, ist der Vorgang jetzt elektrisch, denn die Regelungen betreffen vor allem E-Autos, die in irgendeiner Weise vom Staat gefördert oder beschafft werden. Da kein normaler Mensch ein E-Auto ohne Staatsknete kauft (wie sich inzwischen herausgestellt hat), gilt sie also praktisch für alle diese Fahrzeuge. Die EU-Kommission will unter anderem 70 Prozent Quoten für heimische Zulieferteile, Pflichtanteile für sogenannten grünen Stahl (hier auch bei Verbrennerautos) und Batterien (die in Europa gar nicht in dem nötigen Umfang hergestellt werden). Die ganze IAA-Quälliste erstreckt sich über 96 Seiten und vier Anhänge, diese Schilderung ist also extrem vereinfacht, ich bitte um Nachsicht.
Auf Gleisen fahren, die noch gebaut werden müssen
Prinzipiell halten die Herrschaften von der Autoindustrie die Bestrebungen der EU wie immer für grundsätzlich begrüßenswert und beklagen lediglich die Ausführung als suboptimal. Man nennt das „immanente Kritik“. Auf Wikipedia heißt es dazu: „Während externe Kritik einen Außenstandpunkt einnimmt und externe Maßstäbe an das Kritisierte anlegt, übernimmt interne Kritik die vorhandenen Maßstäbe des Kritisierten“. Das liegt am nachhaltigen Verlust eines Zubehörteils, das man in anderen Ländern „Cujones“ nennt. Das steht nicht auf Wikipedia, aber exklusiv beim Sonntagsfahrer.
Aber immerhin: Volkswagen, Stellantis und Renault, drei Lahme, die zusammen mehr als 60 Prozent der Fahrzeugproduktion in der EU stellen, in einer gemeinsamen Stellungnahme vor dem Parlamentsentwurf zum Industrial Accelerator Act, haben leicht aufbegehrt. Sie sprechen von unrealistischen Kriterien. Als man da erwähnen könnte: Der Anteil CO2-armen Stahls soll von 25 Prozent im Jahr 2029 auf 50 Prozent im Jahr 2036 steigen, obwohl die Produzenten aus der teuren und sinnfreien Produktion – trotz massiver Subventionen – längst wieder aussteigen.
Der Stahlkonzern Arcelor Mittal gab im Juni 2025 bekannt, seine geplanten Direktreduktions- und Elektrolichtbogenofenprojekte in Bremen und Eisenhüttenstadt nicht weiterzuverfolgen. Dafür waren immerhin 1,3 Milliarden Euro staatlicher Förderung vorgesehen. Die EU will aber unverdrossen bei bestimmten öffentlichen Aufträgen und Förderprogrammen ab 2029 einen Mindestanteil emissionsarm hergestellten Stahls verlangen.
Batterien, die es gar nicht gibt
Batterierohstoffe sollen binnen drei Jahren aus der EU stammen, obwohl die europäische Produktionskapazität nach Angaben der Hersteller heute bei rund sieben Prozent liegt – und neue Fabriken pleite gehen, bevor sie überhaupt gebaut wurden (Mit einem schönen Gruß von Robert Habeck, Ole Scholz und Northvolt).
Eine Studie der European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) kommt zu dem Ergebnis, dass trotz des geplanten Ausbaus der europäischen Batteriefertigung selbst 2032 noch eine erhebliche Versorgungslücke bestehen könnte. Bei einem Inkrafttreten des IAA im Jahr 2028 könnten rund drei Millionen Fahrzeuge mangels geeigneter Batterien die vorgesehenen Fördervoraussetzungen nicht erfüllen. Das ist so, als würde man der Deutschen Bahn Pünktlichkeitsprämien anbieten, unter der Bedingung, dass sie ausschließlich auf Gleisen fährt, die noch gebaut werden müssen. Beispielsweise zwischen Stuttgart 21 und dem Mare Sirenum auf der Südhalbkugel des Mars.
Dabei fing der Nonsens doch erst ganz harmlos an. Irgendwann langweilten sich die Gutverdiener in Brüssel und beschlossen, zentrale Dinge des Lebens zu normieren, oder auch auf europäisch zu „harmonisieren“ damit man sie besser stappeln kann.
Nehmen wir die Gurke. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft legte 1988 fest, wie stark Gurken bestimmter Handelsklassen gekrümmt sein durften. Es dauerte dann 21 Jahre, um diesen Unsinn wieder abzuschaffen (2009). Seitdem gilt einer der wenigen unverschachtelten Sätze des einstigen Bürokratieabbau-Beauftragten Edmund Stoiber: „Jeder weiß doch, wie eine Gurke aussieht.“
14 Zentimeter lang und 27 Millimeter dick
Die Banane hat ihre europäische Karriere als Gegenstand amtlicher Zuwendung dagegen fortgesetzt. In der ist festgelegt, dass handelsübliche Bananen bestimmter Sortengruppen grundsätzlich mindestens 14 Zentimeter lang und 27 Millimeter dick sein müssen. Für Bananen aus Madeira, den Kanaren und einigen anderen Regionen gibt es Ausnahmen. Möglicherweise werden dort ja bald Elektroautos gebaut, um den EU-Irren per Ausnahme-Regelung zu entgehen. Das fände ich einen raffinierten Schachzug, mit dem sicherlich alle leben könnten.
So ähnlich wie der Ex-GM-Boss John Zachary DeLorean, der seinen Sportwagen DMC 12 in Irland bauen ließ, wobei die Fabrik in Belfast lag und aus friedenstiftenden Gründen einen Eingang auf der katholischen und einen auf der evangelischen Seite hatte. Ich schwör’, denn ich bin bei einem Besuch katholisch rein und evangelisch rausgegangen. Das war dem britischen Staat damals 52 Millionen Pfund Subventionen wert.
Dabei verfolgte die britische Politik ähnlich erhabene Ziele wie die EU: Schaffung von Industriearbeitsplätzen in einer wirtschaftlich benachteiligten Region, Beschäftigung von Katholiken und Protestanten im selben Unternehmen, Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, die nach Einschätzung der britischen Regierung zur Unterstützung der IRA beitrugen. Der damalige Nordirlandminister Roy Mason bezeichnete das Vorhaben gegenüber seinen Kabinettskollegen als politisch, sozial und psychologisch außerordentlich wichtig. Er hoffte, mit der Schaffung von Arbeitsplätzen auch die Unterstützung für die IRA zu schwächen.
Leider war das FBI der Lockvogel und nicht Ursula von der Leyen
Das einzige Problem: Das Auto war ein gigantischer Flop. Gescheitert ist nicht das gesellschaftliche Experiment, sondern das Unternehmen, das seine wirtschaftliche Grundlage bilden sollte. So ähnlich wird es vermutlich auch der EU gehen. Ein Bürokraten-Kollektiv macht sich über Lebensmittel, Maschinen, elektrische Geräte, Chemikalien, Fahrzeugteile her und erlässt immer mehr Vorschriften, die kein Mensch mehr versteht, die Urheber eingeschlossen. Aus der Harmonisierung von Produkten ist längst deren moralische Aufladung geworden. Dabei kommen Flaschen heraus, aus denen man nicht mehr trinken kann und Autos, die in erster Linie grünen Stahl transportieren sollen.
John De Lorean versuchte seine Fabrik übrigens mit einem Kokaingeschäft zu retten, eines der wenigen Geschäfte, das noch lukrativer als EU-Knete ist. Aber leider war das FBI der Lockvogel und nicht Ursula von der Leyen.
So viel Drama ist VW-Managern eher nicht zuzutrauen. Vielleicht steigen sie stattdessen auf Gurken um, die dürfen ja wieder so krumm sein, wie sie wollen.
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„Hilfe, mein Hund überholt mich rechts! – Geständnisse eines Sonntagsfahrers“ von Dirk Maxeiner, Achgut Edition 2018, hier bestellbar.


Nichts Neues: In unserem Fliegerverein hatten wir einen zweisitzigen Motorsegler, den nannten wir „Gurkenhobel“. Es war die SF 25 in den 60er Jahren, Antrieb ein VW-Boxermotor 1200. Schöne Fotos hier: de.wikipedia:/wiki/Scheibe_SF_25 – habe selbst gehobelt damit, landen stets mit stehender Latte. Denn alle reden vom Vögeln – wir fliegen.
Die Exportquote der USA (Anteil der Exporte von Waren und Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt) liegt bei etwa 11 bis 13 %.
Die Exportquote der EU (Extra-EU-Export von Waren in Länder außerhalb der EU) lag zuletzt bei rund 14 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Chinas Exportquote (Anteil der Exporte von Waren und Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt) liegt bei rund 21 %.
Die Exportquote Deutschlands liegt aktuell bei rund 40,3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Von denen oben ist also vor allem Deutschland eine Exportnation.
Was ist nun, wenn eine Exportnation Zölle auf Einfuhren erhebt? Oder weiter gefragt, was passiert, wenn andere Nationen uns bloß mal kopieren und 1zu1 das selbe machen?
@ Zölle wären keine so gute Idee, weil die deutsche Autoindustrie von China abhängiger ist als umgekehrt. Alle Räder stehen still wenn Xi Jinping es will.
Andererseits tun sich die USA mit einer Exportquote von 11 bis 13 % da viel leichter. Und die USA haben einen Anteil von rund 24 bis 25 % am nominalen globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und sind damit nach wie vor die größte nationale Wirtschaftsmacht der Welt.
Alle wollen dahin verkaufen (deshalb wurde der $ Weltleitwährung, weil die US Amerikaner in $ bezahlen) und in Zukunft auch vermehrt nach China bzw. Asien allgemein.
Auch deshalb:
@ Zölle wären keine so gute Idee …
@ Die EU-Kommission will unter anderem 70 % Quoten für heimische Zulieferteile … ..
Dafür gilt das selbe wie oben, das können andere auch kopieren.
Es gibt noch einen weiteren Grund gegen Zölle:
30.08.26 Siemens Chef in der „Welt“:
Man muss jedoch äußerst vorsichtig sein, nicht mangelnde Wettbewerbsfähigkeit durch Zölle zu schützen, denn das rächt sich. Ein paar Jahre später stellt man fest, dass die Kluft immer größer geworden ist. Und wenn chinesische Produkte das weltweite (wo wir auch hin exportieren) Preisniveau vorgeben, wird man das früher oder später zu spüren bekommen – ganz gleich, welche Zölle man [Deutschland betreffend] erhebt.
Das ist ein gutes Zeichen! Wenn die Führung Dinge befiehlt, die gar nicht möglich sind, sind wir bei Februar 1945. Auch der März wird vorüber gehen. Dann sagen wir April April, und der Mai ist da.
Also, durchhalten, nicht auffallen.
Solange ich auf der Straße ordnungsgemäß und nachhaltig huste, bin ich auf der richtigen Seite des Lebens (meine chinesische Sozial-Benimm-App attestiert mir ideologische Korrektheit). Dass Industrie und Wirtschaft dem Staat die Schuhe leckt – auch wenn die Staatsvorgaben die Unternehmen ruinieren – ist bisher nur aus Diktaturen bekannt (Nazizeit, kommunistische Herrschaft). Ich kann mich natürlich irren, dass ich nicht bemerke, dass wir derzeit wieder in einer Diktatur leben. Früher gab es die FDP, die aufpasste, dass die Bundesrepublik nicht diktatorisch wird. Aber dann kamen die Lindner-Strolche und verpassten der FDP den finalen Abschuss.
Allein das Bild, Uschi auf der wütenden Gurke, die die EU wegen ihrem Krümmungswinkel als nicht essbar degradiert hat. Dabei ist es hungrigen Menschen egal wie krumm sie ist, wenn sie schmeckt. Bequem sitzt Uschi nicht, auf der Gurke in der Mitte, die hat es ihr wohl krumm genommen und sie auf Abschuss Sitz katapultiert.
@Ilona Grimm: Die ID des zukünftigen Herrschers, die 666, das Mal, ohne das man handlungsunfähig gemacht wird, grinst einem doch schon von überall entgegen – es ist der von 7 auf 6 Farben „geschrumpfte“ Regenbogen, dem man das Himmelsblau herausgeschnitten hat, damit aus der heiligen Zahl 7 (die den Regenbogen über Noahs Arche als Gottes Versöhnungszeichen darstellt) die satanische Zahl 6 wird, die Zahl des „Tieres“ aus der Apokalypse. Ich habe jedenfalls in der Schule noch gelernt, daß Newtons Lichtspektrum 7 Farben hat; rot, orange, gelb, grün, (azur)blau, indigo, violett.
Wir können nur hoffen, dass eines Tages das Urmelchen von der Leine nicht mehr die Peitsche über Wirtschaft und unmündige Bürger schwingt. Dann kann die EU wieder frei atmen, denn die Knebel, die die Bürokratie allem und jedem angelegt hat, können verfeuert werden (mit viel CO2-Produktion) und keiner muss mehr einen ganzen Katalog von Regeln und Vorschriften auswendig lernen. Die Wirtschaft blüht auf … hey, Moment mal, das hört sich an wie das Schaffen und Leben in der EWG!