In meinem ersten Leben hatte ich mich eine zeitlang als sogenannter „Erlkönigjäger“ verdingt. Das machte zahlreiche Aufenthalte am winterlichen Polarkreis erforderlich, weil die großen Autohersteller dort ihre noch geheimen neuen Modelle unter arktischen Temperaturen testeten. Heimlich geschossene Fotos wurden hoch gehandelt und von den Boulevard-Medien dankbar abgenommen. Hans G. Lehmann, laut Spiegel „Der König der Erlkönigjäger“ hatte mich als eistauglichen Fahrer engagiert, ich war jung und brauchte das Geld.
Die Erlkönige sind nach der ersten Zeile von Goethes gleichnamigem Gedicht benannt: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind“. Außer den Erlkönigen und uns waren in den langen Polarnächten beziehungsweise kurzen Polartagen eigentlich nur vermummte Männer mit Hubwagen unterwegs, die tagtäglich das Eis von Telefon- und Stromleitungen abklopften. Bei minus 30 Grad ist ein Verbrennungsmotor übrigens dein bester Freund, so eine Art Kachelofen für unterwegs. In der lappischen Gemeinde Savukoski fiel die Temperatur Anfang Januar 2026 auf minus 42,8 Grad Celsius.
Die Einheimischen lassen den Motor während des Einkaufs oder einer Pause in der Raststätte einfach weiter laufen, weil die Fuhre sonst schnell einfriert. So stehen die Pick-ups aufgereiht auf dem Parkplatz, und die weißen Kältefahnen dampfen aus dem Auspuff gen Himmel. In Lappland wurde aus gutem Grund das Gegenteil der Start-Stop-Automatik erfunden. In der Kälte werden selbst die Stoßdämpfer hart, und die Dämmmaterialien frieren zu Gestein. Eigentlich komfortable Autos machen plötzlich Bocksprünge, und die Karosserie dröhnt wie eine Wellblechhütte, über die ein Orkan weht. Um das alles auszuprobieren, hatte der damalige Audi-Chef Ferdinand Piech in der Nähe des finnischen Muonio einen ganzen See gepachtet, auf dessen zugefrorener Oberfläche ein riesiger Test-Parcour freigeräumt wurde. Da waren Lehmann und ich allerdings gar nicht willkommen, und wir mussten uns als Schneehasen verkleiden.
„Was koscher ist, bestimme ich immer noch selbst“
Und so kommt es, dass mich unlängst sehr nostalgische Gefühle übermannten. Die Welt vermeldete aus dem fernen Estland: „Fährverkehr eingeschränkt“. Und weiter hieß es: „Estland eröffnet 20 Kilometer lange „Eisstraße“ für Autos über zugefrorenes Meer“. Wegen der frostigen Temperaturen von minus 10 bis 15 Grad Celsius im Norden Europas gibt es dort derzeit eine mit dem Auto befahrbare „Eisstraße“, die die beiden Hauptinseln des Baltenstaates miteinander verbindet. Die 20 Kilometer lange Strecke über das zugefrorene Meer zwischen den Inseln Saaremaa (Ösel) und Hiiumaa (Dagö) im Westen Estlands wurde Anfang des Monats offiziell eröffnet.
Einwohner der kleineren Insel Hiiumaa fahren zum Einkaufen und Kaffee trinken nach Saaremaa – oder bringen die Kinder zur Schule. Die praktisch denkenden Esten hatten übrigens ohne offizielle Erlaubnis begonnen, übers Eis zu fahren. Moses wartete, bis der liebe Gott das Rote Meer teilte, und Mati wartet, bis die Ostsee zugefroren ist. In diesen Breitengraden ist nämlich immer noch erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist, und was ausdrücklich verboten ist, entscheidet der Este in eigener Verantwortung. Das erinnert mich an Henryk M. Broder, den ich in einer Frankfurter Äppelwoi-Kneipe ungläubig beim Verzehr eines klassischen Schäufele (Schweineschulter) beobachtete, was dieser mit der Bemerkung quittierte: „Was koscher ist, bestimme ich immer noch selbst“.
Der Bürgermeister von Hiiumaa, Hergo Tasuja, sagt, die neue „Straße“ sei „ein Teil der heimischen Kultur“. Aus Rücksicht auf die heimischen Bräuche war die Ostsee dort oben in den Jahren 2003, 2006, 2010, 2011, 2018, 2019 und 2026 fahrtauglich zugefroren. Das wusste ich nicht, und die Esten erzählen es auch nicht weiter, weil sie wahrscheinlich keine Lust haben, Touristen zu bergen, die sich auf der Ostsee verfahren haben oder mit einem aufgetauchten russischen U-Boot kollidieren. Mich juckt es schwer, meinen alten Volvo 760 mit dem summenden und trinkfreudigen V6-Motor aus dem Winterschlaf aufzuwecken, die grönlandtaugliche Heizung anzuwerfen und Richtung Estland davonzuschnurren, um auf der Eisautobahn ein paar nostalgische Stunden zu verbringen. Was mir auch gut gefällt: Zu langsames Fahren ist gefährlich, weil es ungute Druckwellen im Eis hervorruft. Anschnallen ist übrigens verboten, damit man schneller aussteigen kann, falls das Eis doch mal bricht.
Rettungsdienst, Bereitschaftsdienst, Staatsdienst, Wachdienst und Gottesdienst
Ich habe auch schon einen schönen Namen für meine Ostsee-Traumstrasse: „Mojib-Latif-Highway“. Das ist gewissermaßen die europäische Version der Tibbitt to Contwoyto Winter Road in den kanadischen Northwest Territories und des Dalton-Highway in Alaska, der ebenfalls Eis-Passagen enthält. Der Klimaforscher Mojib Latif gab im Frühjahr 2000 im „Spiegel“ ein Interview, dem der legendäre Satz entstammt: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ Ok, Estland liegt nicht exakt in unseren Breiten, dennoch war es ein wenig voreilig, weil der Winter ja auch hierzulande keineswegs verschwunden ist, obwohl das doch ausgemacht war.
Der Tagesspiegel reagierte auf die meteorologische Kränkung beleidigt wie ein trotziges Kind, dem Mama den Schnuller weggenommen hat: „Teile Deutschlands hatten im Januar mit Schnee und Eis zu kämpfen. Doch weltweit war der erste Monat des Jahres der fünftwärmste seit Beginn der Messungen.“ Das habe der EU-Klimawandeldienst „Copernicus“ herausgefunden. Merke: Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur du denkst (dass es kalt ist). Sollte in absehbarer Zukunft die nächste Eiszeit hereinbrechen, wird „Copernicus“ sofort die Gegenoffensive starten und uns wissen lassen, dass Packeis vor Rügen Anzeichen einer Sinnestäuschung ist und die Bewohner in Wahrheit durch den Tropenwald irren. Oder auch das ZDF, das aktuell mal wieder vor einer „unumkehrbaren Heißzeit“ warnt.
So richtig verlassen will man sich auf deren Erscheinen aber dann doch nicht: Am vergangenen Mittwoch räumte ein Eisbrecher den Weg für einen LNG-Tanker zum Rügener Terminal frei, um eine Gasmangellage zu beheben, die es laut offizieller Beteuerungen ja ebenfalls nicht gibt. Oder wie es t-online so schön formuliert „reicht ein Blick auf die Füllstände nicht aus“. Das muss ich mir merken, für meinen nächsten Besuch im Hofbräuhaus. Außerdem gehe ich morgen auf die Bank und räume 10.000 Euro vom Konto, die da gar nicht draufliegen. Ich werde der Frau am Schalter schlicht mitteilen: „Sehr verehrte Dame, ein Blick auf die Füllstände reicht nicht aus“ und ihr dann erklären, sie möge sich bitte am Gasmarkt orientieren: „Angesichts der Warnfarben orange hinter den Füllstandsangaben könnte der Eindruck entstehen, dass die Lage prekär ist, doch eine in der Modellierung auftretende Unterdeckung beschreibt keinen physisch eintretenden Gasmangel“. Das Leben kann so einfach sein.
Und jetzt zurück zum „Klimawandeldienst“ Copernicus. Dessen aktuelle Lageeinschätzung lautet: „Die weltweite Januar-Durchschnittstemperatur lag bei 12,95 Grad Celsius“, da friert nix, das begreift doch jeder. Oder fast jeder. Mir scheint trotz allem, dass die globale Durchschnittstemperatur für mein Leben ähnlich relevant ist wie das globale Durchschnittseinkommen für meinen nächsten Einkauf bei Aldi. Aber sei’s drum: Copernicus hat die globale Januar-Hitzewelle bis auf die zweite Stelle hinter Komma mit 12,95 Grad exakt gemessen, und das genau in dem Moment, als die Leute anfingen, Klimawitze zu erzählen („Wo bleibt eigentlich die globale Erwärmung? Sie steht auf der Eisautobahn im Stau“). Ein Glück also, dass es Copernicus gibt, sonst hätte ich den Glauben an die Wissenschaft verloren. Das Wort „Klimawandeldienst“ hat ja einen ganz eigenen Charme. Es klingt nach Rettungsdienst, Bereitschaftsdienst, Staatsdienst, Wachdienst und Gottesdienst. Und genau darum handelt es sich auch.
Schneeflocken werden exakt an der französischen Grenze unnormal
Auf Achgut.com hieß es kürzlich zum zehnjährigen Jubiläum des Ladens: „Das EU-Erdbeobachtungssystem ‚Copernicus‘ fällt immer wieder durch politisch opportune Daten-Auswertung und Modellierung auf“. Die vermeintlich wissenschaftlichen Daten sind nur mit äußerster Vorsicht zu genießen – was in den Medienberichten selbstverständlich nicht erwähnt wird. Copernicus arbeitet teilweise mit modellierten Daten, die hypothetisch und nicht real erhoben werden. Außerdem verzerrt die Positionierung von Messgeräten die Relevanz der Daten, da die Abdeckung mit Mess-Stationen in Europa äußerst inhomogen ist. „Im Copernicus-Jahresbericht über den Zustand des europäischen Klimas 2024 ist zum Beispiel eine Grafik enthalten, die die angeblichen Anomalien in der Anzahl von Schneetagen illustriert“, schreibt Achgut-Autorin Martina Binnig, „hier ist wunderbar zu sehen, dass die Schneeflocken exakt an der deutsch-französischen Grenze ihren Status von normal (auf der französischen Seite) in anormal (auf der deutschen Seite) wechseln“.
Im bildlichen Sinn fährt ganz Deutschland auf dem Mojib-Latif-Highway dahin, den es eigentlich nicht geben dürfte, und die Einwohner reißen sich das letzte Hemd angesichts einer Hitzekatastrophe vom Leibe, die partout nicht über uns kommen will. Krieg ist Frieden, kalt ist warm, ein leerer Gasspeicher ist voll, Schulden sind Sondervermögen, Analphabeten sind Fachkräfte und ich bin Formel 1-Weltmeister. Wer kann und noch alle Tassen im Schrank hat, nimmt Reißaus, egal ob groß oder klein. Dazu ein paar aktuelle Meldungen der vergangenen Tage: Die USA betrachten CO2 nicht mehr als „gesundheitsschädlich“, der Klima-Vorzeige-Mineralölkonzern BP will nicht mehr „Beyond Petrol“ sein, und der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen schafft sein Elektroauto zugunsten eines Diesels ab. 85 Prozent der Weltbevölkerung sind nicht oder nicht mehr von Klimamaßnahmen betroffen. „Rette sich wer kann“, lautet die Devise, denn nicht die große Flut, sondern die Wirklichkeit kommt ums Eck. Außer vielleicht bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die den Weg „hin zur feministischen Alternativen Mathematik“ fördert, darunter eine solche, „die auf nicht klassischer Logik basiert“ – siehe Gasspeicher.

Hier im schönen Lüneburg steht der Gasspeicher auf 7 Prozent, Stand vorgestern, Infos natürlich aus anonymer Quelle. Soll sich ja niemand echauffieren. Langsam hoffe ich auf Ausfall der Industrie; denn die soll ja zuerst abgeschaltet werden. Alsdann hoffe ich auf Ausfall der Heizungen auch in den Privathaushalten. Warum hoffe ich? Weil der Michel sonst mal wieder nichts bemerkt von dem, was hier so alles auf Rand genäht ist, abgesehen von den Schlaglöchern in meinem Ort, auf der Timelostraße und auch wieder am Tiergarten, um die alle Sonntagsfahrer jeden Tag Kurven machen. Das beste Deutschland, das wir je hatten!
Die Rockefeller Eugeniker „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ nennen sich heute Deutsche Forschungsgemeinschaft(DFG).
Die DFG finanziert und fördert massiv real angewandte Propaganda und Desinformationen über universitäre „Projekte“ in Zusammenarbeit mit CeMAS, Amadeu Antonio Stiftung (AAS) und Landecker Foundation die in ihrer Mitte einen transatlantischen Kriegsverbrecher J. Fischer haben. Alle Fragen beantwortet?
Herr Maxeiner, you make my Sunday great again. Bibbrige Minusgrade an der Lübecker Bucht. Tatsächlich zu kalt um ordentliche Schneemänner zu bauen und eine veritable Schneeballschlacht mit den Kids anzuzetteln. In der Mitte Deutschlands nüscht, sozusagen wie immer. Und im Rheingau, urplötzlich und aus heiterem Himmel, horrido, dicke Winterwonderland-Schneeflocken. Liebe Ideologen, es gibt nichts zu sehen, bitte weitergehen.
„Klimawandeldienst “Copernicus„ “ – Eine Beleidigung für den alten seiner Zeit geistig voraus eilenden Sternengucker – Was das Loblied auf den „Verbrenner im hohen Norden angeht – Zu welchem Zweck kaufen die Norweger sodann angeblich massenhaft und demnächst nur noch diese elektischen “Nähmaschinen„ auf 4 Rädern?
Nanana! Den Broder anschwärzen. Soweit kommts noch.
Im Norden von Klimatasialand wurden in letzter Zeit auch schon vermehrt Ice Road Truckers gesichtet. Die Berliner Grünen wollen deshalb, aus Mangel an Streusalz, das Gasnetz abschalten.
Als ich junger Chemiker war, haben mich die Bücher von Hoimar von Ditfurth in Angst und Schrecken versetzt. Er kam so wissenschaftlich und selbstbewusst rüber, da gab es keinen Widerspruch.
Gott sei Dank hatte ich einen 10 Jahre älteren Mentor, der mit der beruhigenden Erkenntnis herüberkam: Die Menschheit hat sich immer geholfen, warum nicht jetzt auch?