Um einem Missverständnis vorzubeugen: Ich habe nichts gegen elektrische Autos. Ich habe auch nichts gegen elektrische Rasierapparate und beleuchtete elektrische Pfeffermühlen. Ich mag sie nur nicht. Aber jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Ich möchte vor allem nicht zum Glück gezwungen werden, auch nicht zum Elektroauto, denn ich bin meinen alten Verbrennern in ewiger Treue ehegleich verbunden. Die Zwangsheirat war in Deutschland nie legal, wurde aber durch das „Gesetz zur Bekämpfung von Zwangsheirat“ im Jahr 2011 explizit als Straftatbestand eingeführt. Es ist verboten, jemanden zur Ehe zu zwingen. Die Ehe bedarf der freien Willenserklärung. § 237 Strafgesetzbuch (StGB), Strafrahmen 6 Monate bis 5 Jahre Freiheitsstrafe, denn Zwangsheirat ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Also nix mit E-Auto. Damit wäre das geklärt, liebe Transformatoren.
Das Diktum „die Zukunft ist elektrisch“ erinnert mich einfach zu sehr an den Ausspruch meiner Mutter: „Spinat ist gesund“, den sie gerne mit dem Hinweis verband, „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“. Da war meine Frau Mama so eisenhart wie Ursula von der Leyens Fönfrisur. Der Mythos vom besonders eisenhaltigen und damit gesunden Spinat beruht übrigens auf einem verrutschen Komma in einer Ernährungstabelle von 1890. Der deutsche Chemiker Erich von Wolf trug in einer Ernährungstabelle statt 3,5 Milligramm (mg) Eisen 35 Milligramm Eisen pro 100 Gramm Spinat ein.
Das machten sich dann 100 Prozent der seriösen Ernährungswissenschaftler zu eigen, Schulbücher und Ernährungsratgeber übernahmen den Quatsch, weshalb Generationen von Heranwachsenden mit dem bitteren Gewächs zwangsernährt wurden. Die sogenannten Spinatleugner wurden rüde ausgegrenzt, obwohl sich bereits 1937 herausstellte: In Wahrheit schneidet Spinat beim Eisengehalt nicht besser ab als stinknormale Hülsenfrüchte. Das Vorurteil hatte sich aber gesellschaftlich bereits durchgesetzt. Ratgeber, Medien und Populärhelden (Popeye) hielten an der Spinat-Erzählung eisern fest. Bis der Irrtum eingestanden wurde und in der Öffentlichkeit ankam, dauerte es noch etwa 50 Jahre.
Schmeckt schwer nach kiloweise Spinat
Das erhebt die spannende Frage: Wie lange wird die Wunderpille vom grünen Elektroparadies noch geschluckt? Zumal es in dieser Sache 1890 keinen Kommafehler gab. Die ersten Elektroautos verschwanden im Gegensatz zum Spinat alsbald wieder vom Markt. Das Zauberwort heißt seither nicht Eisengehalt, sondern Energiedichte. Um die gleiche Energie wie mit einem Liter Benzin zu tanken, benötigte man 1890 einen Bleiakku von 300 Kilo. In einem modernen Elektroauto entspricht einem 70 Liter Benzintank – wenn man so wohlwollend wie nur möglich rechnet – eine Batterie mit etwa einer Tonne Gewicht. Das ist übrigens auch der Grund, warum elektrische Flugzeuge partout nicht abheben wollen und die entsprechenden Start-ups abschmieren wie der Schneider von Ulm.
Das Ergebnis dieses widrigen physikalischen Umstandes ließ sich vergangene Woche von Stellantis-Chef Antonio Filosa (Peugeot, Fiat, Opel, Jeep) vernehmen. Bild.de schrieb über die abrupte Stellantis-Abkehr vom E-Auto: „Konzernchef Antonio Filosa räumt offen ein, dass frühere Entscheidungen falsch waren. Man habe den Wandel überschätzt – und müsse nun die Strategie korrigieren“. Schmeckt schwer nach kiloweise Spinat, besonders für die Stellantis-Aktionäre: Die Dividende wurde gestrichen, die Aktie bricht um 40 Prozent ein. Für das zweite Halbjahr 2025 droht ein Verlust von 21 Milliarden Euro, weshalb der Konzern jetzt „die Notbremse zieht“. Elektroautos werden offenbar von allen möglichen Leuten begehrt, nur nicht von der Mehrheit der Kunden. Bei den prognostizierten Verkaufszahlen verrutschte das Komma jedenfalls um Größenordnungen.
Einstweilen werden E-Modelle jetzt reihenweise gestrichen und die guten alten Verbrenner aus der Besenkammer geholt, wo die Visionäre von der Geschäftsführung sie bereits eingeschlossen hatten. Dabei hätte der Laden nur den Sonntagsfahrer lesen müssen, der das nun eintretende Desaster seit Jahren zuverlässig vorausgesagt hat, das gilt auch für Volkswagen, Porsche, Mercedes, General Motors und Ford, die ebenfalls auf die Nase fallen wie Berlins Rentner auf den vereisten Bürgersteigen. Aber mich fragt ja keiner. Ich bin aber meistens nicht sehr lange beleidigt.
Eine Batteriefabrik für 100 Dollar
Also, liebe Oberstrategen in Stuttgart und Wolfsburg und Rüsselsheim, konsultiert mich beim nächsten Mal höflich und untertänigst, bevor die Fuhre ins Rutschen gerät und im Graben landet. Ich rette euch auch für 2,1 Millionen, statt 21 Milliarden zu verbrennen, wobei ich auch Sachspenden annehme, beispielsweise einen Pick-up RAM 1500, den es jetzt wieder mit V8-Motor gibt. Auch der grüne Robert, ich meine den Habeck, der den Schätzungen von Achgut.com zufolge 1,3 Milliarden Euro in eine Batteriefabrik versenkte, die schon pleite war, bevor sie überhaupt gebaut wurde, hat bedauerlicherweise die Lektüre der Achse vernachlässigt. Dabei hätte er nur noch ein bisschen abwarten müssen, um sich den Traum von der eigenen Batterieproduktion äußerst preiswert zu erfüllen. Stellantis verkauft seine Beteiligung an einer kanadischen Batteriefabrik im Zuge der Flurbereinigung gerade an LG Energy Solution für – festhalten – 100 Dollar. Schade, dass ich davon jetzt erst erfahre, ich biete hiermit 150 Dollar, den Spaß gönne ich mir.
„Der große E-Hype der Autoindustrie bekommt immer größere Risse“, schreibt Bild (wer zu spät kommt, den bestraft das Leben) und Die Welt barmt: „Der große Elektro-Schock – diese Nachricht besiegelt die Rückkehr zum Verbrenner“. Der Stellantis-Chef klingt plötzlich, als habe er mit der Taschenlampe unter der Bettdecke die Achse gelesen: „Die heute verkündeten Belastungen reflektieren die Kosten der Überbewertung der Geschwindigkeit der Energiewende. Das hat uns von den Ansprüchen und Wünschen von vielen Autokäufern in der realen Welt entfernt“. Bei der EU-Kommission, der Bundesregierung, den ihn verbundenen Medien und Popeye kann es aber noch dauern, bis der Groschen gefallen ist.
Das kollektive Irresein der herrschenden Spinatmonster trifft derzeit mit einer Wucht auf die Realität, die dem eines Skeletonfahrers auf der Bahn von Sankt Moritz entspricht, der mit 130 km/h aus der Bahn geworfen wird. Zum Üben empfehle ich einen Ausflug nach Berlin, das sich von den Ansprüchen und Wünschen seiner zu Fuß gehenden Bewohner Lichtjahre weit entfernt hat, in deren Realität mitunter ein Winter stattfindet. Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern sind derzeit mit auf den vereisten Gehsteigen gestürzten Berlinern überfüllt, Salz darf aber aus Gründen der Weltrettung nicht gestreut werden.
„Aber wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, sprach Hölderlin
Unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB) ist übrigens das bewusste Nichthelfen bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not, obwohl dies erforderlich und zumutbar ist. Es drohen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder Geldstrafen. Helfen muss jeder, sofern keine eigene, erhebliche Gefahr besteht. Auch das Behindern von Helfern ist strafbar, also beispielsweise das Behindern von Salzstreuern. Die allerdings kommen mit dem Berliner Straßenreinigungsgesetz (StrReinG) in Konflikt, was Strafen von bis zu 10.000 Euro nach sich ziehen kann, denn das Ausbringen von Tausalz ist für Privatpersonen (Anlieger) auf Gehwegen grundsätzlich verboten. Erlaubt sind nur abstumpfende Mittel wie Sand, Splitt, Granulat oder Kai Wegner.
Ich empfehle aus zwei Gründen, das Haus in Berlin nicht mehr zu verlassen: Wenn der Berliner die ausgerutschte Oma einfach liegen lässt, weil er befürchtet, dabei selbst auf die Schnauze zu fliegen, landet er wegen unterlassener Hilfeleistung vor dem Kadi – streut er Salz, darf er 10.000 Euro wegen Verstoß gegen die Berliner StrReinG löhnen. Möglicherweise auch beides. Dies muss die Bundesregierung dazu inspiriert haben, künftig auch Taumittelsprühanlagen auf Autobahnen und Bundesstraßen stillzulegen. Dann dürfen endlich alle Skeleton fahren wie in St. Moritz und mit Richtgeschwindigkeit die Intensivstation ansteuern. Denn nicht nur Knochenbrüche sind auf dem Weg in die Notaufnahme (Siehe oben Stellantis): „Wirtschaftsweise und Arbeitgeber warnen vor Pleite-Szenario für Deutschland“, lautete eine Schlagzeile zum Wochenende. Bedauerlicherweise gibt es für die Betroffenen weder genügend Ärzte noch Intensiv-Betten.
„Aber wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, sprach Hölderlin und schickte mir einen Link zu einem bemerkenswerten Start-up in Ostdeutschland. Dort wurde aus gegebenem Anlass die Straßenbahn für winterliche Verhältnisse neu erfunden. Und zwar in Kränzlin, einem Dorf auf der Ruppiner Platte im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, dessen widerständige Einwohner ganz im Sinne der Resilienz-Strategie der Bundesregierung tätig wurden. Zentrales Element der Konstruktion ist ein K-700 Traktor des früheren sowjetischen Herstellers Kirovets, sozusagen der Ost-RAM 1500. Er verfügt über einen Allradantrieb und einen Achtzylinder-Diesel mit 215 PS. Das unkaputtbare Analog-Fahrzeug von 1968 überstand mühelos die DDR und wird ebenso mühelos den gerade vorübergehenden Nachfolge-Staat überstehen.
Für eine erste Versuchsanordnung wurde der Traktor auf einem weitläufigen flachen Acker platziert und dann dahinter wie an einer Perlenschnur 100 Schlitten mit der lokalen Bevölkerung samt Haustieren aufgereiht. Im Sinne der ortüblichen Tradition „Einer im Dorf muss immer übertreiben“ startete die Straßenbahn dann zu einer Landpartie. Die Motorsportzeitschrift „Agrarheute“ berichtete ausführlich über den Stand der Entwicklung dieses zeitgemäßen Verkehrsmittels, das eine ideale Kombination aus öffentlichem Verkehrsmittel und Individual-Fortbewegung darstellt (und nebenbei wie geschaffen ist, um den Fuhrpark des Berliner Senats nachhaltig einzuebnen). Hier eine mitreißende Videoaufnahme von den Testfahrten. Der Sonntagsfahrer schlägt diese bahnbrechende Erfindung hiermit für den deutschen Nachhaltigkeitspreis vor.
Korrektur: Der Eisengehalt von Spinat wird selbstverständlich in „Milligramm“ (mg) gemessen, nicht in „Gramm“ (ein mg entspricht einem Tausendstel Gramm). In der ersten Fassung des Textes hieß es aus Versehen „Gramm“ statt "Milligramm". Sorry und danke an die Leser für den Hinweis!

Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf!
Der Kirowez K-700 hat eine Höchstgeschwindigkeit von 31,8 km/h. Das ist um den Faktor 8(!) entfernt von einer geschmeidigen Reisegeschwindigkeit.
1 (ein) durchschnittlicher Erwachsener kann 1 (einen) Schlitten locker ziehen. Laut Wikipedia liefert ersterer 0,14 PS Dauerleistung. 100 Schlitten – 100 Menschen, also 14 PS. Der Kirowez K-700 ist reine Show. Ein Trabant 500/P50 (Baujahr 1957) hätte das im Rückwärtsgang mit ausreichend Profiltiefe vermutlich auch geschafft, ein Käfer Typ 122 (Baujahr 1954) auf jeden Fall.
@Bernhard Freiling, @Günter Schaumburg, @Peter Gruber, @Thomin Weller —
Dass E-Autos in China funktionieren, hat Ihnen nicht die Augen geöffnet?
Bzw., im Falle Schaumburg: 1990 + 25 = 2026? Wie die Zeit rast, wenn man alt wird!
Unterhaltsam wie immer, wobei ein auf Euro-6 kastrierter Diesel durchaus etwas Elektro-Zusatzwumms gebrauchen kann.
Agraheute lässt übrigens zu Recht durchblicken, dass man bei solchen Traktor-Manövern sehr genau wissen sollte, was man tut. Als bekennender Spießer bekenne ich mich dazu.
Ich weiß aber auch: Diejenigen, die aus eigener Erfahrung gelernt haben, Risiken richtig einzuschätzen, tanzen in Schweizer Clubs auch nicht weiter, während bereits die Decke brennt…
„Spinat ist gesund!“ Ja, ja, als Kind wurde mir das Zeug auch vorgesetzt. Vor vielen Jahren allerdings, noch bevor ich von dieser (unbewussten?) Manipulation des Eisengehaltes erfuhr, hatte ich einen Radiobeitrag eines Mediziners gehört, der darauf hinwies, dass Spinat relativ viel Oxalsäure enthält, was offenbar die Unbeliebtheit dieses Zeugs gerade bei Kindern begründet.
Oxalsäure kommt vornehmlich auch in Rhabarber, Sauerampfer und Sauerklee vor, die in großen Mengen genossen, zu ernsthaften Vergiftungen führen kann: Oxalsäure bildet im Körper unlösliches Calciumoxalat, was zu Nieren- und Blasensteinen führen kann.
Vor vielen Jahren wurde Oxalsäure noch als Gift klassifiziert, jetzt nur noch als gesundheitsschädlich.
@ Franz Klar Seit Kaiser Wilhelm II hat sich in Deutschland kaum etwas geändert. Nachweislich ist Deutschland das innovationsfeindlichste Land im Wertewesten. Nachweislich seit über 30 Jahren. Hinzu kommen die Banken, Sparkassen die niemals Risikokapital geben außer sie setzen einen geheimen stillen Teilhaber in die Firma und entmündigen den Inhaber. Die Pharma-Mafia Partei FDP hat das Sprunginnovationsgesetz umgesetzt. Die peinlichste Ohrfeige überhaupt. Jeder aus der Szene der Innovation warnt eindringlich in Deutschland diese umzusetzen. Im Ausland ja, never in Deutschland. Sie können sich nicht vorstellen wer alles geschmiert werden will. Da treffen die Inhalte von Georg Büchner zu, mit Silber den Weg pflastern… Und vergessen sie bitte restlos die Höhle der Blöden. Magnet im Geschirrspüler, wahnsinnig innovativ sinnvoll und nennt sich Rostschreck. Geschirr rostet demzufolge.
@Maar, … haben wir in diesem Land nicht andere Probleme… haben wir in diesem Land nicht genug realitätsentkoppelte Dummschwätzer aus West und Ost in verantwortlichen Positionen?
Sie mussten aber wohl mal was schreiben und haben dabei nicht bemerkt dass ihr Kommentar auch an Symbolik nicht zu überbieten ist. Grüße gehen raus nach Kränzlin und an den Landkreis Ostprignitz – Ruppin, meiner Heimat. Tolle Menschen, super Landschaft. Bleibt so wie ihr seid und lasst euch nicht von irgendwelchen Klugscheissern in die Irre führen.