Ich befinde mich im Moment sehr weit weg von zuhause, zwar noch in Europa, gewissermaßen an der letzten Tankstelle vor Nordamerika. Vorausgesetzt, man hat genug Schwung und schafft es, mit Aquaplaning bis New York oder Boston über Wasser zu bleiben. Als Raststätte bieten sich lediglich noch die Azoren und Bermuda an. Der Liter Superbenzin wird übrigens immer billiger und die Steuern darauf niedriger, je weiter man nach Westen kommt: Portugal 1,94 Euro, Azoren 1,60 Euro, Boston 1,13 Euro. Die Mietwagen-Firma in Porto verbietet aber die Route über den offenen Atlantik. Wahrscheinlich weil sie befürchten, ich könnte das mir überlassene Fahrzeug im Atlantik versenken. Verdient hätte es die Karre.
Die Portugiesen überreichten mir nämlich einen quietschgelben Nissan Juke. Das Ding fährt eigentlich gut, sieht aber aus wie eine Kreuzung aus Frosch und Zitrone, mit der ein Elefant Fußball gespielt hat. Egal aus welcher Richtung man ihm in die Augen blickt, die Scheinwerfer schielen wie ein Chamäleon, das ja auch rechts und links in verschiedene Richtungen blicken kann. Von drinnen nach draußen gucke ich durch schmale Sehschlitze, so ähnlich wie ein Boxer mit geschwollenem Antlitz, der mehrere Volltreffer erlitten hat. Der oder das Juke sieht auch lauter Gefahren, die ich nicht sehe, meckert, klingelt, gongt, heult, läutet und hupt, als schlage es Zwölf im Uhrenmuseum. Ich freue mich auf meinen alten Volvo zuhause, in dem ist es so still wie im Grab des Pharao.
Viele Landsleute in meinem Alter sind in der Gegend mit dem Wohnmobil unterwegs, ständig auf der Suche nach einem Parkplatz mit Atlantikblick, von dem die kommunalen Häscher, Parkplatzwächter und sonstigen Spaßverderber sie nicht sofort wieder vertreiben. Seit es in Mode gekommen ist, im Auto zu wohnen, reguliert die Ordnungsmacht auch das fahrende Volk unter Palmen unerbittlich.
Ein verfassungsrechtlich geschützter Intimbereich mit abgeklemmter Batterie
Aber immerhin hat der Wohnmobil-Reisende sich dieses Schicksal freiwillig ausgesucht. In der Heimat, so entnehme ich RBB 24, wohnen immer mehr Zeitgenossen im Auto, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. „Gut 20 Jahre alt ist die schwarze Mercedes A-Klasse mit dem platten Notrad und der fehlenden hinteren Seitenscheibe auf der Frankfurter Allee“, beschreibt man dort einen Fall, „eine Klebevignette mit rot-weißem Flaggensymbol legt nahe, dass das Auto in Polen zugelassen war. Aber zugelassen ist es jetzt nicht mehr, und damit wird es ein Fall für die Beamten vom Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben Berlin-Lichtenberg“.
Die sind normalerweise für die Entsorgung von herrenlosen Autowracks zuständig, alleine in Berlin wurden 2025 nicht weniger als 34.000 solcher Gefährte angezeigt. Ein Problem entsteht allerdings, wenn das Corpus Delicti jemandem ohne Wohnung offenbar als festes Dach über dem Kopf, sprich als Wohnstätte dient oder diente, so wie der erwähnte Mercedes auf dem einstigen DDR-Prachtboulevard. Eine Jacke, Essensreste und Bettzeug deuten auf eine Nutzung als ständige oder vorübergehende Bleibe hin. „Wir können die Fahrzeuge nicht einfach wegnehmen, denn das ist für die sozusagen der Wohnraum“, beschreibt Amtsleiter Steffen Krefft die Tatsache, dass nun mehrere konkurrierende Gesetze in den Widerstreit treten. Hintergrund sei die Unverletzlichkeit der Wohnung, die nach dem Grundgesetz geschützt sei.
In der deutschen Hauptstadt – und nicht nur dort – gibt es offenbar ein neues Wohnmodell, das so innovativ ist, dass die Politik es noch gar nicht entdeckt hat: die mobile Einzimmerwohnung ohne Räder, ohne TÜV, ohne Heizung, aber mit Restwürde. Es ist ein neuer verfassungsrechtlich geschützter Intimbereich mit abgeklemmter Batterie entstanden.
Der rote Punkt ist der Moment, in dem der Staat streng wird
Das Ordnungsamt sagt: „Das muss weg.“ Das Grundgesetz sagt: „Moment mal.“ Das Sozialamt meint: „Das Ordnungsamt ist zuständig.“ Die EU befindet sich im Brüsseler Elfenbeinturm und dekretiert: „Bitte demnächst alles zwangsweise verschrotten.“ Sozialverbände empfehlen einen Runden Tisch, aber der passt nicht in eine A-Klasse. Und der Mensch auf dem Rücksitz sagt gar nichts, weil er schläft. Er schnarcht allenfalls. Alles in allem ein großartiges Gastspiel des europäischen Behördentheaters.
Zuerst bekommt das Auto einen gelben Aufkleber. Das ist in Deutschland die höfliche Vorstufe zur Existenzvernichtung. Der gelbe Aufkleber bedeutet: Lieber Halter, bitte entfernen Sie dieses Fahrzeug, falls Sie existieren, erreichbar sind, Geld haben, noch leben oder überhaupt wissen, dass Ihnen diese A-Klasse gehört.
Dann wartet man einen Monat. Nicht etwa, weil sich in dieser Zeit irgendetwas verbessert, sondern weil ein Gesetz das Warten vorschreibt. Danach kommt der rote Punkt. Der rote Punkt ist der Moment, in dem der Staat streng wird. Er droht jetzt, irgendwann tatsächlich das zu tun, was alle seit Monaten erwarten: nämlich das Auto wegzuräumen.
Doch kaum liegt ein Mensch quer über der Rückbank, verwandelt sich das heilige Blechle in eine Wohnung. Aus illegal abgestelltem Schrottfahrzeug wird geschützter Wohnraum mit Panoramablick auf die Frankfurter Allee. Denn einerseits herrscht Wohnungsnot. Andererseits sollen alte Autos verschwinden. Einerseits soll die Straße sauber werden. Andererseits darf Wohnraum nicht einfach beseitigt werden. Einerseits soll die Umwelt geschützt werden. Andererseits kostet Zwischenlagerung 500 Euro pro Auto, und dafür ist natürlich kein Geld da, weil das bereits für Arbeitsgruppen ausgegeben wurde, die herausfinden sollen, warum es in Berlin für viele keinen bezahlbaren Wohnraum mehr gibt.
Eine Chance für Autoprepper
Der Obdachlose bekommt ein Angebot – vielleicht. Das Auto bekommt einen Aufkleber – garantiert. Der Halter bekommt Post, die zurückkommt, weil er in Krakau, Kiew oder Timbuktu verschwunden ist. Das Amt bekommt Akten. Die Anwohner bekommen Müll, die EU Recyclingquoten. Und die Politik bekommt Gelegenheit, erneut zu erklären, dass alles leider sehr komplex sei. Die große deutsche Lösung: Niemand kriegt eine Wohnung, aber alle werden zum Verwaltungsakt.
Für Auto-Prepper, die sich ein von einem Verbrennungsmotor angetriebenes Altfahrzeug für harte Zeiten heimlich im Garten aufheben wollen, birgt die Sache hingegen eine Chance.
Nach dem „Vorschlag für eine Verordnung des europäischen Parlamentes und des Rates über Anforderungen an die kreislauforientierte Konstruktion von Fahrzeugen und über die Entsorgung von Altfahrzeugen, zur Änderung der Verordnungen (EU) 2018/858 und (EU) 2019/1020 und zur Aufhebung der Richtlinien 2000/53/EG und 2005/64/EG“ soll ja eigentlich geregelt werden, was ein Altauto sein soll (Wobei alleine die sprachliche Erscheinung dieser Verordnung bereits ein Totalschaden ist).
Ein Altauto gilt demnach als Schrott, der zwangsweise abzugeben ist (siehe Artikel 26 und 37 der Verordnung und die Kriterien für „nicht mehr reparierbare Altfahrzeuge“) selbst wenn es auf privatem Grund parkt. Dafür reicht es zum Beispiel, wenn die Türen nicht befestigt sind, wenn es „mehrere Risse in der Grundierung" (gemeint ist vermutlich die Bodengruppe) aufweist oder wenn der TÜV länger als zwei Jahre abgelaufen ist. Als unrettbar gilt es auch, „wenn eine Reparatur den Austausch des Motors erfordert, des Getriebes, der Karosserie oder des Fahrgestells, was zum Verlust der ursprünglichen Identität des Fahrzeugs führt“. Es besteht also die latente Gefahr, dass die Altauto-Häscher seinem Besitzer den 1983er Golf 2 aus dem Schuppen holen und sein irdisches Dasein abrupt beenden.
Ein neuer Förderzweig: „Wohnen im Bestand“
Die Lösung: Einfach einziehen, eine Blumenvase am Armaturenbrett installieren, eine Herdplatte auf der Mittelkonsole und ein Waschbecken im Kofferraum. Dann ist das Auto kein Abfall mehr ist, sondern ein Zuhause. Der klassische Prepper hortet bekanntlich Konserven. Seine aktuelle Evolutionsstufe hortet einen stillgelegten Golf 2 mit Wohnberechtigung.
Vielleicht entsteht daraus ein neuer Förderzweig: „Wohnen im Bestand“. Wenn die SPD sich das programatisch zu eigen macht, könnte sie die nächste Wahl womöglich doch noch überstehen. Die Behörden könnten Kennzeichen als Klingelschilder anerkennen, Parkscheinautomaten zu Meldeämtern aufwerten und den Kofferraum als Abstellkammer in den Mietspiegel aufnehmen. Für besonders begehrte Innenstadtlagen könnte man vakante Schlafplätze mit dem sogenannten Klingbeil-Zuschlag untervermieten: „Mercedes A-Klasse, Frankfurter Allee, teilmöbliert, naturbelüftet, urban-authentisch, sofort frei nach behördlicher Räumungsandrohung.“ Man wird das natürlich nicht „Armut“ nennen sondern „niedrigschwellige temporäre Mikro-Wohnform im zirkulären Mobilitätssektor“.
In diesem Sinne möchte der Sonntagsfahrer sich heute für drei Wochen in den Jahresurlaub verabschieden. Ab Anfang Juli wird dann aber wieder rechts überholt, sofern die rechte Spur nicht schon als Wohnstraße ausgewiesen ist.
Im Achgut-Buchshop erhältlich:
„Hilfe, mein Hund überholt mich rechts! – Geständnisse eines Sonntagsfahrers“ von Dirk Maxeiner, Achgut Edition 2018, hier bestellbar.


Damit ist die weitere Verwendung meiner Karre Bj. 2002 gesichert.
Neben vorderen Liegesitzen und umklappbarer Rücksitzlehne hat sie sogar eine Standheizung, die lautstark bezeugen kann, dass noch Leben in der Bude ist.
So lange ich noch konventionell wohne, kann ich den Wagen vermieten, gerne auch an Gäste.
Wohnen ist ein Menschenrecht!
„Zuerst bekommt das Auto einen gelben Aufkleber. Das ist in Deutschland die höfliche Vorstufe zur Existenzvernichtung.“ Hoffen wir, dass diesem Satz keine Prophetie innewohnt.
Ja, das Monopol der Post – Im Observatorium in Effelsberg (das mit der 100m großen Radio-Empfangsanlage) hängt in (dünnem) Goldrahmen die Urkunde, die bescheinigt, daß das Observatorium höchstamtlich dazu berechtigt ist, „Radiowellen kosmischen Ursprungs“ zu empfangen.
Ob das später mal offiziell erweitert worden ist, als man Radiowellen terrestrischen Ursprungs empfangen hat, weiß ich allerdings nicht; da wurde es als Radarempfänger benutzt, um die Entfernung zur Venus zu messen. Sender war damals das Radioteleskop in Arecibo. Dies ist leider in 2020 eingestürzt (RIP) während Effelsberg zum 50. Geburtstag in 2021 eine Sonderbriefmarke bekam.
„Der oder das Juke sieht auch lauter Gefahren, die ich nicht sehe, meckert, klingelt, gongt, heult, läutet und hupt, als schlage es Zwölf im Uhrenmuseum.“ Die bei Neuzulassungen von der EU vorgeschriebenen Fahrassistenten wären doch ein schönes Thema für den Sonntagsfahrer. Die Kommentare zu einem Artikel entsprechenden im Standard waren sehr erheiternd.
Die traurige SPD Wahlposse von Meck Pom, 50.000 Euro Rettungstierquälerei für diesen Wal. D. rette die Welt, auch Wal Timmy, das Pressefoto in der Bild ist sicher. Esoterische Sprach Signale mit Timmy, Gebete und schluchzen für Timmy. Warum war KGE nicht vor Ort, endlich hören auch Wale auf ihre ständig gepredigte sexuelle Vielfalt, wo war sie wo ein weiblicher Wal der sein Geschlecht in ein männliches gewechselt hat um zu sagen ich steh Dir bei Timmy und uns zu belehren, da seht ihr mal auch Tiere stehen auf sexuelle Vielfalt. Anatomische Geschlechter nach grüner Logik gibt es ja wohl nicht. Alle Nachbarn suchten nun nach dem Wal Männchen Timmy, hat etwa das sterbende Wal Weibchen Timmy den Wahlsender geklaut? Ausgesetzt im offenen Meer zum Ersaufen, Hurra wir haben einen Wal gerettet und ihn in das offene Meer umgebettet. Die ganze Welt hält D. inzwischen für durchgeknallt, das vor lauter sexueller Vielfalt die ganze Welt in sorgenvolles Staunen bringt. Das hat nur D. mit seinem sterbenden Wal der als Timmy für immer in die Geschichtsbücher eingehen wird und von der sexuellen Vielfalt sein Geschlecht zu wechseln Gebrauch gemacht hat. Allen Tieren der Meere sei geraten, macht einen Bogen um D. im Rettungsfieber für alle, um nicht grausam zu sterben in dieser Rettungsqual.
Für die Rachsüchtige die Existenz D und deutscher Bürger ablehnend, hat sie D. durch Öffnung der Grenzen zum inneren Kriegsstandort verholfen, ein US Professor sagte mal, dank Merkel wird D. zu einem nahöstlichen Land. Noch mehr Sorgen macht mir Merz, die USA blicken bereits mit Sorgen auf D. und halten sich für den Ernstfall bereit. Er könnte auch einen äußeren Krieg gegen D. entfachen, nicht umsonst trifft er sich ständig mit dem Kiewer Schauspieler Selensky, Macron und Stamer. Sie spielen vermutlich wieder mal am Reißbrett Krieg, so kann man den Eindruck gewinnen. Wähler, wacht endlich auf und erinnert Euch, damals wollte das deutsche Volk auch keinen Krieg und bekam ihn dank dem größenwahninnigen Führer Adolf Hitler. Da wird wenn alles zerbombt ist selbst eine Auto zur Wohnbehausung. Den unverschämten erpresserischen Brief den der Pausenclown an Putin schrieb, wurde bei yo,w veröffentlicht und ist wieder Zeitgewinn für ihn den Krieg fort zu setzen und Friedenswillen vor zu gackeln, Wie oft hat Selensky im Namen seiner Oligarchenseilschaften Friedensverträge abgelehnt. .
„Mein Gott, was für eine Heimsuchung“ (Originalzitat), Herr Maxeiner, was haben Sie angerichtet? Sie haben mit ihrem Text meinen Lieblings-Leserbriefschreiber-„Kollegen“ (den mit den selbsterfundenen Rechtschreibregeln) derart getriggert, daß er schon 5 Kommentare schreiben mußte, bei bisher 24 Kommentaren sind das über 20% aller Kommentare. Aber wie heißt es so schön „Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über“.
Manchmal verirre ich mich dann, weil ich die Namen beim Lesen nicht beachte, und stelle dann in der 3. Zeile fest: Ah, der mal wieder, sofort das Lesen einstellen.
Ich schreibe ja auch oft lange Kommentare, aber manches ist des Guten zuviel, wenn man ständig über eigenwillige Rechtschreibung und Grammatik stolpert.
Übrigens läuft ja im ÖRR+Privat-TV, und auch der WELT (den Rest lese ich kaum) seit längerem eine Kampagne für das Wohnen der neuen Art, von „Wir werden Camper“ und zahlreichen Variationen dieses Themas bis zur Tiny House -Werbung, passend zu den Umwälzungen auf dem Wohnungsmarkt, und der Hinwendung zum „Mobilen Wohnen“.
Man muss die Leute ja beizeiten auf die neuen Umstände einschwören, damit sie das hinnehmen, und auch noch toll finden.
Man kann ja auch Eskimos (Ja, ich weiß, böses Wort nach Definition der Hirnamputierten) Kühlschränke verkaufen, wenn man es clever anstellt.
Und was die Gesetze der EU zur Altautoentsorgung angeht, sollen damit wohl die Verbrenner schnellstmöglich aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden. Und in ein paar Jahren haben die Leute völlig vergessen, daß es mal was anderes als E-Autos gab. Stimmt nicht? Die Leute vergessen extrem schnell, wenn sie genügend abgelenkt werden: Ich sprach vor einigen Jahren einen Postbeamten darauf an, (und der Mann war schon ein älteres Semester), daß die Post früher auch für die Telekommunikation zuständig war (bis 1994, sogar ein Monopol hatte . Der Mann wußte davon nichts mehr und sah mich ungläubig an. Vielleicht war er ja auch nur besonders blöd, aber das reicht ja schon.