Kürzlich wurde im NDR das neue Buch von Kathrine Nedrejord „Acht Jahreszeiten“ vorgestellt, ein Roman, der sich mit Identitätsfragen der norwegischen Sami beschäftigt. Kathrine Nedrejord, Jahrgang 1997, ist Samin mit norwegischem Namen. Sie lebt zwar mittlerweile in Paris, präsentiert sich aber auf Fotos gerne mit bunter Mütze.
Erzählungen über die Sami, über ein Rassismusproblem gegenüber den vermeintlichen Ureinwohnern in den skandinavischen Gesellschaften, sind schon länger Bestandteil nordischer Litertaur, wie zum Beispiel in dem berühmten, dicken und mittlerweile verfilmten Roman „Händelser vid vatten“, auf deutsch „Geschehnisse am Wasser“ von Kerstin Ekman. In Ekmans Buch wird ein vermeintlicher Same für einen Mörder gehalten, eine Konstruktion, die ein wenig an den andorranischen Juden von Frisch erinnert. Übrigens haben die vorchristlichen Skandinavier die Samen durchaus auch positiv beschrieben, wenn zwar mit den typischen Klischees als gute Skifahrer, gute Bogenschützen und vor allem Zauberer und Wahrsager, aber letzteres war in der heidnischen Gesellschaft der Germanen nicht durchweg negativ konnotiert, es hing davon ab, wer warum welche Zauberei ausübte. (Allerdings werden die Samen in Zusammenhang mit dem „Seiðr“ gebracht, einer Form von Zauberei, die eher den Frauen vorbehalten war.) Auch der norwegische Jarl Hakon könnte wenigstens zum Teil samische Vorfahren gehabt haben. Waren für die Germanen die Kelten und Romanen „Welsche“, also Fremde und Feinde, scheint die Begegnung zum Norden hin offener gewesen zu sein. Dies änderte aber sicher die Christianisierung Skandinaviens. Nun galten die Samen als rückständig.
Ein Freund aus Nordnorwegen, welcher für ein Jahr in Deutschland in der niedersächsischen Provinz in Sichtweise des Deisters lebte, trug gerne die Tracht seines Großvaters. Der Freund erklärte mir, dass man am Gürtel erkennen könne, dass sein Großvater verheiratet war und vier Kinder hatte. Der junge Mann war vielsprachig begabt, lernte sehr schnell nicht nur Deutsch, sondern auch etwas Plattdeutsch, er konnte neben Sami eh schon Dänisch, Norwegisch und Schwedisch und natürlich Englisch. Er hatte auch wenig Berührungsängste mit den Traditionen der niedersächsischen Eingeborenen und so fand er sich schnell bei der Freiwilligen Feuer wieder und legte dort sogar eine Prüfung ab. Eines Tages erschien er dann auch mit Uniform und Helm auf dem Hofgelände. Die Feuerwehruniform stand ihm gut. Er war ein gutes Beispiel dafür, dass ein Mensch, der in seiner eigenen Kultur gut verortet ist, mitunter auch Freude am Erarbeiten anderer Kulturen haben kann.
Ohne Zweifel, die Samen sind mittlerweile ein stolzes und eigensinniges Volk. Es ist noch nicht lange her, da versuchten die Norweger ihnen ihre Sprache abzugewöhnen und waren dabei nicht eben zimperlich, doch Musiker und Musikerinnen wie Mari Boine haben den Joik, den Gesang der Samen radiofähig gemacht. Mit dem Kultfilm „Pathfinder“, im Original „Ofelas“ oder norwegisch „Vegviseren“ der eine samische Volkssage erzählt, haben die Samen bereits 1987 den Schritt auf die Leinwand geschafft. Nordnorwegische „Ökos“ demonstrieren gegen die Errichtung von Windparks. Der norwegische Staat ist hier der Eindringling, der wie eine Kolonialmacht das schöne Sapmi verschandeln will. Trotz traditioneller Kleidung und der Verbundenheit mit der Landschaft fährt man aber auch moderne Motorschlitten. Am 17. Mai kommentieren samische Norweger zuweilen in sozialen Medien den norwegischen Grundgesetztag als „Imperialistentag“. Dies ist nicht nur Reaktion auf die Zwangsumerziehung, sondern unterstellt auch, dass die Samen die Ureinwohner Skandinaviens und die Norweger und Schweden, also die Nordgermanen, Eroberer in einem fremden Land wären. Hört man in Deutschland irgendeinen Bericht über die Samen, fällt auch garantiert das Wort „indigen“, auf einem Plakat wurden sie gar als „die Indianer Europas“ gepriesen. Aber stimmt das überhaupt? Sind sie wirklich die Ureinwohner oder werden sie nur die „Indianer Euroaps“ genannt, weil sie bis vor kurzem in bunten Zelten wohnten? Und wenn sie nicht die Ureinwohner Nordeuropas sind, warum werden sie als „Indigene“ behandelt und als einzige Indigene Europas, als ob alle anderen Europäer, vielleicht noch mit Ausnahme der sagenumwogenden Basken, deren Sprache nur Basken verstehen können, viel später nach Europa gekommen wären. Was ist zum Beispiel mit den Friesen, die schon vor zweitausend Jahren an der Nordseeküste herumstampften?
„Indigen“ als Kampfbegriff
Der Begriff „indigen“ ist heute vor allem ein politischer Begriff und letztlich geht es um die Frage, wer die älteren Rechte an einem Land hat. Dass diese Begrifflichkeiten über Umwege eine Art „Blut- und Bodenkult“, aber nur für angeblich unterdrückte Völker bereit hält, wird dabei schnell übersehen. Diese Instrumentalisierung zeigt sich besonders deutlich im Streit um die arabischen Palästinenser. Hier gilt die Formel Araber = Palästinenser = indigen. Inidgene werden von Kolonialmachten vertrieben oder einem Genozid unterzogen, so wie die Indianer durch die Europäer. Daher die Auflösung Juden/Israel = Kolonialmacht, Israels Krieg gegen die Hamas = Genozid gegen Eingeborene. Der westliche Aktivist, der nachträglich die Indianer retten möchte, kämpft stellvertretend gegen Israel, und dass Israel mit den USA verbündet ist, macht das Glauben der Gültigkeit dieser Formel einfach. Sehr schön analysiert diese Taschenspielertricks linker Ideologien Adam Kirsch in seinem Buch „Siedlerkolonialismus“, erschienen in der EDITION TIAMAT. Wir sehen also am Streit um das heilige Land, dass die Frage, wer zuerst da war, durchaus von politischer Brisanz ist und nicht so einfach mit dem Merkelwort „Die, die schon länger hier leben“ beiseite gewischt werden kann.
Nicht verwechseln darf man den Begriff der „Indigentät“ übrigens mit den „nationalen Minderheiten“, denn diese müssen nicht unbedingt indigen sein. Deutschland erkennt Friesen, Dänen, Sorben und die Gruppen der Sinti und Roma als nationale Minderheiten an, dabei sind Sinti und Roman streng genommen aber gerade nicht indigen.
Schon die Römer phantasierten „edle Wilde“
Als vor ein paar Jahren entdeckt wurde, dass die alten westlichen Jäger und Sammler am Ende der Eiszeit zwar alle blaue Augen hatten, aber ansonsten dunkelhaarig und eher dunkel pigmentiert waren, war die Aufregung groß und sofort entsprangen darüber politisch gefärbte Diskussionen. Es wurden Bilder mit afrikanisch aussehenden Menschen mit blauen Augen erstellt, so als würde sich durch die Einwanderung heutiger Zeiten zum Beispiel nach Schweden einfach nur ein Kreis schließen. Der Schwede war am Anfang ein Afrikaner und wird es am Ende wieder sein. Die heutigen Einwanderer nach Europa sind also die Verwandten der Ureinwohner. Aber woher kamen dann die anderen, die Schweden und die Basken und die Samen?
Bevor wir einen lohnenden Blick auf die neuere Forschung werfen, die Datenlage ändert sich auch fast täglich, ist es sinnvoll, sich ein paar Gedanken über den Begriff „indigen“ zu machen. Er hat auch im Deutschen weitesgehend das Wort „Eingeborener“ ersetzt. Um die eigene europäische Bevölkerung zu beschrieben, benutzt man allerdings eher das Wort „authochton“, also authochtone Niederländer sind die Niederländer in Abgrenzung zu den Einwanderern der großen Einwanderungswellen seit den Sechziger Jahren, ohne dass damit Aussagen über ihre Indigenität als zum Beispiel Westfriesen getroffen wird.
Der Begriff indigen, also „eingeboren“ wird heute mit einer bestimmten naturnahen Lebensweise verbunden. Er ist eine Projektion auf den edlen Wilden. Diese Vorstellung ist allerdings sehr alt. Schon die Römer beschäftigten sich mit der Frage der Indigenität. Tacitus hielt zum Beispiel die Germanen für Ureinwohner, weil niemand in dies schreckliche Land mit seinen Wäldern und Sümpfen ziehen wollen würde. Auch Tacitus hatte schon, bei aller überraschender Genauigkeit, die seine Angaben haben, eine Vorstellung vom Edlen Wilden, nur war dieser damals eben ein blonder Mensch, der aber nicht so entartet war wie der unzüchtige Römer.
In den letzten Jahren haben paläogenetische Untersuchungen die archäologischen Befunde früherer Zeiten und die Berichte antiker Autoren ergänzt, teilweise korrigiert, teilweise aber auch bestätigt. Dies führt zum Beispiel in den USA zum Teil zu bizarren Rechtstreits, wie der um den Kennwick Man, der, obwohl er bereits vor 9.000 Jahren lebte und vom Schädel her eher europäisch oder ostasiatisch anmutete, durch genetischen Nachweis als Indianer anerkannt und von diesen beerdigt wurde.
Woher kommen die Europäer?
Wir wissen, dass die allerersten Menschen in Europa Neanderthaler, beziehungsweise deren Vorfahren waren und dass diese entweder zufällig zur rechten Zeit ausstarben oder von den Neuankömmlingen aus Afrika verdrängt und vielleicht auch umgebracht wurden. Sie sind die eigentlichen Indigenen Europas gewesen. Dabei sind sie nicht gänzlich verschwunden. Noch heute tragen Europäer und Asiaten Gene der Neanderthaler. Am Ende der Eiszeit schließlich lebten kleinere Gruppen von Menschen in Europa, die wir als „Westliche Jäger und Sammler“ bezeichnen. Sie hatten anscheinend zu einer gewissen Zeit alle blauen Augen und alle Menschen mit blauen Augen stammen vermutlich von einem einzigen Menschen ab, der zunächst nur das Gen hatte, aber keine blauen Augen, denn blaue Augen sind rezessiv. Man könnte behaupten, dass alle Europäer mit blauen Augen in einem gewissen Sinn „Indigene“ sind. Hier darf man aber nicht dem Fehlschluss einer direkten Linie unterliegen. Blauäugige Menschen haben von diesem Menschen die blauen Augen geerbt, andere Gene kommen möglicherweise aus ganz anderen Ecken der Welt. In meiner Blauäugigkeit kann ich ein Alteuropäer sein, in meiner Fähigkeit Milch zu trinken, komme ich vielleicht aus der eurasischen Steppe. Wir können nur für das Y-Chromosom und die Abstammung der Mitochondrien, die über die Mutter vererbt wird und nicht in den normalen Chromosomen enthalten ist, eine klare Abstammungslinie nachzeichnen, jeder Mensch ist Nachfahre von vielen Linien.
Wir unterteilen diese Linien nach zufälligen kleinen Punktmutationen, sogenannte SNPs – die nicht unbedingt irgendetwas bewirken, aber eben abgelesen werden können –, in sogenannte Haplogruppen. Alle Menschen, die denselben Haplotyp besitzen, gehören zur selben Haplogruppe. Ich bin kein Molekularbiologe und kann diese Dinge nur zum Teil nachvollziehen, aber für unsere Frage reicht es aus zu wissen, dass man damit tatsächlich zeigen kann, welche Männer Brüder sind oder wer von welchem Vater in welcher Linie abstammt und auch wer von welcher Mutter. Diese Haplogruppen lassen sich wie ein riesiger Stammbaum der Menschheit lesen.
Die männlichen Jäger und Sammler der europäischen Resteiszeit gehören den Haplogruppen I1 und I2 an. Sie waren, wie bereits erwähnt, blauäugig und dunkelhaarig und hatten eher dunkle Haut. Wie pigmentiert sie wirklich waren, wissen wir nicht, sie haben schließlich, als das Eis sich weiter zurückzog, im rauen Klima Skandinaviens überlebt und sind nicht durch Vitamin-D-Mangel ausgestorben. Sie haben vermutlich sehr viel Fisch gegessen und Jagd auf Robben gemacht. Wir wissen nicht, welche Sprache sie gesprochen haben, aber es spricht einiges dafür, dass unser Wort „Seehund“, englisch „Seal“ von ihnen stammt. Aus dem riesigen eurasischen Raum kamen auf einer Nordroute andere Jäger und Sammler, wir nennen sie östliche Jäger und Sammler. Sie lebten ursprünglich in Sibirien und sie hatten bereits vor 17.000 Jahren teilweise blonde Haare. Die ersten blonden Haare kamen also nicht aus Schweden, sie kamen aus der Weite Sibiriens, von den entfernten Verwandten der Indianer. Aus diesen beiden Völkern entstand ein neues Volk, das wir heute „Skandinavische Jäger und Sammler“ nennen. Die Menschen aus Sibirien brachten auch eine Mutation für hellere Haut mit. Langsam entstand der etwas hellere Phänotyp, vor allem um die Ostsee. Bereits vor 8.000 bis 9.000 Jahren gab es den Phänotyp mit blonden Haaren und blauen Augen in Schweden wie die Funde aus Bäckaskog und Motala zeigen.
Der letzte „Jäger und Sammler“
Zu dieser Zeit, etwa vor 9.000 Jahren, wanderten aus Anatolien Bauern in Europa ein. In einem Prozess, der nicht Jahrhunderte, sondern Jahrtausende dauerte, verdrängten sie die Einheimischen. Die Bevölkerung Sardiniens scheint mit ihnen auch heute noch genetisch beinahe identisch zu sein. Ötzi stammte von ihnen ab. Diese Menschen hatten auch etwas hellere Haut und sie hatten dunkle Augen. Wie stark diese Einwanderung gewirkt hat, kann man, wenn man so will, in Europa an den Augen ablesen. Es dauerte lange, bis die Landwirtschaft in Norddeutschland und Skandinaven angekommen war. Jäger und Sammler und Bauern lebten eher nebeneinander her als miteinander, nicht immer wird das friedlich gewesen sein. Das längliche Gesicht, das weniger robust wirkt als jenes der Jäger und Sammler, stammt angeblich von den Bauern. Zusammen mit dem aus Sibirien ererbten Gen für hellere Haut hatten die Skandinavier mit den Genen der Bauern nun gleich zwei Gene für Aufhellung. Gleichwohl sind heute nur wenige Nordeuropäer Nachfahren dieser Bauern. Die Haplogruppen E1b2b und G sind relativ selten. Wir sind noch nicht bei den heutigen Europäern angelangt. Denn bald geschah eine noch stärkere Umwälzung. Die zweite große Einwanderungswelle begann vor etwa 5.000 Jahren und kam aus der Weite der russischen Steppe. Es waren jene reitenden Völker, die beinahe ganz Europa ihre Sprache aufzwangen. Sie brachten nicht nur die Pest mit, sondern sie scheinen gezielt einen Großteil der einheimischen Männer umgebracht zu haben, vor allem in Spanien und in Großbritannien, wo die Erbauer von Stonehenge nicht die Erben von Stonehenge sind. Die Kupferzeit hatte begonnen. In den männlichen Linien werden zwei neue Haplogruppen stark, R1b und R1a. Beide stehen vermutlich in Zusammenhang mit der Indoeuropäisierung durch die Nachfahren der mittlerweile berühmten Jamnaja. Die Theorie dieser gewaltsamen Einwanderung gibt es schon lange, vor allem in den Arbeiten der litauischen Archäologin Marija Gimbutas. Dem Team um den Anthropologen David Reich gelang dann der Nachweis einer echten genetischen Invasion. Reichs Buch „Who We Are and How We Got Here“ ist übrigens bis heute nicht ins Deutsche übersetzt.
Auch bei uns im Norden hat diese Einwanderung Spuren hinterlassen. Besonders interessant ist, dass die alte Linie der Jäger und Sammler I1 beinahe ausgestorben wäre. Es kann sogar sein, dass sich nur noch ein einziger Mann mit dieser Abstammung fortgepflanzt hat und es wird darüber gestritten, ob er in Mecklenburg, in Südschweden oder im Baltikum gelebt hat. Um die Abstammung von I1 ist ein wahrer Internet-Kult entstanden, wie zum Beispiel auf dem Kanal von Mr. I1, wo in beinahe wöchentlichen Updates die neusten Entdeckungen der Genforschung diskutiert werden. Irgendwie hat dieser letzte Jäger und Sammler es geschafft, in der neuen Gesellschaft der sogenannten Schnurkeramiker („Corded Ware Cultur“) seinen Platz zu finden, denn heute stammen 45 Prozent der schwedischen Männer von ihm ab und auch zahlreiche Deutsche, Niederländer, Engländer mit einer klaren Staffelung von Nord nach Süd, die im Übrigen ein gutes Indiz für die Wanderung der Germanen oder ihrer direkten Vorfahren von Südskandinavien nach Deutschland ist.
Wenn in populärwissenschaftlichen Artikeln lapidar steht „Die Einwanderer brachten neue Gene mit“, wird verwischt, dass es sich schlichtweg um Sex handelte. Die Menschen gingen Ehen ein oder Frauen wurden geraubt. In der Geschichte Europas sind nämlich die Frauen deutlich diverser. Sie haben die Einwanderungswellen überstanden, sich angepasst, die baskischen Frauen scheinen es sogar geschafft zu haben, ihre Sprache zu bewahren. Die einheimischen Männer hingegen verschwanden. Sie fanden keine Partnerinnen mehr oder sie wurden schlichtweg umgebracht. Wer auf diese Migrationen verweist, spricht kein Lob der Migration aus. Heute sind wir Europäer Ergebnis dieser Umwälzungen. Zu Beginn der Bronzezeit hatten wir dann vermutlich die Volksmischungen vorliegen, die noch heute in Europa zu finden sind.
Jeder ist indigen auf seine Weise
Indigen ist jede Menschengruppe nur in Bezug auf die, die später hinzukommen. Vielleicht mit Ausnahme der Bewohner von North Sentinel Island, die dort angeblich seit Zehntausenden von Jahren leben und einen sehr extremen Grenzschutz haben, ist beinahe jede Menschengruppe in ein Gebiet eingewandert, in dem vorher bereits Menschen lebten und meistens war dies für diejenigen, die „schon länger hier lebten“ ein Nachteil. Die San in Südafrika, die übrigens über ihre DNA als sehr alte Ethnie gelten, sind indigen in Bezug auf die Bantu, die ihnen einen Großteil ihres Landes weggenommen haben. Die Azteken waren indigen in Bezug auf die Spanier. Sie waren aber selber eine imperialistische Hochkultur, die andere Völker unterdrückt hatte. Die Ainu sind indigen bezogen auf die Japaner. Die polynesischen Einwohner der Osterinsel waren vermutlich vollkommen indigen, falls wirklich niemand vorher da war. Der Friese, der zu seinem Biikebrennen geht, ist indigen in Bezug auf den Touristen, der weder Platt, schon gar nicht Friesisch spricht.
Kommen wir zurück zu den Samen. Ihre Vorfahren kamen über Finnland zum Teil erst in der Eisenzeit, also als es schon Germanen gab, nach Nordskandinavien. Insbesondere die für Samen typische Haplogruppe N1, die bis nach China reicht, scheint erst deutlich nach der Bronzezeit aufzutauchen, ansonsten haben die Samen genetisch mehr mit ihren Nachbarn gemein als man früher dachte, sie sind genetisch mit den Skandinaviern verwandt. Die Neuankömmlinge aus Finnland brachten ihre Sprache mit und vermischten sich mit verschiedenen Ureinwohnern, von denen wir nicht genau wissen, ob es Germanen oder sogar Sprecher einer palöolappländischen Sprache waren, die heute verschwunden ist. Die Samen lebten zum Teil südlicher wie Ortsamen belegen, aber sie waren eben nicht vor den anderen da. Interessant wäre einmal eine Untersuchung, ob die Ausbreitung der Lebensweise der Samen mit den Ereignissen im Jahr 536 zusammen hängen könnte, als Landwirtschaft in Skandinavien beinahe unmöglich wurde und in einigen Gebieten bis zu 50 Prozent der Norweger und Schweden an Hungersnöten starben. Die Samen sind jedenfalls nicht indigener als die Norweger, sie sind es nur in ihrer Lebensweise und damit erfolgt eine Wertung, die, da man die naturnahere Lebensart als „eingeboren“ ansieht, im Kern rassistisch ist.
Dieses Narrativ wird gerade für die Europäer zur Falle, denn in Europa leben Völker, die ihren Ursprung in der Bronzezeit haben, deren Vorfahren bereits vor 3.000 Jahren hier gelebt haben und teilweise Spuren und Ahnen haben, die bis zur Eiszeit zurückreichen. Vereinzelt gibt es sogar Wunderfälle, wo ein Brite gefunden wird, der mit dem Cheddar Man verwandt sein soll und mit etwas Phantasie sieht man auch eine gewisse Ähnlichkeit, oder in Deutschland eine Familie im Harz, deren Vorfahren schon in der Bronzezeit am gleichen Ort gelebt haben. Aber auch für alle ohne einen derartigen Gen-Pass gilt, dass wir von Menschen abstammen, die seit der Bronzezeit hier leben. Zwar gab es in Europa immer wieder Binnenmigrationen, die Hugenotten flohen nach Ostpreußen, ein paar Polen gingen in den Pott, die Binnenvertreibung am Ende des Krieges mischte die Deutschen neu auf, insgesamt hat sich das Gemisch aber weniger verändert als aus eher politischen Gründen oft behauptet wird. Wir sind alle indigen oder niemand.
Natürlich hat die „samische“ Kultur ihre Berechtigung, aber sie muss deswegen nicht unbedingt ein älteres Erbrecht besitzen. Auch wer „nur“ Norweger ist, ist indigen, genausogut wie ein Ostfriese oder ein Baske. Selbst der Versuch, unabhängig vom genetischen Erbe, zwischen indigenen und nicht-indigenen Kulturen zu unterscheiden, führt zu keiner sauberen Beschreibung, denn kam eine Kultur von außen, ist sie letztlich nicht indigen, aber wenn zum Beispiel das Christentum, weil es im Judentum wurzelt, trotz griechischer Umwandlung angeblich nicht europäisch ist, ist es auch nicht die Religion des europäischen Skyfathers, der aus der Steppe kam und damit das polytheistische Heidentum brachte, so wie wir es kennen. Und dann ist es auch die Kultur der Samen mit ihren Schamanen und Zaubertrommeln nicht, denn die jetzige samische Sprache kam relativ spät nach Nordskandinavien und an was die Menschen vorher geglaubt, wie sie gesprochen haben, wissen wir nicht. Alle diese Kulturen sind Umwandlungen älterer Kulturen.
Eine Einwanderung, wie wir sie momentan erleben, gab es in dem Umfang zuletzt mit dem Auftreten der Jamnaja-Nachfahren. Es bleibt abzuwarten, ob die indigenen oder authochtonen Völker Europas verschwinden oder in einem neuen Gemisch aufgehen, ob Europa wieder etwas Neues schafft oder ob das europäische Erbe erlischt. Ohne Zweifel hat die europäische Kultur andere Kulturen zerstört und ganze Völker verschwinden lassen. Im gleichen Strudel der Geschichte könnte Europa nun selber verschwinden und die Erinnerung an die Zeit, als unsere Vorfahren Seehundjäger in kleinen Booten waren, vollständig verblassen. Es ist vielleicht kein Wunder, dass in einer Zeit der Globalisierung, Technisierung, Massenmigration, der Gleichheit aller Großstädte ausgerechnet im Internet Menschen nach den Ahnen forschen und in einer Art Gegenwelt träumen, in der aus dem Brausen des Meeres Dämonen sprachen und zauberkundige Samen die Zukunft raunten.
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Beitragsbild: Oddman47 - Own work, CC0, via Wikimedia Commons
Stichwort Mongolenfleck. Heute als rassistisch verpönt.
Mein ehemaliger Ausbilder, Patentinhaber für Porsche Rennstall, sagte immer zu mir, bin gebürtig in München geboren, „Was ist der Bayer? Der Übergang von Österreich zum Mensch“. Jedes Land, Fläche hat seine eigene Kultur, Sprache. Wer alle Menschen in „Europa“ auf einer Fläche reduziert, versteht weder die Vergangenheit noch das Leben oder Miteinander. Es ist halt Börse, „Du machst kein Sinn nur Geld“ Der kulturelle verkauf aller Menschen und ihre Leistungen, kommerz-kultur. Aktuell kommen Organe und Gewebe dazu, Medikamente aus Leichen gibt es schon. Die Ukronazis und Bayern Tutogen etc. ganz weit vorne.
Guter Artikel mit der blasphemischen Erkenntnis, daß uns die aktuelle Massenimmigration natürlich nicht vielfältig bunt macht und stärkt, sondern uns auslöschen wird. In den siebziger Jahren war das Land voller deutscher Kinder, in Grundschulklassen mit 35 Schülern gab es ein bis zwei Ausländer, heute in großstädtischen Schulen noch zwei Deutsche pro Klasse. Aber Erna Piepenbrink trauert noch immer Merkel hinterher und kann kein Problem erkennen, da doch 80% noch immer indigen sind, allerdings auch schon Rentner und in 10 Jahren Erdkundestudenten. Kurz vor der Umschulung aber bitte noch kräftig gegen rääächz demonstrieren, ihr enkellosen Omas!
@Ilona Grimm, „Wieviel Not, Tod, Hass, Elend und Zerstörung mag die Rebellion gegen den Gott der Bibel und seine Schöpfung hervorgebracht haben und weiter verursachen?“ –
Sie meinen, zu Zeiten der Inquisition?
Ein weiteres atheistisches Konstrukt ist die Kugelform der Erde (Eratosthenes u.v.a.). Zum Glück gibt es aufrechte Autoren wie Michael Möhring. „Flache Erde: Gibt die Bibel Hinweise auf die Form der Erde?“, 2018. 4,8 von 5 Sternen!
@Ilona Grimm, „Die Idee der Menschenrassen wurde federführend von Charles Darwin in die Welt getragen“ – Unsinn. Die Idee von „Rassen“unterschieden wurde lange vor Darwin u.a. zur Rechtfertigung von Sklaverei und Kolonialismus herangezogen, und davor sogar schon im Altertum bei Aristoteles. (Nebenbei: Aristoteles ordnete in „Historia animalium“ den Menschen als Unterart der Säugetiere, und diese als Unterart der Bluttiere in Abgrenzung von Wirbellosen, ein.)
Später im Zuge der Reconquista: „Limpieza de sangre“, „Blutreinheit“.
Carl von Linné hat 1735 in seinem Werk Systema Naturæ 1735 nicht nur den Menschen wieder mal ins Tierreich verortet (in die auf John Ray zurückgehende Ordnung „Menschengestaltige“), sondern auch den (ab 1758) „homo sapiens“ Genannten in vier Varietäten mit unterschiedlichen Merkmalen (Hautfarbe, Temperament, Körperhaltung) eingeteilt.
Darwin lebte im 19. Jahrhundert. Und lehnte Sklaverei ab.
„Die verschiedenen Hauttönungen […] und andere ethnospezifische Eigenschaften sind auf die unterschiedlichen Bedingungen zurückzuführen, unter denen Menschen in unterschiedlichen Welt-Regionen seit Jahrtausenden leben.“ — Äähh, ja, genau… Nennt man ♦Evolution♦.
Im Internet findet man so „erhellende“ Seiten wie „Der IQ im Ländervergleich“. Das kann man interpretieren (Bildungs-Chancen, Elterneinkommen, klimatische Verhältnisse, Kalorienzufuhr, medizinische Versorgung usw.), man kann natürlich auch das alles ignorieren und unkritisch z.B. einen „genetischen Zusammenhang“ vermuten. Letzteres wäre rassistisch, wenn ich nicht irre.
@Ilona Grimm, „♦Von welcher absoluten Autorität weiß der Autor das?♦“ — Es gibt keine absolute Autorität, der Autor weiß es vom aktuellen Stand der Wissenschaft.
„Meine absolute Autorität, der dreieinige Gott der Bibel, sagt uns: Der Mensch stammt aus Mesopotamien!“ — Das sagt er nicht uns, sondern Ihnen.
@Karsten Dörre: Woher stammen Ihre „Erkenntnisse“?
Können Sie Ihre Weltanschauung mit vernünftiger Argumentation statt mit Ausweichmanövern erklären??
Nein, Gott hat nicht selbst die Griffel in die Hand genommen, um die Bibel aufzuschreiben. ABER „das Wort“ = die Bibel bestand schon vor der Schaffung der Welt:
>>>Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.„ (John. 1,1)<<<
Durch seinen Geist hat Gott die ca. 40 Schreiber der 66 Bücher der Bibel (ohne Apokryphen), die über einen Zeitraum von rund 1.600 Jahren entstanden sind, instruiert und inspiriert.
Dadurch erklärt sich, dass die Bibel vom ersten bis zum letzten Kapitel und Vers KOHÄRENT ist, alles mit allem zusammenhängt, und hunderte von Prophetien nachweislich (nachprüfbar!) eingetroffen sind.
Daniel 11 ab Vers 36 und Offenbarung ab Kapitel 4 sind aber noch offen.
Was dort prophezeit ist, nennt sich im Volkmund “Apokalypse„ und beschreibt das Gottesgericht an der rebellischen Menschheit.
Solange der endzeitliche Diktator des Westens und der Antichrist (= der falsche Prophet aus Israel) noch nicht offenbart sind, herrscht noch das, was die Bibel GNADENZEIT nennt.
In dieser Zeit können sich Mensch und Menschin noch zu Jesus Christus bekehren und dem Gericht entgehen.
Wer das versäumt, marschiert nach dem letzten Ausschnaufer geradewegs in die Hölle mit unauslöschlichem Feuer.
Das ist eine sehr ernste Angelegenheit und darüber sollte “man„ wenigstens mal ernsthaft nachdenken, statt nur darüber zu spotten, weil “man„ gar nichts von den Dingen versteht.