Es gibt Abende, da fließt alles wunderbar zusammen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Gestern zum Beispiel: die „Tagesthemen“ lassen einen Greenpeace-Mann sein - selbstredend vernichtendes - Statement zur Genpflanzen-Zulassung aufsagen, als sei ein Bericht über dieses Thema ohne die Öko-Sekte nicht sendbar. Kurz darauf macht ein ARD-Kommentator den Fall Dominik Brunner etwas kleiner: nein, die Gewalt auf den Straßen steige keineswegs an, um Brunner würde nur so viel Gedöns gemacht, weil er „aus der Mitte der Gesellschaft“ kam und keiner verfolgten Minderheit angehörte, Ausländer, Obdachlose und so. Ob der Mann bei der Ausübung seiner Zivilcourage überhaupt „die richtigen Mittel“ angewandt habe, müsse sich noch herausstellen…
Im Zweiten macht „Frontal 21“ die Atomindustrie eine Dreiviertelstunde lang platt („Der große Bluff“). Anschließend stellt die ZDF-Sendung „37 Grad“ uns die Leistungsträgerinnen dieser Gesellschaft vor („Ich will ein Baby ohne Mann“). Im SWR sucht „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal einen Polizisten-Killer und findet ihn, natürlich, unter Polizisten. Wo auch sonst? Der MDR bringt eine Folge aus der bewährten Antifa-Serie „Front ohne Gnade“ (DDR 1984), aus dem Inhalt: „Nach dem Ende des Krieges werden die zwischenzeitlich inhaftierten SS-Leute Maas und Menge (Klaus-Peter Thiele) von der CIA eingespannt, Voraussetzungen für den Atomwaffeneinsatz auszukundschaften…“ Und bei RBB kann man noch mal herzhaft über diese urkomische, leider nicht mehr existente DDR kichern („Good Bye, Lenin!“).
Das darf man wohl einen gelungenen Audience flow nennen. Wie maßgeschneidert für den Vorabend der rot-rot-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen.