Bernhard Lassahn / 20.09.2017 / 06:05 / Foto: Tim Maxeiner / 4 / Seite ausdrucken

Somewhere over the rainbow

Wer kennt sie nicht – die bunte Regenbogen-Fahne?! Sie flattert an Regierungsgebäuden, wo eigentlich nur Hoheitszeichen hingehören. Sie ist das bunte, fröhliche Symbol all derer, die sich als tolerant sehen und jedwede sexuelle Orientierung willkommen heißen. Nun hat sich die Fahne einer inneren Logik folgend selbst zerstört.

Die Regenbogen-Fahne war das Symbol der LGBTTIQ-Gemeinde. Es stand für Lesben, Gays (Schwule), Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle, Queer ... nun, wurde es langsam übersichtlich. Die Liste der Buchstaben wurde immer länger. Dann war noch ein Pluszeichen dabei. Dann wieder nicht mehr. Aber die wunderbare (und verlogene) Aussage der bunten Farbenpracht war, dass alle dazugehören, dass keiner ausgegrenzt oder marginalisiert werden darf. Alle waren willkommen.

Die Regenbogen-Fahne hatten stets diejenigen vor Augen, die meinten, unser Zusammenleben müsse bunter werden. Es war die Flagge aller, die gegen Transphobie und Homophobie sind. Daran konnte man sie erkennen. Es gibt die Fahne auch als Schal. Als Anstecker. Es wurde sogar eine Haltestelle in Berlin so bemalt. Um Zeichen zu setzen. Für mehr Toleranz. Für sexuelle Selbstbestimmung.

Dabei ist die Gemeinschaft der bunten Buchstabenmenschen keine wirkliche Gemeinschaft und ist nie eine gewesen. Gemeinsam haben sie nur das Feindbild des privilegierten, weißen, heterosexuellen Mannes. Untereinander sind sie sich nicht grün – politisch vielleicht. Sonst nicht.

Nun ist alles vorbei. Es musste ja so kommen

Dies hier sollte man sich mal angucken. Es geht um drei Worte: Die Cis Scum. „Scum“ heißt Abschaum. Der Begriff ist dem Manifest zur Vernichtung der Männer nachempfunden. „Cis“ ist das Gegenteil von „Trans“ – also alle, die nicht trans sind, sind cis. Und die sollen sterben. So sind sie, die Buchstaben-Heiligen aus der Regenbogen-Gemeinde. Umarmen wir sie mit unserer Toleranz.

Nun ist alles vorbei. Es musste ja so kommen. Der Regenbogen geht an seinen eigenen Idealen zugrunde. Schon die immer länger werdende Buchstaben-Reihe hätte uns stutzig machen müssen. Nun hat es auch die Farben erwischt. Es sind neuerdings zwei Farbstreifen dazugekommen. Ein schwarzer Streifen. Ein brauner Streifen.

Damit soll gezeigt werden, dass die Bunten nicht nur keinesfalls transphob und nicht nur keinesfalls homophob sind, sondern auch keinesfalls rassistisch. Schwarz und Braun stehen für POC, für people of colour.

In Philadelphia war es. Da waren Vorwürfe laut geworden, dass sich weiße Schwule rassistisch verhalten hätten. Das durften sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Nun wurden also auch die POC umarmt und wurden auch mit aufgenommen in die Gemeinschaft der Toleranten.

Und zwar an erster und an zweiter Stelle. Dabei ist eine Rasse keine sexuelle Orientierung. Egal. Eine Hautfarbe auch nicht. Egal. Schwarz und Braun sind keine Farben des Regenbogens. Auch egal. Hauptsache, es kann keiner sagen, dass die Toleranten nicht tolerant gegenüber den unterdrückten Schwarzen sind. Rassismus geht gar nicht.

Es sieht auch nicht schön aus. Auch egal. Das Video mit dem Titel „the left eats itself“ (die Linke frisst sich selbst) sieht in der „Unterdrückungs-Olympiade“ der linken Identitäts-Politik eine folgerichtige Entwicklung: Alles Attraktive wird durch Mittelmäßiges und Dysfunktionales ersetzt. Es geht sowieso nur um die Zerstörung der westlichen Werte.

Absolute Gleichheit, absolute Inklusion

Das kommt davon, wenn die Toleranten allem gegenüber tolerant sind und wenn sie meinen, dass sich ständig alles ändern, dass alles dekonstruiert und neu definiert werden müsse. Dann kommt es unweigerlich soweit, dass die Revolution ihre Kinder frisst.

Hier werden die neuen Farben gefeiert:

more colour more pride

Hier sieht man, wie betroffene POCs darüber reden, dass es eine notwendige Diskussion ist, die da angestoßen wurde, ein wichtiges Signal.

Hier findet jemand, dass es ein tolles Zeichen gegen Rassismus ist:

Hier wird der Gedanke noch weitergeführt. Es werden noch weitere Streifen hinzugefügt (für Atheisten, Gehörlose, Obdachlose, Muslime; ja, sogar für Europäer ...) So viele, dass man nicht mehr sagen kann, wo die Grenze verläuft zur Parodie und zum Absurden. Aber das ist womöglich auch egal. Da sollte man schon tolerant sein.

Bitte sehr: absolute Gleichheit, absolute Inklusion.

Jordan Peterson hat das kommen sehen und hat beschrieben, was passiert, wenn man immer weiter teilt und teilt und teilt und teilt ... Schließlich kommt man wieder beim Individuum und seiner Eigenverantwortung an.

Hier erlebt man ihn in Hochform: Sei kein Opfer – Don’t be a damn victim.

Anmerkung: Ab der kommenden Woche erscheint – erstmals im deutschsprachigen Raum – eine wöchentliche Kolumne von Jordan Peterson auf der Achse des Guten.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost

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Johann Wayner / 20.09.2017

Der Trend geht ganz eindeutig zum - wohl falschen, weil sich dem Zeitgeist anschmiegenden - Subjekt, das gar seltsame Ideologien vor sich hertreibt, wie ein Kind den Reifen mit dem Stock. Aufgebläht und akkumuliert durch den Diskurs im Netz und dann und wann durch die herkömmlichen Medien, wird eine Aufmerksamkeit produziert, die hoffentlich ins Leere läuft…. Der “wissenschaftliche” Dirskurs dieser Thematik wurde von mir seit Ende der 80er Jahre nicht mehr verfolgt. Es hat den Anschein,, dass hier wohl eine (theoretische) Wahrnehmungsverschiebung erfolgte, die offensichtlich in praktische Irrationalität umschlug. Herr Driesel, Sie haben meiner Ansicht nach vollkommen recht: “Einzelkandidaten in Eigenwerbung” getreu der Befindlichkeit der fortgeschrittenen Moderne: Ich bin auch noch da und nehmt mich halt wahr, in meiner originellen Besonderheit. Darum geht´s und nicht um den Schutz von Minderheiten im - vielleicht sogar - Promillebereich. Minderheiten sind hierzulande eh durch`s Grundgesetz geschützt. Daher gilt auch zu dieser Thematik: “Blas` Dich nicht so auf, sonst bringet Dich, zum Platzen schon ein kleiner Stich.” (Friedrich Wilhelm N.)

Karla Kuhn / 20.09.2017

“So viele, dass man nicht mehr sagen kann, wo die Grenze verläuft zur Parodie und zum Absurden. Aber das ist womöglich auch egal. Da sollte man schon tolerant sein.”  Du meine Güte, soll das ein Witz sein ?

Otto Bommer / 20.09.2017

„Ab der kommenden Woche erscheint – erstmals im deutschsprachigen Raum – eine wöchentliche Kolumne von Jordan Peterson auf der Achse des Guten.“ Gratulation zu dieser Entscheidung und diesem Erfolg! Habe mir schon Gedanken gemacht, wie ich meinem nicht-englischsprachigen Bekanntenkreis Prof. Peterson nahebringe kann, das vereinfacht die Sache.

Helmut Driesel / 20.09.2017

Na ja, wie jeder Schüler weiß, ist der echte Regenbogen eine Illusion. Der Witz daran: Es muss dazu immer woanders gerade regnen. Ich bin schon gespannt, ob Frau Lengsfeld was über den Kreuzberger Regenbogen-Kandidaten schreibt, der heute auf T-Online vorgestellt wird. Offenbar haben wir alle eine völlig falsche Vorstellung von Typus des Informatik-Studenten. Aber vielleicht geht ja der Trend jetzt zum Einzelkandidaten in Eigenwerbung nach Kindergärtnerart? Hundert solche Leute im Bundestag und alle Sorgen lösen sich in Wohlgefallen auf.

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