Eine Mutter und ihre Tochter schilderten am Dienstag vor Gericht, wie sie den Messer-Anschlag in Solingen knapp überlebt hatten. Während Bilder der bis heute teilweise gelähmten Mutter nach deren OP gezeigt wurden, demonstriert der Attentäter Issa al-H. unbehelligt sein Desinteresse.
„Zuerst habe ich einen Schlag gespürt, wie einen Stoß mit dem Ellenbogen", sagte Lea V. „Dann habe ich meine Mama fallen sehen. Und ich habe gemerkt, dass ich etwas Warmes und Flüssiges am Hals habe." Daraufhin sei ihr ein pensionierter Polizist zu Hilfe geeilt und habe sich „ums Abdrücken gekümmert", schilderte die 25-jährige Veranstaltungstechnikerin. Dabei habe sie weder die „Allahu Akbar"-Rufe des Attentäters noch die panischen Schreie anderer Veranstaltungsbesucher wahrgenommen. Nach ihrer Notoperation sei ihr Blutverlust auf rund zwei Liter geschätzt worden. Der Stich sei „mittig durch den Hals" erfolgt und habe eine Arterie durchtrennt, die das Gehirn mit Blut versorgt. Damit grenzt es an ein Wunder, dass die 25-Jährige noch lebt.
Mit der Zeugenaussage von Lea V., die, ebenso wie ihre Mutter, auch als Nebenklägerin auftritt, setzte das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) den Prozess gegen Issa al-H. am Dienstag fort. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen dreifachen Mord, zehnfachen Mordversuch sowie die Mitgliedschaft in der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) vor. So soll der Syrer am Abend des 23. August 2024 auf dem „Festival der Vielfalt", mit dem die Stadt Solingen ihr 650-jähriges Jubiläum feiern wollte, „in schneller Abfolge" sowie „unter wiederholten Allahu-Akbar-Rufen" gezielt auf Hälse der Veranstaltungsbesucher eingestochen haben, um so eine möglichst hohe Zahl von „Ungläubigen" zu töten. Beim Prozessauftakt am 27. Mai hatte Issa al-H. sofort zugegeben, die ihm zur Last gelegten Taten begangen zu haben. Zum Vorwurf der IS-Mitgliedschaft sowie dem der Mordabsicht äußerte er sich bislang jedoch nicht.
In ihren Beruf konnte Lea V. bis jetzt aber noch nicht zurückkehren. So musste die 25-Jährige bislang alle beruflichen Projekte an ihren Freund abgeben. In dieser Woche soll ihre Wiedereingliederung beginnen. Geplant sei jedoch, diese vorsichtig auf ein halbes Jahr zu verteilen. Als der Vorsitzende Richter Winfried van der Grinten sie auf die seelischen Folgen der Tat ansprach, sagte die Veranstaltungstechnikerin, die seien „anfänglich okay" gewesen. „Dann wurden sie aber immer problematischer." So habe sie bei öffentlichen Veranstaltungen das Gefühl, „aus der Situation raus zu müssen" oder „hinten an der Wand stehen zu müssen". Seit Anfang Februar sei sie in therapeutischer Behandlung.
Angst um das Leben der Tochter
Nach der 25-Jährigen schilderte deren Mutter Bärbel V, wie sie den Abend des 23. August erlebt hatte. Dabei konnte die 63-Jährige nur leise sprechen, da ihre Stimmbänder seit dem Anschlag gelähmt sind. Auch sie habe „einen Schlag am Hals gespürt" und wollte noch „mit dem Rüpel schimpfen", der das getan habe, sagte Bärbel V. Dann sei sie aber „zusammengesackt" und habe erst durch einen Griff an den Hals bemerkt, dass sie blutete. Noch schlimmer aber sei für sie gewesen, dass sie in diesem Moment sehen musste, wie auch Lea zusammenbrach: „Ich hatte Angst um das Leben meiner Tochter." Später sei sie ebenfalls notoperiert und danach auf eine Intensivstation verlegt worden.
Trotz Physiotherapie, Ergotherapie und Lymphdrainage könne sie bis heute kein normales Leben führen: „Meine Freiheit ist sehr eingeschränkt", erläuterte Bärbel V., deren rechter Arm gelähmt ist, weil bei dem Messer-Angriff ein Nervenstrang durchtrennt wurde. So könne sie ihren Beruf nicht mehr ausüben, weder auto- noch fahrradfahren und die Hausarbeit sei „sehr beschwerlich", da sie dazu nur noch ihren linken Arm benutzen könne. „Wenn ich den rechten Arm nicht stütze, fällt er herunter", schilderte Bärbel V. „Wenn der Arm nicht funktioniert, hat man ein Problem. Und das wird sich auch noch seelisch bemerkbar machen."
Am Ende ihrer Schilderungen sprach Bärbel V. noch kurz von Ines W. Die 56-jährige Apothekerin sowie der 67-jährige Stefan S. und der 56-jährige Florian H. konnten nach dem Anschlag nicht mehr gerettet werden und starben noch vor Ort. „Frau W. war eine Sportkollegin von mir", sagte die 63-Jährige und schilderte, dass sie die Apothekerin auf dem Weg zum „Festival der Vielfalt" noch im Bus getroffen habe. „Schön, dass wir diese Momente noch hatten."
Samthandschuhe für den Angeklagten
Als dritter Zeuge an diesem Verhandlungstag schilderte Jürgen O. das Geschehen auf dem Fronhof in Solingen. „Ich habe einen Stich gespürt, dann kam Blut raus. Ich habe sofort den Daumen draufgedrückt und ,Hilfe, Messerstecher' geschrien", sagte der 63-Jährige. Die „Allahu Akbar"-Rufe habe er gehört, jedoch nicht gesehen, von wem diese kamen. Mit dem Attentäter aber habe er „kurz Blickkontakt gehabt". Als Winfried van der Grinten nachfragte, ob er ihn im Saal wiedererkenne, bestätigte das Jürgen O.: „Ja, ja, das ist er."
Der aber zeigte auch in diesem Moment keine Regung: Ebenso wie bei allen bisherigen Verhandlungstagen saß Issa al-H. auch am Dienstag mit nach vorne geneigtem Oberkörper auf der Anklagebank hinter Panzerglas und blickte stereotyp zu Boden. Lediglich als auf einer Saal-Leinwand Bilder von Bärbel V.s Schnittverletzungen, die nach ihrer Operation aufgenommen wurden, in Großaufnahme gezeigt wurden, wirkte al-H. für einen kurzen Moment lebendig und begann rhythmisch zu wippen. Dabei bewegte er seinen Oberkörper minutenlang abwechselnd nach vorne und wieder zurück. Danach versank er jedoch wieder in seine ursprüngliche Sitzhaltung und blickte weiter zu Boden.
„Ich weiß nicht, ob er in diesem Moment gebetet hat. Ich saß zwölf bis fünfzehn Meter von ihm entfernt und kann das von außen nicht beurteilen. Andere Möglichkeiten der Deutung sehe ich hier aber nicht: Diese Art von Wippen erinnerte mich an das meditative Schaukeln, wenn Muslime den Koran rezitieren", sagte die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann, als sie nach Sitzungsende auf das merkwürdige Verhalten von Issa al-H. angesprochen wurde. „Viel schlimmer finde ich jedoch, dass al-H. unbehelligt herumdösen darf, während seine Opfer die Bilder ihrer Verletzungen anschauen müssen. Der Richter hat ihn bis heute mit Samthandschuhen angefasst und fordert ihn nicht mal auf, sich die Folgen seiner Taten wenigstens mal anzusehen. Es ist, als ob er ein Unbeteiligter wäre. Dafür fehlt mir jedes Verständnis."
Das Auslesen der Daten dauert noch
Das Zweithandy von Issa al-H., um das noch vor zwei Wochen nicht wenig medialer Wirbel veranstaltet wurde, kam in der Verhandlung am Dienstag jedoch nur am Rande vor. Das Handy wurde am 3. Juni von der Polizei in unmittelbarer Nähe der Solinger Flüchtlingsunterkunft gefunden, in der der Syrer bis zu seinem Anschlag untergebracht war. Zuvor hatte dessen Verteidiger Daniel Sprafke dem Gericht Hinweise zum Fundort angeboten. Nun bestätigte Winfried van der Grinten, dass das Gerät in einem Zustand gefunden wurde, der eine Auslesung der Daten noch möglich mache. „Aber das dauert natürlich noch", schränkte der Richter sofort wieder ein.
Der im größten Saal des am Stadtrand gelegenen Hochsicherheitstraktes des OLG stattfindende Prozess wird bereits am Mittwoch fortgesetzt. Bislang hat das Gericht dafür insgesamt 22 Termine bis 24. September vergeben. Neben Journalisten, Mitarbeitern des vom Landtag zum Anschlag in Solingen eingesetzten Untersuchungsausschusses sowie anderen beruflich mit dem Thema Islamismus befassten Personen besteht das Publikum hauptsächlich aus Angehörigen sowie Freunden der am 23. August Getöteten und Verletzten.
Peter Hemmelrath arbeitet als Journalist und Gerichtsreporter.

Wer ohne Papiere illegal die Grenze übertritt kann, bzgl. seiner Herkunft, ungestraft das Blaue vom Himmel runter lügen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unter den sogenannten Flüchtlingen auch in ihren jeweiligen Herkunftsländer bereits zu Mördern, Totschläger, Vergewaltiger, Kinderschänder etc. gewordene, also schlicht Schwerkriminelle, zu finden sind. Denen vielleicht auch in den Herkunftsländern die Todesstrafe, Körperstrafen oder ähnliches drohen würde. Überprüft wird das leider nach wie vor nicht, wer da alles in das Land gelassen wird. Multikulti ist ja so bereichernd für Deutschland. Hat nur noch nie funktioniert. Dazu kommt noch, dass viele Asylforderer dieser gewaltverherrlichenden, frauenfeindlichen Ideologie anhängen. Gefährliche Mischung.
Echte Fachkräfte werden dieses Land meiden. Wer möchte schon in ein Land einwandern, wo der Steuersatz hoch, die Abgabenlast und Preise ebenfalls auf hohem Niveau sind und man gleichzeitig damit rechnen muss, dass der Nahost Konflikt vor der eigenen Haustür ausgetragen wird.
Jede Gerichtsverhandlung, die länger dauert als 10 Minuten für diesen Idioten ist schlicht zu lange und zu viel der Ehre, zu viel Aufwand für einen mit einem Intelligenzquotienten wohl nicht viel grösser als der eines Affen. Die fairste Strafe wäre ihn ebenso zu verstümmeln wie seine Opfer und ihn am Leben in Freiheit zu lassen, aber ohne jede finanzielle Unterstützung. Unser Strafrecht wird ihm in Gefangenschaft eine Ausbildung finanzieren und ihn irgendwann in die Gesellschaft, die er so verachtet eingliedern, alles automatisch finanziert, während die verstümmelten Opfer wohl für jeden Euro an Unterstützung kämpfen und täglich leiden werden müssen. Was sind wir nur für Trottel.
@L. Bauer Ich stimme ihrem Kommentar zu 100% zu. Ich verstehe nicht, wieso nicht alle von derlei Ereignissen Betroffenen klagen oder sammelklagen. Werden die vielleicht bedroht oder mit etwas anderem ruhiggestellt?
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Dem Leserbrief von L. Bauer ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Gott sei Dank habe ich die Union seit 2002 nicht mehr gewählt. Und nun haben sie auch noch einen Wadenpfui als Minister. Ich glaub es nicht. Wann ist denn der aus dem Schoß der Murksel gekrochen. Aus Länder wie Afghanistan, Pakistan, Somalia und ähnliche Länder hätte ich nie einen aufgenommen. Allenfalls die religiösen Minderheiten. Von den 99,8-99,9 % der Mehrheitsreligion keinen.
„WARUM“ ? …sitzen nicht die wahren Monster auf der Anklagebank.
Sehr bald darf Europa auch iranischen Flüchtlingen Asyl bieten, weil der nahe Osten derzeit weiter demokratisiert wird von der westlichen Tugendhaftigkeit. Einsteins Definition von Dummheit..
Ob Anschläge auf Weihnachtsmärkte in Berlin oder Magdeburg oder Amokattacken mit Messern, falls unsere Medien überhaupt die Opfer erwähnen, dann nur die Toten. Bei den Weihnachtsmarktanschlägen gab es dutzende und hunderte von Verletzten, viele Schwerverletzte, die ihr Leben lang gezeichnet bleiben. Im Rollstuhl sitzen, Gliedmaßen verloren haben. Ein Opfer in Berlin begang Selbstmord, so sehr litt es an Verletzungen und/oder der traumatischen Erfahrung. Diese Opfer sind Opfer zweiter Klasse. Von unserer Gesellschaft vergessen. Danke, dass zumindest Achgut sich ihrer erinnert.