Wenn Deutschland die moralischen Verhältnisse in Katar so schrecklich findet, sollte es von dort auch kein Flüssiggas beziehen, das wäre wenigstens konsequent. Aber es sollte nicht Sportlern, die nur Fußball spielen wollen, eine LGBT-Armbinde aufzwingen.
Seit meiner frühen Jugend ein Sport- und Fußballmuffel, bin ich an der Fußballweltmeisterschaft in Katar genauso interessiert wie an der Vier-Schanzen-Tournee oder anderen sportlichen Großereignissen – nämlich gar nicht. Kommt Sport im Fernsehen, schalte ich um oder drücke den Aus-Knopf.
Aber ich weiß sehr wohl, dass sportliche Wettbewerbe seit der Antike Millionen Menschen fasziniert haben und dass das gemeinsame Erlebnis dieser Faszination immer wieder die Grenzen sprengen kann, die sonst durch Bildung, Gesellschaftsschicht, Nation, Religion und Politik gezogen werden. Das hält natürlich nicht an. Die Euphorie der Olympischen Spiele 1936 in Berlin hinderte Hitler nicht daran, drei Jahre später Polen zu überfallen. Und die Olympischen Winterspiele in Sotschi im Februar 2014 hinderten Putin nicht daran, wenige Monate später die Krim zu besetzen und den Krieg im Donbass vom Zaun zu brechen.
Wer also dem Sport per se eine völkerverbindende und friedensstiftende Kraft zuspricht, muss aufpassen, dass er sich nicht selbst betrügt und anderen Sand in die Augen streut.
Gleichwohl ist es schön, wenn Menschen, Staaten und Gesellschaften bisweilen ihre Differenzen beiseitelegen und sich im Wettbewerb nach gemeinsamen Regeln friedlich miteinander messen.
Es wird ausgeblendet
Was die Menschen und ihre Gesellschaften trennt, wird damit nicht verdrängt oder geleugnet, es wird aber für das sportliche Ereignis ausgeblendet. So entsteht ein Gemeinschaftserlebnis, dass die Völker bei allen Unterschieden ihrer Ideologien und Herrschaftssystem zumindest vorübergehend vereint und vielleicht auch im politischen Alltag nachwirkt.
Die Religion des Islam sehe ich sehr kritisch. Darunter auch den Kopftuchzwang für Frauen und die Ächtung von Homosexualität. Katar ist auch ansonsten beileibe keine westliche Demokratie. Aber deshalb kann man doch gemeinsam Fußball spielen.
Es ist anmaßend, jemand anderen vor einer sportlichen Begegnung zu Bekenntnissen zu zwingen, die mit dem ausgeübten Sport überhaupt nichts zu tun haben. Unabhängig davon, wie edel der Inhalt der eingeforderten Bekenntnisse ist, kommt darin eine totalitäre Einstellung zum Ausdruck: Der andere wird nur akzeptiert und als gleichwertig anerkannt, wenn er sich zu Überzeugungen bekannt, die mit der gemeinsam betriebenen Sache nichts zu tun haben. Das ist überheblich und beleidigend. Für die tiefe Empörung, die dies bei den auf solche Art Gemaßregelten und öffentlich Vorgeführten auslöst, muss man Verständnis haben.
99 Prozent der Menschen haben ein biologisch eindeutiges Geschlecht, 5 bis 7 Prozent haben homosexuelle Neigungen. Diese sind genetisch festgelegt und schon deshalb einer moralischen Beurteilung nicht zugänglich. Dieser eindeutige Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis sollte auch in der islamischen Welt mehr Verbreitung finden. Aber Meinungsunterschiede zu sexueller Orientierung sollten Gesellschaften nicht daran hindern, miteinander Fußball zu spielen. Sie treiben ja schließlich auch Handel miteinander.
Erst der Schaden, dann der Spott
Wir freuen uns, wenn katarische Millionäre deutsche Autos kaufen und freuen uns doppelt, wenn sie uns Flüssiggas liefern. Das war dem deutschen Wirtschaftsminister Habeck im März 2022 sogar einen tiefen Diener vor dem Emir von Katar wert, und niemand in der deutschen Delegation nahm damals Anstoß an dessen drei Ehefrauen.
Wenn Deutschland die moralischen Verhältnisse in Katar so schrecklich findet, sollte es von dort auch kein Flüssiggas beziehen, das wäre wenigstens konsequent. Aber es sollte nicht seinen Sportlern, die doch nur guten Fußball spielen wollen, eine LGBT-Armbinde aufzwingen, die die gesamte arabisch-islamische Welt nur als Beleidigung auffassen kann und auch genauso auffasst. Die Sportler wurden durch eine schräge Verbandspolitik moralisch dazu gezwungen. Sie konnten nichts dafür. Als dann der Deutsche Fußballbund unter dem Druck der FIFA zurückruderte, kam zum Schaden noch der Spott.
Der Gipfelpunkt totalitärer Heuchelei war aber erreicht, als sich die deutsche Sportministerin Nancy Faeser mit der umstrittenen Armbinde in Katar auf die Zuschauertribüne setzte. Das mag Beifall in der deutschen LGBT-Gemeinde gegeben haben, hinterließ aber in Katar und der gesamten arabisch-islamischen Welt ein diplomatisches Trümmerfeld. So geht man nicht um mit einem gastgebenden Land, das sich die Infrastruktur und die Stadien für diese Weltmeisterschaft 220 Mrd. Euro kosten ließ.
Das kindische Beharren auf dem Vorzeigen der LGBT-Binde durch eine Bundesministerin bei dieser Gelegenheit in einem islamischen Land ist Ausdruck eines provinziellen Geistes, der offenbar Deutschland erneut zum moralischen Nabel der Welt machen will. So macht man sich Feinde und schürt Verachtung. Für die Rechte Homosexueller in der islamischen Welt ist damit nichts gewonnen.
Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche

@Dirk Jungnickel: Schön, dass Sie auch heute wieder, wie jeden Tag, Ihre Doppelmoral hier offen legen, man vergisst sie dann nicht. Sch… auf Moral und Menschenrechte, Appeasement gegenüber all denen, ohne die hier die Lichter komplett ausgehen würden, und zwar für Alle, auch für die rotgrünen Faschisten höchstselbst. Kein Appeasement und „Moral“ dann, wenn die Auswirkungen den Pöbel ganz allein treffen. „Weil das auch Nachteile für uns bringt, ….“ Das Wort „uns“ benutzt neben Jungnickel die Bande auch, und meint damit immer EUCH. Sollten Sie kein unmittelbarer Nutznießer der „uns“-Sager sein, so sind Sie zumindest ein ganz schlimmer Mitläufer und damit Stütze des Systems, auch wenn Sie ab und zu versuchen, das zu kaschieren.
Es ist schon erstaunlich, wie Politiker der Altparteien die Politik der Regierung und damit auch das Agieren ihrer eigenen Partei ins Kreuzfeuer nehmen. Herr Sarrazin tut das in seinem Beitrag in trefflicher Weise, Genau so auch Herr Maßen, der an der Regierung auch kein gutes Haar lässt, wenn er Faesers Razzia mit chinesischen Methoden vergleicht. Damit begibt er sich auch außerhalb der CDU,
die diesen Blödsinn mitträgt. Dennoch bleiben beide stramme Soldaten ihrer Partei. Zwei Beispiele, die einem immer wieder zeigen, wie wenig diese Leute bereit sind, wirklich eine politische Änderung in diesem Lande herbeizuführen. Alle habe; nur einen wirklichen Feind, und das ist die AfD. Eine Partei, die tatsächlich diesen Saustall ausmisten möchte. Aber mit der will man nichts zu tun haben. Also bleibt alles wie es ist. Die Kritik von Politikern wie Sarrazin und Maßen an den politischen Gegebenheiten in diesem Lande sind also nur heiße Luft, die verpufft. Man schlägt sogar auch auf die AfD ein, mit der man eine Politikänderung zugunsten der Bürger herbeiführen könnte. Also alles nur Blabla.
@ A. Ostrovsky Mir ist immer noch nicht klar, was Sie uns mit Ihren Kommentaren eigentlich sagen wollen. Einmal versehentlich in Schönefeld gelandet und schon alles gesehen, gehört und gerochen, was man so wissen muss über den Osten. Vielen Dank für die Aufklärung. Ich bin vermutlich weiter als Sie, vielleicht nicht in der Welt, aber in Deutschland herumgekommen. Trotzdem würde ich mir ein solches Urteil über den Osten oder Westen, den Norden oder den Süden nicht anmaßen. // Nun aber zu Frau Faeser aus den Hessischen Provinz: Ihr Auftreten war überheblich und beleidigend. Da gebe ich Herrn Sarrazin Recht. Normalerweise muss dann der Außenminister ran, um die Wogen zu glätten auf diplomatischem Wege. Aber macht es Sinn, dem einen Trampel einen zweiten hinterher zu schicken?
Die Fußballer hätten sich doch nicht zu so etwas hingeben müssen, genauso wenig wie die Menschen, die bei all der Coronapolitik mitgemacht haben. Wenn irgendwo ein Zusammenhalt in diesem besten Deutschland aller Zeiten da wäre, wäre das Alles nicht passiert. Bestes Beispiel ist doch der Fußballer Kimmich. Er ist doch auch trotz seiner vielen Millionen umgefallen. Und er hatte es finanziell nicht nötig. Aber er wollte auch ein Guter sein. Und wenn Sport politisiert wird und die Sportler alle mitmachen, ist das ein Armutszeugnis für die Sportler. Ganz davon abgesehen, dass man als Sportler das gewählte Gastgeberland zu akzeptieren hat. Und wenn man es nicht macht, muss man halt zuhause bleiben.
@Leo H.: Vorsicht, die Frau ist Juristin, also Berufskollegin von Herrn Sarrazin. Problem also: Das BVerfg soll den, also DEN Juristen „Einhalt gebieten“, die die Gesetze machen, nach denen weisungsgebundene Staatsanwälte verfahren und anklagen müssen (beim Strafrecht), Richter „erkennen“ müssen, regelmäßig Juristen also letztendlich, die die allgemeine Politik machen. „Einhalt gebieten“? Mehrheitlich Juristen hocken im Parlament, der Legislative, der daraus resultierenden Rechtsprechung, der Jurisdiktion, der Exekutive, die macht und Macht ausübt. „Einhalt gebieten“! Na ja, mit gutem Willen geht das, aber wenn nicht? Juristen haben durch die geschilderte Kette von der Legislative über die Judikative zur Exekution schon ein paar deutsche Staaten zur Schnecke gemacht. Wie der gefürchtete Uroboros beißt sich die Schlange auch gerne mal in den eigenen Schwanz … . Das heißt, die von Juristen beherrschte Politik biegt sich die anderen Juristen dann schon zurecht. Es gibt immer genug von ihnen, die da/s mitmachen. Es kann aber natürlich auch ein Entschlossener sein, der beschließt, Politiker zu … . („Es muss demokratisch aussehen, aber …“). Dann biegt halt der zurecht, was passend gemacht werden soll – er findet immer genug „Flexible“. Wenn die Verfassung, das GG nicht dicht hält und die (Landes)Verfassungen nicht dicht halten, dann ist der Staat nur noch eine Räuberbande. Das zu verhindern ist Aufgabe des BVerfg. Ob es dieser Aufgabe wohl auch „gerecht“ wird? Medizynisch gesprochen: Von der Phimose über die Stenose zur Nekrose. Aus die Maus.
So läuft es ebend in einem Juristenstaat. Wenn es schief läuft … .
……….sich die deutsche Sportministerin Nancy Faeser mit der umstrittenen Armbinde in Katar auf die Zuschauertribüne setzte……………..Die Sportler wurden durch eine schräge Verbandspolitik moralisch dazu gezwungen. Sie konnten nichts dafür……….
weder die Sportministerin, noch die (einige!) Sportler konnten etwas dafür, da es Ihnen allen einfach an Verstand fehlt.
@Marcel S.: Sie setzen sich auch nicht für die geschundenen muslimischen Mädchen ein, mein Thema. Im Gegenteil, sagst du was, verurteilen sie dich als Volksverhetzer, Urteil s. hier „gesetze-bayern. /Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2018-N-58571“, Az.: 824 Cs 112 Js 101229/18