In wenigen Tagen wird Skype eingestellt – eine Plattform, die für viele früher einen Kontakt zu Menschen möglich machte, die am anderen Ende der Welt wohnten.
Jeden Samstagmorgen chattet unser Sohn im Teenageralter mit seinen Großeltern in Deutschland – über Skype. Sie tauschen Witze aus, geben sich Küsschen und fügen dem Bildschirm Luftballons oder Mistelzweige hinzu.
Es ist ein kleines Familienritual, süß und ein bisschen albern – und das letzte, was ich noch auf einer Plattform mache, die die Welt stillschweigend hinter sich gelassen hat.
Jetzt erinnert uns Skype jedes Mal, wenn wir eine Verbindung herstellen, mit einer Nachricht daran, dass der Dienst im Mai 2025 eingestellt wird. Microsoft möchte, dass jeder stattdessen seine Teams-App nutzt. Das kleine blaue Skype-Fenster, das sich einst wie ein digitales Wunder anfühlte, befindet sich in der Todeszelle.
Ich finde das seltsam traurig.
Skype wurde 2003 in der europäischen Unbekanntheit geboren. Ein Schwede und ein Däne waren Mitbegründer, aber die Software selbst war das Werk von vier Esten. Innerhalb von zwei Jahren kaufte eBay das Unternehmen für 2,6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2009 kaufte Private Equity 65 Prozent für 1,9 Mrd. USD. Im Jahr 2011 zahlte Microsoft 8,5 Milliarden Dollar für das Unternehmen.
Der Aufstieg und Fall von Skype
Das Wachstum von Skype war phänomenal. Im Jahr 2005 hatte das Unternehmen gerade einmal einen Anteil von 2,9 Prozent am Markt für Auslandsgespräche. Im Jahr 2014 waren es bereits 40 Prozent. Die Wettbewerbsbehörden hätten sich fragen können, ob hier ein gefährliches Monopol im Entstehen begriffen ist.
Sie hätten sich keine Sorgen machen müssen. Die Technologie entwickelt sich zu schnell für die Regulierungsbehörden. Der Aufstieg und Fall von Skype vollzog sich, bevor die Wettbewerbshüter tätig werden konnten.
Und so wurde das, was wie die Zukunft aussah, bald überholt. Die Pandemie tat ihr Übriges. Zoom legte zu, WhatsApp passte sich an, und Microsoft steckte seine Ressourcen in Teams. In der Zwischenzeit wurde Skype still und leise ins Hinterzimmer verfrachtet.
Schlecht gealtert
Dennoch hatte Skype eine Seele. Es hatte diesen unverwechselbaren Klingelton: doo-doo-doo-dip. Es hatte Charme. Es ließ Kinder Aufmerksamkeiten an ihre Großeltern schicken. Es hat sich selbst nicht zu ernst genommen.
Aber es ist auch schlecht gealtert. Skype konnte nie mit der Eleganz neuerer Plattformen mithalten. Die Benutzeroberfläche blieb klobig. Die Funktionen schienen im Jahr 2011 stecken geblieben zu sein.
Und dann waren da noch die seltsamen Kontaktanfragen, meist von exotischen Frauen mit anzüglichen Profilbildern. Ich habe sie alle abgelehnt. Abgesehen von den offensichtlichen Gründen habe ich mich nie mit der automatischen Übersetzung von Skype angefreundet.
Leb wohl, Skype
Dennoch war Skype in einer Hinsicht gut: Es ermöglichte Menschen, die weit voneinander entfernt waren, sich kostenlos zu unterhalten. Das machte es einst revolutionär.
Vor dreißig Jahren waren solche Anrufe noch Science-Fiction. Vor zwanzig Jahren waren sie die Zukunft. Vor zehn Jahren beherrschte Skype sie. Und heute? Es wird in den Ruhestand versetzt. Ja, Skype ist nur ein Stück Software. Aber es ist auch die Geschichte eines verlorenen Wunders, einer Neuheit, die zur Normalität wird, einer Innovation, die ihre Schöpfer überholt.
Also leb wohl, Skype. Und ich danke dir.
Doo-doo-doo-dip.
Dr. Oliver Marc Hartwich, geboren 1975 in Gelsenkirchen, ist seit 2012 geschäftsführender Direktor der New Zealand Initiative in Wellington, der windigsten Hauptstadt der Welt. Die Initiative ist ein Verband neuseeländischer Unternehmen und die führende Denkfabrik des Landes. Dieser Beitrag erschien zuerst auf seiner Website.
Skype hatte viele Vorteile. Man konnte sich abmelden (geht bei Whatsup und Teams nicht). Bei skype brauchte es nur eine e-mail. Man war nicht an ein Handy mit Tel-Nr. gebunden und konnte sich überall anmelden. Bei Teams ist es gleich. Auf dem PC öffne ich aber einen separaten Browser und wenn ich den schliesse bin ich auch abgemeldet. Teams ist weniger gut als Skype aber immerhin gibt’s es. Skype war vor Microsoft besser, individueller und weniger übergriffig. Wozu man Skype mit Teams ersetzt erschliesst sich mir nicht. Schade. Und obwohl bekannt ist, dass WhatsUp viel mehr überwachen kann stört es die Leute nicht. Alle sagen, ich habe nichts zu verheimlichen. Na dann ist ja alles gut.
Nur so am Rande: Über skype (und Skat-online) fand ich meine Dualseele… muss man nicht dran glauben… ist jedem frei gestellt…
Wir haben es 2013 oft genutzt, als unser Kind für ein Auslandssemester in China war. Na ja, aber wer kennt heute noch Netscape oder AOL? Tempus fugit.
Finde ich jammerschade, auch wenn ich keine Leute mehr in sonstwo habe.Aber Danke Skype und R.I.P.
Schade ( für unsere Freunde die Schlapphüte ), Schade. Da konnte man ungeniert Alles abhören ;o)). Ich selbst habe Skype nur ganz am Anfang mal ausprobiert und festgestellt : Nein Danke ! Es geht auch ohne Skype mit einem Server. Besser wäre es wie z.B. bei Android & Co. eine Beendigung der Smartphone-Systeme ? Pures Wunschdenken, ich weiss :o((
Die Leute, die ich so im gehobenen Alter kenne, nutzen halt Discord.