Islamische Sklavenhändler haben einst hunderttausende Sklaven über das Rote Meer verschifft. Das ist nur ein Kapitel in der hierzulande weitgehend unbekannten Geschichte des Horns von Afrika. Der Orientalist und langjährige Diplomat Alfred Schlicht schildert sie plastisch und detailreich.
Die Region des sogenannten Horns von Afrika (Äthiopien, Dschibuti, Eritrea und Somalia) leidet seit vielen Jahren unter vielfältigen Krisen. Sowohl historisch als auch gegenwärtig. Der Orientalist und langjährige Diplomat Alfred Schlicht hat viele Jahre im Nahen Osten gelebt und ist als einer der sachkundigsten Experten unseres Landes weithin bekannt. Mit seinem Buch „Das Horn von Afrika“, bei Kohlhammer erschienen, zeichnet er ein plastisches, detailreiches Bild der Geschichte und Politik der Region. Die Geschichte des Horns von Afrika ist in Europa außerhalb der Fachkreise noch weitgehend unbekannt. Die Expansion des Islam und die Entstehung eines islamischen Imperiums waren mit mittelbaren und unmittelbaren Konsequenzen für die Region verbunden.
Besonders aufschlussreich war für mich das Kapitel über Sklaverei. Auch der Sklavenhandel spielte eine wichtige Rolle am Horn von Afrika. Schätzungen gehen von 500.000 Sklaven aus, die im 19. Jahrhundert über das Rote Meer verschifft worden sein sollen. Vor allem im Westen und Südwesten des heutigen Äthiopien war, zusammen mit dem Sudan, ein bevorzugtes Reservoir für Sklavenjäger. Sklaven wurden oft als Minenarbeiter, Lastenträger, Hauspersonal oder in der Landwirtschaft eingesetzt, Frauen und Mädchen auch als Konkubinen.
Faktisch waren Sklavenhändler vor allem Muslime, die naturgemäß die besten Beziehungen zu Abnehmerländern, welche auch muslimisch waren, unterhielten. Die letzte Sklavenkarawane erreichte Dschibuti 1929. In Eritrea hörte der lukrative Sklavenhandel erst unter italienischer Herrschaft auf. Auch heute noch leben und arbeiten – wie ich auch aus Westafrika berichtet habe – Menschen vom Horn von Afrika in Nachbarstaaten unter sklavenähnlichen Bedingungen, bisweilen werden durch Zufall besonders gravierende Fälle bekannt.
Suezkanal erhöhte Bedeutung der Küstenregionen am Horn
Alfred Schlicht greift auch den Fall des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin (1799–1837) auf, dessen Urgroßvater Abraham Ganibal (Hannibal) im frühen 18. Jahrhundert aus Afrika als Sklave von osmanischem Militär nach Istanbul gebracht worden und dann nach Russland gekommen sein soll. Die Familientradition beruft sich auf „abessynische“ Abstammung. Sowohl Eritrea als auch Äthiopien beanspruchen ihn für sich, in beiden Hauptstädten dokumentieren diesen Anspruch Puschkin-Statuen. Dies ist auch Ausdruck der Rivalität zwischen der äthiopischen Region Tigray und Eritrea.
1869 war ein Schicksalsjahr für das Rote Meer und das Horn von Afrika. Durch die Eröffnung des Suezkanals wurde das Rote Meer zur internationalen Wasserstraße, zu einem interkontinentalen Verkehrsweg. Das Bab al-Mandeb, der Zugang zum Roten Meer, die Meerenge, die das Tor zum Indischen Ozean bildet, rückte ins grelle Licht der Großmachtinteressen. Eine schnellere Verbindung zwischen dem Mittelmeer und Europa einerseits sowie Afrika und Asien andererseits war entstanden. Die Wege der Kolonialimperien waren so kürzer geworden. Dadurch gewannen die Küstenregionen am Horn von Afrika plötzlich an Bedeutung, nicht nur für die europäischen Nationen, sondern auch für Ägypten, durch dessen Territorium an der Scheide zwischen Afrika und Asien der Suezkanal verläuft.
Um die Wende zum 21. Jahrhundert entwickelte sich die Region zu einem internationalen Krisenherd, z. B. durch den Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien und den Zerfall des vom islamischen Terror heimgesuchten Somalia.
Alfred Schlicht hat mit großer Sorgfalt, Hintergrundwissen und analytischer Schärfe ein ausgezeichnetes Buch geschrieben. Sprache, Form und gedankliche Finesse machen das Buch zu einem Lesegenuss. Es ist flüssig lesbar, enthält keinen soziologischen Jargon und bedarf keiner Vorkenntnisse.
Das Buch von Alfred Schlicht Das Horn von Afrika können Sie hier bestellen.
Volker Seitz ist Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, dtv, 2021 (11. aktualisierte Auflage).
Das Buch wurde seit dem erstmaligen Erscheinen (2009) mit jeder der zahlreichen Neuauflagen aktualisiert und erweitert. Von der ersten Auflage bis heute haben sich die Seitenzahlen fast verdoppelt. Das Buch hat durch seine Informationsdichte einen hohen Wert. Seine Aussagen gelten nach wie vor. Die so genannte Entwicklungshilfe subventioniert immer noch schlechte Politik. Solange immer Ausreden gefunden werden, warum korrupte Regime unterstützt werden sollen, werden auch die Fluchtursachen nicht verringert werden. Die Profiteure der Entwicklungshilfe behaupten: Hilfe funktioniert. Aber warum gehe es heute den meisten afrikanischen Ländern schlechter als zum Ende der Kolonialzeit, fragt Seitz.
Seitz wird nie pauschal, hebt immer wieder positive Beispiele hervor und würdigt sie im Detail. Ein Buch, das über weite Strecken auch Lesevergnügen bereitet, ist immer noch genauso aktuell wie zum Zeitpunkt seiner Erstveröffentlichung. Es richtet sich nicht an ein Fachpublikum. Der Autor bedient sich einer Sprache, die klar ist, dass sie auch Lesern ohne jegliche Vorkenntnisse einen Zugang zu der Thematik – die uns alle betrifft – eröffnet.
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Generell hat die EU-Nomenklatura ihr wahres Gesicht gezeigt, als sie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den massiven Menschenhandel und Zwangsprostitution mit osteuropäischen Frauen zugelassen hat. Dafür gab es den Friedensnobelpreis. Aber die wahre auf Menschheitsvernichtung ausgerichtete Natur kommt zum Vorschein, bei den spezialaggressiven Russen wie bei den eskalierenden Europäern. Dazu braucht es keinen einzigen Muslim, auch wenn die wie der ganze Rest aller Kontinente keinen Deut besser sind.
Wie wäre es mit Britannien heute, nämlich Rotherham und dergleichen Orte des Bösen? Und es soll Leute geben, die würden Göring gegen die in Somalia als Geisel gehaltene Frau Nientiet austauschen.
Das gab es nicht nur am Horn von Afrika. Wikipedia: Sklaverei innerhalb von Subsahara-Afrika umfasst Sklaverei und Sklavenhandel innerhalb der Länder Subsahara-Afrikas und existierte bereits vor der Ankunft arabischer und europäischer Sklavenhändler.
Genaue Daten sind kaum zu erhalten, da im Gegensatz etwa zum Atlantischen Sklavenhandel keine Aufzeichnungen und Statistiken existieren. Die innerafrikanische Sklaverei betraf schätzungsweise etwa 10–15 Millionen Menschen.
Verbreitung
Seit etwa 500 n. Chr. war Afrika ein Zentrum von Sklaverei. Sklaven wurden sowohl in Karawanen auf dem Landweg exportiert als auch per Schiff auf dem Seeweg. Mit der islamischen Expansion erreichte die Zwangsmigration innerhalb Afrikas durch Razzien arabisch-berberischer Gruppen eine neue Qualität. Es wird geschätzt, dass es mehr Sklaven innerhalb Afrikas gab als solche, die exportiert wurden.[1] Der Schweizer Hans Fässler nimmt an, dass die innerafrikanische Sklaverei etwa 10–15 Millionen Menschen betraf.[2]
Gemäß Berichten arabischer Reisender und europäischer Beobachter war Sklaverei in den westafrikanischen Reichen Ghana, Mali und Songhai, im Aschanti-Reich im heutigen Ghana, in Dahomey (Benin), bei den Hausa und Yoruba im heutigen Nigeria sowie im Kongo-Gebiet weit verbreitet.
Und ich bin aufgrund der Informationen, die ich den Öffentlich Rechtlichen entnehme, sowie der einschlägigen Hollywood-Filme davon ausgegangen, nur böse alte weiße Männer hätten Sklavenhandel betrieben. ;-)
Schon lange bevor es den Islam gab, haben jüdische Händler Afrikaner an die Araber verkauft. Das war normal damals. Die höchsten Preise auf arabischen Sklavenmärkten erzielten weiße blonde Frauen. Slaven. Englisch: Slave.
@ Freising: diese Art der modernen Sklaverei ist in ganz Asien verbreitet, auch in angeblich fortschrittlichen Staaten wie Singapur. Da leben die Arbeiter in Lagern und dürfen nur Sonntags raus in die Stadt, und auch dann nur in bestimmte Bereiche. Wohnen in Hochhäusern im Bau ist selbstverständlich, weil billiger. Vom Schicksal der zahllosen „ domestic helpers“ ganz zu schweigen, da ist Ausbeutung an der Tagesordnung. Liebesbeziehungen und Schwangerschaften sind streng verboten und werden mit sofortiger Ausweisung geahndet. Menschen zweiter Klasse eben.
Das Tabu über islamischen Sklavenhandel zu diskutieren führt zu seltsamsten Verrenkungen. Als Beispiel hier die deutsche Wikipedia, dort der Artikel über das „Sultanat Baguirmi“. Bagirmi war ein Rastplatz des Trans-Sahara-Sklavenhandels. Die Sklavenkarawanen aus Schwarzafrika hielten dort, bevor sie weiterzogen gen Norden. Der deutsche Forscher Heinrich Barth berichtete in den 1870er Jahren über entsetzliche Zustände. Trotzdem taucht in der Wikipedia zu Bagirmi/Baguirmi der Begriff Sklave nicht mal auf. Das Publikum der Kaiserzeit war besser informiert als wir heute, die wir angeblich jede Info per Mausklick erreichen.