Die aktuelle Regierung ist bisher vor allem dafür bekannt, große Reformen anzukündigen, von denen am Ende nicht viel übrigbleibt. Umso erstaunlicher war es, dass die Koalition sich auf eine Steuerreform einigen konnte. Außerdem wurden Änderungen im Gesundheitswesen beschlossen. Der Kanzler persönlich versicherte, die Vorschläge der Rentenkommission vollständig umsetzen zu wollen. In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland damit den Einstieg in die kapitalgedeckte Rente starten würde, ein durchaus bemerkenswerter Vorgang. Allerdings erregten diese Änderungen außer in Fachkreisen kaum Aufmerksamkeit.
Was die Menschen dagegen zu interessieren schien, war die Ankündigung, dass zum einen die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden soll. Zum anderen, dass in Zukunft ab dem ersten Tag einer Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeits-(AU-)Bescheinigung vorgelegt werden muss. Ist die Aufregung um diesen von Friedrich Merz eher als Nebensache verstandenen Punkt übertrieben? Oder haben die Menschen vielmehr ein feines Gespür für ein grundsätzliches Problem?
Die Frage, die sich aufdrängt, ist zunächst, was der Sinn dieser Maßnahme sein soll. Der Bundeskanzler selbst begründet sie mit der wirtschaftlichen Lage und dass man sich die hohen Fehlzeiten der Deutschen nicht mehr leisten könne. Da aber eine AU-Bescheinigung bisher nicht als wirkungsvolle Präventivmaßnahme gegen Krankheiten oder Mittel zur schnelleren Heilung aufgefallen ist, mag man eine andere Intention vermuten. Jeder kennt Geschichten oder hat eigene Erfahrungen mit Menschen, die offenbar besonders an Brückentagen und Montagen zu Krankheiten neigen und einen Tag später wieder spontan gesunden. Es darf davon ausgegangen werden, dass es sich hier um die Zielgruppe des Kanzlers handelt.
Wie Friedrich Merz nämlich bewusst oder unbewusst richtig festgestellt hat, ist es aktuell praktisch kostenlos, sich zu Lasten des Arbeitgebers einen Tag „freizunehmen“. Das gilt insbesondere seit Einführung der telefonischen Krankschreibung. Ökonomisch betrachtet, würde die Pflicht zu einem Attest ab dem ersten Tag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung diese Kosten deutlich steigern. Der potenzielle Blaumacher müsste zum Arzt fahren und sich ins gegebenenfalls überfüllte Wartezimmer setzen, nur um die nötige AU-Bescheinigung zu erhalten. Folgerichtig würde die Zahl der Blaumacher zurückgehen. Allerdings würde dieser Rückgang der absoluten Zahlen mit einer Steigerung der Länge der Ausfallzeit erkauft werden. Wir kommen später darauf zurück.
Volk von Blaumachern?
Damit drängen sich mehrere Fragen auf: Sind die Deutschen wirklich Weltmeister im Blaumachen, wie der Kanzler unterstellt? Verursachen diese kurzen Ausfälle eine hohe Zahl an Krankheitstagen? Ist die von der Bundesregierung geplante Maßnahme geeignet, derartiges Verhalten zu unterbinden?
Beginnen wir mit der Frage, ob die Deutschen ein Volk von Blaumachern sind. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt keine Statistiken, die zeigen, ob es signifikante Häufungen einzelner Fehltage an bestimmten Wochentagen gibt. Es gibt außerdem keine belastbaren Daten, dass zum Beispiel die telefonische Krankschreibung zu erhöhten Krankenständen geführt hätte. Grundsätzlich kann aber Folgendes festgehalten werden: In Ländern, die bereits ab dem ersten Tag der Krankheit eine Lohnfortzahlung leisten, ist die Zahl der Kurzzeiterkrankungen (ein bis drei Tage) höher als in anderen Ländern. In Deutschland machen sie circa 37 Prozent der erfassten Krankmeldungen aus. Da bisher erst ab dem vierten Tag eine AU-Bescheinigung vorgelegt werden muss, ist die reale Zahl wahrscheinlich noch deutlich höher. Die Erkrankten suchen hier schlichtweg keinen Arzt auf und gehen damit nicht in die Statistik ein.
Das gilt aber nicht explizit nur für Deutschland, sondern für alle Länder mit entsprechender Regelung. Länder, in denen es unbezahlte Karenztage gibt, haben dagegen weniger Kurzzeiterkrankungen. Das scheint erst mal für die These des Kanzlers zu sprechen. Allerdings machen die Kurzzeiterkrankungen nur circa sieben Prozent der gesamten Fehltage aus. Wie vorher beschrieben, dürfte der reale Anteil höher sein, aber selbst, wenn wir ihn verdoppeln würden, ist der Anteil immer noch gering.
Die implizite Unterstellung des Kanzlers lässt sich nicht eindeutig belegen
Sehen wir uns daher die absolute Summe der Fehltage an. Betrachtet man die Gesamtzahl der gemeldeten und bezahlten Krankheitstage, liegt Deutschland mit bis zu 23,9 Tagen (2024) tatsächlich weit oben in der Statistik. Wie so oft liegt der Teufel aber im Detail. Seit 2022 gibt es in Deutschland das System der elektronischen AU-Bescheinigung. Dadurch werden selbst kleinste Erkrankungen an die Kassen gemeldet und gezählt. In Frankreich und Spanien gibt es dagegen Karenztage, sprich unbezahlte Krankheitstage. Dadurch werden Kurzzeiterkrankungen nicht erfasst und die Statistik verzerrt.
Um den Effekt dieser unterschiedlichen Erhebungsmethoden zu verringern, werden daher regelmäßig Personen in Europa zu ihren Fehlzeiten befragt. Vergleicht man diese Werte, liegt Deutschland immer noch im oberen Mittelfeld, aber den Spitzenplatz sichern sich die Norweger. Ganz am Ende der Tabelle liegen übrigens die nicht als übertrieben arbeitsam geltenden Griechen. Was kann man noch aus den Zahlen lernen? Ein genauerer Blick offenbart unerwartete Korrelationen. So gibt es – wie schon erwähnt – in Spanien ein System von Karenztagen. Das heißt, ein Spanier, der sich krankmeldet, verliert real Geld. Trotzdem sind die Spanier mit im Schnitt fünf Wochen deutlich länger krank als die Deutschen mit circa 3,6 Wochen. Umgekehrt sind die Arbeitnehmer in Luxemburg nur etwa halb so oft krank wie die Deutschen. Luxemburg zahlt aber genau wie Deutschland ab dem ersten Tag der Krankheit den Lohn weiter.
Die implizite Unterstellung des Kanzlers, die Deutschen würden öfters blaumachen und daher insgesamt sehr häufig krank sein, lässt sich also nicht eindeutig belegen. Fun Fact: Die Norweger haben trotz der hohen Krankheitstage eine der höchsten Arbeitsproduktivitäten weltweit. Ein wenig mehr davon würde der deutschen Wirtschaft deutlich stärker helfen als eine Diskussion um Krankheitstage.
Sind wirklich Kurzzeitkranke das Problem?
Wenn es nicht das Blaumachen ist, was sind dann die Ursachen für die langen Fehlzeiten in Deutschland? Untersuchungen gehen von mehreren Faktoren aus:
- Die alternde Gesellschaft. Deutschland altert, und ältere Menschen sind nicht unbedingt häufiger krank, aber wenn, dann oft lange. Das zieht den Schnitt nach oben.
- Eine steigende Zahl diagnostizierter psychischer Erkrankungen.
- Nur circa 6 Prozent der Krankheitsfälle entfallen auf Langzeitkranke (definiert als Personen, die länger als 6 Wochen ausfallen). Diese machen aber 50 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten aus.
Die Zahl der Krankheitstage wird in Deutschland vor allem durch die demographische Struktur und eine Minderheit von Langzeitkranken getrieben. Selbst bei weniger Kurzzeiterkrankungen würde die Zahl der Fehltage nicht stark sinken. Die Maßnahme der Regierung, die ausschließlich auf Kurzzeiterkrankungen zielt, ist also nur bedingt geeignet, den Krankenstand zu senken.
Auch wenn sich aus den Zahlen – wie gezeigt – zumindest nicht eindeutig herauslesen lässt, dass die Deutschen zum Blaumachen neigen, bedeutet das nicht, dass das Problem nicht existieren würde. Die zweite Frage ist daher, ob das von der Bundesregierung angedachte System geeignet ist, Missbrauch zu verhindern. Betrachten wir die Lage aus der Sicht eines Blaumachers. Bisher war der „Blaumachtag“, insbesondere durch die telefonische Krankschreibung, praktisch kostenfrei. Ein einfacher Anruf genügte und man hatte die gewünschte AU. Wenn nun immer ein Arzt aufgesucht werden muss, erhöht das erst mal die Kosten für das Blaumachen. Die reine Zahl der Blaumacher würde also wahrscheinlich sinken.
Gleichzeitig würde aber die Zahl der Krankheitstage steigen. Warum das? Das hat erst mal praktische Gründe. Kaum ein Arzt schreibt einen Patienten bei unklaren Symptomen nur einen Tag krank. Wenn er wirklich krank ist, würde er am nächsten Tag direkt wiederkommen müssen, was ineffizient wäre, zumal die Hausarztpraxen meist sowieso gut gefüllt sind. Daher wird der Arzt eine AU für mindestens drei bis fünf Tage ausstellen. Wenn es dem Patienten besser geht, kann er früher wieder zur Arbeit gehen.
Guten Gewissens blaumachen
Kehren wir wieder zu den Überlegungen des Blaumachers zurück, der nicht in die Arbeit, sondern zum Arzt geht. Dieser hat jetzt bereits Kosten auf sich genommen. Was nun passiert, ist in der Ökonomie als Problem der versunkenen Kosten bekannt. Menschen neigen dazu, Dinge fortzuführen, in die sie bereits Aufwand gesteckt haben, auch wenn das rational nicht sinnvoll wäre. Dieses Prinzip würde hier greifen. Der Blaumacher denkt sich: Ich habe jetzt schon die Mühe auf mich genommen, zum Arzt zu gehen, dann nehme ich auch die volle AU-Zeit mit. Gleichzeitig kann er dieses Verhalten vor sich selbst gut rechtfertigen, da er vom Arzt eine offizielle AU-Bescheinigung erhält, die seine Fehlzeit legitimiert. Er kann sozusagen guten Gewissens blaumachen. Die von der Bundesregierung angedachte Maßnahme wird also vermutlich dazu führen, dass die Zahl der Krankmeldungen sinkt, die Dauer aber steigt. Nicht gerade das, was sich der Bundeskanzler vorgestellt hat.
Wie könnte man es besser machen? Um diese Frage zu beantworten, ergibt es Sinn, erst einmal zu verstehen, wo genau die Problematik liegt. Bei der Thematik des Blaumachens geht es im Endeffekt um ein Problem, das als Moral Hazard bekannt ist. Zunächst einmal kann man von außen die Ehrlichen (sind wirklich krank) von den Unehrlichen (machen blau) nicht unterscheiden. Gleichzeitig sind die Unehrlichen in der Lage, die Kosten ihres Verhaltens auf die Allgemeinheit zu übertragen. Da man den Unterschied von außen nicht beobachten kann, bleibt als Möglichkeit nur noch, dass sich die Blaumacher durch ihr Verhalten selbst entlarven. Oder technischer: Statt eines Pooling-Gleichgewichts, das alle gleich behandelt, benötigt man ein separierendes Gleichgewicht, das bestimmte Teilnehmer an dem Spiel sichtbar macht. Drei verhaltensökonomisch optimierte Maßnahmen sollen hier vorgestellt werden.
Möglichkeit 1: Die Joker-Tage
Bei diesem Modell bekommt jeder Arbeitnehmer am Anfang des Jahres eine bestimmte Menge „Joker-Tage“ zugeteilt. Sagen wir einmal drei bis vier Tage. Diese Joker erlauben es dem Arbeitnehmer, Krankheit nach dem bisherigen System, also Krankmeldung erst ab dem vierten Tag, abzuwickeln. Sind die Joker aufgebraucht, gilt die AU ab dem ersten Tag. Längere Krankheiten, die von vornherein eine AU-Bescheinigung verlangen, sind vom System ausgenommen. Was wäre die Folge? Ehrliche Arbeitnehmer würden sich die Joker für echte Krankheitsfälle aufsparen. Unehrliche dagegen stehen vor einem Problem. Sie wollen zu einem bestimmten Zeitpunkt gerne krankmachen. Verhaltensökonomisch würde man von einer hohen Gegenwartspräferenz sprechen. Sie müssen dafür aber ihre Joker einsetzen. Verbrauchen Mitarbeiter ihre Jocker also auffällig früh und das wiederholt, deutet das auf ein entsprechendes Verhalten hin. Die Blaumacher haben sich selbst separiert. Das ermöglicht dann die Einleitung weiterer Maßnahmen. So zum Beispiel eine konsequente Ansprache durch die Personabteilung oder den direkten Vorgesetzten. Möglichkeit 3 greift das noch mal genauer auf.
Möglichkeit 2: Das Krankheitskonto
Dieses Modell fußt auf der Verlust-Aversion und dem Besitztumseffekt. Menschen neigen zum einen dazu, Dinge, die sie besitzen, höher zu bewerten, als wenn sie dieselben Dinge nicht besitzen. Außerdem erleben Menschen den Verlust von etwas etwa doppelt so stark wie einen gleich hohen Gewinn. Daraus lässt sich folgendes Modell ableiten: Jeder Arbeitnehmer erhält am Jahresanfang eine Sonderzahlung auf ein Konto. Das können entweder ein Geldbetrag oder zusätzliche freie Tage sein. Wenn der Arbeitnehmer nun während des Jahres kurzzeitig krank ist, kann er das Konto nutzen, um sich von der AU-Bescheinigung freizukaufen. Ist das Konto aufgebraucht, gilt wieder das neue System. Längere Krankheiten mit AU-Bescheinigung müssen nicht über das Konto abgerechnet werden. Hat der Arbeitnehmer am Jahresende noch Guthaben auf seinem Konto, wird ihm dieses ausgezahlt. Damit wird ein Anreiz generiert, sich nur krankzumelden, wenn man wirklich schwerer erkrankt ist.
Möglichkeit 3: Das Rückkehrgespräch
Das Modell kann sowohl als Ergänzung zu Möglichkeit 1 oder allein genutzt werden. Sind Mitarbeiter ohne AU krank gewesen, gibt es ein verpflichtendes Rückkehrergespräch. Das heißt, der direkte Vorgesetzte führt ein circa fünfminütiges Gespräch mit dem Rückkehrer. Für den ehrlichen Mitarbeiter ist das kein Problem, da er ja wahrheitsgemäß sagen kann, dass er krank war. Für den Unehrlichen stellt das aber eine Stresssituation dar. Er muss seinem Vorgesetzten und eventuell seinen Kollegen, die seine Arbeit mitgemacht haben, direkt ins Gesicht lügen. Das aktiviert soziale Normen, die das Schamgefühl des Mitarbeiters ansprechen würden. Die Blicke seiner Kollegen auszuhalten, wenn man immer wieder an Montagen fehlt, erfordert schon ein ungewöhnliches Maß an Chuzpe. Den meisten Menschen wird das nicht egal sein und sie werden ihr Verhalten überdenken.
Was bleibt als Fazit? Es konnte gezeigt werden, dass Kurzzeitkranke keinen so großen Einfluss auf die gesamten Fehlzeiten haben. Gleichzeitig bekämpft die von der Regierung angedachte Maßnahme das Problem nicht adäquat. Wenn man schon gegen vermeintliche Blaumacher vorgehen will, sollte man das mit einem Ansatz tun, der das Problem effektiv angeht.
Zitat: „Fun Fact: Die Norweger haben trotz der hohen Krankheitstage eine der höchsten Arbeitsproduktivitäten weltweit.“
Letztlich lässt sich Arbeitsproduktivität volkswirtschaftlich nur in generiertem Geldwert/Zeiteinheit messen. Norwegen als Hochlohnland MUSS zwangsläufig eine der höchsten Arbeitsproduktivitäten haben.
Wenn man leistungsbezogen (also ohne Parteibuch) Karriere machen will und wollte, war blaumachen nie eine Option. Als ehemaliger Redaktionsleiter: Frauen liegen beim blau machen ganz vorn. Habe ja schon so viele eingebaute Ausreden. „Ich habe meine Tage, kann nicht kommem.“ „Du hattest erst vor 14 Tagen deine Tage.“ „Das schreibst du dir auf.“ „Ich kann mir das merken. Im Gegensatz zu dir offensichtlich.“ Sie kam und beschwerte sich bei der weiblichen CR, ich würde die Redaktion überwachen, Nazimethoden. „Es ist sein Job, das der Laden läuft. Übrigens: Eine Statistik über die Fehltage erhebt das Sekretariat.“
Kann ich so nicht nachvollziehen. All die muslimischen Fachkräfte können dies „ mit Allah`s Hilfe “ doch locker kompensieren, oder ?
Wer ist „Wir“? Schon mit dieser Formulierung der Eingangsfrage werden die Arbeitnehmer und Steuerzahler in Haftung genommen für Faulheit und Parasitismus des öffentlichen Dienstes bzw der Beamten. Die statistisch meisten Fehltage hat – oh Wunder- der öffentliche Dienst Berlin. Bei der Berliner Parkraumbewirtschaftung wurden 77,3 Fehltage pro Mitarbeiter registriert. (Quelle: BKVFirmenservice). Das ist allerdings immer noch weit entfernt von der Champions League. Verbeamtete Lehrer schaffen wie wir wissen wie 16 Jahre Krankschreibung plus Beförderung. Das sind 5840 Fehltage am Stück.
Moin Herr Neubert, abgesehen von Ihrem Artikel, was erwartet denn der LüFri von uns. Jeder, der hier noch arbeitet, malocht, um die Schrotthalde BRD zu finanzieren, ist doch von allen guten Geistern verlassen. Füße hochlegen ist der beste & marxistischste Weg das linksextreme Schauspiel in Berlin zu beenden.
Von der Einordnung in ein Gesamtproblem resp dessen Relevanz mal abgesehen, ist eine genaue Bestandsaufnahme in diesem Bereich aus bekannten Gründen kaum möglich. „ Blaumachen“ geht durchaus auch mit Attest und das sogar über Jahre. Das beliebte „ Psychothema“ ist ein besonders Interessantes. Als ehemaliger HR- Verantwortlicher in einem Betrieb mit vielen Tausend Beschäftigten gehörte die Fakten – und Datenermittlung, schwierig genug, zu den Kernaufgaben. Dabei ergab die Statistik durchaus gewisse Phänomen. Sowohl was das Alter der „ Kurzzeiterkrankten“ wie auch die Lage der Tage betraf. Unterschiede gab es auch bei denen mit und ohne ( jüngeren) Nachwuchs. Als Betrieb mit Filialen stellten wir auch regionale Unterschiede fest. An der Spitze rangierte immer, mit Abstand, Berlin . Diverse Versuche zur Normalisierung scheiterten. Die Filiale wies ansonsten keine Besonderheiten wie einen auffällig hohen ( jüngeren)weiblichen Teil auf. Die fehlten am Freitag, vor allem aber am Montag. Selbstredend geht es hier auch um Führung und das, was gerne Unternehmenskultur genannt wird. Ländervergleiche wie solche mit Luxemburg sind ohne weitere Daten schwierig, Gleichsetzungen von Ungleichem unzulässig. Mentalitäten spielen eine Rolle, auch innerhalb Schlands, denn natürlich gibt es regionale Unterschiede zwischen Süd und dem „ Rest“, auch solche zwischen Stadt und Provinz. Jedenfalls ist auch hier der allgemeine Quatsch des „ Kanzlers“ , bekanntlich weitgehend unwissend, zumindest wenig hilfreich bzw überflüssig, auch wenn es durchaus Ansätze gibt. Vor allem und aufschlussreich im ÖD, den überbelasteten Beamten und dann auch noch in failed citys wie Berlin. Da dürfte kulturelll und psychokulturell fast alles falsch laufen, was geht. Das Korrekturinteresse der Frösche ist leider begrenzt. Zumal der Beamte gut geschützt ist. Im Fall des Blaumachens nicht nur er übrigens. Die Arbeitsgerichtsbarkeit „ hilft“ so gut sie kann.
Haben Sie die Abschaffung der Scham in D nicht mitbekommen? Wenn die Ölkonzerne die Sperrung bei Hormus nutzen, um die Preise übermäßig anzuheben, ist das „schamlos“. Wenn Kollegen in einer verzwickten Lage raten, „dann melde dich doch krank“, ist das „schamlos“. Wenn zwei Schwule sich auf einem CSD Wagen die Schwänze lutschen, ist das „schamlos“. Wenn Jugendliche auf die Frage, was sie werden wollen, sagen, sie wollen von (Sozialhilfe, Hartz IV) Grundsicherung leben, ist das „schamlos“. Wenn Sozilarbeiter und Werbung ausführlich beschreiben, was und wo man abzocken kann, ist das „schamlos“. All diese Schamlosen betrachten ihr Verhalten als völlig normal, weil sie Scham gar nicht mehr kennen. Deswegen wird die Politik das Blaumachen auch nicht änden.