Ein Hauch von Ascot wehte über die Betonfläche des ehemaligen Fliegerhorstes in München-Neubiberg, heute Standort einer von zwei Universitäten der Bundeswehr. Auf eigens gebauten Tribünen versammeln sich gut gekleidete Damen und Herren, viel bunt dekoriertes Militärtuch ist zu sehen und adrette Haarschnitte. Man erwartet zwar keine Royals, doch immerhin den amtierenden Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein Gefolge. Der Münchner Kultregisseur Helmut Dietl hatte diesen Ort als Kulisse für eine Folge von Kir Royal genutzt, als eine fiktive Königin Kathi von Mandalia, gebürtige Münchnerin, in ihre alte Heimat reist, um diskrete Waffengeschäfte zu tätigen und ihr Baby Schimmerlos und sein Fotograf Herbie Fried auf die Schliche kommen. Irgendwie passt das.
Anlässlich des Tages der offenen Tür der Bundeswehr an insgesamt zehn Standorten gibt es auf dem alten Flugfeld einen feierlichen „Beförderungsappell“. Rund 500 junge Soldatinnen und Soldaten werden an diesem Tag als Leutnants in den Offiziersstand aufgenommen. Zuerst marschiert eine Musikkapelle ein, das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen unter Stabführung vom Major der Reserve Rudolf Piehlmayer.
„Am besten stirbt sich zur Militärmusik, am leichtesten aber zum Radetzkymarsch“, lässt Joseph Roth seinen Protagonisten Karl Joseph von Trotta, Enkel des „Helden von Solferino“ in seinem Roman „Radetzkymarsch“ über den Untergang der Donaumonarchie im Ersten Weltkrieg denken. Hier allerdings erklingt nicht der Radetzkymarsch, sondern unter anderem Des Großen Kurfürsten Reitermarsch, 1892 komponiert von Kuno von Moltke, und Ascot wirkt jetzt eher wie Potsdam.
Zum Einmarsch der Offiziersanwärter erhebt sich das Publikum von den Plätzen. Die Formation aus Angehörigen des Heeres (basaltgrau), der Luftwaffe (stahlblau) und der Marine (schwarz) wirkt nicht ganz so zackig wie jene Parade, die Wladimir Putin jüngst zum Tag des Sieges auf dem Roten Platz in Moskau abnahm. Oberst Matthias Henkelmann, Leiter des Studierendenbereichs des Bundeswehr-Universität, kommandiert, und die Antworten der jungen Soldaten auf seine Kommandos schallen hinreichend markig über den Platz. „Bullshit, ich höre Euch nicht, habt wohl alle nur Luft im Sack!“, hatte der sadistische Sergeant Hartmann, Ausbilder bei den Marines in Stanley Kubricks Vietnamklassiker Full Metal Jacket seine Rekruten getriezt, bis sie sich die Seele aus dem Leib schrien.
Jetzt geht es wieder um „Leib und Leben“
Henkelmann schreitet ans Rednerpult, das zwischen zwei im „Dreistand“ aufgestellten Maschinengewehren steht. Eine junge Praktikantin aus der SZ-Regionalredaktion, pinker Irokesenschnitt, gepierctes Gesicht, findet das auf ihrem Tribünenplatz „schon etwas bedrohlich“. Eigentlich würde man Leute ihrer Couleur eher bei einer Demo gegen den „wiedererwachenden deutschen Militarismus“ erwarten. Doch heute fahren bekanntlich die Grünen besonders ab auf den Krieg, den sie noch nie zu Gesicht bekommen haben. Und wenn demonstriert wird, dann gegen die Israelis, wie an diesem Tag in der „Glückauf-Kaserne“ in Unna-Königsborn, wo sich eine Person mit einem blutverschmierten T-Shirt vor einen Panzer gesetzt hatte: „Peacefully against Genocide.“
Bedrohlicher als die paar Gewehre wirkt freilich, was der Oberst sagt, mit fester Stimme und ganz unmissverständlich. Er redet von „Kriegstüchtigkeit“, davon, dass die „viel beschworene Zeitenwende“ jetzt auch in den Köpfen ankommen müsse und dass dies Sache der ganzen Gesellschaft sei. Auch jener „auf der Tribüne“, sagt Henkelmann, damit niemand auf den Gedanken käme, er sei nicht angesprochen. Die Zeit der Drückeberger, der bequemen „Scheckbuchdiplomatie“, so seine Botschaft, ist vorbei. Jetzt geht es wieder um „Leib und Leben“.
Im Hintergrund läuft sich dröhnend und Kerosinfahnen verbreitend ein Hubschrauber warm. Aus ihm springen bei der Rede von Pistorius vier Fallschirmspringer ab, um einer ausgewählten Schar von Offiziersanwärtern die Ernennungsurkunden aus der Luft zu überbringen. Ein perfekt choreografierter Effekt – wenn sie wollen, können sie es noch, die Deutschen. Applaus und zustimmendes Gelächter im Publikum.
Pistorius gibt Manipulation offen zu
Pistorius' Rede wirkt diesmal eher zurückhaltend, er spricht von „gewaltigen Herausforderungen“, die sich der Truppe stellten, von neuer „Schlagkraft“, und davon, wie hoch es zu schätzen sei, wenn sich „in dieser Zeit“ junge Leute für die Uniform entschieden. Dann eine verklausulierte Drohung gen Osten: „Wir verwalten schon lange nicht mehr nur den Mangel der vergangenen Jahrzehnte.“ Darauf müsse sich auch „unser möglicher Gegner“ einstellen. Später bei einer Fragerunde versäumen es die Journalisten, einen Artikel aufzugreifen, der kurz zuvor in der Süddeutschen Zeitung erschienen war und in dem über eklatante Missstände bei der Bundeswehr berichtet wurde, „kaputte Panzer, fehlende Ersatzteile, rostendes Großgerät“. Deutschlands Verteidigungsfähigkeit sei in Gefahr.
Immerhin kommt ein Kollege von der „Tagesschau“ noch einmal auf das martialische Wort „Kriegstüchtigkeit“ zurück. Pistorius sagt, er verwende diesen Begriff jetzt nicht mehr so oft, er haben seinen Zweck erfüllt, die Bewerberzahlen stiegen – im ersten Quartal 2026 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. So deutlich hat wohl selten ein Politiker zugegeben, auf welche Weise er die öffentliche Meinung zu manipulieren pflegt. Am Schluss seiner Rede auf dem Flugplatz gibt es noch Salutschüsse aus historischen Kanonen. Und viele Zuschauer dürften zum ersten Mal in ihrem Leben echten militärischen Pulverdampf gerochen haben.
Zum Tag der offenen Tür hatte sich der Campus der Bundeswehruniversität in eine Leistungsschau der Truppe verwandelt. Alles war – wenn sie wollen, können sie es noch, die Deutschen – perfekt organisiert, das Wetter frühsommerlich, die Stimmung oktoberfestmäßig. Aus Berlin war sogar die Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr angereist. Es gab Weißwurstburger, vegetarisches Saftgulasch mit Spätzle und zum Dessert karamellisierten Kaiserschmarrn mit Vanillesoße, Marille, Minze und Popcorncrunch. In den Kasernen müssen die „Soldatinnen und Soldaten“ mit frugalerer Kost vorliebnehmen, ganz zu schweigen vom Einsatz an der Front.
Gewinnen die Deutschen ihre Krigesbegeisterung zurück?
Nein, wer sich hier umschaute, sollte nicht den Eindruck bekommen, es mit einer „Gurkentruppe“ zu tun zu haben, die eben nur den Mangel verwaltet. Vom aus ganz Bayern herbeigeströmten Publikum besonders umlagert – etwa 40.000 Besucher wurden am Abend gezählt – waren die Vorführungen im „militärischen Nahkampf“, so ähnlich wie man das aus den SEK-Einsätzen im „Tatort“ kennt, und das Zelt, in dem sich eine Scharfschützeneinheit der Gebirgsjäger aus Mittenwald präsentierte. Auf Nachfrage konnte man hier erfahren, wie das Präzisionshandwerk des Tötens im Detail funktioniert, wobei die Bundeswehr nicht von „töten“ spricht, sondern vom „kampfunfähig machen“. Doch wer es mit dem Repetiergewehr G22 (A2) oder dem Selbstladegewehr G20 zu tun bekommt, dessen Überlebenschancen dürften gegen Null gehen.
Der junge Soldat, der dies alles fachkundig und ohne Scheu erläutert, war selbst schon einmal im Auslandseinsatz – Afghanistan, Mali. Ob er selbst schon einmal getötet hat? Keine Antwort. Darüber spricht man nur im Kameradenkreis, auf den Werbeplakaten der Bundeswehr werden solcherlei Details taktvoll verschwiegen. Direkt vis à vis der Scharfschützen an der Universitätskirche findet man die Informationsangebote jener, die sich später ums Aufräumen kümmern, um traumatisierte Seelen, geschundene Körper und Leichenberge: die katholische und evangelische Militärseelsorge, die Veteranenverbände, der Volksbund Deutsche Kriegsgräbgerfürsorge. Hier ist der Andrang überschaubar, während andernorts Mütter ihre Kinder anfeuern, unter einem über dem Boden gespannten Tarnnetz durchzukriechen.
An einem Tag wie diesem wird offensichtlich, dass die Deutschen dabei sind, die Faszination von Uniformen, Märschen und Kriegsgerät wiederzuentdecken. Tatkräftig unterstützt von Politikern, denen nicht nur an der viel beschworenen Verteidigungsfähigkeit und zu schützenden „Werten“ (die man selbst allzu oft mit Füßen tritt) gelegen ist, sondern auch daran, die infolge der Migrationskrise auseinanderdriftende Gesellschaft zusammenzuschweißen, die Bildungsmisere zu kaschieren und die darniederliegende Wirtschaft anzukurbeln.
Die Aktion „Feindbild“, außen wie innen, hat schon mal ziemlich gut funktioniert. Jetzt geht es um die Bundeswehr als „Schmelztiegel“, als „Schule der Nation“ und milliardenschwere Auftraggeber. Und wenn der Plan aufgehen sollte, die Bundeswehr zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ zu machen, ist nicht ausgeschlossen, dass unsere Nachbarn wieder anfangen werden, vor den Deutschen zu zittern. Wer hätte das gedacht!
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@ Sam Lowry „Würde ich nur ein Beispiel von “Sven„ hier schreiben, würden einige weinen… “ Die US militär Ausbildung. Im Buch von Joshua Key „Ich bin ein Deserteur“, aus Deutschland als Fahnenflüchtiger US Soldat ausgewiesen, beschrieb er sinngemäß: Auf dem Hinweg sah er Kinder Fußball spielen. Auf dem Rückweg spielten die Soldaten mit dem Kopf des Kindes Fußball. Und wer sich das Buch von Jens Hoffmann „Das kann man nicht erzählen“ liest, ist bis zum Lebensende traumatisiert und benötigt psychologische Hilfe. Genau dieser „braune“ Ungeist der Wirtschaft ist wieder da. Verkörpert durch diese unsäglich Reichsregierung. Sie sind wieder da, dass kann ich sogar historisch beweisen. Es kommt noch, da werden einige ausflippen.
Ein Rettungswagen rufen kommt ihnen nicht in den Sinn?
Herr Scholl-Latour hätte sich riesig über die Veranstaltung gefreut, beklagte er doch zeitlebens den „universalen Schlabberlook“ und die nachlassende Zackigkeit seiner Zeitgenossen. Natürlich ist der Krieg furchtbar, aber die Art, wie hier etwas bewacht wird, ist mittlerweile ziemlich unheimlich. Das grüne Gewölbe wurde zu DDR Zeiten von Soldaten bewacht. Wer schützt unsere Gemäuer und Grenzen? Reklamefritzen meinen: Irgendetwas, was eine keck sich in Pose werfenden Community fancy bewacht. Die assymetrische Bedrohung stellt erhebliche Anforderungen. Es bewachen uns Menschen, die kaum noch erkennbar uniformiert und die aus denselben Gruppen stammen, die auch das Sicherheitsproblem darstellen. Die Messerverbotszone von früher lautete einsprachig: Vorsicht Schußwaffengebrauch! Jedes Land in Europa drückt sich um ein Grenzregime und um die Frage, ab wann Gewalt dazu einsetzen werden darf. Die Thröne der Hochmoral verdammen den Krieg, es sterben aber auch Menschen, indem Grenzen nicht bewacht werden, im Ernstfall möchte man nichteinmal in einem Land begraben sein, welches unter die Räuber gefallen ist. Inwieweit dieser Zustand schon längst abgeschlossen ist, sei dahingestellt, garantiert wird die erneute Wehrpflicht so schäbig begründet werden, wie die Ansichten der Politiker über das deutsche Staatsvolk ausfallen; dabei so gründlich schwammig definiert, wie heute der Begriff der Staatsgrenze.
@Rolf Mainz Ein Land in dem Bundeswehr Generäle ihre eigenen Soldaten durch eine Zwangsimpfung WISSENTLICH töten oder zum Krüppel machen und alle Soldaten zusehen, braucht keine Soldaten. Siehe SHomburg, es war Vorsatz.
Zur Zeit des 1. WK gab es noch die Zeugen von 1870/71 die die Flittkepp niedergerungen haben.
In der Praxis sind es Schießbudenfiguren. Nach der ersten Kugel sind sie eine Bonner Brücke mit der Miene von Herrn Merz.
Befremdlich, wie die IDF bejubelt und die Wehrpflicht in Israel nicht infrage gestellt wird, wöhrend man die Bundeswehr und die Wehrpflicht in Deutschland … nun ja, ACHGUT ist inzwischen zu einem Tummelplatz von blauen Putinknechten und -schreibern verkommen und schließlich wollen diese die russischen Mörderbanden mit offenen Armen empfangen.
„Oberst Matthias Henkelmann, Leiter des Studierendenbereichs des Bundeswehr-Universität“ damit ist bereits alles Notwendige gesagt. In zweiter Linie „Studierende“, schon klar, danke, aber in erster Linie fragen wir, weil Nomen est Omen: Wat is denn nu en „Henkelmann“?
Auf google werden wir fündig, mit Verweis auf „Essgeschirr (Militär)“:
Ein Henkelmann(…) ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen heute eher ungebräuchlichen Behälter aus Blech (teilweise emailliert), in dem Arbeiter früher ihr zu Hause zubereitetes Essen verpackten, um es zum Arbeitsplatz zu transportieren… (selbst weiterlesen!)
Also eine veraltete Vielzweckblechbüchse mit Deckel. Aha! Danach kommt dann die Vielzweckwaffe mit Ladehemmung: Pistolius.
Und warum ist die schwarze Dame im Bild? Als Ausdruck von Diversität und Vielfalt? Ist das Original-BW-PR, à la Uschi, oder hat’s die KI verbockt? Oder nur der Reiz des Exotischen (wie früher in der Rubrik Damenunterwäsche im NECKERMANN-Katalog)? „Grace Jones für Arme“, für klandestine Porno-Rassisten, die auf Youporn bevorzugt die Kategorie „Black“ wählen, ähnlich wie ein bekannter abgehalfterter Ex-Tenniscrack mit B-Promistatus und künstlicher Hüfte?
Auf jeden Fall: Neue Parole= Krieg geil! (War da was?) Hört sich doch an wie…..