
Persilschein für den Carlsen Verlag: Siehe [Runderlaß des Reichsminister des Inneren vom 18. August 1938 (I d 42 X/38-5501 b), veröffentlicht im Ministerial-Blatt des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Inneren, Nummer 35 vom 24. August 1938. Transkribiert von Christof Rolker, Konstanz.] “Jakob” ist dort - aus welchen Gründen auch immer (auch NS-Staatsdiener sind vor Schlampereien nicht gefeit) - nicht aufgeführt. Wohingegen sich überglückliche Eltern beispielsweise mit “Juda” oder “Itzig” aus der behördlich genehmigten Hitliste (ganz demokratisch, versteht sich) bedienen durften. Gleichwohl haften dem hebräischen Original (Jaakov) im Alten Testament eben auch wenig schmeichelhafte Attribute (er “betrügt/verdrängt”) an. Kinderleicht dank Google & Co. nachzulesen. Sich einer derart kräftezehrenden Recherche zu unterziehen, (zumal der Buchentwurf erst über etliche “Experten”-Schreibtische wandert, bevor er als Endprodukt auf Gabentischen landet) ist offenbar einem Verlagshaus nicht zuzumuten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Man kann überall Gespenster sehen. Mir geht es so, dass immer wenn ich mir ein neues Auto kaufen will, ich plötzlich Exemplare dieser Marke überall auf den Strassen sehe. Ich glaube, das nennt man selektive Wahrnehmung.
Die Frage ist doch, warum der Junge z. B. nicht Nils, sondern gerade Jakob heißen musste. Ja, ja, natürlich hat man sich überhaupt nichts dabei gedacht, nein, natürlich nicht…... alles reinzufällig….
Der Vorname an sich ist ja auch gar nicht das Problem, ebenso wenig wie das südländisch-morgenländische (semitische) Aussehen des Knaben und sein Anzug, der aus “Mandrake the Magician” stammen könnte und wohl an die Tracht eines Bankers erinnern soll. Problematisch ist, dass sich diese drei an und für sich nichtssagenden Aspekte zusammengenommen und gerade in Verbindung mit der pekuniären Thematik sehr wohl als Ausgeburt der Vorstellung auffassen lassen können, die man sich gemeinhin von “den Juden” macht. Und das hätte sich der Carlsen-Verlag nicht erlauben dürfen.
Für manche Menschen ist es schwierig die Tat in Gedanken zu fassen. Betroffene Hunde (Verlage) bellen zurück.
Herr Broder sollte wirklich einmal schauen, wie viele Kinder jedweder Konfession heute Jakob heißen. Jakob ist seit langer Zeit nicht nur ein jüdischer, sondern auch ein christlicher Vorname (von Jacobus, nach den Aposteln und Heiligen, die so hießen). Felix Mendelssohn erhielt bei seiner Taufe die zusätzlichen Taufnamen Jakob und Ludwig…
Ist es wirklich so schwer, Herr Broder, eine Entschuldigung bzw. Klarstellung einfach nur mal anzuerkennen?
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