Henryk M. Broder / 29.09.2013 / 13:22 / 7 / Seite ausdrucken

Simple Show & Simple Minds

Auf unseren Beitrag Der kleine Jakob und das große Geld vom 26.8. erreicht uns die folgende Zuschrift aus dem Carlsen Verlag:

Lieber Herr Broder,

mit Interesse und Erstaunen haben wir Ihre Besprechung von “Die simpleshow erklärt - Geld” zur Kenntnis genommen. Allerdings war ich über die antisemitische Haltung, die Sie darin entdecken, wirklich sehr erstaunt, denn solche Gedanken sind, waren und werden uns beim Machen von Büchern niemals treiben.

Dass der kleine Junge “Jakob” heißt, ist reiner Zufall - wir hätten ihn auch Nils oder Emil oder Paul nennen können. Jakob ist heute einfach ein gängiger Kindername, der uns gut gefällt. (Und es gibt zahlreiche Figuren in Kinderbüchern, die diesen Namen tragen.) Natürlich kommt der Name aus dem hebräischen und natürlich kann man dann um die Ecke denken und sagen: “Na typisch, dass ausgerechnet der was übers Geld erklären soll”, aber wir - sowohl der Autor, Illustrator als auch ich als Redakteurin - haben solche Gedanken nicht gehabt. Da können Sie mir gerne Sorglosigkeit oder Unachtsamkeit vorwerfen, aber bitte keine Absicht. Gleiches gilt für das Feilschen auf dem arabischen Markt.

Ich hoffe, dass ich Ihnen darlegen konnte, dass wir ohne böse Absicht und Hintergedanken gearbeitet haben und diese auch aufs Schärfste von uns weisen.

Herzliche Grüße

Caroline Jacobi
Redaktion Kindersachbuch
Carlsen Verlag

Detelev Weise
Geschäftsführer
simpleshow GmbH

Ja, ja. Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. Oder: Wir haben keine Hintergedanken, weisen sie aber auf das Schärfste zurück.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Thomas Bonin / 30.09.2013

Persilschein für den Carlsen Verlag: Siehe [Runderlaß des Reichsminister des Inneren vom 18. August 1938 (I d 42 X/38-5501 b), veröffentlicht im Ministerial-Blatt des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Inneren, Nummer 35 vom 24. August 1938. Transkribiert von Christof Rolker, Konstanz.] “Jakob” ist dort - aus welchen Gründen auch immer (auch NS-Staatsdiener sind vor Schlampereien nicht gefeit) - nicht aufgeführt. Wohingegen sich überglückliche Eltern beispielsweise mit “Juda” oder “Itzig” aus der behördlich genehmigten Hitliste (ganz demokratisch, versteht sich) bedienen durften. Gleichwohl haften dem hebräischen Original (Jaakov) im Alten Testament eben auch wenig schmeichelhafte Attribute (er “betrügt/verdrängt”) an. Kinderleicht dank Google & Co. nachzulesen. Sich einer derart kräftezehrenden Recherche zu unterziehen, (zumal der Buchentwurf erst über etliche “Experten”-Schreibtische wandert, bevor er als Endprodukt auf Gabentischen landet) ist offenbar einem Verlagshaus nicht zuzumuten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Christian Fragstein / 30.09.2013

Man kann überall Gespenster sehen.  Mir geht es so, dass immer wenn ich mir ein neues Auto kaufen will, ich plötzlich Exemplare dieser Marke überall auf den Strassen sehe. Ich glaube, das nennt man selektive Wahrnehmung.

Mona Rieboldt / 29.09.2013

Die Frage ist doch, warum der Junge z. B. nicht Nils, sondern gerade Jakob heißen musste. Ja, ja, natürlich hat man sich überhaupt nichts dabei gedacht, nein, natürlich nicht…... alles reinzufällig….

Johannes Honigmann / 29.09.2013

Der Vorname an sich ist ja auch gar nicht das Problem, ebenso wenig wie das südländisch-morgenländische (semitische) Aussehen des Knaben und sein Anzug, der aus “Mandrake the Magician” stammen könnte und wohl an die Tracht eines Bankers erinnern soll. Problematisch ist, dass sich diese drei an und für sich nichtssagenden Aspekte zusammengenommen und gerade in Verbindung mit der pekuniären Thematik sehr wohl als Ausgeburt der Vorstellung auffassen lassen können, die man sich gemeinhin von “den Juden” macht. Und das hätte sich der Carlsen-Verlag nicht erlauben dürfen.

Gerhard Sponsel Lemvig / 29.09.2013

Für manche Menschen ist es schwierig die Tat in Gedanken zu fassen. Betroffene Hunde (Verlage) bellen zurück.

Hartmann Ulrich / 29.09.2013

Herr Broder sollte wirklich einmal schauen, wie viele Kinder jedweder Konfession heute Jakob heißen. Jakob ist seit langer Zeit nicht nur ein jüdischer, sondern auch ein christlicher Vorname (von Jacobus, nach den Aposteln und Heiligen, die so hießen). Felix Mendelssohn erhielt bei seiner Taufe die zusätzlichen Taufnamen Jakob und Ludwig…

Joachim Möller / 29.09.2013

Ist es wirklich so schwer, Herr Broder, eine Entschuldigung bzw. Klarstellung einfach nur mal anzuerkennen?

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 27.11.2023 / 15:00 / 45

Die Polizei ermittelt

Die Berliner Polizei hat alle Hände voll zu tun. Umso schöner, dass sie die Zeit findet, sich um kleine, aber nicht unwichtige Fälle zu kümmern.…/ mehr

Henryk M. Broder / 05.10.2023 / 14:00 / 18

So könnte aus dem Antisemitismus noch was werden!

In Zeiten wie diesen, da die Tage immer kürzer und die Gesichter der Ampel-Koalitionäre immer länger werden, müssen wir für jede Heiterkeit erzeugende Nachricht dankbar…/ mehr

Henryk M. Broder / 05.06.2023 / 12:00 / 39

Vom Saulus zum Raulus

Die Straßenkleber der Letzten Generation wollen das Klima vor dem Kollaps und die Welt vor dem Untergang retten. Gut so! Irgendjemand muss es ja tun.…/ mehr

Henryk M. Broder / 08.01.2021 / 06:00 / 62

Lieber Wendler als Goethe

Es sei immer ein Problem, sagt Dieter Bohlen, einem Bekloppten klarzumachen, "dass er bekloppt ist". Wie richtig er mit dieser Feststellung lag, muss Bohlen spätestens klargeworden…/ mehr

Henryk M. Broder / 24.12.2020 / 15:30 / 12

All I Want for Christmas Is… Jews!

Weihnachten ist zwar ein christliches Fest, hat aber einen ausgesprochen jüdischen Hintergrund. Das schönste Weihnachtsgedicht, "Heilige Nacht", wurde von Erich Mühsam geschrieben, das populärste Weihnachtslied,…/ mehr

Henryk M. Broder / 21.06.2020 / 12:45 / 52

Es ist Zeit für eine Auseinandersetzung mit Otto und dem Rassismus!

Wenn der deutsche Spießer tobt und rast, kann er nur durch den Einsatz einer Armee daran gehindert werden, sein Werk zu vollenden. Egal, ob es…/ mehr

Henryk M. Broder / 22.05.2020 / 13:00 / 16

Ein Schwein für alle! Am Samstag im Literaturcafé in der Fasanenstraße

Nach zwei Monaten Shutdown hat das Café im Literaturhaus in der Fasanenstraße 23 wieder geöffnet. Neben dem Café Buchwald in Moabit eines der letzten richtigen…/ mehr

Henryk M. Broder / 09.02.2020 / 14:30 / 12

Bei Sturm ins Babylon

Sturmtief Sabine ist im Anmarsch. Bundesbahn und Luftansa raten, von Reisen abzusehen und daheim zu bleiben. Allein daheim kann freilich fad sein. Gehen Sie lieber ins…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com