Dieter Prokop, Gastautor / 14.06.2019 / 12:00 / Foto: Martin Kraft / 17 / Seite ausdrucken

Sigmar Gabriel und die Märchentanten

In Dänemark siegte Mette Frederiksens Sozialdemokratie, weil sie in der Migrationspolitik den Welt-ohne-Grenzen-Hype nicht mitmachte. Sie verband eine aktive Sozialpolitik mit einer strikten Beendigung illegaler Migration. Sigmar Gabriel wies seine Partei darauf hin, dass die SPD das gleiche tun müsse, wenn sie wieder Wählerinnen und Wähler finden wolle. Er kommt damit in seiner Partei nicht weit, dort zielen sie auf die quasireligiös bewegten Idealisten. Und über die Wählerinnen und Wähler "populistischer" Parteien hat man weiter die üblichen Erklärungen, das seien alles "Globalisierungsverlierer", "vom sozialen Abstieg bedrohte Mittelschicht" oder einfach nur "frustrierte Leute". 

Dabei lieferte Gabriel schon im letzten Jahr eine bessere Erklärung. Er schrieb:

"Der Aufstieg des rechten wie linken Populismus wird oft als Reaktion auf die Errungenschaften der Moderne begriffen, gewissermaßen als eine Auflehnung gegen den Status quo. Ich wage eine Gegenthese, die auf den ersten Blick kurios wirken mag: Der Rechtspopulismus ist keine Gegenbewegung zur klassischen Moderne, sondern Ausdruck einer Sehnsucht nach dieser Moderne. Mithin ist er eine Gegenbewegung zur Postmoderne, die Ende des letzten Jahrhunderts entstand." ( Sigmar Gabriel 2018: Zeitenwende in der Weltpolitik. Mehr Verantwortung in ungewissen Zeiten. Freiburg, S. 66)

Für Parteistrategen mag das eine zu vernachlässigende Erklärung sein, aber für Alle, die die Welt besser verstehen wollen, ist das von Bedeutung  Denn es geht ja nicht nur um die Migrationspolitik. Es geht um gegensätzliche Formen der Welterfahrung und deren Umsetzung in Politik. Über den Aufstieg der AfD in Deutschland schrieb Gabriel: 

"Unter den Sympathisanten finden sich viele vormals sozialdemokratische Wählerinnen und Wähler. Diversität, Inklusion, Gleichstellung, Political Correctness - all das sind jetzt Zielscheiben der Neuen Rechten. Sie [die Thematiken dieser Zielscheiben] sind im Kern kein Produkt der klassischen Moderne, sondern einer Postmoderne, die zur radikalen Dekonstruktion der Moderne angetreten war, dabei erstaunliche Erfolge feierte  und jetzt Opfer ihres eigenen Erfolgs wird. Auch die Moderne versprach den Menschen Individualität, Vielfalt, Freiheit und Wohlstand, aber geregelt und in Maßen. Das Übermaß und die Radikalität der Postmoderne sind es,, die das Unbehagen [nähren]." (Seite 68, siehe Zitat oben).

Bei der Europawahl 2019 galt das nicht ganz so, denn es gab in Deutschland wenig Abwendungen von der SPD zur AfD. Gewandert wurde zu den Grünen: 1,2 Millionen wanderten zu ihnen von der SPD, 1,1 Millionen von der CDU/CSU. Zur AfD wanderten von der CDU/CSU nur 230.000 und von der SPD nur 20.000 Wählerinnen und Wähler. Aber in Frankreich, Italien, Ungarn, Österreich sieht das anders aus. Und eins ist an der These von Gabriel richtig: Der Trend zu den "rechtspopulistischen" Parteien in Europa hat etwas mit der Postmoderne und der Moderne zu tun. 

Nun möchte man gern verstehen, was "Postmoderne" genauer bedeutet. Was ist "Postmoderne"? Es ist ein relativistischer, subjektivistischer Erfahrungsmodus, der letztlich den Geldtöpfen nachläuft. Und worin besteht das von Gabriel so thematisierte "Übermaß und die Radikalität der Postmoderne"? 

Wissenschaft ist der Wahrheit verpflichtet 

Die "Postmoderne" ist ein Standpunkt, ein "Ansatz" in der Philosophie, der auch andere "Ansätze" beeinflusste wie den Konstruktivismus oder auch die Systemtheorie. Aber er beeinflusste auch die politische Legitimationsproduktion und das politische Handeln. Wo genau das geschieht, erörtere ich hier nicht. Ich möchte nur deutlich machen, dass der postmoderne Erkenntnismodus sich fundamental von dem modernen Erkenntnismodus unterscheidet, wie ihn Demokraten, "mündige Bürger", "mündige Bürgerinnen" von der Politik erwarten. Das zeigt sich an der unterschiedlichen Auffassung davon, was ein "Diskurs" ist.

Wenn die Anhänger der Postmoderne von "Diskurs" reden, meinen sie nicht den rationalen, öffentlichen, folgenreichen Diskurs im Sinn von Habermas, mit dem Zweck, solidarisch über sinnvolle gesamtgesellschaftliche Politiken zu entscheiden. Nach dem postmodernen Glauben ist alles Diskurs: jede "Narration", jede "Erzählung". "Narrationen" müssen offen gegenüber allen Kontexten sein – und alle Kontexte sind endlos. Für den Philosophen, Psychologen und Soziologen Michel Foucault gibt es ebenso viele Universen wie Sätze, und das bedeutet: Eigentlich müsste man alle Kontexte und auch wieder deren Kontexte wiedergeben, beschreiben, in endlosen Narrationen. 

Nun sind jedoch endlose Erzählungen nicht das, was Wissenschaft leisten soll. Wissenschaft ist keine Konversation. Wissenschaft erforscht die empirische Realität und entwirft logisch konsistente, verallgemeinernde Erklärungen. Diese kann man unterschiedlich darstellen, entweder in Fachsprache oder als Erzählung. Man kann, wie Jostein Gaarder in Sophies Welt, Wissenschaft auch erzählen. Doch ist die wissenschaftliche Erzählung stets der sachgerechten Darstellung und der logischen Nachvollziehbarkeit ihrer Verallgemeinerungen und Erklärungen verpflichtet. Wissenschaft ist der Wahrheit verpflichtet. Auch bei Entscheidungen in der Politik werden keine Erzahlungen gebraucht, sondern rationale Argumente, die oft auch durch Experten aus der Wissenschaft fundiert werden müssen. 

Eine als ideal fantasierte Welt

Die Postmodernen – und postmodern denkende Politikerinnen und Politiker – fassen sich jedoch als fabulierende Geschichtenerzähler auf. Sie glauben – mit Michel Foucault –, dass man die Ereignisse von ihrer Einordnung in die Vernunft und in die Geschichte befreien müsse. Eine Erkenntnis, die von inneren Widersprüchen geplagt wird, könne kann nicht mit analytischen Kategorien angegangen werden. Die Postmodernen glauben, dass man allem Einzelnen seine Singularität und damit sein Eigenrecht zurück geben müsse. Damit praktizieren sie einen "glücklichen Positivismus". Bei Foucault gibt es keine Erklärungen, keine Warum-Fragen, sondern nur Beschreibungen. Sie überschreiten damit das ganze Sprachspiel der Rechtfertigung. Foucault drückte das so aus: 

"Die Überschreitung setzt nicht eines dem anderen entgegen, sie will nichts dem Spott ausliefern, sie sucht nicht die Festigkeit der Grundlagen zu erschüttern; sie lässt nicht die andere Seite des Spiegels jenseits der unsichtbaren und unüberschreitbaren Linie aufglänzen. Denn sie ist nicht Gewalt in einer geteilten (in einer ethischen) Welt, sie ist auch nicht Triumph über Grenzen, die sie auslöscht (in einer dialektischen oder revolutionären Welt): Im Innersten der Grenze ermißt sie die unermeßliche Distanz, die sich in ihr auftut, und zeichnet die leuchtende Spur, die das Sein der Grenze ausmacht. Nichts an der Überschreitung ist negativ [...]. Man muß aber von diesem Wort alles fernhalten, was an Einschnitt, Trennung oder Distanz erinnert, und es nur das Sein der Differenz bezeichnen lassen."  (Michel Foucault 1987: Von der Subversion des Wissens. Frankfurt, S. 33, im Original)

Die Grenzüberschreitung in Richtung Differenz – das ist die Quintessenz des postmodernen Glaubens. Aber diese "Überschreitung" in eine als ideal fantasierte Welt, in der es keinen Einschnitt, keine analytische Trennung und keine Distanz gibt – das ist kein Diskurs. Das ist Religion – oder Therapie. Im therapeutischen Gespräch geht es tatsachlich um Erzählungen, um die Tiefenschichten der persönlichen Erfahrung. Und tatsächlich gibt es hierbei unendlich vielfältige Geschichten, die Menschen sich selbst konstruieren. Aber der rationale Diskurs der Wissenschaft muss Grenzen setzen, objektiv begründbare Grenzen gegenüber der subjektiven Erzählung. 

Erzählungen herstellen

Grenzen setzen auch die scheinbar aller "Vielfalt" und allem Leiden aller Menschen aufgeschlossenen Postmodernen. Selbst der geduldigste und aufgeschlossenste Postmoderne kann nicht allen "Geschichten" nachgehen, und deshalb glauben die Postmodernen, "arbiträre Schließungen" – wie der Soziologe Stuart Hall das nannte – vornehmen zu müssen.

"Arbiträre Schließungen" – "Arbiträr" heißt: willkürlich. Und hatte nicht auch der Neo-Pragmatist Richard Rorty gesagt, dass Wissenschaft Erzählungen herstellen müsse, die für politische Zwecke brauchbar oder attraktiv sind? Da alles "Erzählung" ist, und da man nach Auffassung der Postmodernen immer auch "arbiträre Schließungen" vornehmen muss, halten die Postmodernen alle ihre Erzählungen für immer auch politisch. Sie schließen alles aus, was sich nicht nach politischen Zielen, nach denen der Gemeinschaft der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richtet – oder nach denen ihrer Auftraggeber. Es geht den Postmodernen, wie der Philosoph Jacques Lacan das nannte, um eine neue Erkenntnispolitik der Wahrheit. 

Auftraggeber? Unternehmen Wissenschaftler ihre Forschungen nicht im Auftrag der Aufklärung über die realen und universalen Gesetzmäßigkeiten der Natur und der Gesellschaft? Kämpft Wissenschaft nicht gegen Mythen und Ideologien? Produziert sie nicht Wissen, das die Realität und ihre Möglichkeiten darstellt? Darüber können die Postmodernen nur lachen. Schließlich hatte doch der Soziologe Jean Baudrillard längst nachgewiesen, dass wissenschaftliche Aufklärung längst im Sog der "Simulation" verschwunden sei!

Wenn jedoch in Wissenschaft und Politik alles Subjektive legitim ist; wenn also wissenschaftliche Objektivität und empirische Überprüfbarkeit aufgegeben wird – dann richten sich Theorien und Ergebnisse nur noch nach der Mode – und nach den Mächtigen, die über die Geldtöpfe verfügen. Das ist das Problem, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in postmoderner Politik.

Seltsam propagandistisch gefärbte Begriffe

Nun wählen Protestwähler eine Partei nicht, weil sie die Postmoderne als Philosophie kennen und kritisieren. Sie wählen aus Protest, weil sie sich Vorteile versprechen. Schutz vor illegaler Einwanderung ist ein solches konkretes Interesse. Das ist ja keine Glaubensfrage, sondern es geht hierbei um materielle Fragen. Um das Entsetzen über die Milliarden, die die Migrationspolitik kostet und die Frage, woher das Geld kommen soll.

Und konkreter zum Beispiel um die Qualität der Schulbildung der eigenen Kinder, um die Verteilung von Sozialleistungen, Sozialwohnungen und dergleichen. Aber da Wählerinnen und Wähler nicht dumm sind, bemerken sie auch die postmodernen Legitimationen in der Politik. Wenn eine Spitzenpolitikerin das Programm ihrer Partei als "Erzählung" bezeichnet – so als sei sie eine Märchenerzählerin –, dann bemerken das die Leute, und ein Teil der Leute wundert sich, selbst wenn sie von der Philosophie der Postmoderne keine Ahnung haben.  

Und dieser Teil der Bevölkerung merkt auch, dass zum Beispiel "Vielfalt" und "Inklusion" seltsam propagandistisch gefärbte Begriffe sind. Sie bemerken das Interesse mancher Politiker, die Welt nicht objektiv darzustellen, sondern nebulös-gläubig. Also hat Sigmar Gabriel Recht, wenn er auf die Welterfahrungen von Wählern hinweist. Das ist eine bessere Erklärung als überall nur Globalisierungsverlierer, untergehende Mittelschichten und frustrierte Leute zu vermuten. Weil Gabriel die Wählerinnen und Wähler wie Menschen behandelt, die zu kritischem Beobachten und Denken fähig sind. Zumindest jene Vielen, denen Wissen wichtiger ist als Glauben.

Dieter Prokop ist Professor em. für Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Er schrieb das Buch: Europas Wahl zwischen Rhetorik und Realität.

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Marc Blenk / 14.06.2019

Lieber Herr Prokop, wie immer auch dies ein Volltreffer. Das ganze politische Übel unserer Eliten, die sie dem Rest der Gesellschaft aufzwängen wollen, ist, “dass man die Ereignisse von ihrer Einordnung in die Vernunft und in die Geschichte befreien müsse.” Die Herrschaft macht die Medien und die Politik zu einem Kindergarten. Sie bedient sich dem postmodernistischem Ideal des Subjektiven. Aber dies Subjektive kippt auf die Seite totalitärster und von Wissenschaft befreiter politischer vermeintlicher und begründungsloser Objektivität. Das zum Objektiven erklärte, die vermeintliche Tatsache, verlangt das unbedingte Gebot oder Verbot. Politik wird zur Religion und zwar einer fanatischen.

Richard Loewe / 14.06.2019

Als Wissenschaftsphilosoph sehe ich das ganz anders als Herr Prokop: der soziale Konstruktivismus geht so ziemlich vom Gegenteil dessen aus, was Herr Prokop anfuehrt. Keine Narration hat Anspruch auf das Anerkanntwerden, kein Phaenomen hat einen Anspruch in irgendeiner Weise verstanden zu werden. Es gibt keine eine Wahrheit. Und das ist genau das, was heutige Wissenschaftsphilosophen so attraktiv am sozialen Konstruktivismus finden: wenn es keine eine Wahrheit gibt, dann ist Wissenschaft ein freier Diskurs und der wichtigste epistemische Wert ist Bescheidenheit. Ken Gergen hat ein schoenes 45-Minuten-Video auf Youtube (Gergen ist der wichtigste Vertreter des sozialen Konstruktivismus’). Und weil ein anderer Beitrag ueber Hayek schreibt: einfach mal seine Nobelpreisrede lesen; in der wettert er gegen seine Zunft, die einen Wahrheitsanspruch hat und somit die Zivilisation zerstoert.

Marcel Seiler / 14.06.2019

Vielen Dank für diesen grundlegenden Artikel!

Jörg Themlitz / 14.06.2019

@Detlef Fiedler Herr Fiedler, da haben Sie aber bei mir einen Punkt getroffen. Nach einer bla bla bla Antwort des Herrn Brok auf eine konkrete Frage der Moderatorin fragt diese nach und war wohl selbst über ihre Frage überrascht. (...und ich würde jetzt mal vermuten, die arbeitet inzwischen nicht mehr beim DDR Fernsehen 2.0) ´Herr Brok Sie sind jetzt seit 25 Jahren in der EU, wieso haben Sie das in der ganzen Zeit nicht umgesetzt.` ´Ich habe doch dafür gearbeitet, wir haben uns eingesetzt, wir haben uns all die Jahre bemüht…` Es hörte dann irgendwann auf. ...und mir fiel der 13.11.1989 ein: „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“ Seit gestern Abend und dem Statement in den ersten Minuten über die ungeheueren Leistungen der Politiker die vom Volk einfach nicht anerkannt werden von Prof. Harald Lesch, der gern mal seine Meinung um 180° dreht z. B. was die Überbevölkerung betrifft, weiß ich, BB hatte und hat recht. Also jetzt nicht die Blonde aus Frankreich sondern der mit der Brille aus Deutschland.: “Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?” Ich hätte gern weiter zu gehört. Leider hat die Schutzsoftware des Fernsehers abgeschaltet.

Wolfgang Kaufmann / 14.06.2019

Postmoderne heißt offenbar Beliebigkeit. Alles ist erlaubt und die Gesellschaft befindet sich im WhatsApp-Modus. Eine verlockende Vorstellung, statt Bruchrechnen nun Bauchrechnen. Jede Antwort ist erlaubt, Hauptsache sie passt nicht zur Frage. – Wie viel ist Zwei plus Zwei? Drei ist OK und Fünf ist OK; nur bei Vier gibt es einen #aufschrei wegen #vollnazi. Also sparen wir uns das ganze mühsame MINT-Gedöns und lösen Gleichungen per Hashtag und Herzchen. Ab 5:45 wird zurückgetwittert! – Das meinte wahrscheinlich die Theologin der Beliebigkeit, als sie sich darauf freute, unser Zusammenleben täglich neu auszuhandeln. Freilich vergisst sie dabei, dass unsereins nicht über die schärfsten Waffen verfügt. Also rein intellektuell gesehen.

Rolf Lindner / 14.06.2019

Die Zeller Zeitung 773 verballhornt den Subjektivismus der Postmodernen unter der Überschrift “Menschen sind nun mal keine Computer. Rechenergebnisse dürfen nicht verabsolutiert werden”. Bleibt das Problem, dass besonders der Westen Deutschlands, aber nicht nur der, sondern viel zu viele vor allem junge Menschen auf das Geschwurbel der hier postmodern genannten Politiker hereinfallen. Ohne dieses Hereinfallen hätten wir diese Politiker gar nicht und Professor Prokop hätte keinen Anlass, uns hier philosophisch auseinanderzusetzen, dass die Sprüche insbesondere der Grünen und Linken nichts weiter als heiße Luft sind. Trotzdem schön, dass es relativ leicht erscheint, von dieser Seite in die hohlen Blasen der Begriffeklopfer zu stechen. Stechen möchte an dieser Stelle gleich mal in eine solche Blase, die Schäfer-Gümbel heute Morgen erzeugt hat, indem er den Klimafanatismus der Grünen mit der Migrationspolitikkritik der AfD als populistisch gleichgesetzt hat. Man kann das sogar als ein klassisches Beispiel für den Postmodernismus im Sinne Prokops werten. Auf der einen Seite naturwissenschaftsfeindliche Klimahysterie und auf der anderen Seite Fakten und ausreichend Material, die eine gescheiterte Politik belegen. Es ist eben die subjektiv-postmoderne Sicht des TSG.

A. Kehrwald / 14.06.2019

Mag ja alles sein. Nur beweist Gabriel als heutiger Pack-Versteher seine Ekelhaftigkeit genauso wie damals, als er mit dem Begriff als vermeintlicher Nazi-basher noch zu punkten hoffte. Hat er´s heut erst begriffen oder damals eben opportunistisch gehandelt? Eigentlich egal. Selbst wenn heute erst die Erkenntnis kam - wobei dann eigentlich ne Entschuldigung fällig wäre, gab es die? Ich meine nicht - sollte er nun besser schweigen. Als elder statesman, der nix mehr zu verlieren hat wirkt sein Geschwafel nur umso erbärmlicher. Insofern bei Gabriel: Alles beim alten.

W.Mayer / 14.06.2019

Warum komme ich mir immer öfters wie in Mulholland Drive von David Lynch vor? Kaum daß man glaubt einen Zusammenhang erkannt zu haben wird alles ad absurdum geführt. Ob jetzt in der hohen Politik, der Industrie oder den soweiso schon undurchsichtigen Banksümpfen. Wenn ich mich dann mit rauchendem Kopf in meinen privaten Raum zurückziehen will sitzen dort schon Politiker die überlegen ob es überhaupt ein Recht auf Privatsphäre gibt. Da ich keine Haustüre mehr habe sitzt dort auch noch ein Volkswanderer und der Ferseher ist schon lange in Rumänien. Undurchsichtige Strukturen und das “im Kreis rudern” der Politik sind keine vertrauensbildenden Maßnahmen. Wissenschaftler sind hier aber auch kein Teil der Lösung sondern eher ein Teil des Problems. Erst wenn uns Vernunft und Bauchgefühl endgültig weggezüchtet wurde sind wir reif für ein europäisches Großreich. Bis dahin leg ich mich noch quer.

Wolfgang Ezer / 14.06.2019

Das war wirklich ein schöner Artikel. Vielen Dank an den Autoren. Es macht mir Freude , wenn bestimmte , im allgemeinen oft unscharf verwendete Begriffe erhellend beschrieben und analysiert werden.

Fritz kolb / 14.06.2019

Gute Gedanken, Herr Prokop, die sich auch in vielem mit den meinen verbinden. Die Erzählung vom sozialen Hintergrund der AfD-Wähler erscheint mir immer wieder wie das Beratungsergebnis einer Marketingagentur, die damit wirbt, daß Jutebeutel ökologischer als Plastiktüten sind. Nur habe ich mit der Glaubwürdigkeit des von Ihnen zitierten Herrn Gabriel ein ernsthaftes Problem, denke ich doch an dessen Beschimpfung der einfach denkenden Leute als Pack und seinen Stinkefinger gegen Andersdenkende. Die durchaus klug formulierten Sätze, die Sie aus seinem Buch zitieren, erwecken eher den Anschein, daß da ein kluger Ghostwriter am Werk war. Sonst wäre Herr Gabriel zu Zeiten seiner politischen Verantwortung ja auch klug genug gewesen, sich nicht stolz mit einem durchaus damals schon polarisierenden „refugees welcome“ button am Revers zu zeigen. Klugheit und Verstand gibt es halt nicht zu kaufen, nur schlau zu gucken reicht jedenfalls nicht.

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