Stefan Frank / 10.02.2018 / 14:08 / Foto: Screenshot/ARD / 8 / Seite ausdrucken

Die Sendung mit der Maus

Immer wieder wird die ARD-Fernsehsendung „Tagesschau“ wegen ihrer einseitigen Berichterstattung über Israel angeprangert. Kritiker, darunter auch Bundestagsabgeordnete von CDU und SPD, werfen der „Tagesschau“ vor, zu „eskalieren“, zu „betrügen“ und „Propaganda“ zu betreiben und durch verzerrende Filmberichte „dem Hass auf Israel Nahrung“ zu geben. Im Januar 2017 behauptete ein „Tagesschau“-Korrespondent gar, Donald Trump habe „angedeutet“, dass er „möglicherweise die US-Regierung nach Jerusalem verlegen würde“.

Und jetzt das: Die „Tagesschau“-Website tagesschau.de berichtet, dass Israel Ausweisungsbescheide an Afrikaner verteilt habe, die illegal ins Land eingereist waren. Die Überschrift des Artikels lautet: „Flüchtlinge sollen Land verlassen: Israel verteilt Ausweisungsbescheide.“ Das Foto über der Überschrift, das nach Protesten von Lesern ausgewechselt wurde, ging über die ganze Breite der Seite und zeigte dunkelhäutige nackte Männer, in Ketten gelegt und geknebelt. Es trug keine Bildunterschrift.

Zusammen mit der Überschrift entstand, insbesondere bei jenen Lesern, die nur die Überschrift und das Foto wahrgenommen haben, der Eindruck, die israelischen Behörden würden Flüchtlinge behandeln wie früher Sklavenhändler ihre afrikanischen Sklaven. Juden als Sklavenhalter – das ist ein klassisches antisemitisches Klischee und ein Topos, den auch die britische Antijudenaktivistin Jacqueline Walker verbreitet, die gerade auf Einladung der Partei Die Linke in Berlin gastiert. Darauf wies ich die Verantwortlichen von tagesschau.de hin und bat um eine Stellungnahme. Christiane Krogmann, Redaktionsleiterin tagesschau.de, schreibt:

Das von uns verwendete Foto kann nicht singulär betrachtet werden. Wir hatten dieses Foto zur Einordnung nicht nur an die Spitze der Meldung gestellt, sondern ein weiteres Mal im Text verwendet - mit einer Bildunterschrift, die den Zusammenhang deutlich erklärt. Darüber hinaus erhält der User automatisch eine Bildbeschreibung, wenn die Maus über das Bild fährt - auch dadurch wird der Hintergrund des Fotos deutlich (Text: „Eritreische Flüchtlinge demonstrieren am 17.01.2018 in Jerusalem als in Ketten gelegte Sklaven vor dem Knesset Gebäude. Bildquelle: dpa“).

Dennoch konnte durch das Zusammenspiel von Foto und Überschrift ein Eindruck entstehen, den wir bedauern und der auf keinen Fall entstehen sollte. Die Redaktion hat das Foto nach sehr kurzer Zeit noch am selben Nachmittag ausgetauscht. tagesschau.de ging es zu keinem Zeitpunkt um etwas anderes, als nachrichtlich über die Pläne der israelischen Regierung und über Proteste dagegen zu informieren. Jeden Vorwurf antisemitischer Tendenzen bei unserer Berichterstattung weisen wir zurück.“

Man versteht nicht, ob der Eindruck, der angeblich auf keinen Fall entstehen sollte, nun entstehen konnte oder nicht. Und wenn der Eindruck nicht entstehen sollte, dass Israel „eritreische Flüchtlinge“ wie „in Ketten gelegte Sklaven“ behandelt, warum wurde dann für diesen Artikel überhaupt ein Foto einer PR-Aktion ausgewählt, die anstrebte, eben diesen Eindruck zu erwecken?

Um Ausflüchte jedenfalls sind die Verantwortlichen der „Tagesschau“ nie verlegen. Man erinnere sich, wie sie auf die Kritik an einem Beitrag reagierten, in dem Israel vorgeworfen wurde, schuld daran zu sein, dass die arabische Familie Osman im Ort Salfit nicht genug Wasser habe, um Geschirr oder Wäsche zu waschen – die israelische Siedlung Shilo, so die ARD-Aktivisten Markus Rosch und Susanne Glass, bekäme "viel Wasser", während arabische Dörfer wie Salfit "oft leer ausgehen".

Als der als aktuelle Nachricht („Streit um Wasser im Westjordanland“) getarnte "schlecht bis gar nicht recherchierte“ „Tagesschau“-Beitrag von vielen Seiten gerügt wurde, weil israelischen Experten vorsichtshalber gar nicht erst Gelegenheit gegeben worden war, die falsche Behauptung zu berichtigen, antworteten Rosch und Glass, man habe wegen eines „hohen jüdischen Feiertags“ leider keine O-Töne israelischer Experten einholen können und schließlich „der Schnelligkeit den Vorrang gegeben“.

„Tagesschau“-Beiträge über Israel haben immer zwei Teile: Anklage und Verurteilung. Manchmal reichen dazu ein Foto und eine Überschrift.

Foto: Screenshot/ARD

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Leserpost (8)
Martin Landvoigt / 10.02.2018

Ich empfehle dringend, den Links im Text zu folgen. Selbst wenn jene rund 1,5 Jahre alt ist, bleibt der Vorgang monströs. Wir müssen wissen, dass Meinungen in der Regel nicht auf einem sorgfältigen Urteil über die unterschiedlichen Argumente erfolgen, sondern dass Medien ein gewisses Vertrauen haben. Im Besonderen, wenn es sich um öffentlich-rechtliche handelt. Als seien diese im Besonderen zur sorgfältigen Recherche und Neutralität verpflichtet. Was beim Zuschauer hängen bleibt ist, dass sich die Israelis fortwährend Schweinerreien auf dem Rücken der geschundenen Palestinenser leisten würden. Die Realiät ist aber eine andere. Die ARD lässt dafür ungeprüft Propaganda auf die Zuschauer prasseln. Und steter Tropfen höhlt den Stein.

Martin Müller / 10.02.2018

Die Isráelhetze in den deutschen Medien wird immer ungenierter…

Sebastian Laubinger / 10.02.2018

Was mich wirklich stocksauer macht, sind nicht nur diese ständigen Lügen und Diffamierungen der einzigen Demokratie im nahen Osten, sondern auch, dass unsere Regierungsvertreter—allen voran Schulz und Gabriel—sich nicht entblöden, solche Hetzer wie Abbas als “guten Freund” und seine Stürmer-reifen Ausfälle (für die jeder “Dunkeldeutsche” angezeigt und medial hingerichtet würde) als “inspirierend” bezeichnen. Nun, zumindest beim sauberen Herrn Schulz darf man annehmen, dass er bei der letzten Hetzer-Rede nicht mal anwesend war, sondern einfach nur Sitzungsgeld kassierte. Es ist beschämend und macht mich zornig, dass Antisemitismus in bestimmten Parteien absolut salonfähig ist. Nix gelernt aus der Geschichte, aber Kritiker “Nazi” schimpfen. Welch’ Ironie…

Klaus Klinner / 10.02.2018

Ein solcher Fauxpas(?) schürt wesentlich mehr antisemitische Stimmungen,  als einige Glatzen, die meinetwegen ihre Notdurft neben einer Synagoge verrichten. Es soll mir doch niemand erzählen wollen, dass dies im Jahr 2018 keine Absicht ist.

Dolores Winter / 10.02.2018

Über 1.000 Jahre wurden Afrikaner von Muslimen versklavt, deutlich länger und intensiver als von Europäern. Besonders grauenhaft war die Entmannung der Gefangenen, das Verbot sich fortzupflanzen und die Ermordung schwarzer Neugeborener. Deshalb gibt es in muslimischen Ländern -im Gegensatz zu Nord-und Südamerika und der Karibik- keine Nachfahren von schwarzen Sklaven. Es gibt leider nicht den Hauch von Aufklärung diesbezüglich und das Thema wird totgeschwiegen.

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