Vera Lengsfeld / 14.04.2015 / 11:30 / 9 / Seite ausdrucken

Sich wehren lohnt sich!

Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt! Mit diesem holprigen Spruch haben wir uns zu DDR- Zeiten immer wieder mal Mut gemacht. Warum sollte das in der Demokratie anders sein?

Eine offene Gesellschaft ist nicht etwas ein für allemal Gegebenes, sondern sie muss jeden Tag verteidigt werden, gegen ihre Feinde und vor allem ihre falschen Freunde. Es sage keiner, das sei aussichtslos, oder das Establishment, bzw. was dafür gehalten wird, mache eh, was es wolle.  Vorgestern habe ich auf der Achse über meine Ausladung als Eröffnungsrednerin der „Tage für Demokratie und Toleranz“ in Zwickau berichtet.

Womit ich nicht gerechnet habe und wofür ich allen Freunden ganz herzlich danke, ist die überwältigende Unterstützung, die ich erfahren habe.
Innerhalb eines Tages gingen beim Veranstalter über 250 Protestmails ein, die sich für mich einsetzten.

Das hat einiges bewirkt: Die Eröffnungsveranstaltung fand zwar ohne mich statt, aber, wie die Freie Presse berichten musste, war ich allgegenwärtig.

Mein offener Brief wurde an die Teilnehmer verteilt, von Menschen, die ich vorher nicht gekannt habe. Der Bündnisbeirat musste sich zahlreichen Fragen des Publikums stellen. Am interessantesten fand ich die Reaktion vom Sprecher der Grass Lifter, deren Denunziation zu meiner panikartigen Ausladung geführt hat. Er diktierte der anwesenden Presse in den Block, dass er meine Ausladung nicht gewollt hätte, schob also mutig die Verantwortung für das Debakel von sich.

Im Brief der Grass Lifter hatte sich das freilich ganz anders angehört und nach meiner Ausladung haben sie den Beirat für seine „gute Entscheidung“ auf ihrer Homepage gelobt.

Die Oberbürgermeisterin von der SPD , Frau Dr. Findeiß, will sich nun dafür stark machen, dass ich an eine Zwickauer Schule eingeladen werde. In einem Zeitungskommentar wird das Demokratiebündnis aufgefordert, sich zu reformieren.

Das Beste von allen: Der Oberstufenberater einer Schule hat den geplanten Besuch einer Schulkasse bei einer Veranstaltung der Demokratietage abgesagt, mit der Begründung, ein Bündnis, das sich einen solchen Eklat leiste, könne er seinen Schülern nicht zumuten.

Erfolg auf der ganzen Linie? Nicht ganz. Der Bündnisbeirat, der mich ausgeladen hat, schweigt. Er hat nicht den Mut, mit mir zu sprechen und lässt durch einen Sprecher verlauten, er sähe keinen Grund, die Ausladung rückgängig zu machen, oder sich wenigstens bei mir zu entschuldigen. Das werde ich nicht hinnehmen. Wer den Anspruch erhebt, seine Mitmenschen über Demokratie und Toleranz zu belehren, hat zumindest die demokratischen Formen zu wahren. Dazu gehört, dass man sich bei einer Rednerin, die man aus gutem Grund eingeladen, dann aber aus nichtigem Anlass mit einer Ausladung öffentlich desavouiert hat, entschuldigt und sie damit rehabilitiert.

Update:

Inzwischen hat mich der zwickauer Bundestagsabgeordnete Körber nach Zwickau eingeladen. Nur eine halbe Stunde, nachdem seine Pressemitteilung raus war, hat das Bündnis für Demokratie und Toleranz für diese Veranstaltung Werbung auf Twitter gemacht. Das soll wohl so etwas wie eine verdeckte Entschuldigung sein. Vielleicht finden sie bis zum Mai ja den Mut, zu dieser Veranstaltung zu kommen und mir in die Augen zu sehen.

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Leserpost

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Andreas Rochow / 15.04.2015

Wenn man innerhalb von 24 Stunden im öffentlich rechtlichen Fernsehen Leute wie Frau Kahane, Herrn Brähler, Frau Mika und Herrn Christian Ströbele mit ihrer ideologischen Rassismusdefinition gegen das dumme Volk eifern sieht, hat man das Gefühl, dass sich dort etwas verselbständigt hat: Der gebührenfinanzierte Versuch, kritische Stimmen ins Abseits zu stellen. - Wie links dieses ganze Vorhaben ist, erkennt man an der Provenienz seine Aktivisten. Die Nähe zum antikapitalistischen Terror/Blockupy, zur Stasi oder zur ewigen Antifa ist kein Makel, sondern schon moralischer, öffentlich-rechtlicher Adel! Da ist es ermutigend zu hören, dass Sie, liebe Frau Lengsfeld, so viele Unterstützer aktivieren konnten. Ich stelle mir vor, wie aufgeregt die stets schlagbereite Antifa wäre, wenn wir uns eines Tages alle mal - ganz friedlich, versteht sich! - an irgendeinem schönen,  symbolträchtigen Ort treffen würden. Ich denke da an Kreuzberg, den Stadtteil, in dem sich seit gefühlten Jahrzehnten ein bekannter Gutmensch mit einem Kneipen-Direktwahlkampf erfolgreich zum Parlamentarier machen lässt. (Das war Satire!) Der Triumph, den Sie schon jetzt feiern können, ist der, dass Sie nichts dafür tun mussten, um vorzuführen, dass Linke mit Demokratie und Toleranz nichts am Hut haben und nie hatten.

Ulrich Bohl / 15.04.2015

Es ist schön zu erleben, dass es mit ein bisschen Einsatz doch noch gelingt der Demokratie zu ihrem Recht zu verhelfen. Ich freue mich für Frau Lengsfeld.

Thomas Schlosser / 14.04.2015

Was lernen wir daraus…? Dass es sehr wohl Sinn macht, den linken Denunzianten und Gesinnungsschnüfflern entgegenzutreten. Dass diese Meutenfeiglinge zurückzucken, wenn man sich gegen sie solidarisch zusammenschließt, sagt eine Menge über den Charakter dieser Leute aus. Von daher: Gratulation und meinen Respekt, Frau Lengsfeld.

Mandy Globig / 14.04.2015

Ich habe noch nachträglich eine Protestmail nach Zwickau gesandt. Machen Sie weiter so!!!

Anja Krupop / 14.04.2015

Welch’ ein schöner Erfolg, welch’ gute Nachricht, Ich freue mich mit Ihnen, Frau Lengsfeld. Vielleicht helfen Proteste doch und befördern Umdenken? Dem MDR beispielsweise wäre dies auch zu wünschen. In seiner gestrigen Sendung “FAKT ist” zur Flüchtlingsproblematik und der Situation im Ort Trögelitz durfte Frau Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung die Zuschauer über Toleranz und Demokratie aufklären. Als langjährige Mitarbeiterin mit einer fast 800 Seiten umfassenden Akte spitzelte sie unter dem Decknamen Victoria in der DDR erfolgreich für die Stasi(Welt vom 25.09.2007). Vielleicht hätte das Zwickauer Bündnis statt Ihrer diese Dame einladen sollen, das hätte zumindest im allgemeinen Trend gelegen.

Thomas Klingelhöfer / 14.04.2015

Sehr geehrte Frau Lengsfeld, lassen Sie sich nicht entmutigen, couragierte Leute werden benötigt, um den Marsch in die Demokratiesimulation aufzuhalten, die im Bürger nicht mehr den Souverän sieht, sondern nur an einer artgerechten Weidehaltung als steuerliches Nutzvieh interessiert ist. Der Trend zum “Nudging” zeigt die Richtung der Reise klar auf.

Kai Schirmer / 14.04.2015

Da bleibt nur noch zu sagen:“Gut so!”

Bernhard Walter / 14.04.2015

Es ist doch noch nicht alles verloren…die Toleranz und das Gespür der sog. “einfachen” Bürger betreffend, welche auf diesen skandalösen Vorgang instinktiv und in bester demokratischer Weise reagiert haben! Das bestätigt einen doch im Wissen, daß es um die Demokratie und wirklich öffentliche Meinung in Deutschland gar nicht so schlecht bestellt sein kann!

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